Tagebuch der Lustbarkeiten: Unwetter

Endlich löst sich die schwüle Hitze des Vortags, es donnert mächtig, Blitze zucken, und vor allem: es regnet. Es regnet nicht heftig, sondern sanft. Die Natur ist in einen Regenmantel gehüllt, der sie allmählich durchnässt und aufleben lässt. So sieht es durch die Hintertür aus: Die Berge sind unsichtbar geworden, Bougainvillea, Wein, Oliven und Granatapfelbaum saugen das Nass.

Im Vorgarten sind es Mandelbaum, Orange, Hibiskus, Olive und die alles überragende Pinie.

Im Haus ist es gemütlich, der Strom bisher nicht ausgefallen. Meinetwegen darf es ruhig noch eine Weile so weitergehen. Ich spüre den Herbst und das Bedürfnis, mich zurückzuziehen, auszuruhen von den allzu heftigen Sinneseindrücken des Sommers, inwendiger zu werden.

Das sage ich im Bewusstsein, dass bald der blaue September zurücksein wird … Während ich das denke, pausiert der Regen bereits, und die späte Sonne färbt den westlichen Himmel mit zärtlichen Rot- und Goldtönen.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

Tisch mit Flaschen und Eulentasche auf Stuhl (tägliches Zeichnen)

Richtig ist: Nächtliches Zeichnen. Ich sitze auf der Turmterrasse, den Mond habe ich schon ausführlich begrüßt – jetzt treibt er hinter Wolken (bzw die Wolken treiben vor ihm – ein gutes Beispiel für die Relativität von Raum und Zeit und Bewegung). Wird es Regen geben?

Zum Schlafen habe ich keine Lust, zum Lesen auch nicht. Also hole ich mein Zeichenbuch  mit den vielen schönen glatt-leeren Blättern und schaue, was es wohl zu zeichnen gäbe. Vor mir auf dem blau gestrichenen Eisentischchen reihen sich drei Plastikwasserflaschen (o weh, ja, das Trinkwasser kaufen wir in Flaschen, da unsere Zisterne nicht sicher genug ist),´ und ein Weinglas,  dann liegen da noch ein Buch von Kehlmann („Ruhm“, Geschichten) und eine Taschenlampe, ein Brillenetui, ein Handy, alles beleuchtet von einer batteriegetriebenen Tischlampe.

Wie zeichne ich das? Als Hell-Dunkel-Studie oder doch lieber als Umrisszeichnung? Aha, als einfache lineare Zeichnung.

Und sonst? Gibt es sonst nichts weiter, was ich zeichnen könnte? Ich schaue mich um: meine Umhängetasche mit der Eule lächelt mich an …

Warum nicht zeichnen? Die Muster des Stuhls und der Tasche breiten sich über das Blatt – wie Matisse, denke ich. Der war in solche Muster verliebt.

aber natürlich hätte er mehr draus gemacht. Wenn es dich interessiert, kannst du unter „Matisse, Interieurs“ einige Beispiele finden, wie dieses aus der Kunstsammlung NRW

Kunstsammlung NRW: Startseite

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Kunst, Leben, Materialien, Meine Kunst, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 11 Kommentare

Blühende Yukka (kleine Beobachtungen)

Was ist schon Besonderes an einer blühenden Riesen-Palmlilie, meist Yukka genannt? Nun, schön ist sie allemal mit ihren weißen Glöckchen…

aber darum geht es hier nicht. Hier geht es um eine Yukka, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Ich hatte sie nämlich abgesägt, weil sie einem Olivenbaum allzu sehr in die Quere kam, und den Stamm zersägt. Die Stücke des Stamms sahen sich dann bemüßigt, neue Bäume aus sich hervorzutreiben. Ich hoffe, du kansnt den liegenden Stamm, aus dem der Baum hervorwächst, erkennen.

Das für mich Wunderbare ist, dass das Bäumchen jetzt auch blüht, als sei es nichts besonderes, einen abgehauenen Baumstamm als Wurzel zu benutzen.   Im internet („Mein schöner Garten“) las ich:

Als Topfpflanzen blühen Yucca-Palmen nur bei optimalen Haltungsbedingungen, beispielsweise in einem hellen Wintergarten. Die Blüten erscheinen frühestens nach etwa zehn Standjahren zwischen August und September. Die reinweißen, in Rispen stehenden Glockenblüten sind ein prächtiger Anblick und erinnern an Maiglöckchen.
 

