Der Mensch und das Meer – apokalyptisch (Myriades Impulswerkstatt)

Dieses Bild, liebe Myriade, ist mir ein Rätsel geblieben. Soviel ich es auch drehte und wendete, ich wurde nicht schlau draus. Sind das Boote, die das wässrige Element fliehen und sich zu retten zu suchen? Ein Fisch, links im Bild, verfolgt sie mit aufgerissenem Maul, und andere Wasserwesenheiten – Wasserschlange, Wassergeist, Tintenfisch – schicken ihnen ihren stummen Fluch hinterher.

Wenn es denn so ist. Wenn es nicht gerade umgekehrt ist: das linke Boot geht mit Volldampf zu Wasser, der Fisch ist empört, reißt das Maul auf, lässt sich ein auf einen Kampf auf Leben und Tod.

Auf jeden Fall ist das Bild sehr dynamisch, bewegt, und ist damit den anderen dreien verwandt. Die zeigen ebenfalls Bewegung, freilich in weniger dramatischer Form: der junge Mann läuft, das Meer zieht sich zurück, das Hologramm löst sich auf, der Verkehr rollt. Und nun, hier, ein Katastrophenbild, in dem Mensch und Gewässer sich bekämpfen. Jedenfalls lese ich es so.

Und so lese ich es auch aktuell, wenn ich die Motorboote mit großem Lärm übers glitzernde Meer flitzen sehe und mich schwimmend zu retten suche. Bei uns ist ja Sommer-Hochkonjunktur, und wer kann, geht zu Wasser. Die Fische, im Sommer eh nur in geringer Zahl unterwegs, landen auf den Tellern der immer hungrigen Touristen. Ich nehme mich da gar nicht aus, auch mir schmecken sie. Dass ich nicht über das Meer flitze, liegt eher daran, dass ich kein Boot zur Verfügung habe, und ist weniger höherer Einsicht zu danken. Ja, so sind wir Menschen: wir denken an unser Vergnügen, da können die Meeresbewohner ihre stummen Schreie ertönen lassen, so viel sie wollen.

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Aber sie sind da. Sie sind da und denken über ihre Revanche nach, täuschen wir uns da lieber nicht.

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Die lustige Fahrt geht so lange, bis das Ruder bricht.

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Dann wird ein großes Wehklagen ertönen – diesmal von Seiten der Besatzung, während die Fische, gesättigt von den menschlichen Überresten, in die Tiefen der Meere abtauchen, für eine weitere stumme Ewigkeit.

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Lust auf Architektur (tägliches Zeichnen und Bearbeiten)

Kalamata hat hübsche Ecken, in denen es sich gut herumspazieren lässt. Aber es ist schwierig, sich dort hinzusetzen und zu zeichnen.

Heute hatte ich Lust auf Architektur, und so machte ich es so wie mit der Katze: Ich nahm ein Foto zu Hilfe, das ich vorgestern bei einem Kalamata-Bummel aufnahm (es ist das vierte oben).

Ich machte dann ein paar Versuche, wie es wäre, die Farben des Fotos auf die Zeichnung zu schmuggeln. Und wie es wäre, die Zeichnung etwas durch Fotoshop-Filter zu verändern. Na, ihr kennt das ja schon. Ich zeige jetzt nur die krasseste Variante „in Öl“ und mit reingeklebtem Blauhimmel.

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Prinkipessa und Co (tägliches Zeichnen, digital bearbeitet)

Heute saß die scheue Prinkipessa recht zutraulich unter dem Tisch, und ich fühlte mich bemüßigt, sie zu zeichnen. (Wo hat sie nur ihre vielen neuen Kinder? Sind die etwa schon wieder verloren gegangen?) Ihre anscheinende Ruhe hinderte sie nicht daran, pausenlos ihre Position zu verändern: mal guckte sie hierlang, mal dorthin, mal streckte sie das Bein, mal hob sie den Kopf … und so wurde aus meinen Bemühungen nicht viel.

Daher machte ich mich ans Fotografieren. Ein Foto nutzte ich als Vorlage für eine Zeichnung, die ich ihrerseits mit dem Foto überblendete und digital bearbeitete. 

