Ende Oktober.
Es tagt. Daußen leuchtet der Himmel, das Meer lockt. Komm her zu mir, tauche ein! ruft der Außenraum. Ja, sage ich.
Es dunkelt. Der Innenraum wartet mit Büchern, Stiften, Feuerstelle. Komm her, tauche ein! raunt er. Ja, sage ich.
Ende Oktober.
Es tagt. Daußen leuchtet der Himmel, das Meer lockt. Komm her zu mir, tauche ein! ruft der Außenraum. Ja, sage ich.
Es dunkelt. Der Innenraum wartet mit Büchern, Stiften, Feuerstelle. Komm her, tauche ein! raunt er. Ja, sage ich.
Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, zu dem von ihr vorgeschlagenen Erzähl-Rahmen. „Der Wind …. Die Musik hörte man von weitem“. https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2022/09/02/einladung-zur-impulswerkstatt-september-oktober-2022/
Ein Weh-Gedicht
Der Wind wenn er im Laube wühlet
Es wilder durch die Lüfte wirbelt
Es auch verwirrt und ganz woanders
Darniederwirft auf weiten Wiesen –
Dann wächst ein wunderliches Völkchen
Von Wurmgestalten-Wichtelwesen
Wohl aus dem Grund und will mal wieder
ein winzigkleines Weilchen leben
und wirklich sein statt nur vonwegen.
Weiter werden sie geschwinde
Über unsre Erde wandern
Ohn zu wissen wo, wielange
Wer und was und auch wohin.
„Wartet nur, der Winter nahet
Wird euch dann, ihr welken Blätter
Endlich doch zur Ruhe betten.“
Und vielleicht wird dann ein Wichtel
Euch ein Wiegenliedchen summen
Wird, wer weiß, mit seinen Weisen
Euch umwinden und umbrummen:
„Wiege Woge Wald und Wiese
Wasser Wind und Wolkenflocke
Werdet Eins bis Frühlingsbrise
Euch aus Winterstarre locke“.
Später sagten die Leute: „Ich glaub, da hat wieder wer gefeiert. Die Musik hörte man von weitem„.
Ohne Fleiß kein Preis – weder beim Schach noch beim Billard und natürlich auch nicht beim Zeichnen. Wer meint, Billard, Schach, Zeichnen, Kochen oder was auch immer sei vor allem eine Frage von Talent, ist auf dem Holzweg. Natürlich hat jeder seine Präferenzen, aber damit sich eine Neigung zur Meisterschaft entwickelt, muss man viel Zeit und Geduld investieren. Ich habe schon genug Menschen mit weit größerem Talent als meinem gekannt, die gar nichts draus gemacht haben, und andere mit geringerem Talent, die mich längst hinter sich gelassen haben, weil sie ihre gesamte Energie in eine einzige Sache steckten. Das tat ich selbst nie, denn vieles interessiert mich, und ich mag mich nicht beschränken.
Immerhin habe ich mir zur Aufgabe gesetzt, täglich ein wenig zu zeichnen. Und meistens schaffe ich es auch.
Gestern zeigte ich drei Zeichnungen „Hand mit Springer„, die ich bei Lampenlicht machte.
Heute vormittag setzte ich meine Bemühungen bei Tageslicht fort. Dieses Mal sind es nicht drei unterschiedliche Anläufe, sondern ich arbeitete mich an einem und demselben Blatt ab. Das Motiv Hand mit Springer ließ ich unverändert, doch den Hintergrund gestaltete ich neu, indem ich Teppichmuster und Tischbein hinzufügte und das Ganze zunehmend verdichtete. Ich mag solche Überarbeitungen, denn es geht mir nicht darum, ein vorzeigbares oder gar verkäufliches Ergebnis zu erhalten, sondern hinzuzulernen. Und das kann ich am besten, indem ich verschiedene Möglichkeiten durchprobiere.
Meine aktuellsten Zeichnungen desselben Motivs machte ich mit drei Farben. Und zwar benutzte ich einen grünen, einen roten und einen schwarzen Kugelschreiber, die ich kürzlich kaufte und die noch in der Hülle auf ihren Einsatz warteten. Die Dreifarbigkeit gefällt mir, erlaubte sie mir doch, die leichte Bewegung und die perspektivischen Verschiebungen einzutragen, die auch eine zum Stillhalten verdonnerte rechte Hand nicht vermeiden kann, während die linke sie zeichnet.
299 Wörter
Dies ist ein Beitrag zu Christianes aktuellen abc-etüden mit Worten von Allerlei Gedanken

