Montag ist Fototermin: Die achtziger Jahre in Griechenland.

Ich war gestern in einer Ausstellung im Gazi – das ist die alte Gasfabrik Athens, die zu einem weitläufigen Ausstellungsgelände umgestaltet wurde und jetzt Technopolis heißt. Das Thema – „die achtziger Jahre“ – hatte viele Athener jeden Alters angelockt. Viele kamen mit Kindern, wohl um dem Nachwuchs zu zeigen, wie man selbst gelebt hatte.

Aber war es tatsächlich nur der bescheidene Wohlstand – ein Telefon, ein Transistorradio, eine Vespa, ein Faxgerät am Arbeitsplatz und eine Trockenhaube für den Friseurladen – , der die Griechen nach langer Zeit des Darbens und der Arbeitsemigration an ein kleines Glück für die kleinen Leute glauben ließ – damals, in den gloriosen Zeiten des Pasok – der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung des Andreas Papandreou? Sicher nicht. Auf kleinen Plakaten und in Zeitungsausschnitten wird man erinnert an die Veränderungen im Familienrecht, an Gleichstellungsgesetze, Arbeits- und Streikrechte, an Zugang zum staatlichen Krankenhauswesen für alle, an automatische inflationsbereinigte Lohnanpassung, an Renten für Widerstandskämpfer, an eine neue internationale Rolle im Rahmen der Blockfreien, an Herabsetzung des Wahlalters und -zig andere Reformen, die das Lebensgefühl der Menschen stark veränderte.

Dass die kleinen Freuden des kleinen Mannes mit einem immerfort wachsenden Schuldenberg finanziert wurden und dass das dicke Geld ganz woanders hinwanderte, das kann man freilich auch lesen. Da sind einerseits die bunten Wahlplakate,

andererseits die Meldungen über die Verstaatlichung und anschließende Abwicklung fast der gesamten Schwerindustrie Griechenlands, die Berichte über den „Kauf des Jahrhunderts“ – ein riesiges Waffenbeschaffungsprogramm, das die staatlichen Schulden rasant wachsen ließ und zugleich die Taschen so mancher Mittelsmänner füllten -, die Manipulationen des Bankenwesens und der Presse, erinnert als „Koskotas-Skandal“, ein sich ständig beschleunigender Kauf- und Partyrausch derjenigen, die sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden konnten …, so dass Karamanlis Griechenland ein „grenzenloses Irrenhaus“ nannte – linkes Bild -. Rechts eine Meldung zum „Kauf des Jahrhunderts und den Kosten für die Mittelsmänner“ unter dem Titel „Historische Lüge von Andreas“- gemeint ist A. Papandreou.

1981 war Griechenland – noch unter dem konservativen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis – Mitglied der EU geworden. Im selben Jahr übernahm die Pasok, die gegen EU und NATO gewettert hatte, die Regierungsgeschäfte.  Plötzlich war Geld da, sehr viel Geld. EU-Geld. Warum arbeiten, wenn man viel mehr durch Subventionen und billige Kredite erreichen kann? fragten sich nicht nur die Bauern. An die Stelle der heimischen Produktion trat der Import, denn es gab im europäischen Binnenmarkt keine Zölle mehr und die Importgüter waren billiger. Daher nahm die Arbeitslosigkeit trotz des vielen neuen Geldes stark zu – von 2.7% 1981 auf 7.5% 1981 und der Schuldenberg wuchs und wuchs, wie das folgendeSchaubild zeigt.

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Viele Menschen fühlten sich wohl in jenen Jahren des leichten Geldes, sie bemerkten kaum, dass eine heftige Inflation den Zugewinn an Kaufkraft fast wieder auffraß.  Das linke Bild zeigt das Wachstum des Bruttosozialprodukts 1975-1995 in nominalen Größen – von außen nach innen zu lesen, 1995 ist der volle Kreis im Zentrum – . Das rechte Bild zeigt, wieviel das Wachstum wert war, wenn man die Inflation einrechnete.

