Flüchtiges (Bild und Gedicht)

Ich taste mich erneut zur Malerei hin. Das erste, was dabei herauskam: „Flüchtiges“.

Ach, wie flüchtig ist die Zeit!
Was wir gestern kaum begonnen,
Heute liegt es schon so weit
Grau und nebelhaft zerronnen –
Ach, so flüchtig ist die Zeit….

Clemens Brentano (1778 – 1842)

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wenn die tiefstehende Sonne die Wohnung anmalt

… dann, ja dann zücke ich mein Handy und mache ein Foto, oder auch zwei. Denn dann zeigt sich der Raum für kurze Zeit in einem magischen orangeroten Licht.

Der olle Regiersessel strahlt mit dem Rattansessel um die Wette …

und das kleine Holzboot schwimmt in einer feurigen See.

Und schon ist Schluss. Durchs Fenster blickend kann ich den Abendschein über dem Meer noch erahnen.

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Gemüsegarten (tägliches Zeichnen)

Heute stellte ich einen Stuhl zwischen das Gemüse, um ein bisschen zu zeichnen. Die großen Blätter der Zucchini sind ein dekoratives Motiv. Das einzige Zucchini, das sich unter den großen grünen Blättern verbirgt, ist noch recht zwergenhaft und lässt sich schlecht zeichnen.

Die Blätterzeichnung habe ich dann mit einem Foto überblendet und ein bisschen mit Filtern herumgespielt.

oder auch, nur mit einem Filter (ohne Foto) verändert:

Das Zucchini zeichnete ich, indem ich die Blätter beiseite bog. Mühsam und wenig ergiebig.

Dann begab ich mich zu der Tomatenstaude, die ich heute schon als Foto zeigte.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Meine Tomaten (Mittelmeerdiät 2)

Ihr als gestandene Gärtner werdet über meine Gemüsegartengeschichten lachen. Wie ihr, liebe Mitlesende, wisst, bin ich ein totaler Neuling auf diesem Gebiet. Immerhin gelang es mir aus den geschenkten Samen Pflanzen heranwachsen zu lassen.

Die Stauden, die ich als Pflänzchen hinzukaufte, bringen täglich eine handvoll  kleiner roter Tomätchen hervor: hartschalig, sauber, rot. Die aus Samen einer alten Sorte gezüchteten hingegen machen sich rar. Manche Stauden tragen nichts, andere eine Tomate, und nur eine hat zwei Tomaten hervorgebracht. Es war vermutlich im Juli, in der Hauptblütezeit, allzu heiß. Und dann fiel auch noch zweimal die Gießanlage aus.

Weil es so wenige Früchte sind, verfolge ich ihr Werden mit besonderer Liebe. Sehr langsam entwickeln und röten sie sich. Bis sie reif sind, haben sich schon etliche Mikroorganismen für sie interessiert, so dass ich zwei grün ernten musste. Sie schmeckten übrigens vorzüglich. Diese einigermaßen ausgereifte erntete ich vorgestern. Meine erste!

Gespannt auf ihr Innenleben und ihren Geschmack, schnitt ich sie auf, probierte sie. Fest und sehr fruchtig schmeckt sie, ganz anders als die gewöhnlichen Tomaten, mit Meersalz und Olivenöl angerichtet eine Köstlichkeit!

Heute setzte ich mich zu den Pflanzen, um zu zeichnen, Wie du siehst, ist die Tomatenstaude ziemlich vertrocknet, hat aber ihre zwei Früchte tapfer ausgereift.

Die Vogelkopfartige genehmigte ich mir heute zum Abendbrot.

Dazu aß ich ein grobes Stück dunklen Zwieback, den ich in der Bäckerei des Zentraldorfes erstanden hatte. Die Stücke sind steinhart, man muss sie in Wasser einweichen, dann lassen sie sich zerbrechen. Mit Öl und Salz angemacht sind sie weich, nahrhaft und köstlich. Das Salz ist übrigens Salzblüte, die in der Mani von den Felsen gesammelt wird.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bewölkung statt Perseiden

Eigentlich wollte ich heute Nacht die Perseiden anschauen. Das ist ein Meteorstrom,  der heute Nacht seinen Höhepunkt erreicht. Astronomisch gesehen handelt es sich um eine Staubspur, die ein Komet zurückließ, als er sich auflöste. Wenn der Staub in unsere Atmosphäre eindringt, fangen die davon getroffenen Luftmoleküle an zu leuchten und wir sehen „Sternschnuppen“.  Am besten, man schaut Richtung Sternbild Perseus neben der leicht erkennbaren Kassiopeia, dem Himmels-W, denn dort treten sie in Erscheinung.