Ich setze mich, mit Block und Kugelschreiber bewaffnet, auf die Stufen am Hauseingang: Mein anvisiertes Motiv – drei Jungkatzen – hat leider wenig Lust stillzusitzen.
Beim ersten Anlauf stören mich die tiefen Schatten. Also versuche ich es ein zweites Mal mit milderer Beleuchtung.
Besser, aber meine Hand ist zu lang und schmal geworden. Die Perspektive ist eben ziemlich knifflig. Also nehme ich einen dritten Anlauf.
Hm, ja, stimmt so einigermaßen. Doch ist die Hand nun fast so hölzern wie der Springer geworden. Für heute mag es reichen. Gute Nacht, kleines Pferdchen!
„Guck mal der Baum“, kräht Dora, als wir heute mittag an einer Pinie vorbeikommen. Der Anblick ist wirklich köstlich, denn eine Bougainvillea hat den hochragenden Baum erobert und lässt ihre roten Scheinblüten hinaus in den knallblauen Himmel strahlen.
„Den kenne ich, komme ja jede Woche hier vorbei!“ antworte ich und fahre stur weiter.
„Du kennst ihn, aber kennen deine Leser und Leserinnen ihn? Willst du ihn ihnen nicht mal vorstellen? Schließlich möchten die auch mal was Hübsches sehen!“ insistiert Dora.
„Schließlich möchten die auch mal was Hübsches sehen!“ äffe ich Dora schmunzelnd nach. „Als ob sie mich dafür bräuchten! Überall in der Welt gibt es Hübsches zu sehen, kleine Dora!“ Aber ich tue ihr den Gefallen und halte an.
Dora springt eiligst aus dem Wagen und baut sich wichtigtuerisch neben dem Baum auf. „Damit deine Leserinnen und Leser sehen, wie groß der Baum ist!“ kräht sie. Ha! Natürlich, Dora als Maßstab der Dinge. Dabei will sie nur mit aufs Bild. Und warum? Um euch von da aus ein fröhliches „Guten Abend!“ zuzurufen.
Da schließe ich mich doch gerne an: Guten Abend allseits!

Myriades „Impulswerkstatt“ gleicht ein wenig dem Billardspiel – so könnte man argumentieren. Ich gehe in einer 300-Wort-Etüde „allerlei Gedanken“ in diese Richtung nach. Vielleicht stoße ich damit andere Gedanken an, die weiterrollen auf mir unbekannte Ziele zu.

Der Fuchs und sein Schatten
Von Billard habe ich wenig Ahnung. Noch nie habe ich sinnend an einem der grün bezogenen Tische gestanden, den Queue in der Hand, vor mir die weiße Kugel und das magische Dreieck der bunten Kugeln, darin verborgen die schwarze, die als letzte zu spielen ist. Würde ich mich entschließen, die weiße anzustoßen – was würde geschehen? Würde sie wild über die Bande schießen oder müde vor sich hinrollen, nicht wissend, wie ihr geschah? Würde sie in das Dreieck der Kugeln fahren wie der Fuchs in die Hühnerschar, so dass sie entsetzt auseinander stöben, um sich zu retten?
Wie anders geht ein professioneller Spieler vor! Er wägt den Queue in seiner Hand, während er vor seinem geistigen Auge geometrische Linien und Anspielwinkel entwirft, setzt die Spitze des Queue leicht auf die Spielfläche, stößt wohlbedacht und lässt seine Kugel so in den wartenden Kugelhaufen fahren, dass eine zuvor bestimmte ins Rollen kommt, sich um sich selbst drehend eine feine Kurve beschreibt, eine andere Kugel, die ihr im vorgesehenen Winkel in die Bahn rollt, anstößt, so dass diese ruhig und schicksalsergeben in der Tasche verschwindet.
Was gäbe ich darum, könnte ich mein assoziatives Denken so beherrschen wie der Billardspieler sein Spiel! Ich sähe etwa eines von Myriades aktuellen Impulsfotos, sagen wir das mit der Brücke. Mit großer Sicherheit würde mein Auge die Elemente – grauer Tag, schwarzes Geländer, Oberleitungen, eilende Männer, eilende Frau in Gegenrichtung, Heiligenfigur mit Glühlampenkranz –, ihre Stellung zu einander und das geheime Ziel der Figuren erkennen, die an diesem trüben Tag über eine Wiener Brücke treiben. Stattdessen stößt das Wort „Brücke“ assoziativ Brückenbilder – früher gesehene und gestaltete – an, die Heiligenfigur, der graue Himmel und “Wien“ öffnen andere lange stillliegende Bedeutungshöfe, … und meine Gedanken stieben wie besagte Hühner in verschiedene Richtungen davon. Der Fuchs hat das Nachsehen.