Die Menschen, die sich wegen der Entwicklung des Landes seit damals Sorgen machen und nicht wissen, wie es weitergehen soll – ob sie wohl in der Ausstellung Antworten gefunden haben?

Ich fand immerhin einen Lichtstrahl in einem Glas mit Wasser, der sich auf dem Kaffeehaustisch brach. Den fotografierte ich für euch drei Mal. Denn dreimal musst du es sagen.

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Griechisches Alphabet des freien Denkens: Y wie ΥΛΗ, Materie

150px-greek_letter_upsilon_serifsans-svg Y ist ein ganz besonderer Buchstabe, denn der Weise Pythagoras hat ihn ins griechische Alphabet eingefügt. In seinem Namen findest du ihn, und du findest ihn in sehr vielen deutschen  Wörtern, die dir aus dem Griechischen gekommen sind. Anlautend wird er im Deutschen als Hy wiedergegeben, wie in hyper- und hypo-, aber auch in Hysterie und Hype, Hybris und Hymne, Hypnose und Hypokrisie. Und alles, was mit Wasser zu tun hat – siehe Hydraulik – wird von ύδορ = Flüssigkeit, abgeleitet. Gesprochen wurde es als angehauchtes ü – damals. Heute ist es einer der fünf i-Laute des griechischen Alphabets, aber auch, in Verbindung mit e, ein v-Laut: ευτυχία, das Glück, spricht man als eftichia.

Und warum ist Y so ein besonderer, so durch und durch griechischer Buchstabe, dass der bayrische König Ludwig das Wagnerische Bayreuth damit schmückte? Da ist zuerst die Legende, derzufolge Pythagoras damit ein Symbol für die Willensfreiheit schaffen wollte. Du kannst, habe er sagen wollen, ab einem bestimmten Punkt im Leben zwischen dem breiten bequemen Weg linker Hand  zur Sünde und dem schmalen mühsamem Weg rechter Hand zur reinen Vernunft wählen.

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Ich habe da allerdings so meine Bedenken, ob das nicht eine christliche Erfindung ist – und das nicht nur, weil ich Linkshänderin bin. Allzu sehr passte es ihnen ins Konzept. Wie man hier leicht erkennt, ist es das Weib, das den wackeren Mann vom wahren Seelenheil entfernen und auf den Weg der Sünde verführen will.

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Wie so ziemlich alles, wurde auch das Y christlich umgedeutet, bis hin zum Y als Gabelkreuz, wie dieses aus Puente de la Reina e Eunate auf dem Weg nach Santiago:

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Bivios nannte man im Mittelalter die Wahl zwischen dem Weg der frommen Lebensart und der Sünde. Zweiweg – oder genauer Zwie-Leben. Du erinnerst dich vielleicht an den Buchstaben B wie bios. Mir allerdings erscheint das Y in seiner geschwungenen Form als Baum – der Erkentnis? – und in seiner  reinen, unverfälschten Form als Trivios, Dreiweg. Und wer war die Herrscherin über den Dreiweg? Das war Hekate. hecate_-_mallarmeDiese Urgöttin, dreifaltig wie die Gottheiten immer schon waren, wurde in der Christenheit zur Höllenmutter erklärt, und wo sie auftaucht, herrschen Tod und Verderben. Das war natürlich nicht immer ihre Funktion. Vielmehr war sie die große Wandlerin. Und da bin ich also bei meinem heutigen Wort: ΥΛΗ – hyle – Materie.

In der neueren Geistesgeschichte wird stets ein DUALISMUS angenommen zwischen Geist und Materie. Und natürlich wird der Geist von denen, die seine Existenz  anerkennen, höher geschätzt. Die Materie gilt als träge oder als böse. Und woher kommt das Wort? von lateinisch mater=Mutter. Materie ist weiblich, ist Mutterstoff.  Spiritus =Geist ist männlich. Merkt euch das endlich, ihr Weiber! Ihr seid Stoff, der zum Leben erst kommt durch das männliche Prinzip des Geistes!

Das Y, so behaupte ich, sagt etwas anderes. Es ist kein Buchstabe des Dualismus, sondern überwindet ihn. Darum ist er mir so lieb, darum ist er mir heilig.

