Am Meer sitzend und den anrollenden und dann sich brechenden Wellen zuschauend, versuche ich, die Bewegung festzuhalten. Das ist natürlich ein Widerspruch in sich selbst: eine Bewegung hört auf, eine Bewegung zu sein, wenn man sie festhält. Aber so sind wir Menschen nun mal: wir möchten das, was wir sehen, erleben, fühlen…., festhalten, um es betrachten, behalten, vielleicht auch analysieren zu können. Unser Wahrnehmungsapparat samt Hirn ist, so scheint mir, nicht für Bewegung gemacht, sondern für Momentaufnahmen.
Das Fotografieren ist die heute üblichste Art, Bewegtes als „Stills“ (unbewegtes Bild) festzubannen. Der Film ist im Prinzip nichts anderes, nur dass die Abfolge schneller ist und uns Bewegung vortäuscht, wo doch nur lauter Momentaufnahmen aneinandergereiht wurden.
Die Bewegung selbst kannst du nicht sehen, du kannst sie nur imaginieren. Anders ist es natürlich, wenn du selbst im Wasser schwimmst: dann teilt sich die Wellenbewegung deinem Körper direkt mit, du schaukelst, gehst unter, tauchst auf in einer ununterbrochenen Bewegung. Diese Erfahrung macht es dir auch möglich, das Erleben der beiden Schwimmer auf den Fotos nachzuvollziehen.
Kann der Zeichner mehr? Einerseits ja: Seine Hand, sein Auge, sein Stift sind selbst in Bewegung, wenn er versucht, die Bewegung der Wellen zu beschreiben. Er folgt der Bewegung, er erlebt sie innerlich. Andererseits nein: denn der Zeichner hinkt der realen Bewegung ständig hinterher. Er muss sich unablässig entscheiden, welchen Moment er aufs Papier bannt,und kommt nicht nach. Vor allem aber: das, was am Ende entsteht, ist nicht bewegt. Wiederum ist der Betrachter auf seine Vorstellungskraft angewiesen, um die Bewegung des Wassers und die Bewegung des Zeichenstifts nachzuvollziehen.

Zeichnung oder Fotografie – was fängt die Bewegung eher ein?

Gemalt habe ich sie auch schon mal – nicht vor der Natur, sondern imaginiert: die große Welle. Hier ist der Blickwinkel ein anderer: Die Welle rollt vom Meer aufs Land zu.