Der Schatten und sein Fuchs

Einladung zur Impulswerkstatt September-Oktober 2022
Am Vormittag streife ich durch den Garten, auf der Suche nach einem besonderen Fotomotiv. Denn Montags ist Fototermin, da muss schon etwas Besonderes passieren. Der weiße Rosenbusch hat schmächtige Herbstblüten, daneben die hübschen Hagebutten, Früchte der Sommerrosen …Die vertrockneten Blüten der Lilie … die rote Hibiskusblüte, die in der Sonne aufleuchtet …
Schön ist das alles, aber der Kick fehlt. Da höre ich Dora vom anderen Ende des Gartens her krähen: „Ich glaub, ich hab was für dich!“ Ich eile zu ihr und bin enttäuscht. „Ein welkes Blatt! Dafür hast du mich gerufen?“ – „Richtig hingucken musst du schon!“ flötet Dora. „Siehst du nicht die langen Beine und die Knopfaugen?“
Und tatsächlich! Es ist ein αλλογάκι της Παναγιας (Pferdchen der Allerheiligsten), zu deutsch eine Gottesanbeterin, und offiziell eine mantis religiosa (Prophetin). Aufgeschreckt durch Doras Gehopse auf den dünnen Zweigen der Kletterrose setzt sie sich vorsichtig, sehr vorsichtig, auf den langen Beinen balanzierend, in Bewegung.
Leicht indigniert betrachtet das Pferdchen der Allerheiligsten Dora, die unaufhörlich „Hü und Hott“ schreit, um es anzutreiben. „Wozu sollte ich eilen?“ fragt es mit unhörbarer Stimme. „Der Sommer hat ein Ende gefunden, und auch ich muss jetzt scheiden. Wozu sollte ich eilen?“
„Eile auch du nicht“, fügt das Pferdchen hinzu, „Es bringt keinen Vorteil, birgt aber viele Gefahren. Eile auch du nicht.“
Dora hört’s und legt ihr Köpfchen schief. „Warum sagst du immer alles doppelt?“ – „Warum nicht doppelt?“ antwortet das Pferdchen. „doppelt sind die Augen, doppelt die Fühler, doppelt ist jedes meiner Beine, eins rechts, eins links. Warum nicht doppelt? Wie heißt du überhaupt? Und darum schlenkerst du mit deiner Leuchte, dass mir ganz schwindlig im Kopf wird? Wie heißt du überhaupt?“ –
„Dora heiße ich“ wispert Dora leicht eingeschüchtert. „Ich heiße Dora!“
Roland (Royusch) fragt nach Herbst-Tätigkeiten. Nur ein Foto ist gestattet. Ich wählte ein frühes Stillleben mit Äpfeln, das ich Cezannes Apfelstillleben nachempfunden habe. Nun aber zwickt und zwackt es mich, weil so viele andere Möglichkeiten ausgeschlossen wurden. Das alte Problem: der Möglichkeiten sind unzählige, die Realisierung ist nur eine.
Robert Musil hat im Mann ohne Eigenschaften eine ganze Philosophie über den Möglicheitssinn entwickelt: Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, „muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehen; und wenn man ihm von irgendetwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein.“
Unbedingt hätte anstatt des Apfelbildes auch ein anderes meinen Beitrag zu Royuschs Herbst-Challange schmücken können. Ich hätte zum Beispiel statt der Äpfel ein vertrocknetes Ohr des Feigenkaktus aufsammeln können, das ich nicht zeichnete, sondern auf einem Stuhl platzierte, um es zu fotografieren, um es dann am Computer mit einer naiven Landschaft zu bereichern. Wäre das nicht auch ein schöner Beitrag zum Thema gewesen? Nur so, als Beispiel.