Ernst Barlach, Jorge Rando …. und ich

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Ernst Barlach (Jg 1870) und Emil Nolde (Jg 1867) gehören zu den engsten „Vertrauten“ meiner Jugend. Sie gehörten zu der Welt, die ich verstand. Schleswig Holsteiner wie ich, und mit Sehnsüchten, die weit hinaus in die Welt reichten – der eine wurde durch eine Russlandreise geprägt, der andere durch einen Studienaufenthalt in Polynesien. Im Nazi-Reich waren sie Verfehmte, galten als entartet und wurden mit Arbeitsverbot belegt. Man stelle sich das vor: ein so gewaltiger Maler wie Nolde durfte nicht malen! Nur klitzekleine Aquarellskizzen traute er sich heimlich zu machen, er nannte sie seine „ungemalten Bilder“. Ernst Barlach – viele seiner Skulpturen wurden zerstört – starb 1938 an Herzinfarkt. Barlachs Geburtshaus in Wedel besuchte ich dieser Tage im Rahmen meiner Deutschlandreise.

Da traf ich auf einen Maler, der offenbar bei Nolde in die Schule gegangen war:  Jorge Rando (Jg 1941). In Spanien gilt er als der größte Neo-Expressionist.  Der Expressionismus interessiert mich zwar nicht mehr so sehr wie zu meinen Anfängen, aber wieder fühlte ich: diese Sprache verstehe ich. Sie ist wie meine Muttersprache.          IMG_7355

Die gezeigten Bilder gehören in unterschiedliche Epochen des Malers. Da sind die stark vom deutschen Expressionismus beeinflussten Tafeln: IMG_7351 IMG_7354 IMG_7353 IMG_7352IMG_7356

Dazu würde ich auch noch die Bilder aus der Reihe „Prostitution“ zählen.

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Andere Werke, die vom Elend der afrikanischen Flüchtlinge erzählen, sind plakativer, mit eingeklebten Fotografien.IMG_7359

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Die neuesten Werke, meist aus dem Jahr 2015, verlassen diese Bild-Sprache und werden abstrakt. Ist der Maler, wie ersehnt, im Alter „in das Licht der Hoffnung eingedrungen“? Jorge Rando nennt diese meist großformatigen Bilder „vertikale Horizonte“.   IMG_7346 IMG_7345  

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Ich finde diese Arbeiten sehr ansprechend. Eine schöne leichte Sprache fand Jorge Rando auch im kleinformatigen Aquarell:

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Aber den großen Ernst von Ernst Barlach erreicht seine Kunst wohl nicht.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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23 Antworten zu Ernst Barlach, Jorge Rando …. und ich

  1. Myriade schreibt:

    Bei aller Bewunderung für seine Bilder muss man doch der Wahrheit die Ehre geben und auch auch sagen, dass Nolde selbst ein heftiger Nazi war.

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    • gkazakou schreibt:

      JEIN. Man könnte ihn als Deutschnationalen bezeichnen, aber seine tief empfundenen religiösen Bilder zeigen jüdische Menschen, was wesentlich zum Malverbot beitrug. Seine Blumen- und Landschaftsbilder erregten keinen Anstoß. Sein Streit mit Liebermann und der Berliner Sezession, der künstlerisch begründet war, stempelte ihn zum Antisemiten. Auch Barlach, dessen Anti-Kriegs-Mahnmale den Nazis ein Dorn im Auge waren – viele wurden eingeschmolzen -, schrieb 1934 unaufgefordert eine Loyalitätserklärung.

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      • Myriade schreibt:

        Oh nein, Nolde war ein ganz frühes Mitglied der NSDAP und es gibt Texte von ihm in denen er Juden als völlig anderes und fremdes bezeichnet. Er sah sich auch als Künstler, der gegen die Überfremdung der deutschen Kunst kämpfte. Mindestens eines seiner religiösen Bilder war das Flaggschiff einer großen Kampagne gegen die „entartete Kunst“. Dass er schließlich selbst Malverbot bekam lag daran, dass Roenberg und Hitler selbst ihn nicht mochten. Goebbels dagegen war zum Beispiel ein Förderer Noldes.

