Eine wahre Geschichte mit den Wörtern der laufenden Etüden-Woche:
In der gestrigen Silvester-Nacht stürmte es heftig, der Regen prasselte und peitschte auf Straßen und Bäume. Was würde aus den Zigeunern werden, dort, auf dem offenen Feld? dachte ich besorgt.
Heute gegen halb vier machte ich mich bei nachlassendem Sturm und Sprühregen auf um nachzuschauen. Auch ein paar Sachen hatte ich zusammengesucht, die ihnen vielleicht bei dem nasskalten Wetter nützlich sein könnten. Ich nahm den Pfad durch das Wäldchen mit den schwarzen, teils verbrannten Winterbäumen. Die Zigeuner waren nicht mehr da, ihre armselige Behausung – vorgestern noch so lebensvoll – lag offen und leer, ein Haufen Gelump.
Nachdenklich zog ich weiter. Nein, mein Herz blutete nicht, ich kannte die Leute ja gar nicht. Ich trauerte ein wenig der Gelegenheit nach, mich einmal mitmenschlich erkenntlich für das eigene Wohlergehen zu zeigen. Denn schließlich: der Erste Januar ist ein besonderer Tag, da ist man gern hilfsbereit und gastfreundlich, schon um das eigene Jahr zu segnen. An einem anderen Ersten Januar durfte ich es sein. Hier aber war nichts zu machen. Wahrscheinlich waren sie weitergezogen. Doch warum hatten sie die Planen und sogar einen Teppich zurückgelassen? Hatte man sie etwa vertrieben?
Zweifelnd wandte ich mich noch einmal um. Da stand er, der Regenbogen, großmächtig, transparent, segnend, tröstend, über ihrem zerbrochenen Zelt. O, sie brauchten meinen Schutz nicht. Ein Größerer wachte über sie.
Dies ist keine abc-Etüde, keine Fiktion. Drum mache ich hier Schluss.
Erster Januar 2019, gegen 4 Uhr nachmittags. Oben: auf dem Gelände Vorres, Maroussi, im Hintergrund die Reste der Roma-Behausung.
Unten: Etwas später beim Weinfeld im Stadtwald: 2 x Blick nach Westen – 1 x Blick nach Osten





























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