Die Giraffe – eine nonfiktive Einführung ins Giraffengeheimnis (abc-etüde)

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Bevor ich wieder in mondsüchtige Unsinns-Reimerei verfalle …

 

Giraffen kommen selten allein

Meistens sind sie zu zwein und zu drein

Auch vier können’s’ sein

Im Mondenschein….

 

suche ich diesmal nach Informationen. Denn was weiß ich schon über diese Tiere? So gut wie nichts. Ich mache mich ans Googeln, lese und staune. Und bin gerührt und manchmal auch traurig. Was haben sie sich nur dabei gedacht, einen zweieinhalb Meter langen Hals auszubilden? Dabei haben sie gerade mal 7 Halswirbel wie unsereins auch. Dieser lange Hals steht, wenn er ruht, im 55-Grad-Winkel vom Körper ab. Ich bitte euch: wenn er ruht!! Um ihn hängen zu lassen, etwa zum Trinken oder um an niedrigem Gebüsch zu knabbern,  braucht es Muskelkraft! Und wer oder was hält den Hals in seiner höchst ungewöhnlichen Ruhestellung? Eine einzige Sehne, die vom Kopf bis zum Steiß reicht! Hat sie die etwa ausgebildet, damit die Menschen, diese Schlaumeier, sie ihnen rausschneiden, um Bögen und Musikinstrumente damit zu bespannen?

Ausrufezeichen um Ausrufezeichen sind vonnöten, um die extravagante Ausstattung  der Giraffe ins rechte Licht zu rücken. Die Zunge wird, bitte sehr, 50 cm lang! Damit holt sie sich Akazienzweiglein heran, um sie samt Stacheln gemütlich zu zerkauen. Das Giraffen-Baby fällt aus einer Höhe von fast 2 Metern aus dem Mutterleib, in dem es 15 Monate lang friedlich herangewachsen ist! Eine Stunde danach steht es bereits auf seinen wackligen langen Beine, grad hoch genug, um den Euter der Mama zu erreichen!

Und das Schlafverhalten der Giraffe! Also für mich wäre das nichts. 30 Minuten hier, 10 Minuten da, ein bisschen Dösen zwischendurch. Leider haben ihr Wachsamkeit und „weiter Überblick“ (so heißt sie) nicht geholfen, als die modernen Jäger erschienen und sie aus reiner Lust und Dollerei abknallten. Das ist leider wahr und genauso wenig fiktiv, wie alles, was ich hier an Staunenswertem berichtet habe.

 

300 Wörter

2-Phasen-Giraffen-Scherbenlegebild

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Dora zum ZweitenFünften: Olivenblüten für Olivia

Bei uns stehen die Olivenbäume in Blüte. Klein und unscheinbar sind die Blüten, mit bloßem Auge lassen sie sich kaum ausmachen, auch sind sie oft von einer Art wattiger Substanz bedeckt. Wie ich ergoogelte, handelt es sich wohl um die Hinterlassenschaften von Wollläusen („Wollläuse, auch als Schmierläuse bezeichnet, sind ebenfalls eigentlich Nützlinge, da sie Honigtau produzieren und dadurch andere Insekten ernähren. Ist der Olivenbaum von Wollläusen befallen, zeigt sich ein klassisches Bild. -Die Insekten hinterlassen wollartige Gespinste. Ein weißer Belag, der ein wenig an Staubflocken unter dem Bett erinnert, ist immer ein wichtiger Hinweis auf einen Befall mit Schmierläusen.“ nachzulesen hier).

Aber was rede ich! Hier und heute geht es überhaupt nicht um Wollläuse oder andere Schädlinge! Hier und heute geht es um eine Gabe von Dora für Arnos Olivia, damit sie sich in ihrer neuen Heimat bei Rosen und Co wohlfühlt!

Ich habe Dora nämlich, als wir an den blühenden Olivenbäumen vorbeikamen, von Olivia erzählt, und dass diese Schöne, die in den Pyrenäen heranwuchs, sich nun in nördlicheren Breiten akklimatisieren soll … und muss. Denn was bleibt ihr als displaced person (DP) übrig? Eine andere Erde, ein anderer Himmel!  „Und weit und breit keine Verwandten!“ meint Dora mitfühlend.

