Eine abc-etüde ist zu schreiben über eine Verzweiflungstat. Etüden-Erfinder Ludwig Zeidler hat die Wörter erdacht, Etüden-Betreuerin Christiane hat einen Kurztext von höchstens 300 Wörtern erbeten. Ambivalent stand ich diesem Ansinnen gegenüber. Nun habe ich mich dennoch der Erdichtung einiger kata-strophischer Verse hingegeben.
Eine Ameise kommt selten allein
Meistens ist sie zumindest zu zwein.
Doch bald schon ist sie zu viert und zu sext
Und ängstlich frag ich: wieviel sinds demnext?
Ameisen finde ich ambivalent
Was jeder versteht, der Ameisen kennt.
Denn sicher, wenn sie in Marschkolonnen
Abholen was übrig und ausgeronnen
Wenn sie die Körnchen und Grannen schleppen
Über Stöckchen und Stein und auch über Treppen
Dann ruf ich: O he, was seid ihr doch tüchtig,
ihr seid nach Arbeit ja gradezu süchtig!
Ameisen finde ich ambivalent
Was jeder versteht, der Ameisen kennt.
Doch wenn ich sie dann auch im Bette noch finde
Und sie da krabbeln, das find ich, gelinde
Gesagt, schon ziemlich empörend
Und meinen Schlaf gehörig verstörend
Dem hinzugeben ich mich entschlossen
Da ich ihn gestern zu wenig genossen.
Ameisen finde ich ambivalent
Was jeder versteht, der Ameisen kennt.
Sie krabbeln sehr gern über Schüsseln und Teller
Ess ich auch schnell, sie krabbeln noch schneller
Finden den Fisch und die Gräten sehr lecker
Holen sich alles, da hilft kein Gemecker,
geh ich mal fort, sogleich sind sie dort
an jedwedem Ort, da geb ich mein Wort.
Ameisen finde ich ambivalent
Was jeder versteht, der Ameisen kennt.
Wenn sie gar in Titos Essen spazieren
Da werde ich sauer, da kann es passieren
Dass ich sie verfluche
Und Auswege suche
Vielleicht sie ertränken?
Vielleicht sie erhänken?
Vielleicht sie zertreten?
Da hilft nur noch beten
um Duldsamkeit und guten Rat.
Ich fürchte ne Verzweiflungstat.
(Die Originalzeichnung der Ameise ist demnext in einem gesonderten Eintrag zu besichtigen)



















