Hier möchte ich einen Abschnitt aus meinem Romanfragment Schwanenwege einfügen, denn besser als ich es darin sagte, kann ich es auch heute nicht sagen. Swantje, die jüngere Schwester von Ludwig, den ihr ein wenig kennenlerntet, befindet sich in der Nähe von Alexandria in Ägypten. Sie ist allein und erinnert sich an eine „Lektion“ ihres Liebhabers Epaphos, Sohn der Io – zu Io habe ich mehrere Legearbeiten hier im Blog, du kannst sie leicht finden, indem du den Namen eingibst.

Wenn du magst, liest du nun im Roman weiter.

Swantje versuchte, sich den Fortgang seiner Lektion in Erinnerung zu rufen und meinte ihn jetzt zu hören, wie er mit seiner schönen Stimme erklärte: „In zwei Formen existiert das Y: nach unten geöffnet empfängt es die Kraft der Erde in sich und führt sie hinauf; nach oben geöffnet sammelt es Himmelskräfte wie in einem Trichter und führt sie hinab. Wurzeln, Stamm, Krone. Zusammen bilden sie den Lebensbaum. Die christlichen Moraltheologen fassten Y als Weggabelung und Dilemma auf. Dabei beriefen sie sich auf Pythagoras: ‘Willst du den schweren Weg der Askese gehen, der zu Gott führt, oder den leichten Weg der Wollust, der dich dem Teufel in die Arme treibt?’ Diese simplen Geister! Sie haben den Axt an den Baum des Lebens gelegt, ohne es selbst zu bemerken! Nie kann es darum gehen, das eine zu tun und das andere zu lassen! Die Gegensätze gehören zusammen, nichts ist ohne sein Gegenteil, zusammen bilden sie das Ganze, die Eins. Wie der Tag aus der Nacht, und die Nacht aus dem Tag sich entbindet“, sagte er, „wie der Keim des Winters im Schoß des Sommers wächst, und der Sommer seine Wiedergeburt in der dunkelsten Winternacht feiert, so liegt der Same des Paradieses im Zentrum der Hölle, und die Hölle wurzelt im Herzen des Paradieses.“

Er sagte diese schweren Dinge mit einer solchen Leichtigkeit, dass sie lächelnd fragte: „Pythagoras lehrt also, dass die Wollust der sicherste Weg ins Paradies ist?“ In gespielter Verzweiflung hob er seine Arme und rief lachend: „Ihr Westler seid eben eine Kultur der Logik, bei euch gilt das Entweder-Oder, wie konnte ich das vergessen! Die alte östliche Weisheit mit ihrem Sowohl-Als-auch könnt ihr kaum begreifen. Wie kann, fragt ihr, etwas Gutes schlecht und etwas Schlechtes gut sein? Und ist doch alle Tage so! Gäbe es sonst Leben? Du tötest und verdaust, um zu leben, und du stirbst, um Leben zu geben. Leben und Tod gehören zusammen, verwandeln sich ineinander, bilden zusammen Eins.

Nichts Wirkliches kannst du ausschließen und verdammen, das ist es, was ich sage, Swantje. Das heißt nun nicht, dass du sterben sollst, um Leben zu geben, und dass du Tiere töten sollst, um dich zu ernähren. Du strebe nur danach, dich des Ganzen bewusster zu werden. Das verstehst du sicher, Swantje! Nimm das weiße Licht: Es bricht sich in die Farben des Regenbogens. Nimmst du eine Farbe weg, weil sie dir nicht gefällt, was wird aus dem Weiß? Es kann sich nicht mehr zeigen.“