Am interessantesten war mir der Kopf, mit dem ich weiter herumexperimentierte. Und so entstand aus der Kombination von Foto und Zeichnung eine Reihe von Katzenportraits. Ich zeige hier mal die Originalzeichnung und drei Überblendungen, davon zwei auch digital bearbeitet sind.

 

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Bank und Taverne. Ambiente von Innenräumen (kleine Beobachtungen)

Im Sommer spielt sich das Leben weitgehend draußen ab. Räume betritt man selten – außer vielleicht den Supermarkt oder den Laden um die Ecke. Heute aber war ich in zwei Innenräumen mit sehr unterschiedlichem Ambiente. Das Raumgefühl will ich euch nun ein wenig nahebringen.

Der erste Ort liegt im 2. Stock einer Bank, wo wir eine neue Kreditkarte beantragen. Dafür werden mehrere Kilos Papier verbraucht, und wir müssen gefühlt hundertmal unterschreiben, sowohl auf den Papieren als auch elektronisch, nachdem wir unsere Identität durch etliche Dokumente bewiesen haben. Heilige Bürokratie! Die Sachbearbeiterin erledigt alles mit professioneller Freundlichkeit.

Die ganze Prozedur findet in einer Art Verschlag mit rundem Schreibtisch und Plexiglasschutz – ein Relikt der Covidzeit -, Elektronik und Telefon, Schreibtischstuhl und Besuchersesseln, sowie winzigen persönlichen Dekor-Stücken statt. 

Von solchen Verschlägen gibt es auf der Etage etliche, von einander getrennt durch Sichtblenden, die die Illusion von Intimität oder jedenfalls Vertraulichkeit erzeugen sollen. 

Der andere Raum, den wir anschließend besuchen, ist eine Taverne. Draußen sind alle Tische besetzt, und so setzen wir uns ins Innere.

Außen und Innen kommunizieren durch die geöffneten Türen und Fenster. Küche und Bedienung kommunizieren über eine offene Tür und die breite Theke. Der Raum ist recht dunkel, die Farben sind ockig-warm. Über der  Theke sind Reproduktionen von Bildern des bekannten Malers Yannis Tsarouchis wie in einen Fries eingelassen.

Die Tische sind schwer, für größere Gruppen geeignet, denn so isst man hier am liebsten. Wir sind freilich nur zu zweit. Der erste Gang ist schon da: Kolokithokorfades – die Blüten der Zucchini, geschmort und angerichtet mit Kräutern, Tomatenmark und Käse. Bier vom Fass in großen Glaskrügen.

An der gegenüberliegenden Wand hängt ein breiter Spiegel, der wie ein zweiter Fries den Raum mit weiteren Personen zu dekorieren scheint.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Morgensonnenkatzengewusel

Früh am Morgen – und die ganze Mannschaft ist schon auf den Beinen. Anscheinend gibt es eine Arbeitsteilung unter den Mitgliederrn des Katzenclans. Jedenfalls will mir scheinen, dass täglich wechselnd jeweils zwei Katzen meine morgendlichen Bewegungen beobachten, um sie weiterzumauzen, so dass, wenn ich endlich mit der Schöpfkelle ankomme, um die Tongefäße mit Trockenfutter zu befüllen oder auch zwecks größerer Chancengleichheit auf den Platten des Wegs zu verteilen, die ganze Mannschaft informiert ist. Sieben sind es zur Zeit. Prinkipessa hat ihre Jungen noch nicht vorgeführt und Theo die ihren noch nicht zur Welt gebracht. Mir scheint, sie hat es auf das Turmzimmer abgesehen, um zu gebären. Also passe ich auf, dass sie sich nicht dort niederlässt. Bei Frieda bin ich mir noch nicht sicher, was sie vorhat.

Was ich vorhabe? Das alte Lied: ich weiß es nicht. Ich kann mich zu nichts entschließen. Nur Fritzis Kinder – die beiden weißen Katerchen -, sind inzwischen handzahm. Sie werden sich entweder anderswo ein Revier suchen müssen oder ich lasse sie kastrieren. Dann können sie meinetwegen Hauskater werden.

