Hand mit Horn: Vase und Flamme (tägliches Zeichnen)

Tierhörner faszinieren mich, ich habe schon etliche bei Spaziergängen aufgesammelt.  Um den hohlen Innenraum, der beim lebenden Tier einem mit durchbluteten Hautzellen überzogenen Knochenzapfen aufsitzt, bildet sich allmählich eine in sich gewundene feste Form, die vom Kopf des Tieres flammenartig ausstrahlt.

Solange das Tier lebt, wächst das Gebilde immer fort, indem es absterbende Epithelzellen mit Keratin ausfüllt und zu Hornzellen umgestaltet.

Nun, wo ich es in der Hand halte, ist der Wachstumsprozess längst zum Stillstand gekommen, aber in seiner lebendig gebogenen Form noch zu erahnen. Bei meinem ersten Zeichenversuch halte ich das Horn wie eine Vase, die Öffnung nach oben, die geschweifte sich zuspitzende Form nach unten gerichtet. Im Hintergrund läuft das Gestänge des Eisentisches mit der Bewegung mit oder bremst sie aus.

Beim zweiten Anlauf möchte ich dem Flammenden des Horns Ausdruck geben. Der blaue Flokati mit seinen bewegten Wollflämmchen untermalt dieseBewegung.

Die Form. so scheint mir, kann auch als Antenne gesehen werden, mit der das Tier in Sternennächten, das Haupt lauschend hebend, Signale aus dem Weltraum auffängt…

 

 

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Ein Prosit dem November: Schattenhand – Hand mit Weinglas

oder auch so

digital eingefärbt:

 

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Zaubergarten und Innenraum (Panorama-Rundblicke)

Mein Garten ist mir lieb, aber ein Zaubergarten mit Wegen, die wellenförmig das Grün durchströmen, ist er nicht – außer ich fotografiere ihn mit der Panorama-Einstellung und führe dabei das Handy schwungvoll über Haus, Bäume und gepflasterte Wege. Gerne würde ich euch das Ergebnis in Groß zeigen – doch fehlt mir dafür der Speicherplatz. Ein Detail (Mittelteil des obigen Fotos) muss reichen.

Am eindrucksvollsten aber finde ich diese Technik im Innenraum, so wie hier, wo ich eine ganze Drehung vollzog und daher das Fenster schließlich mit sich selbst zur Deckung brachte. Alles hat sich verdoppelt und gedreht: Kissen, runde weiße Vase mit roter Frucht etc, so alls wären Holpergeister mit Spiegeln eingebrochen…

Oder nimm dieses Bild, in dem sich Fenster und Bilder im Halbkreis um einen weitläufigen geheimnisvollen Innenraum gruppieren. Reine Magie!

Mir gefällt es auch, den Raum zum Tanzen zu bringen – wie hier.

Diese Fotos mögen genügen, um ein paar der Möglichkeiten aufzuzeigen, mit der Panorama-Funktion herumzuspielen. Mir hat es Spaß gemacht.

 

 

 

 

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Die Kraniche des Ibykus (Balladenmontag)

Christiane lud zum Balladenmontag. Ich schaffte es nicht, meinen gestern vorbereiteten Beitrag zu posten. Daher heute:

Kraniche: Einige von euch sahen dieser Tage Kraniche, die sich sammeln, um in riesigen Scharen gen Süden zu fliegen. Mir wurde dieser Anblick nur ein einziges Mal geschenkt, als ich durch eine Schlucht bei Marathon wanderte und eine schwere dunkle Wolkenwand einen Kranichzug vor sich herschob.  Nie werde ich es vergessen!

Corinthus Landesenge: Meinen ersten Griechenlandkontakt hatte ich 1966: Der AStA der FU Berlin, dem ich damals angehörte, wurde durch Vermittlung unseres Vorsitzenden Knut Nevermann nach Israel eingeladen. Es war die erste Einladung junger Deutscher nach Israel. Die Idee war, mit den unterschiedlichsten politischen Gruppierungen Israels ins Gespräch zu kommen. Es wurde eine meiner wichtigsten Erfahrungen.