Wie Epaphos sprach! Nie hatte sie einen Mann so sprechen hören. Geist und Sinnlichkeit waren in ihm nicht getrennt, sondern steigerten sich gegenseitig. Das war es auch, was er lehrte. Das war es, was sie durch ihn zu verstehen begann: „Das Y des Pythagoras steht für die Integration der Gegensätze, ihre Verschmelzung und  Höherentwicklung. Es steht für das Weltall, das, aus dem Nichts entstanden, sich ausdehnt und, sich zusammenziehend, zum Nichts zurückstrebt. Nach dem Durchgang durch den Nullpunkt wird es auf einer höheren Stufe erneut entstehen und sich ausdehnen und wieder, sich zusammenziehend, zurück durch den Nullpunkt gehen und so immer fort, und die Töne jeder Stufe klingen in immer mächtigeren Oktaven zusammen, ein großer tönender Kanon.“

Sie hatte eine Bemerkung machen wollen, doch er hatte ihr den Finger an die Lippen gelegt. „Sprich jetzt nicht, Swantje. Versuch zu verstehen, du Schöne. Schau. Schau auf die Form des Y: nach außen streben die drei Achsen als Leben, nach Innen als Tod und im Zentrum ist der Ort der Verwandlung. Die drei Achsen bilden zueinander gleich große Winkel, jeweils 90 Grad, nicht wahr? Sie sind also völlig gleichberechtigt? Gleich stark? Gut, das hast du verstanden. Das Zentrum nennen wir den Dreiweg, den Hekate, die mit den hundert Namen, bewacht. Sie ist die Herrin der Nacht und des Feuers, das die Seelen reinigt.

Hekate führt die Seelen durch das Zentrum des Todes hin zur Verwandlung und Wiedergeburt. Euch Christen ist sie die Oberhexe, und das Feuer der Seelenreinigung nennt ihr Hölle und Fegefeuer. Uns ist Hekate heilig. Deshalb hat Pythagoras das Y – die Forke der Hekate – persönlich dem griechischen Alphabet eingefügt.“

Ja, sie lernte und lernte von Epaphos – die Lust des Leibes lehrte er sie und zugleich tiefe Weisheit, nicht getrennt voneinander, sondern als ein und dasselbe. Vieles verstand sie nicht, und er seufzte und wusste nicht, wo er mit seinen Erklärungen beginnen sollte. Aber er verweigerte sich nie, wenn sie fragte, und sagte Sätze wie die:

„Das Y spricht zu dir: Sei Mittelpunkt und Peripherie zugleich. Verströme dich in die Welt und sammle dich in dir selbst.“

Und er legte seine Hand auf ihr Sonnegeflecht und sagte: „Atme aus und atme ein. In dir wandeln und steigern sich die Elemente zur Einheit von Körper, Seele und Geist.“ 

Und er legte sich zu ihr und sagte: „Du kannst dich weiter wandeln und steigern zur Neun, das ist die dreifältige Gottheit selbst, die auch heißt: Mutter, Vater und Kind.“

Und als er das gesagt hatte, berührte er sie wieder, diesmal tief innen, im Zentrum ihres Wesens, so dass sie außer sich geriet und mit einem lauten Schrei bis an den Rand des Universums floh. Als er dann eindrang in ihren verlassenen Leib, fühlte sie, wie sie von den Grenzen der Welt zurückraste, sie rauschte durch alle Sphären heran und verschmolz und wurde eins mit ihm im Zentrum ihres Seins. „Jetzt“, flüsterte er ihr zu, „bist du eingestimmt, du Liebliche“.

Am nächsten Tag reiste er ab. Und sie blieb allein in Alexandria zurück.

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Glaubt es oder glaubt es nicht

„Glaubt es oder glaubt es nicht“, begann Gerlinde Quack, denn heute war ihre Stunde. „Ich saß wie alle Abende auf meinem gemütlichen Bett und überlegte, welche Geschichte ich heute meinem Gertrudchen erzählen sollte – du weißt, sie weicht nicht von meiner Seite und quäkert, bis ich ihr eine Gutenachtgeschichte erzähle. Rudi war ausgeschwommen, er schwimmt, wie du weißt, immer gern eine Runde, bevor er sich zur Ruhe legt – nicht wahr, mein Rudi? Du warst nicht da. Du bist ja eigentlich nie da, wenn es was zu erleben gibt. Quack.