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Legebild des Tages: „Hier hat die Frau das Sagen“ (aus dem Archiv, mit Texten)

Ich habe mal wieder ins Archiv gekramt.  Und stieß auf eine Geschichte, die ich im Rahmen von Juttas Geschichtengenerator schrieb und legte.

„Tom und Martha“ ist ein bitterböses Ehedrama. In der zweiten Episode – das Paar kann nach einem vermasselten Kinobesuch nicht in die Wohnung, denn Tom hat den Schlüssel von Innen stecken lassen,  und Martha muss unbedingt auf die Toilette, denn seit ihrer OP hat sie eine Blasensenkung – klingelt Martha bei der Nachbarin, erhält Einlass und eilt auf die Toilette. 

„Weinen nach unten“, dachte Martha und musste unwillkürlich lächeln, als sie nicht mehr zurückhalten, sondern weich herausströmen lassen durfte, was sich an bitterer Flüssigkeit in ihr angesammelt hatte und was sie, der ihr anerzogenen Gedankenzensur gehorchend, „Wasser“ nannte. Sie ließ also Wasser, und dabei streifte ihr ebenfalls weich gewordener Blick im Raum umher. Der war ganz in Rosa gehalten, rosa die Wände, rosa die Kacheln mit Rosenmuster, rosa das Waschbecken und das Toilettenpapier, rosa die weiche flauschige Auflage auf dem Toilettensitz. Ein bisschen lässig lagen und hingen Dinge herum: Handtücher, ein Höschen – nein, nicht rosa, sondern weiß mit Spitzen -, Tuben und Gläser, ein Rasierpinsel mit Schaumresten. „Hier hat die Frau das Sagen“, dachte Martha. 

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Ein schönes Beispiel für Vorurteile. Denn wo ich, ebenfalls eine Frau, das Sagen habe, sieht es ganz anders aus. Weit und breit kein Rosa. Wenn du mehr von Martha und Tom lesen möchtest, geht es hierlang.

Sonst schauen wir mal, was sich sonst so tut, wenn „die Frau das Sagen hat“. Da wäre zum Beispiel die Göttin Artemis. Eine Jungfräuliche, die mit Männern harsch umspringt. Einen, der sie beim Baden belauschte, macht sie zum Hirsch und lässt ihn von seinen eigenen Hunden zu Tode hetzen. Hier sieht man sie als dunkle Göttin …

IMG_4648aoder, bearbeitet, als hell leuchtende Erscheinung. Artemis war ja die Gottheit des Mondes und hat wie dieser (und, nb, wie auch wir Frauen) helle und dunkle Phasen.

 

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Wo Frauen das Sagen haben, darf natürlich die Göttin Aphrodite nicht fehlen. Damals, als ich das folgende Bild legte,  schrieb ich:

Aphrodite heißt wörtlich: „die aus dem Schaum Emportauchende“. Der Schaum entstand, als Gott Kronos (Zeit) seinem Vater Uranos (Himmel) die Genitalien mit einer Sichel (Mond) abhaute. Der Zeitgott Kronos entmannte (entmachtete) den zeitlosen Uranos. Später wird Kronos seine Kinder verschlingen (wir kennen das alle: die Zeit verschlingt, was sie hervorbringt). Das Zeugungsorgan  des Uranos fiel in den Okeanos (Ozean, großes Meer). Bei der Berührung mit dem Himmelssperma schäumte das Meer auf, und aus dem Schaum herausgeboren wurde Aphrodite, Herrscherin über ein Reich, das sich nicht wie Himmel – Meer – Erde als physisches Element, sondern als unüberwindliche, gefährliche und süße Himmelsmacht darstellt: die Liebe.

Nun habe ich die Hälfte der Geschichte erzählt. Oder vielmehr den Hintergrund angedeutet, auf dem sich eine Vielzahl von Geschichten entwickeln können – ja, immer schon entwickelt haben und jeden Tag neu entwickeln: Die Macht der Aphrodite. die andere Hälfte wäre noch zu erzählen. Sie ist für jeden Menschen verschieden, vermute ich mal.

