Dora zum Achtzehnten: Du passt nicht auf

Als ich zum Meer runtergehe, stolpere ich über eine Unebenheit im Weg und fange mich grad noch auf, ohne zu stürzen. „Du passt nicht auf!“ ruft erschrocken Dora, die sich an meinem Hals festklammert, um nicht ihrerseits auf dem Boden zu landen.

„Schon gut“, sage ich, „ging ja noch mal gut“. – „Du passt nicht auf! Du musst aufpassen!“ wiederholt Dora vorwurfsvoll.  – „Klar, sicher“, antworte ich und spaziere weiter. – „Aber du passt nicht auf!“ besteht Dora. „Du bist in deinem Kopf anstatt in deinen Augen und Ohren. Oder hast du bemerkt, was da neben uns am Wege wächst?“ – Ich werfe einen kurzen Blick in die angegebene Richtung. „Agaven“, sage ich. „Und? Die habe ich schon x mal gesehen“.

„Was du so ’sehen‘ nennst. Ein Name,  und schon verschwindest du wieder in deinem Kopf. Habe ich recht?“ – Ich fürchte, sie hat Recht. Das Wort wars, das ich wahrnahm, nicht die Pflanzen. Ich dachte an Agave, eine der Töchter von Kadmos und Harmonia, von deren Hochzeit Roberto Calassi so wundervoll zu erzählen weiß. Auf Samothrake heirateten sie.  Samothrake – mon amour.  Kadmos war von seinem Vater losgeschickt worden, um sein Schwester Europa zu suchen, die Zeus entführt hatte. Europa. Von dieser Entführung sah ich heute ein eindrucksvolles Bild, in Susanne Hauns Blog, an die dachte ich auch. An Susanne und Europa und wohin sich Europa bewegt … und wenn man so vor sich hindenkt, kann man schon mal ins Stolpern geraten.

„Hast du auch das Babyblatt bemerkt?“ – „He?“ – „Na, dort, das Babyblatt. Ist es nicht nett, wie es da in den Armen des größeren Blatts liegt, als wär es seine Mutter?“

Babyblatt. Ich lächele. Ja, wahrhaftig. Bis das zur Blüte kommt… Hundert Jahre, sagt man, braucht die „Hundertjährige“, um zu blühen.  Einmal nur blüht sie, dann stirbt sie ab, aber inzwischen sind viele viele Babypflanzen nachgewachsen, und die werden dann auch mal blühen.

„Du bist schon wieder woanders.“ Dora zupft an meinem Ohr. „Bleib mal stehen! Guck mal, dies Muster auf dem Blatt. Ein Abdruck von einem Babyblatt, das hier heranwuchs. Und nun kannst du meinetwegen über den Abdruck von Babys auf Mutterblättern nachsinnen – dir wird schon was einfallen.“

Dora, Dora, mach dich nicht über mich lustig. Ich kann ja nicht nur einsammeln, was du mir hunderttausendfach bietest,  ich muss es ja auch irgendwie einordnen. Jedes Ding, jede Pflanze, jeder Mensch, jeder Sonnenuntergang, den ich sehe, will sich ja einweben in den Stoff meines Lebens.

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Dora zum Siebzehnten: Impulswerkstatt mit Rosa

Ich wollte schlafen gehen, aber Dora ließ mich nicht. „Du kannst jetzt nicht einfach schlafen gehen“ nölte sie. „Ich will der Myriade erst noch ein Geschenk machen. Du weißt doch, dass es ihr nicht so gut geht. Was könnte ihr denn Spaß machen?“ – „Keine Ahnung“, sagte ich, gähnte und versuchte, den Computer zu schließen. Ging aber nicht. Dora hatte ihn okkkupiert, durchsuchte meine letzten Einträge und begann zu cutten und zu pasten. „Ich habe was zu ihrer Impulswerkstatt gemacht„, verkündete sie schließlich. „Schau mal!“

Ich war verblüfft. Da hatte sie doch…. „Pst, nicht verraten,“ flüsterte Dora. „Jetzt poste das grad noch, und dann geh meinetwegen schlafen.“

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Montag ist Fototermin: Sonnenuntergang – Vollmond

Nach einem recht regnerischen Tag ein feuriger Sonnenuntergang (unbearbeitet).

