Immer noch bemühe ich mich, täglich ein wenig zu zeichnen, um nicht aus der Übung zu kommen. Und immer hilft es mir auch, meine Gedanken zu ordnen.
Diesmal skizzierte ich zweimal auf gegenüberliegenden Seiten dasselbe einfache Motiv: Kaffeebecher, Buch, Handy mit Kabel auf dem Couchtisch.
Die erste Zeichnung beschränkt sich auf die Umrisse der Gegenstände und Schatten…
die zweite führt Hell-Dunkel-Kontraste und Oberflächenstrukturen aus und bezieht auch die anderen in den Bildausschnitt hineinragenden Dinge – Obstschale, Teppich – mit ein. Dies Einbeziehen ist mir wichtig, denn es erinnert mich daran, dass die Welt nicht mit dem gerade ins Auge gefassten Bildausschnitt endet, sondern immer weitergeht. Jeder Ausschnitt aus dem Weltganzen ist ein Willkürakt. Doch wenn ein Ausschnitt einmal gewählt ist, folgt er eigenen Gesetzen, was die Komposition, insbesondere die Gewichtungen von Formen, Licht und Dunkelheiten auf der Fläche betrifft.
In der Zeichnung strebt alles nach Verbindung und Ausgleich, und zwar schon deshalb, weil es sich auf einer begrenzten Fläche arrangieren muss. Ein „Ding“ mag nicht ohne das andere sein, eine Helligkeit nicht ohne das Dunkle, ein Rundes nicht ohne das Eckige, ein Kompaktes nicht ohne das Feingliedrige.
In der fotografischen Wiedergabe dieses Realitätsausschnitts (das Handy fehlt, weil ich es zum Fotografieren brauchte) gibt es diese Qualitäten der Komposition nicht. Da herrscht Beliebigkeit. Bestreben des Zeichners ist es, das Beliebige zu strukturieren und das Unterschiedliche, ohne es zu mindern, zum Ausgleich zu bringen.





















