Warum ich das hier erzähle? Weil unser uralter zypriotischer Dampfer namens  ΑΓΑΠΗ (Agape, Liebe),  aus Italien kommend, Richtung Piräus den schmalen Kanal von Korinth durchfuhr. Wir standen an Deck und winkten den Menschen zu, die wir hoch über uns auf einer Brücke entdeckten. Gleich darauf segelten Weintrauben aufs Deck. Welch süße Begrüßung durch meine spätere zweite Heimat!

Korinth: Einmal lauschte ich im Stadion außerhalb von Korinth Petros Gaitanos, dem großen Psalten, der das „Hohelied der Liebe“ vortrug – eine Vertonung des Briefes, den Paulus an die  frühchristliche Gemeinde von Korinth schrieb: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle….“. An diesem Ort! Auch das werde ich nie vergessen.

Die „Kraniche des Ibykus“ von Friedrich Schiller gehörten schon in meiner Schulzeit zu meinen Lieblingsballaden. Ich kann sie nicht ganz auswendig, aber viele Passagen sind mir bis heute geläufig: „Zum Kampf der Wagen und Gesänge, Der auf Corinthus Landesenge Der Griechen Stämme froh vereint, Zog Ibycus, der Götterfreund.“

Ich bringe hier die annotierte Version des Friedrich-Schiller-Archivs, denn vielen werden Orte und Namen, die zur klassischen Bildung gehörten, heute unbekannt sein. Bei Bedarf kannst du dort auch alles Wissenswerte über die Entstehung der Ballade (1798) nachlesen.

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Landschaft bei Korinth, aufgenommen von Akrokorinth.

Die Kraniche des Ibykus

 Zum Kampf der Wagen und Gesänge1,
 Der auf Korinthus‘ Landesenge2
 Der Griechen Stämme froh vereint,
 Zog Ibykus, der Götterfreund.
5Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
 Der Lieder süßen Mund Apoll3,
 So wandert‘ er, an leichtem Stabe,
 Aus Rhegium4, des Gottes voll.

 Schon winkt auf hohem Bergesrücken
10Akrokorinth5 des Wandrers Blicken,
 Und in Poseidons Fichtenhain6
 Tritt er mit frommem Schauder ein.
 Nichts regt sich um ihn her, nur Schwärme
 Von Kranichen begleiten ihn,
15Die fernhin nach des Südens Wärme
 In graulichtem Geschwader ziehn.

 »Seid mir gegrüßt, befreundte Scharen!
 Die mir zur See Begleiter waren,
 Zum guten Zeichen nehm ich euch,
20Mein Los, es ist dem euren gleich.
 Von fernher kommen wir gezogen
 Und flehen um ein wirtlich Dach.
 Sei uns der Gastliche7 gewogen,
 Der von dem Fremdling wehrt die Schmach!«

25Und munter fördert er die Schritte
 Und sieht sich in des Waldes Mitte,
 Da sperren, auf gedrangem8 Steg,
 Zwei Mörder plötzlich seinen Weg.
 Zum Kampfe muß er sich bereiten,
30Doch bald ermattet sinkt die Hand,
 Sie hat der Leier zarte Saiten,
 Doch nie des Bogens Kraft gespannt.

 Er ruft die Menschen an, die Götter,
 Sein Flehen dringt zu keinem Retter,
35Wie weit er auch die Stimme schickt,
 Nichts Lebendes wird hier erblickt.
 »So muß ich hier verlassen sterben,
 Auf fremdem Boden, unbeweint,
 Durch böser Buben Hand verderben,
40Wo auch kein Rächer mir erscheint!«

 Und schwer getroffen sinkt er nieder,
 Da rauscht der Kraniche Gefieder,
 Er hört, schon kann er nicht mehr sehn,
 Die nahen Stimmen furchtbar krähn.
45»Von euch, ihr Kraniche dort oben!
 Wenn keine andre Stimme spricht,
 Sei meines Mordes Klag erhoben!«
 Er ruft es, und sein Auge bricht.

 Der nackte Leichnam wird gefunden,
50Und bald, obgleich entstellt von Wunden,
 Erkennt der Gastfreund in Korinth
 Die Züge, die ihm teuer sind.
 »Und muß ich so dich wiederfinden,
 Und hoffte mit der Fichte Kranz9
55Des Sängers Schläfe zu umwinden,
 Bestrahlt von seines Ruhmes Glanz!«

 Und jammernd hörens alle Gäste,
 Versammelt bei Poseidons Feste,
 Ganz Griechenland ergreift der Schmerz,
60Verloren hat ihn jedes Herz.
 Und stürmend drängt sich zum Prytanen10
 Das Volk, es fodert seine Wut,
 Zu rächen des Erschlagnen Manen11,
 Zu sühnen mit des Mörders Blut.