Auch der volle Mond lässt sich blicken. Merkwürdig der hell-orange Ring, der mir erst am Computer auffiel (mit Blitzlicht, unbearbeitet)

Ausschnitt mit digital etwas verstärkten Farben. Ich staune und kann es mir nicht erklären. Wer weiß Bescheid?

 

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Impulswerkstatt: Hintergrund-Überlegungen zu „Hand hält Holz“

Ich weiß nicht, ob jemandem bei meiner letzten Zeichnung der Hintergrund aufgefallen ist: ein Teppichmuster. Ich habe es, obgleich die Nacht schon fortgeschritten war, vollständig skizziert. Und fragte mich: warum tue ich das eigentlich? Warum lasse ich das Motiv nicht einfach vor der weißen Fläche sprechen?

Sehr oft habe ich das Bedürfnis, außer dem Motiv, auf das ich gerade fokussiere, den gesamten Raum als Hintergrund mit einzubeziehen. Das tue ich auch bei Themen, über die ich nachdenke: wie ist das Ereignis eingebettet? „Aus dem Zusammenhang gerissen“ – das ist ein häufiger Vorwurf beim Zitieren. Nicht so beim Zeichnen. Da ist es dem Betrachter anscheinend egal, ob meine Hand das Holz ins Kaminfeuer oder in den Sand werfen wird.  Dabei bekommt ein gezeichnetes Motiv  – genauso wie ein Satz, eine Handlung –  seinen vollen Sinn erst durch den Kontext.

In diesem Beispiel ist der Hintergrund (die Einbettung) einfach: ein sich wiederholendes Teppichmuster.

Surrrealistische Darstellungen nutzen die Überraschung, wenn Motiv und Hintergrund nicht mit den Erwartungen übereinstimmen. Bei Collagen kann man diesen Effekt der  Verrätselung recht einfach herstellen.

Collage aus Sandfoto, Portrait- und Handzeichnung, eingefärbt-

Und was hat das alles mit deiner Impulswerkstatt zu tun, liebe Myriade? Nun, auch du hast ein enigmatisches Handfoto abgebildet.

Collage aus Myriades Foto und meiner Handzeichnung

Nun stelle man sich vor,  die Hand wäre grün und das Holz fleischfarben …. Brrr.

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Hand hält Holz (tägliches Zeichnen)

Bevor ich es in den Kamin warf, zeichnete ich es.

Nachdem ichhes gezeichnet hatte, mochte ich es nicht mehr verbrennen.

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Entschließung (abc-etüde, fein gereimt)

abc.etüden 2022 03+04 | 365tageasatzaday

Wackelpudding
unverdrossen
knistern.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/01/16/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-03-04-22-wortspende-von-stachelbeermond/

Entschließung

Wackelig und weich

Dem Wackelpudding gleich

ist die Erde, sind die Beine

Als sie endlich ganz alleine

Sich entschlossen

Unverdrossen

Ohne erst lang nachzufragen

Sich in diese Welt zu wagen.

 

Siehe, nach den ersten Schritten

Steht sie in der Welten Mitten

kräftig, voller Mut

Ah, wie tut das gut!

Und sie tanzet

Und sie pflanzet

Einen neuen Lebensbaum

Unbegrenzt von Zeit und Raum.

Nah am Ohr die Geister flüstern

Und die fernen Sterne knistern

Wie die Seide edler Damen

Ja so sei es: Amen.

 

 

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Dora zum Sechzehnten: Über den gelb blühenden Klee (und zwei Strategien)

Als wir an der Abbruchkante einer Oliventerrasse vorbeikommen, rutscht Dora von meiner Schulter und ruft: Guck mal diese runden Dinger! Eh ich es mich versehe, hat sie sich abgeseilt und ist auf einem Gebilde gelandet, das einem winzigen Boxsack nicht unähnlich sieht.

Verwundert schaue ich an der bröckeligen Lehmwand hoch. Wo kommt dies Seilchen denn her? Nun, offenbar von oben, dort, wo der Klee mit seinen gelben Trichterblüten blüht. Er ist allgegenwärtig. Alle Oliventerrassen sind damit bedeckt, zur Freude der Bienen und des betrachtenden Auges.