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      • barbarabosshard schreibt:

        für mich eine horizonterweiternde diskussion. danke

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      • Myriade schreibt:

        Ich genieße sie gerade ! Du bist auch herzlich eingeladen, dich zu beteiligen.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich bin dir dankbar, dass du mir durch deinen Kommentar die Möglichkeit gibst, dies Thema ein wenig zu beleuchten. Zu dem „jüdischen Menschentyp“, der auf Noldes religiösen Werken vorherrscht, würde ich ebenfalls gern deine Meinung hören.

      Doch nun mein Kommentar: Wie schnell das Verurteilen geht! Ein paar zusammengesuchte Zitate – und der Mensch ist ausgelöscht. Ausgelöscht wurde er bereits einmal: während der Nazi-Zeit. Nolde war „deutschnational“ und vehement gegen die Übergabe von Nordschleswig an Dänemark, durch die er plötzlich Däne wurde. Daher seine Mitgliedschaft 1934 in der nordschlesischen Entsprechung der NDdAP. Der Kontext ist eine fragwürdige Volksabstimmung durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Heute sagen wir vielleicht: dänisch oder deutsch, was geht es mich an? Damals war es ein Kampfthema.

      Was Noldes „Antisemitismus“ angeht: Er fühlte sich durch Liebermann und Cassirer, beide prominente deutsche Juden – der eine als „Kunstpapst von Berlin“, der andere als „Herr über den Kunstmarkt“ apostrophiert – bekämpft. Tatsächlich ließ Liebermann jedes Verständnis für den deutschen Expressionismus vermissen. Er war mit der Gründung der Berliner Sezession gegen den Klassizismus und für den Impressionismus kämpferisch eingetreten, konnte sich aber durchaus nicht mit Kunstentwicklungen anfreunden, die nun ihrerseits den Impressionismus und Liebermanns eigene Malerei in Frage stellten. Würdest du Liebermann deshalb als antideutsch (pro-französisch) bezeichnen? Goebbels mochte den Expressionismus, er hielt ihn für „deutsch“, Hitler und Rosenberg verabscheuten ihn und nannten ihn „entartet“. Der Kern des Problems ist, dass ein Machthaber und seine Partei (oder ein Kunstpapst und seine Anhängerschaft, bzw heute der „Kunstmarkt“) darüber befinden konnten und können, wer ausstellen und vom Verkauf leben darf und wer nicht.
      Nolde wurde alles verboten, sehr viele seiner Bilder wurden zerstört. Das „Flagschiff“ der Ausstellung über entartete Kunst in München war Noldes „Leben Christi“. Du hast das aus Wikipedia. Dann lies bitte genau: Das Bild wird „Flagschiff“ genannt, weil es den Machthabern als Paradebeispiel für die E n t a r t u n g , nicht für den Kampf gegen die Entartung galt. Nolde ist das prominenteste Opfer des nationalsozialistischen Kunstgeschmacks. – Was Ergebenheitsadressen und Loyalitätserklärungen, Bittbriefe und Hinweise auf Parteimitgliedschaft und Wehrdienst anbetrifft – so findest du derlei bei vielen Deutschen, auch bei Juden, die um ihre Existenz in Deutschland rangen. Wie gesagt, selbst Barlach schrieb 1934 eine Ergebenheitsadresse – und du willst Barlach, der mit seinem „slawischen Menschentyp“ und seiner Kriegsgegnerschaft den Machthabern von Anfang an ein Dorn im Auge war, doch wohl nicht in die Ecke der Nazis stellen?