„Lass man“, sage ich. „Sie schafft das schon. Andere haben viel Schlimmeres überstanden. Olivia wurde mit viel Liebe empfangen. So gut wie sie hat es so leicht keine DP“. – Dora denkt nach. „Ich will ihr ein Willkommensgeschenk schicken, damit sie sich nicht einsam fühlt und damit sie weiß, dass sie auch hier Freunde hat, die mit ihr fühlen. Per Post vielleicht? Oder kannst du es hier über den Blog expedieren?“

Und schon hängt sie im nächsten Baum und sucht sorgfältig ein besonders schönes Zweiglein aus. „Dieser hier!“ ruft sie und legt es mir in die Hand. Dann nimmt sie die Position von Hermes, dem Götterboten an, lässt das Licht ihrer Latüchte sanft über die Blüten streichen und sagt. „So gehts. Und schreib bitte noch was dazu.“ Das mache ich natürlich gern.

Ab geht die Post!

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Der Lesende (tägliches Zeichnen und Foto-Überblendungen)

Die Skizze vom Zeitungsleser entstand gestern am Gartentisch.

Was außen ist, kann man sehen, jedenfalls andeutungsweise. Doch was liest der Mann? Womit beschäftigt sich sein Geist? Was geht in seinem Inneren vor? Keine Ahnung. Da kam mir die Idee, ich könnte es ja mal mit Überblendungen probieren.

Natürlich handelt es sich dabei nicht um Erforschung, sondern um Projektion: Ich projiziere Inhalte auf die leere Figur. Ich stelle mir zum Beispiel vor: der Mann vermeint,  in einem Straßencafe zu sitzen. Alle anderen Tische sind schon verlassen, der Abend sinkt, das Licht wandert weiter, aber er kann sich nicht von seiner Lektüre lösen. (Foto: Gasse in Kalamata)

Vielleicht aber ist er auch ganz vom Thema erfüllt und mit dem verwachsen, was er gerade liest? Verbrannte Wälder, es fehlt an Feuerwehren, auch das russische Super-Löschflugzeug, das die Insel Euböa letztes Jahr vor der äußersten Zerstörung rettete, wird in diesem Jahr nicht kommen und uns helfen…(Foto: verbrannter Baum)

Mag aber auch sein, er ist innerlich ganz ruhig und klar, erleuchtet vom Violett und schimmernden Weiß der  Schwertlilie, die neben ihm blüht. Nichts von dem Schlimmen, das er womöglich liest, kann ihn berühren. (Foto: blaue Iris)

Bringt das Gelesene Erleuchtung? Hier ist es eine späte Sonne, die Zeitung und Kaffeetasse erhellt wie eine Leselampe. (Foto: Sonne über Berglandschaft)

Es kann sein, dass die Zeitung wie ein Fokus wirkt, in dem die Tagesereignisse gebündelt werden und der bestimmt, wie sich die Aufmerksamkeit des Lesers ausrichtet. Anders wäre es, der Fokus säße im eigenen Herzen.  (Fotos: Pusteblume)

Die zugrunden liegenden Fotos zeigen das Innere einer riesigen Pusteblume, die mir vorkam wie die von Minaretten umgebene Ag. Sofia.

Nun, das sind so Spielereien an einem eingetrübten Ersten Mai …

 

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Mondsüchtige Kata-Strophen (abc-etüde)

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Wenn wunderliche Laffen

und arg verführte Pfaffen

nachts in den Vollmond gaffen

Dann werden sie mondsüchtig.

Doch Menschen die stets tüchtig

Und treu und bieder, züchtig

Die ohne Ehrgeiz schaffen

Für sich kein’n Reichtum raffen

Die keine Kräutlein paffen

Die können nächtens schlafen

Und gleichgesinnt mit Schafen

Früh morgens aufgewacht

 Ihr Tagewerk vollbracht

Zum Stalle freudig eilen

Und nirgends blöd verweilen

Um dumm das Wahrheitspflänzchen

Zu suchen….

….

Hier verließen den Poeten

Seine Sinne,  es verdrehten

Wohlgerüche von Gebeten

Dem armen Tropf

Seinen Kopf.

.

Und des Nachts, total verwirrt

Ist er durch den Wald geirrt.