Aber nun ist es stark bewölkt, hat sogar ein bisschen geregnet. Und so wird es wohl nix damit, meine Wünsche den Sternschnuppen anzuheften. Dafür aber revangierte sich der Himmel mit einem prächtigen Wolkenschauspiel. Ich stieg extra auf die Dachterrasse unseres Hauses, um es ohne störende Leitungen zu fotografieren.

Den leuchtenden Goldgürtel über der Landzunge (es handelt sich um den ersten Finger der Peloponnes) zoomte ich heran.

Hier noch drei Himmelsausschnitte (kann man durch Anklicken vergrößern)

Falls es bei dir einen klaren Nachthimmel gibt, lass dir das Schauspiel der Sternschnuppen nicht entgehen. Und mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen!

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Lichtschattenblattwerk (kleine Beobachtungen)

Gestern, im Gartenlokal sitzend, fielen mir nicht nur die wie auf einer Wäscheleine aufgereihten Blätter auf…

sondern auch ein anderes Phänomen ließ mich rätseln. Ich sah Blätter, die in rhythmischer Perfektion etwas Darunterliegendes als Schatten abbildeten.

Mir zugewandt lagen die Blattunterseiten, durchlichtet von der Sonne. Oben krümmten sie sich, so dass die Sonne sie voll beschien und sie aufglänzen ließ. Der Rest der Blätter samt ihren Stengeln und den haltenden Ästchen erschien als Schattenriss auf der durchleuchteten Blattunterseite. Kurzum, die Blätter ergänzten sich selbst durch den Schattenriss.

Das machte einen so merkwürdig augentäuschenden Effekt, dass ich auch nach wiederholtem Hinschauen immer wieder ins Strudeln kam – was ist was? – und beschloss, das Blattwerk zu fotografieren.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bei Nieselregen zum Erdriss in der Schlucht.

Die Wolken, die sich seit ein paar Tagen am Horizont aufbauten, um sich später wieder zu verabschieden, hatten heute ein Einsehen. Nicht, dass es nun gösse! Nein, weit gefehlt. Aber die hohe Luftfeuchtigkeit ist zu Nieselregen geworden, mit dem wohltätigen Nebeneffekt, dass es nun kühler ist. Und dass die Erde und die vertrockneten Kräuter duften.

Ich machte einen etwas größeren Spaziergang, schaute nach den Orangen- und Zitronenbäumen auf der anderen Seite unserer Schlucht – die Blätter sehen etwas verschrumpelt aus, und Früchte gibt es nun auch kaum noch – und stieg hinunter zu dem großen Riss, der sich vor ein paar Jahren nach einem verheerenden Regen, der die Schlucht in einen reißenden Wildbach verwandelte, aufgetan hat.

Große Bäume sind da abgesackt und wurzeln nun am Grund des Risses, der angeblich eine Tiefe von 6 m erreicht. Ich kanns nicht bestätigen, denn hinabzusteigen traue ich mich nicht. Die Fotos können die Tiefe des Risses natürlich auch nicht zeigen, dafür aber einen Eindruck von der Vegetation und dem heutigen Wetter geben.

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Myriades Impulswerkstatt: Dunst-Hologram (kleine Beobachtungen)

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Heute erschien mir „das sich auflösende Hologram von Ghandi“ in wässriger Form.

Ich sitze in meinem Lieblings-Gartenlokal in Kalamata und habe nichts weiter zu tun als zu warten und wartend in meinem aktuellen Buch zu lesen (Michail Scholochows Der stille Don, 1. Band). Zwischendurch, ermüdet von der Lektüre (es ist eine griechische Übersetzung des Romans), lasse meine Augen wandern.

Als erstes fällt mir eine Reihe von Blättern auf, die wohlgeordnet an ihrem Ast hängen – als habe eine penible Hausfrau ihre vielen gleichförmigen Wäschestücke möglichst platzsparend ausgehängt.

Ein feiner Dunstschleier befeuchtet sie. Ich stehe auf, um mir die Füße zu vertreten und die Angelegenheit genauer zu beschauen. Jetzt sehe ich auch die Düse, aus der das Wasser quillt und es zu feinsten Tropfen verquirlt. Ein Windchen, das dabei erzeugt wird, verweht die entstehende Form gleich wieder.

Die Form kommt und geht, bildet sich und verweht. Sie gleicht dem sich auflösenden Hologram von Ghandi, finde ich. Oder etwa nicht?