Na so etwas! Sollte es schon zehn Jahre her sein, dass ich den Baum absägte? Oder braucht er fürs Blühen weniger lange, wenn er sich von seinem eigenen Stamm ernährt?

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur | Verschlagwortet mit , , , , | 25 Kommentare

Lob des Herbstes (digitale Spielereien)

Das „frühherbstliche“ Bild, das ich heute mit dickem Borstenpinsel, Pigmenten und Kleister auf eine Leinwand malte, habe ich mit einem gestrigen Foto des Mondes hinter Wolken überblendet.

Hier die beiden Originale. Vom Foto benutzte ich nur den zentralen Teil.

Je nachdem, wie transparent man das Foto macht, ergeben sich andere Effekte. Ich entschied mich für 50% Transparenz. Foto und Malerei tragen dann gleich viel zum Ergebnis bei.

Ich freue mich über das Ergebnis, das meine Vorstellung vom leuchtenden Herbst (den es hier leider nicht, wohl aber in meiner Erinnerung gibt) schön wiedergibt.

Ich habe dann noch etliche weitere Varianten hergestellt, auch Schwarz-Weiß-Fassungen wie diese, die eine romantische Mondnacht zeigt, in der nur noch die dort wandelnden Dichter fehlen.

Auch Johann Wolfgang Goethe, weniger romantisch als klassisch, war unter den Mond-Besingern. Als Beispiel sei ein Gedicht aus dem Zyklus Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten (zitiert nach den Archiven der Goethe-Gesellschaft), denn ein wenig erinnert die SW-Fassung mich an chinesische Pinselmalerei.

Dämmrung senkte sich von oben,

Schon ist alle Nähe fern;

Doch zuerst emporgehoben

Holden Lichts der Abendstern!

Alles schwankt ins Ungewisse,

Nebel schleichen in die Höh‘;

Schwarzvertiefte Finsternisse

Widerspiegelnd ruht der See.

 

Nun im östlichen Bereiche

Ahnd‘ ich Mondenglanz und Glut,

Schlanker Weiden Haargezweige

Scherzen auf der nächsten Flut.

Durch bewegter Schatten Spiele

Zittert Lunas Zauberschein,

Und durchs Auge schleicht die Kühle

Sänftigend ins Herz hinein.

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, elektronische Spielereien, Fotografie, Malerei, Meine Kunst, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 20 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Bye bye, August! Willkommen, September!

Die Wolke winkt dem scheidenden Augustmond ein freundliches Good bye. Das grünlich leuchtende Raumschiff will unbedingt mit aufs Bild. Nichts zu machen.

Die Katzen wachen auf meiner Türschwelle. Hier: Frieda mit ihren beiden Neffen Lin und Lan

Ich selbst begrüßte den September mit einem frühherbstlichen Malversuch.

Autsch!

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Kunst, Leben, Malerei, Meine Kunst, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , , | 10 Kommentare

„Taubenblau“ – eine Erbsengeschichte. (Impulswerkstatt, Nachzügler)

In deiner Zusammenfassung des Monats August, liebe Myriade, fragtest du dich, warum kaum jemand die Rahmen aufgegriffen hatte (Erbsen, Spinat, „vergraben sollte sie werden“). Ich kommentierte: Da gibts noch etliches nachzulesen! Dabei fällt mir auf, dass das eine Erbsengeschichte werden könnte: wie Aschenbrödel die Erbsen aus der Asche lesen. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen bzw doch besser ins e-Nirwana. 

Das Märchen vom Aschenputtel habe ich schon mal auf meine Art nacherzählt (hier) und mit einem Legebild illustriert.

 

IMG_5368a

 

Und so setzte ich mich hin, eine Erbsengeschichte zu schreiben.

