In jener heißen Nacht des 15.August 1987 (es ist das Marien-Fest der Orthodoxie und höchster Feiertag) malte ich 12 kleine etwa handgroße Aquarelle. Einige schenkte ich ihr, einige behielt ich.

In jener heißen Nacht des 15.August 1987 (es ist das Marien-Fest der Orthodoxie und höchster Feiertag) malte ich 12 kleine etwa handgroße Aquarelle. Einige schenkte ich ihr, einige behielt ich.

Bis das Neue reift, möchte ich noch einmal zurückblicken. In den folgenden Tagen zeige ich Aquarelle, farbige Zeichungen und Collagen, die in früheren, oft sehr viel früheren Jahren entstanden sind.
Heißer Tag. Portrait einer Freundin. Aquarell 1987

Wieder bin ich in der Mani und krame in alten Bildern, um herauszufinden, wie ich weitermachen will. Dies hier ist eine ältere Collage mit Übermalungen, aus einer „dunklen Phase“. Meine Augen lieben das Dunkel. Und das ungewissen Licht des Mondes zieht mich magisch in seinen Bann. Grad so wie auf diesem Bild.

….Gleichgültigkeit kann tödlich sein

Heute vormittag zeigte ich das Kind mit der Maske, das Unbekannte an diese Mauer malten. Um die Wirkung nicht durch viele Fotos zu verwässern, ließ ich es bei dem einen Foto. Doch finde ich, ein paar weitere verdienen ebenfalls unsere Aufmerksamkeit.
Da ist zum Beispiel dieses Bild, das in der Manier der gesetzlich vorgeschriebenen Warnungen auf Tabakprodukten feststellt: „Das Gewissensministerium warnt: Die Gleichgültigkeit schadet ernsthaft der Umwelt“.

Oder jenes andere mit dem Kind, das einen Baum in sein Herz hineingenommen hat und es steigen lässt, vielleicht in der Hoffnung, dass ein Zuständiger den Ballon ergreift und die richtigen Schlüsse draus zieht.
Faktum: Eine Mülldeponie im waldigen Gebirge, die die Gemeinde dennoch weiter benutzt, gefährdet das Grundwasser und den Wald. Viele Aktionen bis hin zu lang dauernden Straßenblockaden haben die Gegner der Mülldeponie organisiert. Sie haben die Gerichte angerufen und in allen Instanzen gewonnen. Aber da bisher nirgends Platz für eine alternative Lösung aufzutreiben war, fahren die Müllwagen dennoch Tag für Tag hier vorbei, um ihre gefährliche Last auf der Deponie abzuladen.

Auch der Schmetterlings-Maler mit dem roten Herzen auf der Brust hat es mir angetan. Wie ein Gekreuzigter steht er da mit seinem Pinsel, der ihm so gar nichts nützt.

… oder diese lächelnde Maske … keine Ahnung, welcher Mensch sich dahinter verbirgt. Ist es ein Mensch – oder womöglich ein Politiker?

Schließlich noch ein kurzer Halt dort, wo ein Mädchen mit dem schönen Namen Xara (Freude) feststellt: „ALLES IST GESCHEHEN, DAMIT ICH DICH KENNENLERNE“.

Dies sei mein heutiger Beitrag zur „Griechischen Kunst am Sonntag“.
Wenn ich von Kalamata Richtung Sparta ins Gebirge fahre, komme ich an einer langen Mauer vorbei, auf der junge Menschen ihren Widerstand gegen eine Müllhalde im Wald durch Bilder ausdrücken. Ich bin jedes Mal beeindruckt, denn die Bilder wechseln und sind oft von großer Ausdruckskraft.
Heute: das tief traurige, zornige Kind mit der lächelnden Maske.

Mir ist heute so gar nicht nach hohen und tiefen Gedanken. Es reicht grad mal, um ein paar Unentwegte gegen einen Ball treten zu lassen. So ehre ich das Klima dieser Tage.