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Wo die Frau das Sagen hat – das führt mich natürlich auch zur Göttermutter Hera. Und zum Welttheater! Ach, wie lange ist das schon geschlossen, weil die Protagonisten eingeschlafen sind! Vielleicht erinnerst du dich dennoch, wie es begann: mit Doras Interviews. Da trat auch die Göttin Hera als Bewerberin fürs Welttheater auf (hier).

Darf ich an das damalige Interview erinnern?

Dora fühlt sich mit Hera sofort freundschaftlich verbunden – kein Wunder, denn beide sind aus demselben uralten Göttergeschlecht. „Hallo, Hera! Schön dich zu sehen!“, flötet sie daher, während sie tollkühn auf der Hand der Göttin balanciert.

Hera lächelt erfreut, zumal Doras Geschenkbox dem goldenen Apfel gleicht, den sie als eines ihrer zahlreichen Symbole bei sich zu tragen pflegt. „Hallo, kleine Dora! Was treibst du denn bei den Menschen?“ – „Och“, meint Dora. „irgendwer muss sich ja um die armen Menschen kümmern, seit du dich absentiert hast.“ – „Absentiert? Du bist gut! Die Menschen haben mich rausgeschmissen.“ -„Rausgeschmissen? Hast du vielleicht die falschen Kleider angezogen? Die Menschen sind da merkwürdig.“ – Hera lässt ein kleines göttliches Lachen vernehmen. „Du fragst wohl, kleine Dora, weil ich so viele verschiedene Kleidungsstücke an mir trage? Das ist, weil ich überall auf der Erde zu Hause bin. Hier gibts Seide, dort Baumwolle, Leinen oder Flachs, hier braucht es Felle, dort reicht ein feines Gewebe. Aber lass uns, bevor wir ins Einzelne gehen, eine erfreulichere Gegend aufsuchen. Wohin möchtest du denn? Nord- oder Süd-Halbkugel, Frühling, Sommer, Herbst oder Winter?“

„Das überlass ich ganz dir!“ antwortet Dora artig. „Das ist nett von dir, Dora. Die Menschen sind nicht so höflich. Sie wollten immer schon den Ort bestimmen, wo ich erscheinen darf…. wenn überhaupt. Mit den Frauen machen sie es genauso, wie du vielleicht bemerkt hast. Ich denke, ich nehme dich mit in meine gegenwärtige Bleibe. Es ist ein alter Höhlentempel mit einem Opfertisch. Meine letzten Adepten pflegen dort Früchte zu deponieren, als Dank dafür, dass ich sie reifen ließ. Die können wir gemeinsam verspeisen und uns dabei gemütlich über die Weltläufte unterhalten.“

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Eine andere Berühmtheit unter den göttlichen Frauen ist Persephone, von den Römern Proserpina genannt, verehrt und gefürchtet, denn sie ist eine Gottheit der Unterwelt. Dort herrscht ja eigentlich Hades, aber seit er die Demeter-Tochter Persephone gewaltsam entführte und in sein Reich verschleppte, hat sie die Herrschaft übernommen. Hier sieht man sie mit ihrem Gemahl und dem Granatapfel…

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Nun aber verabschiede ich mich von den Göttinnen, denn auch unter den Sterblichen gibt es ja genügend Frauen, die das Sagen haben. Oder es jedenfalls versuchen.

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Kleine Beobachtungen: Pool oder Meer? Über das Framing

Würde ich dir nicht versichern, dass es sich bei dem abgebildeten Wasser um das weite offene Meer handelt, würdest du es vielleicht für ein Swimmingpool halten. Diese Täuschung ist Ergebnis der Rahmung – in diesem Fall Geländer, eingerollte Plane, Tavernentisch – und auch der Perspektive, die den Blick von oben durch die Rahmung nach unten lenkt.

Framing nennt man die Rahmung in der politischen Debatte, denn dort liebt man das Englische. Auch da wird aus dem Großen Ganzen ein Bildausschnitt herausgeschnitten und die Wahrnehmung durch geeignete Rahmung gelenkt. Ein weites Feld – so groß wie das Meer, das mit allen Meeren zusammenhängt – ist das Geschehen auf der Welt. Wir aber gucken immer nur durch die uns vorgegebenen oder von uns selbst gewählten Rahmen auf kleinste Abschnitte und debattieren dann darüber, was zu sehen ist. …

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Zeichnen, Malen, oder was? Schritte zur Klärung.