Taubenblau

Marina sitzt nun schon seit fünf Stunden über den neuen Eingängen, und immer noch will der Stapel nicht kleiner werden. Seufzend öffnet sie den nächsten Umschlag, überfliegt den Begleitbrief – ach, wie sich die Autoren ins Zeug legen, um den unbekannten Lektor, die Lektorin gnädig zu stimmen! Wenn sie wüssten, von wem die Erstbewertung abhängt! – und liest den ersten Abschnitt der beigefügten Zusammenfassung eines Romans, der sich „Taubenblau“ nennt. Offenbar eine weitere Version des Aschenbrödel-Märchens! Als ob es davon nicht schon genug gäbe! Seit den alten Griechen haben sie den Stoff durch und durchgewalzt: das schöne mutterlose Mädchen, das von der Stiefmutter zu niedersten Arbeiten verdonnert wird. Weil es brav ist und der Aphrodite fleißig opfert, schickt die ihm weiße Tauben als Helfer. Und wenn die nächste Ladung Erbsen in der Asche landet, die die Arme Kleine auslesen soll, kommen die Täubchen angeflattert und erledigen gurrend die Arbeit für sie. “Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“, ruckzuck geht das, und schon kommt die nächste Fuhre… Bei all der Schufterei ist es fast ein Wunder, dass ein Prinz ihrer ansichtig wird und sich sogleich verliebt, wozu die hübschen Kleider und goldenen Schühchen nicht wenig beitragen, die ein Zauberbäumchen am Grab der Mutter ihr beschert hat. Die böse Stiefmutter und die garstigen Schwestern kriegen ihre gerechte Strafe und Aschenputtel das königliche Bett.

Wie die Tauben all diese Misterbsen verdauen konnten, sagen uns die Märchenerzähler nicht, grummelt Marina. Vielleicht klärt uns die Autorin von „Taubenblau“ darüber auf? Wie heißt die überhaupt?  Arabella von Schonsitz. Marina reckt und streckt sich, grimassiert und langt nach dem Pappbecher mit dem längst kalt gewordenen Kaffee.  Der Schreibtischstuhl, auf dem sie ihre Arbeit verrichtet, ist eher ein Martersitz, ihr Rücken gleicht nach fünf Stunden Manuskriptsichtung einem Fragezeichen. Und noch drei Stunden stehen ihr bevor!

Sie befördert den Roman „Taubenblau“ angewidert auf den Stapel mit den Manuskripten, die am Abend in der Recycling-Tonne landen werden, und greift nach dem nächsten Umschlag, öffnet ihn, zieht die Blätter heraus. Und lehnt sich erschöpft zurück. Tauben wären praktisch, denkt sie. Fleißige Tauben, die die guten Texte aus dem ganzen Schrott rauslesen. Die Guten in die Ablage fürs Lektorat, die Schlechten gleich in den Abfall. Und sie selbst? Ist sie fürs königliche Töpfchen oder doch eher fürs Kröpfchen beziehungsweise für die Tonne? Ihre Mutter ist nicht tot, sondern hockt zu Hause, taub wie ein Stein, und hofft immer noch, dass sie, Marina, einen Prinzen anschleppt, der die Familienfinanzen in Ordnung bringt und sie zur Oma macht. Wozu die alte Frau noch ein Enkelkind braucht. 87 ist sie und sollte eigentlich längst begraben sein….

In ihrer Erschöpfung hat Marina gar nicht bemerkt, dass Martin, einer der zwei Hauptlektoren, ihr Kabuff betreten hat. Erst als er hinter ihr steht und freundschaftlich ihre mageren Schultern umfasst, schreckt sie auf. „Na, Marinchen, was hast du denn diesmal für mich?“ – Sie nimmt den gerade abgelegten Umschlag mit dem Taubenblau-Manuskipt vom Stapel des Unbrauchbaren und reicht ihn Martin über die Schulter. „Hier, dies könnte dir gefallen! Eine moderne Cinderella-Geschichte. Lies mal! Ich mach derweil ein paar Schritte und besorg mir einen frischen Kaffee. Ob der Verlag wohl in der Lage ist, mir einen ergonomisch korrekten Stuhl zu genehmigen? Dieser bringt mich noch mal um.“ Sie angelt die Hackenschuhe unter dem Schreibtisch hervor, schlüpft hinein, verbeißt den Schmerz, den ihr arthritischer Zeh ins Hirn hinaufschießt (ruckediku, zu klein ist der Schuh, denkt sie, ich sollte mir den Zeh abschneiden oder die Schuhe wechseln!), sie steht auf, streicht ihren Rock glatt, greift sich ihr Täschchen mit der goldenen Schnalle und verlässt den Raum hoch aufgerichtet, ohne zu humpeln.

