Nächtliches (Montags ist Fototermin)

Der sehr helle Mond treibt zwischen zerrissenen Wolken. Es hat etwas geregnet, die Luft ist frisch und mild.

Ich bin schlaflos, gehe ein wenig die Straße hoch. Die Straßenlaterne zeichnet, zusammen mit dem Mondlicht, Schatten auf den Asphalt.

Veröffentlicht unter Fotografie, Leben, Natur, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Dora zum AchtzehntenVierten: Prinkipessa-Nachwuchs (kleine Beobachtungen)

Ich schaue durchs Küchenfenster hinaus in den hinteren Garten, hinüber zu den Bergausläufern und zur Bucht von Kalamata. Wird es heute Regen geben? Schön wärs!

Dora hockt mir auf der Schulter und hilft mir schauen. Sie ist dann auch die erste, die die Kleinen entdeckt. „Schau mal, die Kleinen!“ schreit sie. „Wo? Wο?“ frage ich aufgeregt zurück. „Ich sehe sie nicht!“

Seit wir aus Athen zurück sind, ist zwar Prinkipessa regelmäßig zur Fütterung erschienen, aber von ihrem Nachwuchs war nichts zu entdecken. Manchmal trafen wir unsere Katzenmama auf dem Nachbargrundstück und vermuteten, dass sie ihre Jungen dorthin getragen hatte.  Nun aber spähe ich hinüber zum Fuß des Jasmin-umrankten Gestänges der Weinlaube. Da regt sich etwas. „Ich geh mal nachschauen!“ flüstert Dora.“Aber vorsichtig!“ fllüstere ich zurück. Wieso flüstern wir eigentlich? Das Fenster ist ja geschlossen und doppelverglast….

Da ist Dora auch schon und leuchtet in das Wurzelgewirr des Jasmins hinein, macht mir Zeichen. Aha, wenn ich recht verstehe, hat sie vier Kleine entdeckt.

Ich kann sie von hier aus nicht sehen, aber ich erahne sie: es wimmelt am Baumstamm hoch, mal blitzt was Weißes, dann etwas Gelbes oder Graues  zwischen den Blättern auf, mal ist es ein Köpfchen mit spitzen Öhrchen, dann ein kleiner beschwanzter Hintern. Ein ganzes Kätzchen bekomme ich nicht vor die Linse, so sehr ich auch lauere.

Wenig später setzt ein leichter  Regen ein. Und es wird still zwischen den Blättern. Wo sie sich wohl vor dem Regen schützen? Auch diese Frage beantwortet sich, als Dora mit Prinkipessa im Hauseingang erscheint. Prinkipessa selbst ist es natürlich, die die Kleinen vor dem Regen schützt.

„Hol du ihr schon mal was zu essen!“ kräht Dora. „ich föhne inzwischen ihr Fell trocken.“

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dora, Erziehung, Fotocollage, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , , | 8 Kommentare

Herrschaft und Freiheit (kata-strophische abc-etüde)

Ich freue mich, dass wieder eine neue abc-etüden-Runde eingeläutet wurde, und diesmal sogar mit Wörtern des Etüden-Begründers Ludwig Zeidler! Christiane hat die Einladung wieder graphisch schön gestaltet, so dass es mir doppelt Spaß macht, mich zu beteiligen.

Hier nun meine erste Etüde in kata-strophischer Manier, sorgfältig illustriert mit Legebild und überblendetem Blumenfoto :

Herrschaft

Der Herrscher sitzt mit güldner Krone

Auf seinem hohen Herrscherthrone

Er überprüft grad die Finanzen

Während am Hofe seine Schranzen

Zweihundert Untertanen prüfen

Ob sie auch recht von Schweiße triefen.

 

Geprüft wird alles sehr akribisch

Egal ob menschlich, ob amphibisch

Kontrolle ist die höchste Pflicht

Denn ohne die regiert sichs nicht..

Weh denen die die Pflicht versäumen

Und gar verschämt von Freiheit träumen!

 

Am Sonntag wünscht er Königskuchen

Den bringen schleunigst zwei Eunuchen

Der erste hat heut großes Glück

Er kriegt vom Kuchen ab ein Stück.