Heute habe ich mal wieder rumexperimentiert, um mir klarer zu werden, was ich eigentlich will. Zeichnen und Malen sind nämlich ziemlich verschiedene Vorgänge, auch wenn sie natürlich auf einem Bild zusammenwirken.

Farben haben „Seele“, aber keine Form, die wird ihnen erst durch die Zeichnung gegeben.

Es gibt Maler, die lassen sich von der Farbe leiten und wenn sie Glück haben,  ergibt sich die Form „wie von selbst“, sonst müssen sie  ihr hinterherjagen (Beispiel Emil Nolde).  Andere Maler haben kein Problem mit Bildaufbau und Formgebung (Zeichnung), aber die Farbe  müssen sie sich mühsam erobern (Beispiel Paul Klee).

Was bin ich? Sicher kein Farbmaler. Ich habe große Probleme damit, mich den reinen Farben anzuvertrauen. Ich brauche Gerüste, Begrenzungen, Konstruktionen. Am liebsten bewege ich mich in einer Farbskala mit unklaren, gemischten Tönen, denn die „beißen“ sich nicht. Ein oder zwei reine Farben halte ich aus, aber darüber geht bei mir selten was. Das aber möchte ich ändern. Ich will es jedenfalls versuchen.

Nun aber zu meinem heutigen Experiment:

Als erstes mache ich eine schnelle Kohlezeichnung in einem mittelgroßen Block.

Dann verstärke ich die Hell-Dunkel-Kontraste und verwische die Zeichnung leicht, die dadurch „malerischer“ wirkt.

Mein nächster Schritt ist, mit Ölkreiden Lokalfarben einiger Gegenstände einzutragen: Rot die Sofadecke, Rotbraun die Vase, Goldgelb der Sonnengong, Blau der Flokati. Das Ergebnis: ein unschöner Mischmasch.

Ich nehme ein Pergamentpapier und ziehe die Umrisslinien nach. Dadurch finde ich den ursprünglichen Bild-Gedanken wieder, der in der rhythmischen Zusammenordnung von Kurven und Geraden besteht.

Was ist jetzt aber mit dem Malen? Ich nehme einen dicken Borstenpinsel, tauche ihn in Wasser und Pigmente… Ja, das ist nun schon eher Malerei. Daraus könnte, wenn ich dran bleibe, was werden.

Aber die Zeichnung? Der Bildgedanke? Ich lege das Pergament mit den Umrisslinien auf das „Gemälde“ und mache ein Foto davon. Jetzt ähnelt es einer colorierten Zeichnung. Nicht Fisch und nicht Fleisch, aber ich wäre nicht die erste, die sich dadurch hilft, dass sie die Farben durch eine Zeichnung „zähmt“.

Mir hat diese Versuchs-Reihe ein paar Aufschlüsse über mich selbst gegeben. Mal sehen, wie es nun weitergeht und ob ich doch noch Vertrauen zu den Farben gewinne.

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Faselei (Bild und Gedicht 2)

Dies ist das zweite Bild, das ich zustandebrachte (Kohle, Pigmente, Ölkreide auf Leinwand). Und wieder stand Clemens Brentano Pate. Er überschreibt sein Gedicht, aus dem die folgenden Zeilen stammen, „Faselei“.

Nach euch beiden unzertrennliche
Tiefe und Höhe
Nach dir Natur
Ringt zur Vollendung
Das arme Erdenkind.

Ich habe das obige Bild dann durch schwarzen Grund ergänzt.

….

Herr so zürne nicht,

Daß ich Dir gleichen will

Daß ich mir bilden will

Wie du ein Wohnhaus…..

Das ganze Gedicht hier.

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Flüchtiges (Bild und Gedicht)

Ich taste mich erneut zur Malerei hin. Das erste, was dabei herauskam: „Flüchtiges“.

Ach, wie flüchtig ist die Zeit!
Was wir gestern kaum begonnen,
Heute liegt es schon so weit
Grau und nebelhaft zerronnen –
Ach, so flüchtig ist die Zeit….

Clemens Brentano (1778 – 1842)

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