Nirgends Mondschein, nirgends Pfaffen

Nur langhalsige Giraffen

Knabbern an dem Laub der Bäume

Ach Poete, schlafe, träume!  

Welt ist dunkel, Himmelsräume

Öffnen nachts die weiten Pforten

Tragen dich zu Himmelsorten

Wo die Tische reich mit Worten

Schon gedeckt sind auch für dich

Dorten gibt es sicherlich

Was du brauchst für dein Gedicht.

Hier hinieden findst du’s nicht.

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Dora zum ErstenFünften: Fritzi

Dora hängt jetzt oft bei den Kätzchen rum, was ich durchaus verstehe. Ich hänge ja auch ständig am Fenster rum, um ihnen heimlich bei ihren Spielen zuzusehen. So nah wie Dora kann ich leider nicht rangehen.

Auch Dora ist nicht immer willkommen. „Kannst du uns, BITTE, einen Moment in Ruhe lassen? Als ob ich nicht mit fünf schon genug am Hals hätte!“ höre ich Prinkipessa stöhnen. Dora tänzelt dann tatsächlich ein wenig schuldbewusst davon. Oder ist sie etwa beleidigt?

Sie hockt sich zu mir ans Fenster (nein, sie ist nicht beleidigt), und gemeinsam beobachten wir, wie sich das Kätzchen, das wir bei der Gelegenheit Fritzi taufen, bei seiner Mama einzuschmeicheln versucht.

Aber ach! Prinkipessa hat uns bemerkt. Ihr strenger Blick lässt uns keine andere Wahl, als leise das Fenster zu schließen.

Jedenfalls konnte ich euch nun Fritzi vorstellen. Ob es eine Katze oder ein Kater werden will? Egal. Fritz oder Fritzi – man wird ja sehen.

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Dora zum DreißigstenVierten: Mai-Erwartung

Der Mai liegt in der Luft. Er offenbart sich im Duft von Rosen und blühenden Gräsern, im sausenden Flug der Schwalben, in einer innigen Freude am Sein, die selbst mich alte Nörglerin erfasst.

Gegen Mittag drehe ich eine Runde im Feld hinter dem Supermarkt. Nur ein Grasweg quert ihn. Es ist eine Naturoase im Nirgendwo, wie es sie hier überall gibt.  Im Hintergrund die typische Stadtrandbebauung: Büro-, Schul- und Wohngebäude, Zäune, zerbröckelndes Gemäuer und eine aufgegebene Plantage mit verwilderten verkrüppelten Zitronen- und Orangenbäumen. Auch mit Will.i drehte ich hier meine Runden, wenn mein Mann im Supermarkt einkaufen war  – das Foto ist vom Dezember 2021.

Jetzt stehen wilder Raps, Malven und Hafer übermannshoch und bilden einen Insektendschungel.  Wie zu Hause – denke ich.  Aber das stimmt nicht. „Zu Hause“, das heißt in meiner Kindheitsheimat an der Ostsee, waren die Felder abgegrenzt, da wuchs kein wilder Hafer zwischen den Häusern, die Rapsfelder dehnten sich in klar begrenzten geometrischen gelben Feldern über das hügelige Land bis hin zum Horizont, schwarz-weiße Kühe grasten hinter ordentlichen  Zäunen … Aber der Duft, der war doch derselbe wie jetzt, oder? Und die Bienen summten genauso…

„Warte mal!“ schreit Dora, die zurückgeblieben war. „Ich habe ein Geschenk für dich!“ Noch ein Geschenk? Sie wedelt mit etwas Rotem.

Als sie näher kommt, erkenne ich: es ist Mohn, der jetzt überall prächtig blüht….Mohn blühte auch an den Feldrainen zu Hause, sogar in den Weizenfeldern gab es rote Tupfer, denn so streng wie in den dann folgenden Jahren wurden er und seinesgleichen noch nicht als „Unkraut“ verfolgt und ausgerottet.

Hier darf der Mohn überall sein, denn hier ist alles nachlässiger und ein wenig Ruine, und das ist es, was der Mohn liebt. Der Zementweg, der im vorigen Jahr aus welchem Grund auch immer rund um eine Gruppe von Oliven gebaut und nie vollendet wurde, beginnt bereits, still an seinen Rändern zu bröckeln…., für Dora eine erwünschte Rollerbahn.

