Die Schlafwandler: weitere Bildvorschläge zu Pong 062

Heute spielte ich noch ein wenig mit dem Thema „Schlafwandler“, denn es beschäftigt mich. Vielleicht kennst du die Trilogie von Hermann Broch: „Die Schafwandler“, die ab 1930 veröffentlicht wurde? War mal einer meiner Lieblings-Autoren. Oder das neuere Buch von Christofer Clark „Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog“ (deutsch 2013)?

Das schlafwandlerische Gehen und Tänzeln ist ja an sich durchaus liebenswert, wenn auch etwas gefährlich, doch wenn es die politische Sphäre beherrscht, ist das Schlimmste zu befürchten. Da rennen dann wir Menschen mit weit aufgerissenen Augen, dennoch nichts sehend, wie die Lemminge auf den Abgrund zu. Manchmal meinen wir, in der Ferne ein helles Licht erstrahlen zu sehen, nach dem sich unser Herz sehnt. Wir folgen einer Vision von Reich und Macht und Herrlichkeit, die uns erlösen wird aus der Dumpfheit und Mühsal des Alltags. Manchmal ist es auch nur der Herdentrieb, der uns mit sich reißt.

Hier zunächst das ganze Bild, von dem ich den Ausschnitt rechts obere 2/3  für den gestrigen Pong 062 wählte. Mit schlafwandlerischer Sicherheit folgen sie ihrem inneren Sehnen, hinauf zu den Sternen, ohne der Gassen zu achten. Versteckte Uhren ticken.

Hier ein paar weitere Varianten. Da gibt es nun zwei Typen von Schlafwandlern: die, die ihrem Stern folgen, und die anderen.


 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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18 Antworten zu Die Schlafwandler: weitere Bildvorschläge zu Pong 062

  1. Rainer Hartwich schreibt:

    Nun heute gibt es neue Götzen hinter denen selbst intelligente Menschen schlafwandlerisch herlaufen, wie hinter dem Rattenfänger von Hameln. Im Laufe vieler Lebensjahre habe ich gelernt, dass die rationale Aufklärung fast immer versagt, wenn es nur noch um Glauben und Haltungen geht. Hier muss wohl jede Generation ihre eigenen schmerzvollen Erfahrungen machen.

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  2. finbarsgift schreibt:

    Brochs Schlafwandler wollte ich immer mal lesen, aber bis dato *traurig guck*

    Schlafwandeln ist seeeehr gefährlich, vor allem über Abgründe (man muss im richtigen Moment springen!) oder auf dem Dach (man muss gut balancieren (können) …)
    Ich bin für: lieber ganz normal und ruhig die Nacht verbringen *hehe*

    Herzliche Grüße vom Lu

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  3. pflanzwas schreibt:

    Die Bilder gefallen mir alle sehr gut! Hoffentlich enden wir nicht wie deine Gestalten auf deinem letzten Bild…

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  4. Myriade schreibt:

    Oh, oh, deine Bilder gefallen mir fast immer. Und hier die Kombination gemalt – gerissen ganz besonders.
    Sehnsucht ist eine gefährliche Sache, wie auch andere Süchte ….

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  5. kunstschaffende schreibt:

    Genial, wie Du daß darstellt! Gerade durch die starken Strukturen, kann man sich vorstellen, wie gefährlich dieses Schlafwandeln sein kann! Zum Beispiel in der Großstadt zwischen den Häuserfluten, Dächern und Straßen! Dein Werk zeigt die Spannung und die Gefahr! 👌👍
    Liebe Grüße Babsi

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  6. Maren Wulf schreibt:

    Genial. Besonders das dritte Bild hat es mir angetan. Es erinnert mich an M.C. Eschers Treppenszenen. Sie laufen und laufen und begegnen sich doch nie…

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    • gkazakou schreibt:

      danke, Maren. Besonders freue ich mich über deine Wahrnehmung, dass „sie laufen und laufen und begegnen sich doch nie“. Diese Vorstellung hatte ich von Anfang an, aber nur in der dritten Variante ist sie noch zu erkennen. Andere Varianten, die dies Motiv betonen, habe ich nicht gezeigt.

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  7. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Deine erste Arbeit zeigt das Zerrissene, in dem wir uns befinden und doch gehen wie schlafwandlerisch sich bewegende Menschen über die Wege, die noch intakt zu sein scheinen.

    Liebe Gerda, und dann glättet sich in Deinen Arbeiten das Zerrissene, aber wehe, was geschieht da mit uns, wir gehen und fallen im Schlaf, weil wir nicht hinsehen, nur noch folgen, dem der uns vorangeht und viele fallen, während die anderen mit Glück den Sprung ins Neue/Nächste wagen…
    Glück und Pech liegen so dicht beieinander und wie oft glauben wir, statt selbst zu überdenken.

    Es soll sie gehen, die echten Schlafwandler. Erlebt habe ich selbst noch keinen, obwohl es angeblich einen in der Familie gab.

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  8. gkazakou schreibt:

    Ganz herzlichen Dank, Bruni. Schön gesagt: „wie oft glauben wir, statt selbst zu überdenken“.

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