 

 

Schnalle an Marinas Täschchen:  Göttin mit Tauben

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, Impulswerkstatt, Legearbeiten, Märchen, Meine Kunst, Mythologie, Psyche, schreiben, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 25 Kommentare

Blue Moon und Himmelswaage (kleine Beobachtungen)

Wie ihr natürlich alle wisst, war heute Nacht ein besonderer Vollmond angesagt: der zweite im August, genannt „Blauer Mond“, dazu auch noch, wegen der relativen Nähe zur Erde ein „Riesenmond“. Ich hatte das Privileg, ihm bei seinem Auf- und Untergang zuschauen zu dürfen. 

Mein erstes Foto machte ich um 1.19 Uhr Sommerzeit (also eigentlich kurz nach Mitternacht). Es war ziemlich windig, und am Himmel trieb leichtes Gewölk. Die Kontraste sind auf dem Foto übertrieben: das Land war fürs Auge weniger dunkel und der Himmel weniger hell.

Kurz vor halb sechs Sommerzeit (eigentlich halb fünf) stand der Mond klar und mit einer golden leuchtenden  Widerspiegelung über dem Meer. Um das störende Kabel, das ihn mitten durchschnitt, zu vermeiden, stieg ich fürs Foto eine Etage höher auf die Dachterrasse.

Wenig später, um 6.45 sah ich zu meinem Erstaunen, dass der Mond seinen ausgedehnten Lichtkranz und seine Spiegelung ganz verloren hatte.  Er ist nurmehr eine goldgelbe Scheibe, auf der sich deutlich die Höhen und Tiefen der Mondoberfläche aka „Mann im Mond“ abzeichnen.

Zehn Minuten später (mittlerweise zeigt die Uhr 6.55) ist die Scheibe weiter verblasst…

Ich drehe mich nach dem Osthimmel um, um zu sehen, was sich auf der Sonnenaufgangsseite tut …

und als ich mich wieder dem Mond zuwende, ist er erloschen (6.57 bzw 5.57 Uhr). Ja, erloschen, denn er ist nicht untergegangen, er ist noch da, ich erahne seine nun mit dem Morgenhimmel verschmolzene Scheibe knapp über der Gebirgskette des gegenüberliegenden „Fingers“, in der Mitte des Fotos.  Das Licht der Sonne, die noch gar nicht aufgegangen ist (der Aufgang wird um 6.03 angegeben, aber bei mir braucht er wegen des Gebirgsrückens noch ein Weilchen) hat ihn ausgelöscht.

Wie kommt das? rätsele ich. Die Sonne bescheint den Mond doch immer noch, wieso strahlt er nicht mehr? Wieso strahlt er in der Nacht, strahlt auch noch um halb sechs und verliert sein Licht innerhalb weniger Minuten vollständig, noch bevor die Sonne aufgegangen ist?

5.58: die Sonnenaufgangsseite. Die Sonne lässt noch auf sich warten.

Noch ein wenig Geduld, und es wird sich das atemberaubende Schauspiel am Osthimmel wiederholen, das ich nicht müde werde zu beobachten: die Sonne geht auf. Der Mond ist nun tatsächlich untergegangen. Und so kann ich diesmal die Waage am Himmel, die mich, seit ich sie das erste Mal entdeckte, begeistert, nicht sehen: Im Westen der Mond – im Osten die Sonne, und beide optisch gleich groß.  Denn das ist ja das Erstaunliche an unseren beiden Himmelskörpern: sie sind für unsere Wahrnehmung gleich groß, obgleich sie „objektiv“ eine sehr unterschiedliche Größe haben und sehr unterschiedlich weit entfernt sind. DasVerhältnis Größe/Entfernung macht sie gleich. 

Merkenswerte Daten:

Der Durchmesser der Sonne ist ziemlich exakt 400-mal so groß wie der des Mondes. Die Entfernung Erde-Sonne und die Entfernung Erde-Mond stehen etwa im Verhältnis 400:1. Daher erscheinen sie von der Erde aus gesehen gleich groß.

Der Durchmesser der Erde  ist übrigens etwa 4-mal so groß wie der des Mondes und etwa 100-mal kleiner als der der Sonne.