Was dem Mohn und Dora recht ist, soll mir billig sein.

 

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Dora zum NeunundzwanzigstenVierten: Wachstum

Dora steht im Blumentopf an der Hauswand, in dem eine Zwiebel wächst. Sie sieht ein bisschen unglücklich aus. „Was machst du denn da?“ frage ich. –  „Ich messe mich“, kommt ihre Antwort. „Ich glaube, ich schrumpfe jeden Tag ein bisschen.“

„Wie kommst du denn auf die Idee?“ staune ich. – „Ich habe mich jeden Tag hier in den Topf gestellt, und jeden Tag ragt die Zwiebel höher über meinen Kopf.“

„Aber klar!“ antworte ich lachend, „die Zwiebel wächst eben“. „Genau! und ich wachse nicht mit, sondern schrumpfe“, kommt prompt Doras Antwort.  „Aber du schrumpfst doch nicht!“ widerspreche ich, frage mich aber sogleich, ob an Doras Aussage nicht doch etwas Wahres ist. Das Jahr schrumpft ja vielleicht tatsächlich. Nicht mal zwei Drittel seiner ursprünglichen Länge sind noch da. Bin jedenfalls ich gewachsen?  Nein, auch nicht. Auch ich schrumpfe. Mein Lebensraum schrumpft, und ich habe ein bisschen meiner „endgültigen“ Größe, die ich mit 17 oder so erreicht hatte, verloren. Nur meine Füße wachsen, wie ich gestern feststellte, als ich mir neue Schuhe kaufte. Oder haben sich die Schuhgrößen verändert und meine Füße blieben sich gleich? Wie dem auch sei….

Zwiebel am 26.4. und am 29.4., zwei Fotos montiert

Ein Mensch wächst, bis er ausgewachsen ist. Eine Zwiebel auch. Der Mond auch. Es kommt ein Moment der erfüllten Form, und schon beginnt die Umkehrung. Das ist das Leben.

Und was passiert, wenn der Mensch ausgewachsen ist? Wächst er dann nicht mehr? Oder wächst er anders? Wächst er an Erfahrung, an Wissen, vielleicht auch an Weisheit? Die Chance dazu hat er jedenfalls.

Die Zeit aber, wenn man sie als Maß und Zahl versteht, wächst nicht. Sie kriecht von morgen zu morgen zu morgen, wie Shakespeare seinen König Macbeth klagen lässt:  „Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow, Creeps in this petty pace from day to day, To the last syllable of recorded time…“

Du aber, kleine Dora, bist ein Jetzt in der Ewigkeit. Und du bist so groß wie gerade dieses Jetzt.

Falls du etwas tiefer über Zeit nachdenken möchtest, so kann ich einen Beitrag empfehlen, den ich heute bei Blütensthaub fand: https://naturlesen.wordpress.com/2022/04/23/sieben-generationen-wie-weit-reicht-unser-einfluss/?wref=pil. Er endet mit der Beschreibung einer Szene an einem Strand von Sri Lanka. Wie groß kann ein Moment sein? Ich zitiere:

Eine junge Frau führte uns „Am Strand gehen“ vor…. Sie wies auf das enorme Alter jedes Sandkorns hin und erklärte, dass die Schichten des feuchten Sandes unter dem trockenen Sand voller kleiner Lebewesen seien, so dass man vorsichtig auftreten müsse, um sie nicht zu töten. Sie fragte ob die Haut das Strahlen der Sonne fühle und wie das Rauschen des Meeres und das Mövengeschrei im Ohr klinge. Ob zu spüren sei, wie der Wind durch die Nase in die Lungenflügel dringt. Sie zeigte, wie es aussehen kann, wenn eine Person so auf dem Sandstrand geht, dass sie ganz und gar präsent ist. Die Kinder ahmten ihr Vorbild hingebungsvoll nach, und sie erklärte uns, dass das einzige Ziel ganz einfach sei: Es gelte, den gegenwärtigen Moment durch das eigene Sein vollkommen aufzunehmen.