65Doch wo die Spur, die aus der Menge,
 Der Völker flutendem Gedränge,
 Gelocket von der Spiele Pracht,
 Den schwarzen Täter kenntlich macht?
 Sinds Räuber, die ihn feig erschlagen?
70Tats neidisch ein verborgner Feind?
 Nur Helios12 vermags zu sagen,
 Der alles Irdische bescheint.

 Er geht vielleicht mit frechem Schritte
 Jetzt eben durch der Griechen Mitte,
75Und während ihn die Rache sucht,
 Genießt er seines Frevels Frucht.
 Auf ihres eignen Tempels Schwelle
 Trotzt er vielleicht den Göttern, mengt
 Sich dreist in jene Menschenwelle,
80Die dort sich zum Theater drängt.

 Denn Bank an Bank gedränget sitzen,
 Es brechen fast der Bühne Stützen13,
 Herbeigeströmt von fern und nah,
 Der Griechen Völker wartend da,
85Dumpfbrausend wie des Meeres Wogen;
 Von Menschen wimmelnd, wächst der Bau
 In weiter stets geschweiftem Bogen
 Hinauf bis in des Himmels Blau14.

 Wer zählt die Völker, nennt die Namen,
90Die gastlich hier zusammenkamen?
 Von Theseus‘ Stadt15, von Aulis Strand16,
 Von Phokis17, vom Spartanerland,
 Von Asiens entlegner Küste,
 Von allen Inseln kamen sie
95Und horchen von dem Schaugerüste
 Des Chores grauser Melodie,

 Der streng und ernst, nach alter Sitte,
 Mit langsam abgemeßnem Schritte,
 Hervortritt aus dem Hintergrund18,
100Umwandelnd des Theaters Rund19.
 So schreiten keine irdschen Weiber,
 Die zeugete kein sterblich Haus!
 Es steigt das Riesenmaß der Leiber
 Hoch über menschliches hinaus20.

105Ein schwarzer Mantel schlägt die Lenden,
 Sie schwingen in entfleischten Händen
 Der Fackel düsterrote Glut,
 In ihren Wangen fließt kein Blut.
 Und wo die Haare lieblich flattern,
110Um Menschenstirnen freundlich wehn,
 Da sieht man Schlangen hier und Nattern
 Die giftgeschwollnen Bäuche blähn.

 Und schauerlich gedreht im Kreise
 Beginnen sie des Hymnus21 Weise,
115Der durch das Herz zerreißend dringt,
 Die Bande um den Sünder schlingt.
 Besinnungraubend, herzbetörend
 Schallt der Erinnyen Gesang,
 Er schallt, des Hörers Mark verzehrend,
120Und duldet nicht der Leier Klang:

 »Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle
 Bewahrt die kindlich reine Seele!
 Ihm dürfen wir nicht rächend nahn,
 Er wandelt frei des Lebens Bahn.
125Doch wehe, wehe, wer verstohlen
 Des Mordes schwere Tat vollbracht,
 Wir heften uns an seine Sohlen,
 Das furchtbare Geschlecht der Nacht!

 Und glaubt er fliehend zu entspringen,
130Geflügelt sind wir da, die Schlingen
 Ihm werfend um den flüchtgen Fuß,
 Daß er zu Boden fallen muß.
 So jagen wir ihn, ohn Ermatten,
 Versöhnen kann uns keine Reu,
135Ihn fort und fort bis zu den Schatten,
 Und geben ihn auch dort nicht frei.«

 So singend, tanzen sie den Reigen,
 Und Stille wie des Todes Schweigen
 Liegt überm ganzen Hause schwer,
140Als ob die Gottheit nahe wär.
 Und feierlich, nach alter Sitte
 Umwandelnd des Theaters Rund
 Mit langsam abgemeßnem Schritte,
 Verschwinden sie im Hintergrund.

145Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
 Noch zweifelnd jede Brust und bebet
 Und huldiget der furchtbarn Macht,
 Die richtend im Verborgnen wacht,
 Die unerforschlich, unergründet
150Des Schicksals dunkeln Knäuel flicht,
 Dem tiefen Herzen sich verkündet,
 Doch fliehet vor dem Sonnenlicht.

 Da hört man auf den höchsten Stufen22
 Auf einmal eine Stimme rufen:
155»Sieh da! Sieh da, Timotheus,
 Die Kraniche des Ibykus!« –
 Und finster plötzlich wird der Himmel,
 Und über dem Theater hin
 Sieht man in schwärzlichtem Gewimmel
160Ein Kranichheer vorüberziehn.

 »Des Ibykus!« – Der teure Name
 Rührt jede Brust mit neuem Grame,
 Und, wie im Meere Well auf Well,
 So läufts von Mund zu Munde schnell:
165»Des Ibykus, den wir beweinen,
 Den eine Mörderhand erschlug!
 Was ists mit dem? Was kann er meinen?
 Was ists mit diesem Kranichzug?« –

 Und lauter immer wird die Frage,
170Und ahnend fliegts mit Blitzesschlage
 Durch alle Herzen. »Gebet acht!
 Das ist der Eumeniden Macht!
 Der fromme Dichter wird gerochen,
 Der Mörder bietet selbst sich dar!
175Ergreift ihn, der das Wort gesprochen,
 Und ihn, an dens gerichtet war.«

 Doch dem war kaum das Wort entfahren,
 Möcht ers im Busen gern bewahren;
 Umsonst, der schreckenbleiche Mund
180Macht schnell die Schuldbewußten kund.
 Man reißt und schleppt sie vor den Richter,
 Die Szene23 wird zum Tribunal24,
 Und es gestehn die Bösewichter,
 Getroffen von der Rache Strahl.

photo 28

Akrokorinth, Felsenspitze mit Flugspur

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Ver-rückte Panoramen (Montags ist Fototermin, mit Dora)

Manchmal benutze ich die Panorama-Funktion des I-phone. Gewöhnlich bemühe ich mich dann, das Gerät möglichst waagrecht über das anvisierte Motiv zu ziehen, wie bei diesem Foto: die Horizontlinie ist dennoch ein wenig gewellt.

Gestern nun, als ich per Panorama-Funktion eine Grundschule mit Kindergartenanlage fotografiere …

kräht Dora: „Lass mich mal ran!“ Verrückt! Auf ihrem Foto schlagen das langweilige Flachdach und der abschließende Zaun plötzlich elegante Bögen. 

„Wie hast du das gemacht?“ frage ich verblüfft. „Och“, meint sie, „ich hab halt das Gerät nicht so brav stillgehalten wie du!“

Jetzt will ich es auch mal ausprobieren. In großen Wellenbewegungen führe ich meine Kamera über das Meer-Panorama. Ha! Der Horizont gerät ins Scheudern. 

Und wie wäre es,  die gepflasterten Gartenwege mit dem Katzenvolk vor meiner Haustür panoramisch abzubilden?.

Dora steht neben mir und kräht los: „Das ist noch gar nix. Lass mich mal machen!“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen, finde ich. Dora ist eine kleine Magierin, ich ahnte es ja.

Es wird Spaß machen, noch ein bisschen weiter zu experimentieren.

 

 

 

 

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Außenraum – Innenraum (zwei Zustände, zwei Bilder)

Ende Oktober.

Es tagt. Daußen leuchtet der Himmel, das Meer lockt. Komm her zu mir, tauche ein! ruft der Außenraum. Ja, sage ich.

Es dunkelt. Der Innenraum wartet mit Büchern, Stiften, Feuerstelle. Komm her, tauche ein! raunt er. Ja, sage ich.

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Ein Weh-Gedicht zum Herbst (Impuls-Werkstatt-Rahmen)

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, zu dem von ihr vorgeschlagenen Erzähl-Rahmen. „Der Wind …. Die Musik hörte man von weitem“. https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2022/09/02/einladung-zur-impulswerkstatt-september-oktober-2022/

 

Ein Weh-Gedicht

Der Wind wenn er im Laube wühlet

Es wilder durch die Lüfte wirbelt

Es auch verwirrt und ganz woanders

Darniederwirft auf weiten Wiesen –

Dann wächst ein wunderliches Völkchen

Von Wurmgestalten-Wichtelwesen

Wohl aus dem Grund und will mal wieder

 ein winzigkleines Weilchen leben

und wirklich sein statt nur vonwegen.

