Osterreimerei. Eine abc-etüde

Noch schnell eine kleine Oster-Reimerei zu Christianes etüden, die diesmal mit Wörtern von Katha-kritzelt zu erstellen waren.

Ostern hier und Ostern da

Wenn die Vögel tirilieren

 Und die Lüfte

Samt der Düfte

Dir in deiner Schnuppernase,

Du mein allerliebster Hase,

Sanft und wonniglich vibrieren,

Dann ist auf Erden Osterzeit…

 

Jedenfalls und insoweit,

Als die Christenheit im Westen

Den Kalender

Der Abendländer

So verändert und gestaltet,

Dass der Orient veraltet

Erscheint nun auch bei seinen Festen.

*

Stets war Rom darauf bedacht,

Den Erzählstoff, der

 Vom Oriente her

In den Westen ward getragen,

So dass er in unsren Tagen

Unsere Herzen fröhlich macht,

Seinem Urteil unterliege

Und der Osten sich dem füge.

*

Doch das ist Rom nicht ganz gelungen

Ostern ist tabu,

lasst Ostern ja in Ruh!

So rufen die östlichen Christen

Weil sie es wahrlich wüssten.

Die Liturgie nach dem Kalender

Der alten Christus-gläubgen Länder

Wird heute nicht gesungen!

Ja, wann?

In einer Woche dann

Sind wir dann dran.

 

Euch Feiernden wünsche ich: Frohe Ostereier! Oder was immer euch dies Fest bedeutet.

Bild 3 adiaforia

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter alte Kulturen, Geschichte, Katastrophe, Meine Kunst, Natur, Politik, Tiere, Zeichnung abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Osterreimerei. Eine abc-etüde

  1. linienspiel schreibt:

    Ein wunderbares literarisches Osterei hast du ausgebrütet! Und dazu die tollen Bilder – dankeschön!

    Gefällt 1 Person

  2. Christiane schreibt:

    Weißt du, liebe Gerda, ich verstehe das nicht: Warum muss es immer wieder so eine Sache von Macht, von Rechthaberei sein – und das Thema ist ja nun alt. Die Westkirche feiert Ostern zu einem anderen Datum als die Ostkirche. Aber grundsätzlich, im Kern, feiern wir doch das gleiche Fest, oder nicht? Die Ostkirche macht es so, die Westkirche anders, so what? Warum feiern wir nicht die bunte Vielfalt der Ausdrucksformen? 🤔😉
    Mir ist klar, dass es so ist, aber ich werde das nie verstehen, warum das so ein Problem ist, in so vielen anderen Dingen auch nicht. Wobei das nicht stimmt, es sagt etwas über mich aus, dass ich den Kern versuche zu begreifen, wo andere am Buchstaben kleben, und mir ist klar, dass beides seine Berechtigung hat – und Vor- und Nachteile. 🤔😉👍
    Vollmondgrüße, gute Nacht, und danke für die späte Etüde 😀🌕🧡🍷🍪👍

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Ja, Christiane, es ist eine alte Geschichte. Und es geht um Macht, um Auslegung, Definitionsgewalt, darum, wessen Narrativ die Welt beherrscht. Immer geht es darum: in der Politik, der Geschichtsschreibung, den Religionen, Weltanschauungen, Leitbildern…. wir erleben es ja auch in der Gegenwart: was ist Wissenschaft? Welche Experten haben recht? Welche Kriegsgründe sind berechtigt?welche verwerflich? .
      Im speziellen Fall geht es um den Anspruch Roms auf das Alleinvertretungsrecht.in Fragen des christlichen Dogmas. Bereits im 4. Jahrhundert sorgte Rom für eine Übersetzung der Evangelien aus dem Griechischen ins Lateinische (die Vulgata), die dann tausend Jahre lang nicht weiter übersetzt werden durfte. (Erst Luther machte damit Schluss). Warum das geschah? Aus Herrschaftsgründen, aber auch, um dem Geist der griechischen Philosophie Tor und Tür zu versperren. Nicht mehr der Logos, sondern die Ratio steht nun am Anfang der Weltenerschaffung (bei Luther wurde die Ratio dann zum „Wort“). Die Kirche Roms maßte sich an, die Vertretung Gottes auf Erden zu sein, sie war die unersetzliche weil einzig legitime Mittlerin wischen Gott und der Menschheit.Und die einzige legitime Sprache war das Lateinische.
      Die Kalenderreform des Papstes Gregor XIII, 1582, machte Schluss mit dem Julianischen Kalender, der zu Christi Geburt galt (Julius Cäsar war dafür verantwortlich, daher auch der Monat Juli, korrigiert durch Augustus, der für sich den nächsten Monat beanspruchte – beide 31 Tage lang).
      Im Osten konnte Rom sich mit dem Alleinvertretungs-Anspruch nicht durchsetzen, versuchte es allerdings immer wieder auch mit kriegerischen Mitteln. (Konstantinopel wurde durch katholische Kreuzfahrer ausgeraubt und fast ganz zerstört). Sie versuchte es auch mit Tricks, wie der „Unierten Kirche“, die äußerllich wie die orthodoxe aussieht, aber papistisch ist. Schließlich gab die griechisch-orthodoxe Kirche in der Datierung des festen Weihnachstages nach, nicht aber im beweglichen Osterfest. (die russisch-orthodoxe Kirche feiert auch das Weihnachtsfest nach dem alten julianischen Kalender).

      Ist lang geworden. Aber mir liegt daran klarzumachen: Es handelt sich nicht um eine Formalie. Rom ist gegenüber dem christlichen Osten immer schon übergriffig gewesen, GENAU WIE DER WESTEN, der meint, als einziger ein Recht auf Auslegung zu haben; was gut und richtig und erlaubt ist. Ich gehe sogarr so weit zu behaupten, dass das gegenwärtige Russland-Bashing wie zuvor schon das Serbien-Bashing von Rom befeuert wird. Die Ukaine ist auch ein kirchlicher Kampfplatz zwischen Rom und Moskau.

      Gefällt 4 Personen

  3. Gisela Benseler schreibt:

    Darin steckt ja wieder viel Stoff (Erzählstoff, Dichtkunst, zeichen- und Druckkunst, Stoff aber auch im Sinne von ungelösten Gegensa5zen, Tradition, Kirchenspaltung u. a. und ein paar Provokationen, damit es wieder etwas aufzuarbeiten gibt.
    Darauf fällt mir z.Zt. keine Antwort ein.
    Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Ostern zu feiern? Ich sehe gerade den vollen „Ostermond“ durchs Fenster scheinen. So hat sich unsere röm.-kath.Kirche den heidnischen Naturfesten angeschossen,, nun mit neuer Deutung.
    Das Auferstehungsfest Jesu Christi von den Toten in der Zeit der Auferstehung der Natur zu feiern, paßt ja auch. Doch der Karfreitag will so gar nicht in diese schöne Zeit passen.

    Gefällt 2 Personen

  4. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.22 | Wortspende von Ludwig Zeidler | Irgendwas ist immer

  5. Ich werde es nie begreifen, liebe Gerda. Wieso sollte Leiden Erlösung bringen? Schmerz bringt es und schmerzen wird es bis zum Ende der Welt.

    Ein Frühlingsfest ist Ostern für mich.
    Dein Hasenbild ist schön österlich, aber Deine Malerei eines Eies ist wundervoll gekonnt und wunderschön, mit leichter Hand formvollendet geschwungen.

    Gefällt 1 Person

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