      Mit freundschaftlichem Gruß Gerda

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      • Myriade schreibt:

        Liebe Gerda, Meine Informationen stammen auch aus Wikipedia, aber hauptsächlich aus einem Nolde-Ausstellungskatalog.
        Einmal vorausgeschickt: ich liebe einen Großteil der mir bekannten Nolde-Werke. Du sagst „verurteilen“. Das tue ich gar nicht, das steht mir nicht zu, ich habe nicht in dieser Zeit gelebt. Ich beschränke mich auf die Tatsache, dass Nolde 1934 der „Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig“ beigetreten und auch nicht wieder ausgetreten ist, als diese in die NSDAPN übergeführt wurde. Warum er eingetreten ist ? Nun, das wusste nur er selbst.
        In seinem Streit mit Cassirer und Liebermann ging es um künstlerische Themen, ja, aber die Tatsache, dass die beiden Juden waren, hatte damit nichts zu tun. Ein wesentliches Merkmal des Anti-Semitismus, des Rassismus insgesamt besteht aber eben darin, dass man die Inhalte einer Auseinandersetzung in den Hintergrund stellt und die Tatsache in diesem Fall des Judentums als Kern des Problems betrachtet.
        Welche Kunstrichtungen dem Zeitgeschmack entsprechen und daher geschätzt werden und sich verkaufen und welche nicht und welche in einer Diktatur sogar verboten werden ist eine Sache, die Beschreibung von Juden als völlig „andere Rasse“fällt meiner Meinung nach in eine andere Dimension, nämlich in die des Rassismus.

        Zitat aus Noldes Autobiographie

        „’Eine hiesige junge Dame interessiert sich sehr für Ihre Kunst‘ erzählte Frau Rauert. Es war Fräulein Dr. Schapiere [sic], und als wir nach Alsen kamen, wurden uns ihre frisch geschriebenen Artikel zugesandt. Auch kamen Briefe geflogen. – Die schnell auflodernde Freundschaft zwischen ihr und uns brach bald wieder in sich zusammen. Nur Asche blieb. Vom Wind verweht. In der Kunst war es meine erste bewußte Begegnung mit einem Menschen, anderer Art als ich es war. Mit 18 Jahren hatte ich in Flensburg den ersten Juden gesehen […] Juden haben viel Intelligenz und Geistigkeit, doch wenig Schöpfergabe. Ein junger forscher Jude, als ich nach Berlin gekommen war, sagte mir dass: „Jedes junge Mädchen, mit dem ich zum dritten Mal allein zusammen bin, m u ß fallen.“ – […] Mir waren wund alle zarten edlen Innigkeiten. Juden sind andere Menschen, als wir es sind. […]“

        – Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Berlin 1934 S. 101, 102[11]

        Was die Entartete-Kunst-Austellung betrifft, hast du vollkommen recht.Entschuldige, das war eine Verwechslung mit einer anderen Ausstellung.

        Damit es nicht allzu lange wird, verlege ich mich auf einen nächsten Kommentar ..

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      • Myriade schreibt:

        Was nun den „jüdischen Menschentyp“ betrifft, so stellen sich mir allein schon bei der Bezeichnung alle Haare auf. Einmal ganz abgesehen davon, dass Jesus nunmal ein Jude war, ist dieser Typus ein semitisch-arabischer, den man überall im östlichen Mittelmeerraum findet. Aber einen „jüdischen Menschentyp“ gibt es einfach nicht. Es gibt Juden überall auf der Welt, die höchst unterschiedlich aussehen.

        Ich denke auch, dass Nolde einerseits ein Opfer des faschistischen Kunstgeschmacks war war, dass er aber andererseits in vielem auch durchaus auf der Linie der Nazis lag.

        Das Thema ist einfach so schwierig. Ist es zu rechtfertigen Loyalitätserklärungen und ähnliches zu faschistischen Regimes abzugeben um das eigene Leben zu retten oder zu verbessern ? Ich finde, dass diese Beurteilung, falls überhaupt irgendjemandem, nur Zeitgenossen zusteht, die in derselben Situation gelebt und eben anders reagiert haben.

