P wie Prinkipissa und Pauline (Zimmerreise)

2021-07-23 Einladung f. Zimmerreise 08-2021Einen Tag zu spät und thematisch fragwürdig möchte ich noch einen Eintrag zu Puzzleblumes Zimmerreise bringen. Meine vorigen P-Einträge  lieferte ich zu früh, als P noch gar nicht dran war. Dein Blog-Motto, liebe Heide, „Lieber verwirrt als langweilig“ soll mir als Entschuldigung dienen. Die Geschichte, die ich zu erzählen habe, ist auch verworren, und sicher nicht langweilig. Denn sie handelt von Leben und Tod.

Prinkipissa oder auch Prinkipessa – einmal mit Ton auf dem zweiten i, das andere Mal auf dem e der dritten Silbe – kennt ihr, die hier mitlest. Eine Hauskatze ist sie nicht. Wieso also lädt sie zu einer Zimmerreise ein? Weil sie mir erlaubt, euch das Haus von seinen Rändern her vorzustellen.

Trauernde Mama Prinkipissa

Zweimal schon hat Prinkipissa ihre Jungen bei uns aufziehen wollen. Einmal waren es zwei lustige Gelbe (1-3), die gelangten bis zum Zwischenraum zwischen Terrassentür und Vergitterung,  Das nächste Mal sechs Buntgescheckte (4-6), die im Abstellraum unter der Treppe geboren wurden. Was aus den Gelben wurde, weiß ich nicht. Die Buntgescheckten aber fand ich eines frühen Morgens ermordet im Hof, eben dort, wo Prinkipissa ihre Erstgeborenen aufzog und wohin sie mit den Bunten umgezogen war: beim Efeu der Umfassungsmauer.

Ein Kleines fand ich nicht. Und so blieb die vague Hoffnung, es habe vielleicht überlebt.

Gestern abend verhielt sich Prinkipissa, die sonst ganz Schweigsame, merkwürdig. Sie zirpt und ruft zärtlich schnurrend, eilt die Treppe zur Turmterrasse hoch, kommt wieder runter, springt zum vier Meter hoch liegenden Schlafzimmerfenster hoch, schaut vom Fenstersims nach oben, springt runter, versucht es ein zweites Mal, rutscht ab…. Ich frage meinen Mann: „Sag mal, hast du die Tür zum Turmzimmer zugemacht?“ Normalerweise steht sie offen. „Ja“. Ich renne hoch und mache die Tür auf. ….

Am späten Abend sehe ich Prinkipissa im Turmzimmer auf dem kleinen Teppich liegen. Ich freu mich, dass sie zutraulicher wird, gehe leise runter, lese noch ein bisschen … und beschließe schlafen zu gehen. Als ich unter das Moskitonetz auf der Turmterrasse schlüpfen will, murmelt mein Mann, der schon halbwegs schläft: „In der Toilette liegt eine tote Maus.“

Ich eile ins Turmzimmer (keine Prinkipissa in Sicht) und öffne, auf Schllimmes gefasst, die Tür zur angrenzenden Toilette. Da liegt … eine ausgewachsene tote Ratte. Griechen nennen die Ratten gern Mäuse (Pondiki), weil es sich weniger bedrohlich anhört. Außerdem sind die griechischen Ratten, jedenfalls die hier herum, nicht sehr viel größer als Mäuse. Wie dem auch sei: diese war mausetot. Erstaunt und ziemlich geschockt (war sie die 7 m hohe Steinwand hoch und durchs Klofenster reingekommen? und wer hatte sie umgebracht?)  packte ich sie in eine doppelte Plastiktüte, um sie im Müll zu entsorgen.

Warum ist eine tote Ratte eklig, aber eine tote kleine Katze bringt mich zum Weinen? Fragen gibts…

Zwei andere Fragen aber waren vordringlich: wo ist Prinkipissa? Und ist es vielleicht diese Ratte gewesen, die ihre Kleinen ermordete?

Der Clou kommt, wie es sich gehört, zum Schluss: Mein Mann versichert mir am heutigen Morgen, er habe Prinkipissa mit dem sechsten Kleinen unter dem Schrank im Turmzimmer verschwinden sehen. Ich kanns nicht bestätigen, will es aber auch nicht in Frage stellen. Licht wollte ich nicht anmachen. Nein, kein Licht. Und kein zudringliches Nachschauen. Sonst reißt sie womöglich noch aus.

Und so schließt sich vorläufig der Kreis von Katzenwunder – Katzentod – Rattentod – Katzenwunder. Wer will da noch die Weisheit von Mutter Allnatur bezweifeln?

Die Ratte habe ich nicht fotografiert, Beweismittel habe ich also nicht.  Das wiedergefundene sechste Katzenkind Pauline habe ich auch nicht fotografiert, nicht mal selbst gesehen. Aber das Foto werde ich, so meine Hoffnung, bald nachliefern können. Die Turmterrasse, gesehen vom Hof aus, wo sich das Schicksal der fünf Katzenkinder vollendete, kann ich als Zeichnung zeigen.

Rückseite des Hauses mit angestrahlter Turmterrasse, August 2019

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu P wie Prinkipissa und Pauline (Zimmerreise)

  1. Christiane schreibt:

    Normalerweise ist es ein Liebesbeweis, wenn Katzen ihren Menschen Beute mitbringen. Oder sie wollen gelobt werden. Oder beides. Aber das weißt du sicher.
    Dann hoffe ich, dass die Vergabe des Namens das sechste Katzenkind (und die Mutter) am Leben hält und du sie bald sehen darfst! 😁
    Morgenkaffeegrüße 😁🐈☁️☕🍪👍

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  2. Johanna schreibt:

    Ich hoffe mit 🐹

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  3. Karin schreibt:

    Ich auch sooooo sehr!

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  4. Jules van der Ley schreibt:

    Katzencontent der besonderen Art.

    Gefällt 1 Person

  5. Pega Mund schreibt:

    gar nicht verworren, liebe gerda,
    ist diese geschichte, sondern …
    … wundersam!

    ein doppeltes „P“ – das wäre doch zu schön!

    herzlich: pega

    (übrigens, pauline heißt die jüngste in unserer familie. sie ist 20 monate alt und ein wuselnd geschäftiges, meist freundlich strahlendes menschenkind voll ansteckender lebenslust und -freude.)

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  6. puzzleblume schreibt:

    Es wäre wirklich schön, wenn auch mal etwas gut geht. Ich mag die Zeichnung.

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  7. pflanzwas schreibt:

    Und du weißt nicht, wer die kleinen Katzen getötet hat? Was für eine Geschichte. Traurig und ein bißchen hoffnungsvoll.

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  8. pflanzwas schreibt:

    Die Zeichnung ist toll und ja, über die Ratten erzählen wir uns schlimme Geschichten und finden sie eklig, bei unseren geliebten Haustieren ist es andersherum. Wer will schon Rattten im Haus haben, ansonsten fände ich sie wohl auch niedlich.

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