Der zweite wütet und er wollte

Dass schnell der Kopf des Ersten rollte

 

Ach, Herrschaft ist ne große Last

Denn immer heißt es: aufgepasst!

Was tut der Pöbel, was der Adel?

Wie teile ich das Lob, den Tadel?

Kaum schließ ich mal die Augen zu

Und hoffe auf ein Stündchen Ruh

 

Geraten sie sich an die Kehle

Und tun nicht mehr was ich befehle

Es herrscht gleich Chaos, welch ein Graus

Am Hof im Land in jedem Haus

Die Krone, ach, wie wiegt sie schwer

Ach gäbs doch keine Freiheit mehr!

 Freiheit

Mein lieber Herrscher, lass dein Klagen

Lass dich befrein von Herrschaftsplagen

Gib mir die Krone, geh nach Haus

Und ruh dich von der Herrschaft aus!

Die Krone darf im Garten blühn

Und allen Träumern sei verziehn.

 

In Freiheit glänzt erneut das Leben

Wenn jeder das, was ihm gegeben

Als eine Gabe, ein Talent,

Zu mehren strebt, auf das es brennt

Die Herzen wärmt und fröhlich macht

Was hab ich heut zustand gebracht?

 

Was konnte heute ich vollbringen

Was konnt ich dichten, malen, singen

Was trug ich bei? Was wuchs in mir?

Du liebes Leben, danke dir!

Der Königskuchen ist für alle

(Für mich ist er in jedem Falle)!

Veröffentlicht unter Dichtung, Fotografie, Katastrophe, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Politik, Träumen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 20 Kommentare

Umgerührt.

Der Himmel ist heute so dicht und der Tag so lichtlos, dass ich froh bin, dass noch nicht Ostern ist. Am nächsten Sonntag ist es hoffentlich heller. Bis dahin ist Trübnis angesagt.

Eigentlich wollte ich einen großen Spaziergang machen – aber bei der Luft? Kein Windchen rührt die dicke Suppe um. Mir tun schon beim Blick aus dem Fenster die Bronchen weh. Also gucke ich die Fotos der letzten Tage durch, ob sich der Tag damit etwas aufhellen ließe.

Wie wäre es mit den weißen Schwertlilien, die sich wundersam vermehrt haben?

Ich lade die hübschen weiß gewandeten Gestalten zu einem elektronischen Tänzchen ein. Doch sie fühlen sich nur sinnlos umgerührt.

„Hör auf“, beschweren sie sich, „wir Schwertlilien sind das nicht gewohnt! Wenn du unbedingt etwas umrühren willst, dann halte dich an deinen Kaffee!!“

 

Sie haben so recht. Umrühren um des Umrührens willen macht keinen Sinn. Weder die Nachrichten noch das Wetter noch gar die Schwertlilien werden dadurch fröhlicher. Also auf! Beweg dich, sonst wird die äußere Trübnis noch zu einer inneren Trübseligkeit!

Ich wünsche allen hier Mitlesenden einen unbeschwerten Tag!

Veröffentlicht unter Elektronik, Fotografie, Leben, Natur, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 12 Kommentare

Dora zum SiebzehntenVierten: Vollmond-Dichtkunst

Um Mittrnacht stehe ich im Gaten und starre an den Himmel. Graues Gewölk treibt drüber hin, Sand aus der Sahara, gemischt mit in wenig Luftfeuchtigkeit, für Regen reicht es nicht.

„Was starrst du in den Himmel?“ verlangt Dora zu wissen. „Ich warte auf den Mond. Der ist heute Nacht voll, und es wäre doch schade, wenn ich ihn gar nicht zu  sehen bekomme, zumal es ja der Ostermond ist.“ Nach dieser Auskunft starrt auch Dora in den Himmel, vielleicht, dass das Doppelstarren die Wolken ein bisschen flott macht. Und tatsächlich: eine Lichtpfütze entsteht im Grau, vergrößert sich, etwas blitzt zwischen zwei nun erkennbaren Wolkenrändern auf,… und da ist sie, die Schöne: Selene, Mondin.

Ich stehe und spreche leise ein paar Zeilen:

Gelbes Eis
Und grüne Nebel.
Kranke Kallablüten leuchten.
Von den bleichen Bechern rinnet
Goldnes Öl in sanften Strömen.