        Und im übrigen finde ich es hochinteressant hier auch einmal solche Debatten zu führen und freue mich, dass ich das mit dir tun kann.
        Mit herzlichen Grüßen

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    • gkazakou schreibt:

      So, da bin ich wieder, nach einem herrlich erfrischenden Bad im Mittelmeer und mit hoffentlich klärenden Gedanken.
      Zuerst einmal: sprechen wir über Noldes Werk oder über seinen Rassismus? Sein Werk entspricht, wie es Hitler sehr richtig wahrnahm, keineswegs den „arischen“ Kunstvorstellungen (und hätte, nebenbei bemerkt, auch in der Sowjetunion keine Chancen gehabt, da es auch dem „sozialistischen Idealbild des Menschen“ keineswegs entspricht). Nur vor diesem Hintergrund benutze ich das Wort „jüdischer Menschentyp“. Es wurde ihm, lange vor der Nazi-Zeit, vorgeworfen, dass er Jesus und die Jünger, Maria und Magdalena ganz anders, als es die katholische Tradition will, also nicht blond und blauäugig, sondern mit gelbem Teint und dunklen Augen und Haaren darstellte. Grad las ich einen Artikel im Städele-Blog, der Noldes religiöse Darstellungen in die Nähe von Bildern Wahnsinniger rückt. Auch das war ein Vorwurf, der ihm lange vor der Nazizeit gemacht wurde und der ihm (ebenso wie sein „Antisemitismus“) bis heute anhängt. Er habe sich vom Image des Blumen- und Landschaftsmalers befreien wollen und deshalb seine angeblich ekstatisch-religiösen, in Wirklichkeit aber durch die Bilder eines Wahnsinnigen angeregten, um nicht zu sagen, abgeschriebenen Werke geschaffen. Solche infamen, jedem Kunstverständnis Hohn sprechenden Urteile zirkulieren also immer noch, und sogar in Fachkreisen. (Mich erinnert diese Form der Diskriminierung an einen anderen Heroen meiner Jugendzeit, den Schriftsteller und Orgelbauer Hans Henny Jahnn, dem man so ziemlich alles an Perversitäten nachgesagt hat. Er war ein kämpferischer Pazifist und Gegner von Tierversuchen, setzte sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach Norwegen ab, kehrte zurück, lebte seit 1933 meist auf Bornholm, blieb dennoch all die Jahre des Nazi-Reichs in der Reichskammer der Deutschen Schriftsteller, um nicht ganz abgeschnitten zu sein vom deutschen Sprachraum.).

      Das Zitat ist dasselbe, das auch bei Wikipedia steht. Gibt es kein anderes? Stellen wir also fest: Nolde hat 1934 geschrieben, „die Juden“ seien „andere Menschen“, und beruft sich dabei auf zwei persönliche Erlebnisse. Das ist ziemlich dumm, aber ein Verbrechen ist es nicht, man hört dergleichen aus Millionen und Abermillionen Mündern. Frag mal einen Briten, wie „die Deutschen“ aussehen, sich verhalten, denken… Oder frag einen Deutschen, wie „die Griechen“ ticken. Eco hat Vorurteile dieser Art wunderbar in seinem Roman „der Friedhof von Prag“ karikiert. Einen generalisierten Unterschied zwischen Völkern anzunehmen (zB die Franzosen sind gute Liebhaber, die Deutschen sind blond, die Juden reden immer durcheinander) ist eine verbreitete Idiotie, aber um sich zum mörderischen Rassismus der Nazizeit auszuwachsen, braucht es schon noch etwas mehr. Ein solcher Rassist war Nolde sicher nicht. Es freut mich, dass einige (wenige) seiner Kollegen es schafften, sich der rassistischen Argumentation gegenüber ganz zu verschließen. Ich vermute, dass es denen am ehesten gelang, die in ihrem Umkreis (Verwandte, Freunde) rassisch oder sonstwie diskriminierte (homosexuelle, behinderte) Menschen hatten.