Und wie sehen Erde und Sonne vom Mond aus aus, wenn der Mond, wie bei Neumond, genau zwischen beiden steht?

Wer mag es durchrechnen?

Hier die Daten (immer als Durchschnittswerte):

Mond-Erde Entfernung 384.400 km, Mond-Sonne Entfernung 149.215.600.

Durchmesser der Erde 12.742, Durchmesser der Sonne 1.391.400 km

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur, Weltraum, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , | 35 Kommentare

Etüdensommerpausenintermezzo: Tanz ums Sommerloch (Kata-Strophen)

Diese Etüde schrieb ich sozusagen auf dem letzten Loch pfeifend für Christianes Etüdensommerpausenintermezzo.

Zu bedienen waren sieben von zwölf Wörtern, als da wären:

Apfelkompott, Dürre, Gitarre, Häkeljacke, Hühnergott, Johanniskraut, Kugelfisch, Malheur, Schaumkrone, Sense, StallknechtWasserflasche.

 

Tanz ums Sommerloch. Kata-strophischer Dialog mit einem Hühnergott.

Frau:

„Och, ein Loch!

das fehlte noch!

Die Leinwand, schau.

sie hat ein Loch!“

*

 

„Was schreist du, Frau?

So freu dich doch!

Was ist ne Leinwand ohne Loch?!

Weißt du nicht, dass das Loch das Tor

zum Weltruhm war schon lang bevor

du dieses hier und jetzt entdeckt?“

*

„Herrjeh, was hast du mich erschreckt!

Was kommentierst du mein Malheur?

Wer spricht da, wo bist du versteckt?

Komm raus, du weißt, dass mein Gehör

nicht mehr so gut ist wie’s mal war.

Und auch die Augen trübt der Star.

Am Ende täuschen mich die Sinne

Ιst möglich, dass ich auch schon spinne….“

*

„Du bist noch ganz gut bei Verstand,

Komm her und nimm mich in die Hand

So können wir ein bisschen plauschen

und über Löcher uns austauschen.“

*

„Ach, du bist es, Herr Hühnergott?!“

 

„Wer sonst? Etwa der Apfelkompott?

Zwar Löcher gruben sich die Maden

durch Äpfel auf verschlungnen Pfaden

bevor sie zu dem Mus verkocht.

Die Äpfel waren schön durchlocht.

Der Kompott aber hat verloren

weshalb die Äpfel auserkoren.“

 

„Wohl wahr, ein Kompott bist du nicht

du hast ein anderes Gewicht.“

 

„Ganz recht, Madame, ich bin gewichtig

 nichtsdestotrotz zugleich durchsichtig

das macht das Loch in meiner Stirn

Das funktioniert alswie ein Hirn

und auch zugleich alswie ein Auge,

mit dem ich Wissenswertes  sauge.“

*

„Und was wär das? Was wäre wert zu wissen?

was möchtest du auf keinen Fall vermissen?“

*

„Zum Beispiel deine Häkeljacke, die du leider

nicht gerne trägst, jetzt trägst du lieber Kleider.

Doch trugst du sie, als du IHM einst begegnet.

Sie ist mit schönen Löchern reich gesegnet.

Sie kleidet dich und lässt durchblicken

was selbst mein steinern Herze tät entzücken.

 

Sehr gerne hab ich auch das Instrument

das ihr Gitarre oder Geige nennt.

Es hat ein Schallloch, und ist innen hohl.

Warum klingt es, was meinst du wohl?

Wär es kompakt, könnt es dann klingen?

Und du, ganz ohne Loch, wie willst du singen?

Ganz ohne Loch, wie willst du lieben?

Wo wär die Menschheit ohne Loch geblieben?“

*

„Schon gut, schon gut, ich habe dich verstanden.

Du findest gut, wo Löcher sind vorhanden

und findest traurig, wo die Löcher fehlen.

Da staune ich, das will ich nicht verhehlen.

So wär der Stallknecht mit dem Loch im Wamse

mehr wert als seine Herrin die Madamse?

Und hat ein Loch die Wasserflasche

und ist zerlöchert meine Umhängtasche

dann sind sie wertvoll, dann sind sie komplett?

Meinst du es so? Erklärs mir, sei so nett.“

 

„Ich seufze.  Dein Verstand ist mürbe.