Warmer Moder,
Nackte Schädel.
Über weiße Marmorwüsten
Fliehen lautlos
Schwarze Schwäne.

„Was ist denn das?“ fragt Dora und schaut mich im Zwielicht der nun wieder mondlosen Nacht misstrauisch an. „Ein Gedicht“, antworte ich, „von einem deutschen Dichter namens Max Dauthendey.“ Ich habe keine Lust, ihr nun einen Vortrag über Dichtkunst zu halten. „Hör es dir noch mal an“, sage ich, und „Nimm es, wie es ist, es sind Bilder. Der Dichter war auch Maler, ist viel herumgekommen. Übrigens war er auch hier auf der Peloponnes. Aber als er dies Gedicht schrieb, war das alles noch nur in seinem Kopf, er hatte es noch nicht gesehen. Merkwürdig, aber mir scheint, er hat in diesem Gedicht sein ganzes Leben komprimiert. Lang war das eh nicht, dauerte nur einundfünfzig Jahre. Die letzten Jahre war er auf Java interniert, die Briten ließen ihn nicht weg, weil Krieg herrschte und er Deutscher war.“  – „Java?“ fragt Dora. Ich seufze. „Ja, Java, auf der anderen Seite der Erde. Da ist die Sonne bereits aufgegangen und die paar Christen dort feiern jetzt Ostern und die Auferstehung. Für die anderen herrscht jetzt Ramadan.“  – „Und was herrscht bei uns?“ fragt jetzt Dora. „Schlechtwetter“, gebe ich mürrisch zur Antwort.

Aber genau da tritt der Mond noch einmal duch die Wolken. Diesmal knipse ich mit Blitzlicht in der Hoffnung, dass das Foto dann fröhlicher wirkt.

Bingo! zumal Dora beim Leuchten nachhilft und dazu einen Singsang anstimmt, der mir zu Herzen geht. Dora – eine Dichterin?

weißes ei

und blaue nebel.

rund der Mond am himmel leuchtet

von der bleichen mondesscheibe

rinnt die fruchtbarkeit zur erde.

 

warmer moder

nackte Leiber.

über weiß bestrahlte meere

fliegen lautlos

wolkenschwäne

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Dichtung, Dora, Erziehung, Feiern, Fotocollage, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Vom Meere | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 7 Kommentare

Osterreimerei. Eine abc-etüde

Noch schnell eine kleine Oster-Reimerei zu Christianes etüden, die diesmal mit Wörtern von Katha-kritzelt zu erstellen waren.

Ostern hier und Ostern da

Wenn die Vögel tirilieren

 Und die Lüfte

Samt der Düfte

Dir in deiner Schnuppernase,

Du mein allerliebster Hase,

Sanft und wonniglich vibrieren,

Dann ist auf Erden Osterzeit…

 

Jedenfalls und insoweit,

Als die Christenheit im Westen

Den Kalender

Der Abendländer

So verändert und gestaltet,

Dass der Orient veraltet

Erscheint nun auch bei seinen Festen.

*

Stets war Rom darauf bedacht,

Den Erzählstoff, der

 Vom Oriente her

In den Westen ward getragen,

So dass er in unsren Tagen

Unsere Herzen fröhlich macht,

Seinem Urteil unterliege

Und der Osten sich dem füge.

*

Doch das ist Rom nicht ganz gelungen

Ostern ist tabu,

lasst Ostern ja in Ruh!

So rufen die östlichen Christen

Weil sie es wahrlich wüssten.

Die Liturgie nach dem Kalender

Der alten Christus-gläubgen Länder

Wird heute nicht gesungen!

Ja, wann?

In einer Woche dann

Sind wir dann dran.

 

Euch Feiernden wünsche ich: Frohe Ostereier! Oder was immer euch dies Fest bedeutet.

Bild 3 adiaforia

 

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Geschichte, Katastrophe, Meine Kunst, Natur, Politik, Tiere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , | 11 Kommentare

Dora zum SechzehntenVierten: Knabenkraut (kleine Beobachtungen)

Dora ist bekanntlich neugierig. Neuerdings ist sie auch wissbegierig, was durchaus nicht dasselbe ist. während mir ihre Neugierde viele witzige Momente beschert, beschert mir ihre Wissbegierde entsprechend viele peinliche Momente. So auch heute, alls sie bei einer Ansammlung kegelförmiger Blütenstände stehen bleibt und wissen verlangt, wie man die nennt.