      Was ist Rassismus? Du schreibst „Ein wesentliches Merkmal des Anti-Semitismus, des Rassismus insgesamt besteht aber eben darin, dass man die Inhalte einer Auseinandersetzung in den Hintergrund stellt und die Tatsache in diesem Fall des Judentums als Kern des Problems betrachtet.“ Dem kann ich zustimmen, weiß aber nicht, ob es auf den Fall Nolde zutrifft. Im Zentrum der Auseinandersetzungen stand lange vor der Nazi-Herrschaft der Kampf des Expressionismus gegen den Impressionismus Liebermannscher Prägung. Oder besser: der Aufstand des Neuen, Wilden, – oft Gewalttätigen, Chaotischen – der expressionistischen Maler und Dichter gegen die schöne Form und die „französische“ raison. Der Impressionismus ist in Frankreich entstanden und hat dort seine schönsten Blüten getrieben. Liebermann brachte ihn nach Deutschland und malte sehr erfolgreich in diesem Stil. Der Expressionismus entwickelte sich vornehmlich in Deutschland und hat sich kaum über die deutschen Grenzen hinaus ausgebreitet. (Der spanische Maler Jorge Rando, s.o., ist schon als junger Mann nach Deutschland gekommen und wurde hier künstlerisch geprägt). Auch der Neo-Expressionismus (Junge Wilde etc) ist ein vornehmlich deutsches Phänomen. Warum? Vielleicht hast du eine Antwort.

      So, das ist wieder lang geworden. Aber immer noch arg verkürzt. Liebe Grüße aus der Süd-Peloponnes! Gerda

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      • Myriade schreibt:

        Also was die „arischen Kunstvorstellungen“ betrifft, so waren sie ebenso neurotisch wirr wie Hitler selbst. Und selbstverständlich war ein Nolde viel zu gut und originell um da hineinzupassen. Glücklicherweise sind diese rassistischen Hindernisse der Kunst in der Jauchegrube der Geschichte verschwunden, wo sie sich mit der Mehrzahl der Werke des sozialistischen Realismus getroffen haben.

        Ob nun Nolde ein Rassist war oder nicht finde ich schwer zu klären. Damals war es üblich, normal und mehrheitsfähig Rassist zu sein. Insofern kann man sagen, dass er diesbezüglich vielleicht nicht besonders aufgefallen ist. Rassismus bleibt trotzdem Rassismus. Und trotzdem kann man seine Bilder hoch schätzen. Das ist ja überhaupt eine interessante Frage inwieweit man Kunstwerke von der Biographie der Künstler trennen kann ….

        Was das Zitat betrifft, in dem sich Nolde eindeutig rassistisch äußert, zu dem du fragst, ob es keine weiteren gibt …. Es wird schon weitere geben, aber ich habe derzeit keine Lust Noldes 2bändige Biographie zu lesen auf der Suche nach passenden Zitaten. Es ist mir ja auch keineswegs ein Anliegen Emil Nolde zu diffamieren. Ich weise nur darauf hin, dass er keine Lichtgestalt war, die sich gegen die zu seinen Lebzeiten herrschenden Zustände und Meinungen gestemmt hat. Wie so viele andere auch und ich wiederhole, dass ich mir keineswegs anmaße die mangelnde Zivilcourage zu kritisieren, weil ich nicht weiß, wie ich mich selbst verhalten hätte.

        Auch das ist wieder lang geworden, und ja, wie du sagst trotzdem extrem verkürzt. Wie könnte man aber auch so ein Thema kurz behandeln ?

        Zum Thema der – auch meiner Meinung nach – Idiotie der Zuteilung bestimmter Eigenschaften an Menschen bestimmter Nationalitäten möchte ich noch was sagen, aber heute nicht mehr.
        Ich wünsche dir eine gute Nacht und beneide dich ein bisschen um die erfrischenden Bäder, wir haben derzeit 34 Grad in der Stadt😦

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  2. Ulli schreibt:

    Mir geht es wie Barbara, das sind für mich alles ganz neue Informationen- danke

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  3. kunstschaffende schreibt:

    Liebe Gerda, sehr gut dass Du intensiver auf dieses Thema eingegangen bist! Das Ganze und nicht nur Teile einer geschichtlichen Person oder Ereignisses zu betrachten ist auch heute wieder ein ganz wichtiger Faktor.
    Um überhaupt ansatzweise etwas zu verstehen und da spreche ich nicht von urteilen.