 

Weiter werden sie geschwinde

Über unsre Erde wandern

Ohn zu wissen wo, wielange

Wer und was und auch wohin.

„Wartet nur, der Winter nahet

Wird euch dann, ihr welken Blätter

Endlich doch zur Ruhe betten.“

 

 

Und vielleicht wird dann ein Wichtel

Euch ein Wiegenliedchen summen

Wird, wer weiß, mit seinen Weisen

Euch umwinden und umbrummen:

„Wiege Woge Wald und Wiese

Wasser Wind und Wolkenflocke

Werdet Eins bis Frühlingsbrise

Euch aus Winterstarre locke“.

 

Später sagten die Leute: „Ich glaub, da hat wieder wer gefeiert. Die Musik hörte man von weitem„.

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Oxi-Tag. Über Krieg und Frieden (mit Dora)

KRIEG:

Gestern war griechischer Nationalfeiertag, der sogenannte Ochi-Tag. Οχι (ochi) bedeutet Nein. Gesagt hat es am 28. Oktober 1940 der autoritär regierende Ministerpräsident Joannis Metaxas 1871-1941), als der italienische Botschafter ihm frühmorgens an der Haustür eine Depesche überreichte. Musolini verlangte darin ultimativ die Erlaubnis zur Errichtung italienischer Stützpunkte. Metaxas wies die Zumutung entschieden zurück.  

Vermutlich sagte Metaxas nicht ΌΧΙ , sondern NON, um traurig hinzuzufügen: C’est la guerre. Krieg also, den er, der Politiker im Generalsrang, keinesfalls wollte.  

Zwei Nächte zuvor hatte der italienische Botschafter zu einer Operngala mit Puccinis Oper „Madame Butterfly“ geladen. Seine Exzellenz hatte mit Metaxas und dem griechischen König Georg auf die griechisch-italienische Freundschaft angestoßen und eine Torte mit der Inschrift „Lang lebe Griechenland“ auftragen lassen. Tja. Im Morgengrauen des übernächsten Tags war es mit der Freundschaft leider schon vorbei.

Für Joannis Metaxas wird das eine traurige Entwicklung gewesen sein, denn er stammte von den Ionischen Inseln (*1871 auf Ithaka), liebte schon deshalb Italien, und auch für die deutsche Kultur und Sprache hegte er Sympathien, zumal er an der preußischen Militärakademie in Berlin studiert und 1902 mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Aber Landesverrat kam für ihn nicht in Frage. Außerdem verabscheute er die Nazis wegen ihres Antisemitismus. „Besser wir sterben alle, als dass wir Hitler untergeordnet sind“, hatte er in sein Tagebuch notiert.  Also sagte er zum italienischen Botschafter „Non“, und schon begann der längst geplante italienische Einmarsch. Zum großen Erstaunen der Welt aber schlugen die zahlen- und waffenmäßig unterlegenen griechischen Verbände den Angriff zurück. Das wiederum „zwang“ Hitler, das neutrale Griechenland zu überfallen und vier furchtbare Jahre lang zu drangsalieren. Metaxas erlebte es nicht mehr, er starb drei Monate vor dem Einmarsch der Deutschen. (Näheres zum OXI auch hier oder auch hier)

Legearbeit ΟΧΙ 2. Weltkrieg

Gestern also war OCHI-Tag, und in Thessaloniki fand die alljährliche Parade und Waffenschau statt, auf dass jeder, der sich anmaßt, die Souveränität des Landes und die Unverletzlichkeit seiner Grenzen in Frage zu stellen, sich eines Besseren besinne.  NO – Ochi – Nein – Hayir! 

Trotz des martialischen Gepräges ist diese Veranstaltung übrigens eine recht friedliche Angelegenheit. Ein paar stills von der Übertragung im TV mögen das dokumentieren.

FRIEDEN:

Das Fest fiel auf einen Freitag, herrliches Wetter war auch, und so begaben sich die Menschen, die das konnten, zu einem freien „TRIMERO“ (DreiTag) an einen der beliebten Orte in den Gebirgen oder an der See – die Hoteliers und Gastronomen freuten sich.