Mich wunderts nicht, wenn er bald ganz erstürbe.

Die Flasche, gute Frau, die hat ein Loch

und hält das Wasser, das dadrinnen, doch!

Das ist, weil sie ums Loch herum gebaut

Dem Loche wird das Wasser anvertraut.

 

Der Stallknecht hat nen Loch zwar in dem Wamse

doch ein viel bessres Loch hat die Madamse.

Und deine Tasche, nun, sie ist entzwei

Ein Löchlein mehr, das ist schon einerlei.“

 

„So, ja, das stimmt, doch sag mir bitte

wieso das Loch in meinem Bild

das Tor zum Ruhm ist“  – „Solche Schnitte

die machten mal auf einen Streich

den armen Lucio Fontana reich!

Wie sprach er, als man ihn befragte?

War es nicht klug, was er da sagte?

„Meine Entdeckung ist das Loch,

Nun kann ich beruhigt sterben.“ (hier)

Er machte Löcher

noch und nöcher

Und starb dann auch

wie’s Menschenbrauch.

Lucio Fontana * - Zeitgenössische Kunst I 30.11.2022 ...

Lucio Fontana

„Schon schon, mein Lieber, das mag stimmen

doch ist nicht jedes Loch sich gleich

es gibt die guten und die schlimmen

Ein Loch macht arm, das andre reich.

Ein Loch bringt Leben, eins Verdruss,

eins bringt den Tod und dann ist Schluss.

Gerda Kazakou

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter abc etüden, Allgemein, Dichtung, Katastrophe, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Philosophie, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 15 Kommentare

Lockerungsübungen und Hand mit Stein (tägliches Zeichnen)

Als ich heute abend am Strand saß und der Sprache des Meeres lauschte, machte ich erst eine lässige „japanische“ Skizze…

schloss dann die Augen und ließ meine Hand mit dem Stift im Rhythmus der Wellen über die Seiten des winzigen Reklameblocks gleiten, den ich bei mir trug.

Dann überließ ich mich, weiter blind zeichnend, ganz meinem inneren Rhythmus.

So gelockert, nahm ich einen Stein in die Hand und zeichnete zweimal „Hand mit Stein“, möglichst ohne den Stift abzusetzen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Kunst, Leben, Meine Kunst, Psyche, Vom Meere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , | 16 Kommentare

Monduntergänge (kleine Beobachtungen)

Mit meinem Schlaf ist es grad nicht so weit her, aber was macht das schon, wenn die großen Himmelskörper über einen hinwegrollen, um dann in spektakulären Farben hinter dem Meereshorizont zu verschwinden.

Grad wächst ja der Mond wieder zum vollen Rund an – zwei Augustmonde, das ist ein seltenes Geschenk. Hier sieht man ihn in der Nacht vom 26. auf den 27. August um 1.23 Uhr über dem Messenischen Golf, die Lichterkette der Stadt Kalamata überstrahlend. Das fahle Licht eines beliebten Strandcafes links bildet einen interessanten Kontrast.

In der folgenden Nacht, fast zur gleichen Zeit (um 1.26 Uhr) steht der Mond noch viel höher. Wie du vielleicht nicht weißt, hinkt er täglich ca eine Stunde hinter dem Vortag her. Mich überraschte und erfreute der senkrechte Lichtstrahl, der den Mond mit dem hohen Himmel und der Spiegelung verbindet und eine helle Parallele zum dunklen Strommast bildet. Er ist ein Effekt der Apparats, mit dem bloßen Auge war er nicht zu sehen. Auch der blaue Punkt im Dunklen ist ein fotografischer Effekt.

Kurz vor 3 (2.55 Uhr) ist der gestrige Mond dann so weit, seine Reise jenseits des Horizonts fortzusetzen. Die Sternbilder treten nun heller aus dem Samt der Nacht hervor.

In wenigen Stunden – gegen 7 Uhr Sommerzeit – wird schon unser anderes Hauptgestirn, die Sonne, über den Rand des Taygetosgebirges steigen und die See, die eben noch dem Mond als Spiegel diente, in durchscheinend helles Blau tauchen. Und weiter drehen sich die Gestirne, nun unsichtbar, und unsere Erde, nun sichtbar, mit ihnen.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Fotografie, kleine Beobachtungen, Natur, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , | 51 Kommentare