„Ich glaube, das sind Knabenkräuter“, sage ich unsicher. „Wieso? Was haben die Knaben damit zu tun?“ „Die Knaben?“ Ich stutze. Ja, wieso eigentlich… Man nennt sie ja auch Orchideen, und darin stεckt das griechische ορχής – zu deutsch Hoden. Zweifelnd betrachte ich den Blütenstand, vor dem sich Dora aufgestellt hat, um ihn zu beleuchten.

Haarig ist das Ding und geschlossen, behält seine Geheimnisse für sich. Im Gras daneben eine Blüte. Ist das nun eine Knabenkrautblüte oder wie? „Ich nehme an, dass ist die Blüte“, sage ich auf Doras Frage hin. „Sie ist ja auch haarig, und die Farbe passt“.

Zu Hause schaue ich dann heimlich im internet nach, damit Dora mich nicht wieder „αδιάβαστα“ adiabasta / unbelesen erwischt. Aha, so also. Orchideen (von orchis, Hoden), auch Knabenkraut, heißen sie, weil sie zwei Wurzelknöllchen haben.  Recht viel Sprachwitz haben die Botaniker beim Benennen von Pflanzen bewiesen.

Aber sind das nun ein Knabenkräuter? Oder was sonst?

Veröffentlicht unter Dora, Erziehung, Fotocollage, Fotografie, Mythologie, Natur | Verschlagwortet mit , , | 6 Kommentare

Dora zum FünfzehntenVierten: Mauerbiene (kleine Beobachtungen)

Heute besuchte ich mit Dora die Mergelwand, die, so sagten mir die Insektenkundigen unter euch, von Mauerbienen bewohnt wird. Bei meiner Ankunft – es war etwa ein Uhr mittags und sehr bedeckt – herrscht völlige Ruhe. Kein Summen und Brummen, so sehr ich auch lausche. Ein bisschen warte ich, fotografiere auch ein paar der Löcher, die mit einem weißlichen Stoff teilweise zugekleistert sind, und will grad ein wenig enttäuscht weiterwandern….

da schreit Dora „Aufgepasst!“  Tatsächlich kreuzt eine Biene auf, saust mit ziemlichem Getöse über die Löcher, mal hier, mal dort hin…

so als wolle sie eventuelle Beobachter in die Irre führen, und verschwindet dann blitzschnell in einem Loch.

Hier noch mal der Anflug der Biene mit Dora, die ihr mit „Psst!“ und „Hier gehts lang“ beim Finden des richtigen Lochs behilflich ist.

Und hier beleuchtet Dora das Nest mit ihrer Latüchte, damit du siehst, dass sie die Biene richtig geleitet hat.

Veröffentlicht unter Collage, Dora, Fotocollage, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Meine Kunst, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , , | 14 Kommentare

Glasscherben-Legebilder: Mein Engel und ich

Wieder in der Mani, gehe ich als erstes in mein Atelier und lege ein Bild mit den schwarz eingefärbten Scherben. Heute wurde es „Mein Engel und ich“ in zwei Versionen. Der erste Engel ist, finde ich, anspruchsvoller, fordernder und strenger, viellleeicht auch aufgeweckter als der zweite, der auf mich gemütlich-feundlich wirkt wie eine wohlwollende etwas beleibte Freundin  Dabei habe ich nur Brust- und Kopf-Scherbe ausgetauscht. Aber was heißt schon „nur“? Wenn ich bei mir selbst Kopf und Herz vertausche, ist das Resultat ja auch ziemlich anders.

Welcher Engel würde dir mehr behagen?

Veröffentlicht unter Glasscherbenspiel, kleine Beobachtungen, Kunst, Legearbeiten, Meine Kunst | Verschlagwortet mit , , | 13 Kommentare

Dora zumVierzehntenVierten: Unterwegs

Wir fuhren heute von Athen zurück in die Mani. Machten unterwegs auch Halt bei der Taverne im Nirgendwo von Arkadien – seit Jahren tun wir das. Jetzt dürfen wir wieder.

