„Ankommen dauert“, sagt Bruni von „Wortbehagen“, und recht hat sie. Alles muss erst mal inspiziert werden, für Wärme und Nahrung ist zu sorgen, die Freunde trudeln nicht alle am ersten Tag ein… Heute also war „ein zweiter Tag des Ankommens“ angesagt.
Zu früh für mein Schlafbedürfnis, wankte ich noch schlaf- und vollmondtrunken in einen hellen Morgen. Mir scheint immer, dass das Tageslicht bei Vollmond anders, süßer ist als sonst. Mit Tito inspizierte ich unser Grundstück, das sich auf drei schmalen Terrassen mit Olivenbäumen erstreckt. Wenig Blühendes fand ich: am schönsten im niedrigen Gras die glänzend-gelben Blüten, die der Sumpfdotterblume ähneln, dazu auch ein paar großblütige Gänseblümchen – vielleicht auch kleine Margeriten? – und eine einzige rote Anemone. Der Rosmarin, klar, blüht, und ein Strauch mit gelben Schmetterlingsblüten auch, frag mich nicht, wie er heißt. Der Feigenbaum zeigt erst geringe Knospenansätze. Am Prägnantesten immer die Zypressen, manche mit kahlem Gezweig (sie werden durch eine Krankheit dezimiert) und die Stämme der Ölbäume – schwärzlich und vollkommen präsent. In der Tiefe das seidige Blau des Meeres.
Vorm Atelier die kläglichen Reste einer Tischplatte, die mitsamt zerbrochenen Glasscheiben Ulli Gau und mir im vergangenen Jahr als Fotomotiv diente. Ein Blick durchs blank geputzte Fenster ins Atelier – danke, Katerina, du hast das Haus in unserer Abwesenheit wunderbar geputzt! Drinnen herrscht noch das gesammelte Schweigen von vier Monaten Abwesenheit. Aber gleich kommt ein Paar, ich werde zwei Stunden mit der jungen Frau, die ich noch nicht kenne, „arbeiten“, werde ihre Lebensprobleme erfahren und wie sie sich Auswege vorstellt, werde mit ihr einen Satz, den sie formuliert, Wort für Wort aufstellen. Das ist die Methode, mit der ich jetzt meistens arbeite. Auch mit ihrem Partner werde ich ein paar Sätze wechseln, denn seine Mutter kommt aus eben der süditalienischen Gegend, die wir Ende Mai besuchen wollen.
Zu Mittag – ich brauche mich nur an den gedeckten Tisch zu setzen – gibt es eine feine Linsensuppe und eine weiträumige Unterhaltung. Wenig später kommt ein Tankwagen und füllt über einen langen Schlauch, der in den Stutzen am Kellerfenster geschraubt wird, Heizöl in unseren Tank, 700 l, das soll wohl für den nächsten Winter reichen.
Jetzt aber ist Frühling, und Magda kommt aus Kalamata, wir wollen einen Spaziergang machen. Es geht hinab in die feucht-grüne Schlucht hinter unserem Haus – und, o Wunder! Der blau-violette Schein an den Hängen entpuppt sich beim Näherkommen als wilde Schwertlilien! Mein Herz hüpft. Welche Freude! Unser Pfad führt hinauf und in eine andere Schlucht hinab – und überall diese herrlichen Blüten! Zwischen den Oliven und gegen die dunkle Wand der Zypressen ein Zitronenbaum voller Früchte, auch der Boden ist übersät mit gelben Kugeln, abgeschlagen wohl vom Hagel und von niemandem eingesammelt. Die Erde duftet süß und feucht, es ist ein zauberhaftes kleines Tal, das ich bisher noch nie besucht hatte. Im Blau über der kahlen Bergkuppel kreist ein Bussard – fotografieren lässt er sich nicht.
Später holen wir das Auto und fahren zu „meiner“ Taverne am Meer, um dort einen Bergtee zu trinken und uns in Ruhe zu unterhalten. Eine plötzlich einfallende Kälte vertreibt uns. Für das Wochenende ist ein Wetterumsturz angesagt.
Und ja: Seither habe ich an diesem Eintrag gebastelt, eure Blog-Einträge gelesen, Bilder angeschaut, manches kommentiert …. Ein Eintrag von Maren Wulf entführte mich über Meißen nach Guimaroes in Nord-Portugal, wo ich 2011 feinste Porcellanfiguren bestaunte. Noch nicht recht angekommen, schweift der Geist schon fort in andere Regionen….. So ein Tag hat doch weit mehr Facetten als die, die sich im kleinen Blogformat darstellen lassen.