Wir trafen uns mit einem befreundeten Paar zum Essen in einem Garten, der von einem befreundeten Koch als ad hoc Restaurant und Kochschule betrieben wird. Diesmal hatte er zu einem Menue geladen.  Wir waren zunächst die einzigen Gäste, plauderten unter weißem Zeltdach im weitläufigen Garten bei dezenter Hintergrundmusik, wurden vom Meister und seinen Gehilfinnen fürstlich bedient und genossen das Ambiente, die Speisen und den exzellenten Hauswein. Unerschwinglich? Nö. Pro Person 25E .

Hab ich schon erwähnt, dass Dora mit von der Partie war? Nein? Sie bot sich sogar an, mithilfe ihrer Latüchte die Speisen warm zu halten. Hier seht ihr sie in Aktion. Die Bunten sind unsere Freunde und mein Mann in festlicher Verkleidung.

 

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Talent und Fleiß oder „Hand mit Springer“ (abc-etüde)

Ohne Fleiß kein Preis – weder beim Schach noch beim Billard und natürlich auch nicht beim Zeichnen. Wer meint,  Billard, Schach, Zeichnen, Kochen oder was auch immer sei vor allem eine Frage von Talent, ist auf dem Holzweg. Natürlich hat jeder seine Präferenzen, aber damit sich eine Neigung zur Meisterschaft entwickelt, muss man viel Zeit und Geduld investieren. Ich habe schon genug Menschen mit weit größerem  Talent als meinem gekannt, die gar nichts draus gemacht haben, und andere mit geringerem Talent, die mich längst hinter sich gelassen haben, weil sie ihre gesamte Energie in eine einzige Sache steckten. Das tat ich selbst nie, denn vieles interessiert mich, und ich mag mich nicht beschränken.

Immerhin habe ich mir zur Aufgabe gesetzt, täglich ein wenig zu zeichnen. Und meistens schaffe ich es auch.

Gestern zeigte ich drei Zeichnungen „Hand mit Springer„, die ich bei Lampenlicht machte.

Heute vormittag setzte ich meine Bemühungen bei Tageslicht fort. Dieses Mal sind es nicht drei unterschiedliche Anläufe, sondern ich arbeitete mich an einem und demselben Blatt ab.  Das Motiv Hand mit Springer ließ ich unverändert, doch den Hintergrund gestaltete ich neu, indem ich Teppichmuster und Tischbein hinzufügte und das Ganze zunehmend verdichtete. Ich mag solche Überarbeitungen, denn es geht mir nicht darum, ein vorzeigbares oder gar verkäufliches Ergebnis zu erhalten, sondern hinzuzulernen. Und das kann ich am besten, indem ich verschiedene Möglichkeiten durchprobiere.

Meine aktuellsten Zeichnungen desselben Motivs machte ich mit drei Farben. Und zwar  benutzte ich einen grünen, einen roten und einen schwarzen Kugelschreiber, die ich kürzlich kaufte und die noch in der Hülle auf ihren Einsatz warteten. Die Dreifarbigkeit gefällt mir, erlaubte sie mir doch, die leichte Bewegung und die perspektivischen Verschiebungen einzutragen, die auch eine zum Stillhalten verdonnerte rechte Hand nicht vermeiden kann, während die linke sie zeichnet.

299 Wörter

Dies ist ein Beitrag zu Christianes aktuellen abc-etüden mit Worten von Allerlei Gedanken

abc.etüden 2022 42+43 | 365tageasatzaday

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Katzen und Springer (tägliches Zeichnen)

Ich setze mich, mit Block und Kugelschreiber bewaffnet, auf die Stufen am Hauseingang: Mein anvisiertes Motiv – drei Jungkatzen – hat leider wenig Lust stillzusitzen.

 

Beim ersten Anlauf stören mich die tiefen Schatten. Also versuche ich es ein zweites Mal mit milderer Beleuchtung.

Besser, aber meine Hand ist zu lang und schmal geworden. Die Perspektive ist eben ziemlich knifflig. Also nehme ich einen dritten Anlauf.

Hm, ja, stimmt so einigermaßen. Doch ist die Hand nun fast so hölzern wie der Springer geworden. Für heute mag es reichen. Gute Nacht, kleines Pferdchen!

 

 

 
 
 

 

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