Als wir essen, nähert sich vorsichtig eine Hündin, braun-weiß gefleckt ist sie, und sieht uns mit traurigem Hundeblick an. In den Garten darf sie nicht – ihr eingeklemmter Schwanz beweist, dass sie es dennoch bisweilen versucht hat. Ich tauche Brotbrocken in Öl und trage sie um die Ecke, sie folgt mir, frisst, leckt sich das Maul. Schaut mich mit schief gelegtem Kopf und leicht tränenden Augen an. Leckt sich das Maul. Wo dies war, muss es doch noch mehr geben.

Mit Tito war ich sehr oft hier. Schon bevor die Autobahn gebaut wurde und in Zeiten, als hier noch der Hauptverkehr vorbei ging. Immer machten wir hier einen Halt, und Tito, glückselig, dem Auto entkommen zu sein, freute sich auf einen Spaziergang die Landstraße hinauf und durch verwilderte Wiesen zurück.

Als ich heute eben diese Landstraße entlang wandere, ist mir, als laufe Tito vor mir her. Ich rede ein bisschen mit ihm: „Weißt du noch, als du… “

Dora hört sich das eine Weile mit an, unterbricht mich dann ungeduldig. „Tito ist nicht mehr. Dafür hast du nun mich! Kannst du mir mal bitte sagen, was du an dieser Gegend findest?“

Ja, was finde ich an dieser Gegend? Reizvoll ist sie nicht- weder volle Natur noch eine richtige Ortschaft, alles wirkt verwahrlost, ärmlich: Stallungen, halb fertige oder bereits wieder verlassene Gebäude,  Starkstrommasten queren die vor einigen Jahren abgebrannten Hügel, auf denen ein paar verwilderte Obstbäume nun weiße Blüten tragen. Gegenüber ein hoher breiter Hügel wie ein Grab, es gibt dort Altertümer, der Ort Asea war in der Antike bekannt. Ich hab vor Jahren mal versucht, den Hügel zu erklimmen, aber er ist voll Gestrüpp und kaum zugänglich. Nein, besonders schön ist der Ort nicht, ein wenig erinnert er mich an Jarmushs Filmtitel: „Stranger than Paradise“. In Athen haben wir ein Plakat an der Wand, das zeigt eine Szene mit dem (griechischen) Titel: „Viel kann passieren inmitten des Nirgendwo.“  Ja, so ist es hier, so empfinde ich diese Menschen, die Wirtin, die aus den USA kam und hängen blieb, verwitwete, eine bildschöne Tochter hat sie…und die Bauern, Männer in Jägerhosen, sie sprechen über die Fußball-Liga-Spiele, die braun-weiß-gefleckte herrenlose Hündin und der Schwarze, der sich dazugesellt, das eine Bein gebrochen, ein uraltes Auto, dem die Batterie leergelaufen ist – die wird nun mit einem Überleitungskabel aufgeladen…

„Und?“ fragt Dora. „Ich weiß nicht“, antworte ich. „Irgendwie mag ich so Gegenden, die wirken, als sei die Zivilisation an ihr Ende gekommen. Es gibt da ein Buch, das ich sehr mag, ist von einem Österreicher, Ransmayr heißt er, und das Buch heißt „Die letzte Welt“. Da gibt es solche Gegend, Tomis am Schwarzen Meer, wo der römische Dichter Ovid hinverbannt wird….Da gibt es einen uralten Überlandbus und ein Kino auf Rädern und einen Maulbeerbaum, der seine Früchte in den Schnee fallen lässt, so dass er sich blutot färbt…. “

„Ich glaub, du hast nen Schatten!“ holt mich Dora in die Gegenwart zurück. „Guck mal, eine ganze Wiese mit Bethlehemblumen. Die magst du doch so gern.“

Wahrhaftig! Und daneben eine Wiese mit roten Anemonen, und die weiß blühenden Obstbäume …

und der kleine Pinienwald am Fuße der Kirche … Ich atme tief durch. Schön ist es hier, in dieser Frühlingswelt. „Tito ist nicht mehr hier“, sage ich. „Aber dafür habe ich jetzt ja dich,  kleine Dora“.

 

 

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Dora, Fotocollage, Fotografie, Leben, Natur, Reisen, Umwelt | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 8 Kommentare