Es ist ein Sauerklee, soviel verstehe ich gleich bei der ersten Google-Recherche. Bei der zweiten erfahre ich, wie man ihn erfolgich bekämpfen kann. Ich lese Dora die Fundstelle laut vor: „Der zur botanischen Gattung Oxalis gehörende Horn-Sauerklee ist ein wahres Ärgernis im Garten, denn die ebenso robuste wie vermehrungsfreudige Art besiedelt mit Vorliebe Gartenbeete, Rasenflächen und Pflasterfugen. Einmal etabliert, werden Sie Oxalis corniculata so schnell nicht wieder los. Das Unkraut gedeiht fast überall und verbreitet sich sowohl durch seine zahlreichen Samen als auch die tiefen Wurzeln immer wieder aufs Neue. Mit diesen Mitteln bekämpfen Sie Sauerklee endlich endgültig.“ (Plantopedia)

Dora ist entrüstet, und auch ich bin trotz des griechisch klingenden Namens der Seite wenig erbaut. Warum sollte ich diesen goldenen Schatz vernichten wollen? Kann man ihn nicht jedenfalls essen? Nein, erfahre ich. „Dieser (Klee) enthält hohe Anteile an giftiger Oxalsäure und ist daher nicht zum Verzehr geeignet.“  (ebd)

Also weg damit? „Das Unkraut ist äußerst hartnäckig und nur schwer zu vernichten, zumal sich die Art sowohl durch Wurzelausläufer als auch durch Samen flächendeckend vermehrt. Die schmalen Kapselfrüchte springen schon bei der kleinsten Berührung auf und schleudern die innen liegenden Samen dadurch mehrere Meter weit weg – aus diesem Grund bezeichnet man die Art auch als „Springklee“. Kleine Tiere wie beispielsweise Ameisen tun ihr Übriges und verteilen die Samen im weiteren Umkreis. Problematischer als die Samen sind jedoch die Ausläufer, die aus den tief im Boden verankerten Wurzeln sprießen. Da diese gerade in lehmigen Böden kaum zu entfernen sind, kommt das Kraut bei lediglich oberflächlicher Behandlung immer wieder.“ (ebd)

Ziemlich martialisch die Beschreibung. Der Klee – dein Feind. Dass er offenbar nicht leicht zu vernichten ist, freut mich sehr, denn leider gibt es auch hierzulande Gegner von Kräutern, die dem Menschen nicht dienen. Und so betrachte ich mit einer gewissen Schadenfreude die Wurzeln mit den Säckchen, die hier an der Abbruchkante sichtbar wurden, aber normalerweise „tief im Boden verankert“ auf ihre Chance warten. Sie scheinen sogar die Attacken mit Round-up, derer sich so mancher Bauer bedient, gut zu überstehen.

Was schlagen die Gartenfreunde denn vor, um den Klee loszuwerden? fragt mich Dora, die wie gewöhnlich auf meiner Schulter hockt.   „Regelmäßiges und tiefgründiges Jäten“, „Abflammen bewachsener Steinfugen“, „Fugenkratzer“, „Ritzen mit Flüssigharz versiegeln“ – oder, damit der Klee gar nicht erst eine Chance hat: ein „Unkrautvlies unter die Steine positionieren“. Im Rasen: „den Klee herausreißen, und kontrollieren Sie die Rasenfläche in kurzen, regelmäßigen Abständen auf neue Austriebe, die Sie ebenfalls sofort entfernen“.

Dora ist nun echt verwundert. So viel Arbeit, um diesem „Feind“ zu Leibe zu rücken? Wozu soll das gut sein? Ist der Klee nicht vielleicht sogar nützlich? Also wenn du mich fragst: ich glaube, dass er den Boden sogar heilen kann!  Also google ich zum dritten Mal, diesmal mit dem Suchbegriff  „Klee Bodenverbesserer“, und werde sofort fündig (Gartentipps).

„Klee zur Gründüngung einsetzen. Der Klee gehört zu den schnellwachsenden Pflanzen, die Sie zur Gründüngung einsetzen können. Er bietet sich neben Lupinen vor allem zur Bepflanzung von mittleren bis lehmigen Untergründen an. Die Wurzeln können bis zu zwei Meter tief reichen, was eine tiefgründige Lockerung des Bodens bewirkt.