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Dreikönigsfest – eine optimistisch-sentimentale abc-etüde

abc.etüden 2022 16+17 | 365tageasatzadayhttps://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/04/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-16-17-22-wortspende-von-ludwig-zeidler/

Dreikönigsfest 2035

Eine optimistisch-sentimentale Etüde mit Notfall-Rezeptur.

Sie konnte sich nur noch vage an den letzten Königskuchen erinnern. Wie war doch noch das Rezept? Das unverwüstliche Oetker-Backbuch stand wie früher auf dem Küchenregal,  nur die rechten Seiten waren angesengt. Ah hier, der Königskuchen! Man nehme….

Mit zitterndem Finger fuhr sie über die Zeilen:
etwas Fett
etwas Weizenmehl
für die Gugelhupfform.

Die Form war noch da. Sie hatte sie eigenhändig aus dem Schutt gezogen.

Und für den Rührteig:
50 g Zitronat (vergiss es) – 300 g Butter oder Margarine (akribisch kratzte sie den Rest Margarine aus der Packung) – 250 g Zucker (ein Esslöffel Zucker sollte wohl reichen), 1 Pck Vanillin-Zucker (vergiss es), 1 g Salz (der Salzstreuer war zum Glück heil geblieben), 5 Eier (o je, ja, Eier brauchte man für den Kuchen), 300 g Weizenmehl … So viel Mehl, und dann auch noch 250 g Rosinen? Davon wagte sie nicht mal zu träumen. Backpulver hatte sie nicht, aber sie hatte ein wenig Pottasche, die sie selbst aus Pflanzen hergestellt hatte.
Sie seufzte und betrachtete stirnrunzelnd die sauber gescheuerte Metallplatte, auf der sie alle verfügbaren Ingredienzien aufgebaut hatte. Mit dem echten Königskuchen würde es auch in diesem Jahr nichts werden. Aber vielleicht könnte sie doch einen Teig zusammenrühren. Dem Rest Weizenmehl könnte sie geschrotetes Korn und zermahlene Kichererbsen beimischen, und statt der Rosinen Apfelschalen verwenden. Holz hatte sie genug gesammelt und der Ofen funktionierte trotz fehlenden Rohrs ganz gut. Rauch und Qualm waren sie ja nun schon lange gewohnt. Und statt der üblichen Tränen würde der Duft eines Kuchens ihrem kleinen Sohn Glückstränen in die Augen treiben. Dass er dann das Stück mit der alten 100-Euro-Münze erhalten würde – dafür würde sie schon sorgen.

Voller Vorfreude machte sie sich an die Arbeit.

in diesem Legebild verwendete ich Schnittreste und Fundstücke von Bruni

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Dora zum AchtundzwanzigstenVierten: Kätzchenglück

Merkwürdigerweise lässt sich Mama Prinkipessa durch Dora überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Dora darf, was sonst niemandem erlaubt ist: mit ihren Kindern spielen. Und das ist, was Dora wirklich kann. Ihre Geschenkbox wird zum Spielball für die Kleinen.

Ihre Latüchte hat sie auf Sparflamme gestellt und beleuchtet die Szenerie gerade so viel, dass ich von weitem Fotos machen kann.

Hier noch mal eine Nahaufnahme. Wie die Kleine wohl heißen mag?

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Tägliches Zeichnen: Schwertlilien vor Rosmarin

Heute abend nahm ich mir vor, die blauen Schwertlilien zu zeichnen. Ich setzte mich vor das Schwertlilienbeet, das sich seinerseits vor einer mit Rosmarin überwucherten Mauer befindet. Die Schwertlilien sind in unterschiedlichem Blühzustand von der Knospe bis hin zum verkrumpelten Rest einer einst prächtigen Blüte.

Drei Anläufe machte ich. Beim ersten Anlauf behandelte ich die Schwertlilien als Plastik und betonte die Hell-Dunkel-Kontraste zwischen den Blumen und dem dunklen Rosmarin. Beim zweiten verzichtete ich weitgehend auf Kontraste und ließ dem Linienspiel freien Lauf.

Beim dritten Anlauf rückte ich meinen Stuhl näher an die Blüten heran, da ich sie im sinkenden Abend nur mehr ungefähr erkennen konnte. Diesmal beachtete ich auch die vor der Mauer durch das Rosmarin gebildeten Strukturen.

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