Es fehlte nur noch, dass das Band, das die flüchtige feuchte Figur durchschneidet, sich ihr in bläulichem Licht zu Füßen legte.

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt

 

 

 

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El-Greco-Wolken mit Mondaufgang (kleine Beobachtungen)

Domenikos Theotokopoulos (El Greco), Blick auf Toledo

Bilder großer Maler beeinflussen unsere Wahrnehmung. Vorgestern war es Paul Klee, in der vergangenen Nacht der ebenfalls von mir hoch verehrte El Greco, der eigentlich Domenikos Theotokopoulos heißt. Da sah ich an unserem Himmel seine Wolken über Toledo.

Über dem Vorgebirge stieg der Halbmond gegen Viertel nach 4 empor und tauchte die Ränder der flusigen Wolken in helles Licht.

 

Herangezoomt und ein wenig zu lange belichtet (das macht das Handy automatisch) zeigte sich dieses Bild …

oder, ein wenig später, dieses Mondauge:

Zum Vergleich noch ein weiteres Toledo-Bild von El Greco

Datei:El Greco - View and Plan of Toledo - Google Art Project.jpg

Da trifft es sich gut, dass ich sowieso gerade dabei bin, eine Spanienreise vorzubereiten. Zielgebiet Andalusien, aber es kann durchaus sein, dass uns der Weg noch einmal nach Toledo bringt. Als ich vor Jahren dort war, besuchten wir auch E Grecos Haus. Auf seinem Lesepult sah ich ein Buch, das er zuletzt vor seinem Tod gelesen hatte: Die Anabasis von Xenophon (430/425 – ca. 355 v. Chr.).

Jetzt wo ich dies schreibe, fällt mir auf, dass ich vor zwei Wochen angefangen habe, die Anabasis – also den berühmten Bericht von Xenophon über den Rückzug der griechischen Söldner aus Persien – zu lesen…. Zufälle gibts! Oder sind es keine Zufälle? Passiert mir das, weil ich über unsere Spanienreise nachdenke?

 

 

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Bewegtes Meer (tägliches Zeichnen)

Am Meer sitzend und den anrollenden und dann sich brechenden Wellen zuschauend, versuche ich, die Bewegung festzuhalten. Das ist natürlich ein Widerspruch in sich selbst: eine Bewegung hört auf, eine Bewegung zu sein, wenn man sie festhält. Aber so sind wir Menschen nun mal: wir möchten das, was wir sehen, erleben, fühlen…., festhalten, um es betrachten, behalten, vielleicht auch analysieren zu können. Unser Wahrnehmungsapparat samt Hirn ist, so scheint mir, nicht für Bewegung gemacht, sondern für Momentaufnahmen.

Das Fotografieren ist die heute üblichste Art, Bewegtes als „Stills“ (unbewegtes Bild) festzubannen. Der Film ist im Prinzip nichts anderes, nur dass die Abfolge schneller ist und uns Bewegung vortäuscht, wo doch nur lauter Momentaufnahmen aneinandergereiht wurden.

Die Bewegung selbst kannst du nicht sehen, du kannst sie nur imaginieren. Anders ist es natürlich, wenn du selbst im Wasser schwimmst: dann teilt sich die Wellenbewegung deinem Körper direkt mit, du schaukelst, gehst unter, tauchst auf in einer ununterbrochenen Bewegung. Diese Erfahrung macht es dir auch möglich, das Erleben der beiden Schwimmer auf den Fotos nachzuvollziehen.

Kann der Zeichner mehr? Einerseits ja: Seine Hand, sein Auge, sein Stift sind selbst in Bewegung, wenn er versucht, die Bewegung der Wellen zu beschreiben. Er folgt der Bewegung, er erlebt sie innerlich. Andererseits nein: denn der Zeichner hinkt der realen Bewegung ständig hinterher. Er muss sich unablässig entscheiden, welchen Moment er aufs Papier bannt,und kommt nicht nach. Vor allem aber: das, was am Ende entsteht, ist nicht bewegt. Wiederum ist der Betrachter auf seine Vorstellungskraft angewiesen, um die Bewegung des Wassers und die Bewegung des Zeichenstifts nachzuvollziehen.

 Zeichnung oder Fotografie – was fängt die Bewegung eher ein?

Gemalt habe ich sie auch schon mal  – nicht vor der Natur, sondern imaginiert: die große Welle. Hier ist der Blickwinkel ein anderer: Die Welle rollt vom Meer aufs Land zu.

 

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