Außerdem lebt der Klee mit verschiedenen Bodenbakterien in einer Gemeinschaft, die sich an den Wurzeln der Pflanze festsetzen und Stickstoff aus der Luft hineinschleusen. In der Folge erhöht sich der Gehalt an Stickstoff in der Erde, der vom Regen nicht so schnell ausgewaschen werden kann.“

„Siehste!“ ruft Dora triumphierend, und ich denke: Sieh mal einer an! Zwei Geschäftsmodelle. Die einen wollen dich, lieber Klee, mit Stumpf und Stiel ausrotten, und bieten mir dafür allerlei Hilfsmttel an. Die anderen wollen mir deine Samen verkaufen, damit du dich vermehrst und die Böden verbesserst. Beide sprechen über dasselbe Phänomen: deine tiefen Wurzeln. Woran erinnert mich das bloß? Woran?

über Doras Kopf: Kleeblüte

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Landschaft (tägliches Zeichnen)

Heute wanderte ich auf die andere Seite unserer „Hausschlucht“, denn dort gibt es eine reizende Ecke mit allerlei Bäumen, vergeichbar dem Paradies.  Das Gatter zum Paradies brauchte ich nicht heimlich zu öffnen, es empfing mich mit offenen Armen. Der Pfad war von hohem gelbem Klee bewachsen, der war feucht vom nächtlichen Tau und durchweichte meine alten Turnschuhe, aber das schreckte mich nicht. Eine Wolke von Orangenblütenduft empfing mich, Blüten, Knospen und Früchte prangten an den beiden alten Orangenbäumen und dem Mandarinenbäumchen, ein paar Bienen delektierten sich an den Blüten, ein Vogel zwitscherte aufgeregte Warnung. Vorbei gings an dem Zitronen- und dem doppelstämmigen Feigenbaum. Sollte ich den Pfad in die Talsohle nehmen, oder doch lieber auf die nächsthöhere Terrasse steigen, wo die Sonne den Boden wärmte? Ich entschied mich für den Sonnenplatz, fand sogar einen Felsbrocken, um mich zu setzen. Durch die Bäume hindurch sah ich ein Eckchen blaues Meer. Am Hang gegenüber ragten hohe Zypressen, ihre Wurzeln verschwanden im Dunkel der Schlucht, ihre Wipfel berührten den blauen Himmel.  Ich zückte meinen Reporterblock und skizzierte die beiden Motive. Fotogafieren konnte ich sie nicht, der Akku des Telefons war leer.

Zwei Olivenbäume rahmen den Blick, der bis hinunter zu einem kleinen blauen Dreieck führt: dm Meer.

Himmel, Meer, ferne Küste eingefärbt

 

Vier Variationen von impessionistisch-verspielt bis hin zur nächtlichen Arabeske (anklicken = größer sehen)

Zypressen ragen vor der steilen terrassierten Wand auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht empor.

Auch hierzu zwei Variationen. Die Farben erhielt ich durch Verstärkung der Restfarben, die beim Fotografieren entstehen:

 

 

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Kirchen: Stavropygio und Malta (Tägliches Zeichnen mit Überblendungen)

Gegen meine Gewohnheit habe ich heute nach Photos gezeichnet. Vor Ort kam ich nicht dazu. Die Zeichnungen oder eher Skizzen machte ich, um sie mit den Fotos zu überblenden. Um mit Effekten zu experimentieren. Das kann man natürlich auch mit einem Foto ohne Zeichnung tun, aber die Möglichkeiten beim Überblenden sind deutlich vermehrt.

Als Grundebene nahm ich die Fotos, als zweite Ebene die Zeichnungen, die ich mit Filtern veränderte. Das Resultat überging ich bei den Schwarz-Weiß-Varianten erneut mit einem Filter von Fotoshop.

 

Sehr viele Varianten mit Überblendungen entstanden. Hier je vier Beispiele. Die Schnitte im Bild zeigen, wo ich die Zeichnung dem Foto angepasst habe. Benutzt habe ich Filter und Farbverstärkung bzw Entfärbung (zum Vergößern anklicken).

 

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Dora zum Fünfzehnten: Fensterln

Dora war natürlich auch mit uns in Malta. Ein Übermaß an Geschenken präsentierte sie uns. Einige zeigte ich ja bereits als Foto. Doch sie selbst zeigte ich nicht. Und das geht natürlich gar nicht. Daher nun: Dora beim Fensterln. Das Fenster ist eher ein Möchtegern-Fenster, aber für Doras Eskapaden reicht es vollkommen.

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