Mir gefällt das Wort „unentwegt“. Ich wollt, ich wüsste, was sich die Erfinder dabei gedacht haben. Es klingt irgendwie nach nie begangenen Wegen, nach Neuland, auf jeden Fall hat es was Übermütiges. Das Wort „Balltreten“ gefällt mir nicht so, aber immer noch mehr als „Fußball“, das ich dieser Tage geradezu hasse. Tut mir leid, falls ich da jemandem auf den Fuß getreten habe.
Der Ball, mit dem die zwei Vogelwesen spielen, ist übrigens zweigeteilt. Wenn sie ordentlich dagegen treten, entfaltet er sich, wird zum Schmetterling und fliegt taumelnd davon. Guten Abend noch!
Als Antwort auf https://kreuzbergsuedost.wordpress.com/2016/06/18/jetzt
Immer noch sammle ich, Stück für Stück, Eindrücke meiner Reise nach Deutschland ein. In der Lübecker Bucht, auf einem Pfad über der Steilküste, marschierten wir drei Schulfreundinnen (wir kennen uns seit 1951, da waren wir neun bis zehn und gingen in die Sexta) im Gänsemarsch, froh, dass die Sonne die Buchenwälder in leuchtendem Hellgrün aufscheinen ließ, froh über die weite Bucht zu unseren Füßen, auf der weiße Segel kreuzten. „Dort hinten“, sagte die eine Freundin und wies auf die Landzunge am Horizont, „dort hinten will ich, dass meine Asche verstreut wird, so wie von meinem Cousin. Der war Kapitän. Es war eine schöne Feier“. Ich dachte an dich, Tikerscherk, sagte aber nichts. Sondern fotografierte die Bucht mit den weißen Segeln, die wie die Seelen Verstorbener auf das langgestreckte Kap zusteuerten.
Auch die Schattenschrift an den glatten Buchenstämmen fotografierte ich, Tikerscherk. Es gab viele solcher Schattenbilder. Eines könnte auch für dich dabei gewesen sein.
Vielleicht trösten dich die Bilder ein wenig. Auch den Teich mit den Seerosen, in den du den Ball warfst, damit deine liebe kleine Hundefreundin gesund wird, habe ich dort gefunden und für dich fotografiert.
Sei gegrüßt, Tikerscherk, unbekannterweise und doch herzlich verbunden. Gerda
Nie betreten habe ich den schwarzen Kontinent, bin nur an den arabisch besiedelten Rändern entlanggestrichen: Algerien, Ägypten. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da wollte mein Mann nach Afrika auswandern – ich wehrte mich mit Händen und Füßen. Nein, eine Weiße in diesem von Weißen geschundenen Kontinent, das wollte ich nicht sein. Niemals! Mir reichte es, eine Deutsche im von Deutschen geschundenen Europa zu sein. Mehr würde ich nicht ertragen.
Also hielt ich mich fern von den schwarzafrikanischen Gebieten. Aber im Untergrund meiner Seele lebt dies Afrika und sendet starke Farben und grausame Schmerzen herauf in mein weißes Leben. In meinen Legearbeiten kommt es manchmal zum Vorschein, so in „Mama Afrika“ (https://gerdakazakou.com/2015/06/24/mama-afrika/) und in der fiktiven Geschichte vom kongolesischen Dichter Victor, der als Krüppel vor einer deutschen Fußgängerzone hockt und den milden Gebern als Quittung Gedichte überreicht (https://gerdakazakou.com/2016/02/22/victor-2-mit-emma-kaesetheke-und-schwer-bepackt/).
Als ich in Lübeck von der Ausstellung „Aklama – Hilfsgeister der …“ im St. Annen-Museum erfuhr, wollte ich sie unbedingt sehen. Es handelt sich um eine große Sammlung von Holzfiguren, die der deutsche Künstler Horst Antes zusammengetragen hat. Antes ist mir durch seine primitiven „Kopffüßler“ wohlbekannt. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9a/Horst_Antes.JPG/220px-Horst_Antes.JPG. Mehr und Interessantes könnt ihr lesen bei „Aklama – geheimnisvoll und unerforscht“ von Nadine Dietrich.

Wozu die lange Vorrede? Ich kam, sah, eilte durch die Räume mit den endlosen Reihen von Hilfsgeistern, fotografierte hastig ein paar – und floh. Als seien all diese Kultfiguren, die den Vorbesitzern angeblich nichts mehr bedeuteten, als sie christianisiert wurden, hinter mir her. Mir schien, dass diese entweihten Figuren Dämonen geworden waren, die Rache schrieen, weil man sie aus ihrem angestammten Milieu entfernt hatte.

Eine Welle dumpfen Entsetzens trieb mich vor sich her, und ich fand erst Ruhe, als ich zwischen den farbigen Schnitzwerken der deutschen Kirchenkunst und den Puppenstuben der Lübecker Bürgerhäuser stand. Aufatmend vertiefte ich mich in den Anblick von Schnittbögen, aus denen Kinder Puppen herausschneiden konnten, betrachtete ausgiebig eine Laterna magica – Vorläuferin unserer Filme („als die Bilder laufen lernten“) – und ruhte mich aus im Milieu eines soliden Bürgertums, das durchaus gleichgültig war gegen die Zerstörung des afrikanischen Kontinents.
Was war in mich gefahren? Ich liebe ja diese „primitiven“ Schnitzereien, wollte sie mir gründlich ansehen. Ich weiß schon, was es war: wir Weißen haben nicht nur die Menschen des dunklen Kontinents enterbt und versklavt, nein, wir haben auch seine geistige Substanz herausgesogen und in Museen verschleppt. Die moderne Kunst hat sich von ihr genährt und verkauft das, was sie ihr abgeguckt hat, für Millionen an wohlhabende Händler. Wie sollte ich die hilflose Drohung, die von diesen entweihten Figuren ausgeht, nicht wahrnehmen?
Es folgen
ein paar „gemischte“ Fotoeindrücke: Die Stabpuppen aus Mali (Bild 1 und 3) fand ich im Figurentheater, alles andere im St-Annen-Museum in Lübeck.
Ich vergleiche Unvergleichliches? Ja, sicher, doch alles lebt gleichzeitig in mir. Man möge mir verzeihen.