    Herzliche Grüße
    Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      danke dir, Babsi, das hast du sehr schön gesagt. „Um überhaupt ansatzweise zu verstehen“ – auch heute! muss man schon ein bisschen in die Tiefe gehen. Leider ist das in solchen Kommentaren, selbst wenn sie schon recht lang sind, nicht wirklich möglich. Nolde, zB, ist ein großer Künstler, der sicher menschliche Schwächen hatte, die man auch nicht zu übersehen braucht. Aber was uns vor allem bewegen sollte, ist, meine ich, seine künstlerische Aussage. Liebe Grüße! Gerda

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  4. mmandarin schreibt:

    eine schöne, neue Entdeckung der „Rando“, vor allem die kleinen Aquarelle könnte ich so klauen …. (tu ich aber nicht) Marie

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    • gkazakou schreibt:

      ja, nicht wahr? diese blühenden Edelsteine haben es auch mir angetan. Es ist das bisher letzte, was Rando gemalt hat. Wenn du mal nach Malaga kommst: dort gibt es ein Museum mit einer Dauerausstellung seiner Werke. Die haben diesen Beitrag grad reblogged.

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  5. Ingrid Spieker schreibt:

    Gerda mou, im Nolde Museum daselbst, habe ich erstmals einen umfangreichen Beitrag zu Noldes Nazivergangenheit gelesen und dort auch einen Vortrag zu dem Thema gehört. Die Inhalte gingen in Richtung der Beiträge Myriades.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, ich weiß, Ingrid. Es ist ja bekannt. Ich habe seine ganze Autobiografie gelesen, und ich kann nicht sagen, dass ich vor Freude gehüpft bin. Ich versuche zu verstehen, einzuordnen, nicht zu rechtfertigen, aber auch nicht anzuklagen. Ich versuche, seine Weltanschauung in ein Verhältnis zu seinem Lebenswerk und seinem schließlich äußerst schmerzhaften Leben zu setzen. Schau seine Bilder an, zB die von der Südsee, die Menschen, die er malte, die tanzenden Frauen – so malt kein „arischer Bekenner“! Da ist so viel unmittelbares seelisches Wundern, Mitgehen mit allen Leidenschaften der Menschen, egal welcher Rasse und welchen Geschlechts. Es ist eine Bildsprache, die die Seele ergreift und nicht mehr loslässt.

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  6. Monika schreibt:

    Schön das Du dem Meer entstiegen bist. Erfrischt, entspannt, gelassen. So kommt es mir vor. Ich freue mich sehr, wieder Deine Beiträge zu lesen. Deshalb weil sie mir Informationen in einer Art und Weise zuteil werden lassen, die mich nicht zwingen, irgendetwas dagegen zu halten. Es begegnet mir eine Sprache, die informativ, sachlich, freundlich und verständnisvoll ist. Für mich und jedermann.
    LG. Monika

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  7. chris schreibt:

    Mit dem Spanier kann ich nichts anfangen.
    Barlach ist mir seit meiner Jugend sehr ans
    Herz gewachsen. Von Nolde gefällt mir nicht
    alles – aber einige großartige Bilder hat er
    zweifellos geschaffen,..

    An der „politischen“ Diskussion möchte ich
    mich gar nicht beteiligen. Ich glaube, keiner
    kann heute ermessen, unter welchem Druck
    die Menschen damals standen. Jeder hat
    versucht irgendwie zu „überleben“. Solange
    man nicht anderen Menschen geschadet
    hat, war das auch legitim. Die zwölf Jahre
    waren kein Pappenstiel, wenn man nicht
    emigrieren konnte. Urteile über die
    Menschen vor 80 Jahren dürfen wir
    uns eigentlich gar nicht erlauben.
    Ich weiß das aus der eigenen
    Familie nur zu gut!

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    • gkazakou schreibt:

      tja diese „politischen“ Diskussionen! Ich verstehe deine Abneigung, dich da einzumengen. Was „den Spanier“ betrifft, so zeigen die Fotos natürlich nicht das volle Werk. Aber auch da will ich dir nicht reinreden. Mir gefiel sein Werk recht gut, ich fand es anregend vor allem wegen meines eigenen „expressionistischen Erbes“. Was du zu Barlach und Nolde sagst – so ist es auch bei mir gewesen.

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