Ich überlegte also und schaute überlegend zum Mond hinauf, der gerade so wie jetzt da oben schiffte …

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da verfinsterte sich der Himmel und es erhob sich ein heftiger Wind und ein Höllenlärm, ich dachte schon, unsere nette kleine Insel geht gleich unter. Und wie ich schon dachte, die Welt geht unter, da erscheint doch genau dort, wo du jetzt sitzt, liebe Susi, ein gewaltiges geflügeltes Wesen.

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Und wie ich noch vor Erstaunen ganz baff bin und mein Gertrudchen einen Schluckauf bekommt, da verschwindet das bunte laute Wesen grad so wie es erschienen war, und stattdessen stehen da zwei hohe Personen. Sie waren sehr elegant gekleidet, der Herr mit einem bunten Frack und die Dame ganz in Schwarz. Der Herr trug den Sichelmond, der eben noch am Himmel gestanden hatte, als Federschmuck auf dem Kopf und die Dame hatte ein Hütchen auf, du glaubst es nicht, wie elegant das war.

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Die beiden Herrschaften musterten mich von oben herab und begannen abwechselnd in einem Kauderwelsch auf mich einzureden. „Pardon pouvez –  na mas – tell what in Gods name – einai auto to – damned – lieu? Nous sommes justement arrivez – apo to planiti Dingsbums – kai – nous voudrons a visiter le – planet Earth – Sie wirken ja – non pas tres intelligent – alla elpizoume – that you can give us a hint where – echei endiaferon – Sightseeing…“

„Und?“ fragten Nachbarin Susi und Gerlindes Gemahl Rudi gleichzeitig, als Gerlinde Quack nachdenklich schwieg. „Was geschah dann?“ – „Was soll schon geschehen sein“ quakte Gerlinde, die nun schon recht müde war von der langen Geschichte. „Ich konnte nicht schlau werden aus ihrem Palaver und schickte sie weg. Es war ja auch Zeit für Gertrudchen, schlafen zu gehen. Ich sah noch, wie das große Flügelwesen erneut landete und das Paar darin verschwand.

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Ein Glück! Man stelle sich vor, was geschähe, wenn sich jeder, der dazu Lust hat, hier niederließe. Würde dir das wohl gefallen, Susi?“

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Geschrieben und illustriert habe ich diesen Text für den Mitmachblog, zum Wochenthema „Die Nachbarn vom Planeten Dings“.

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Der Hahn

Heute feiern die Chinesen ihr Neujahrsfest. Es beginnt das Jahr des Hahns. Es ist sogar ein Feuerhahn, wie er nur alle sechzig Jahre geboren wird. Nun bin ich leider kein Experte in HOROSKOPEN, und vom chinesischen verstehe ich rein gar nichts. Ein wenig feiern aber möchte ich doch gern mit dem großen Volk der Chinesen. Und so reblogge ich die Rede eines Hahns, die ich erstmals im Juni 2015 veröffentlichte. Es ist eine kleine selbstironische Anspielung auf Ullis und mein Alphabet, das ja nun bald zu Ende ist, nachdem es Vision und Traum und Utopie durchdekliniert hat.

Hier also die kurze Rede des Hahns.
UND EIN FROHES NEUES JAHR ALLEN CHINESEN!

Avatar von gkazakouGERDA KAZAKOU

Hört, hört! Der Hahn hält eine Rede!

Wovon spricht er denn?

Von einer Welt, in der man bestes Futter bekommt, aber nicht geschlachtet wird!

the cock Der Hahn (c) Gerda Kazakou

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Lysos Garten braucht deine Unterstützung.

Liebe Freundinnen und Freunde von Bloghausen und darüberhinaus!

Heute möchte ich den flyer, den ich hier gardenflyer13 anhänge, eurer freundlichen Aufmerksamkeit anempfehlen. Es geht um unser Ausbildungs-Projekt Gartenbau für mental weniger entwickelte Jugendliche. Ich habe euch schon öfter davon und von meiner Freude über das gute Gedeihen erzählt, erstmals am Ende von diesem Beitrag hier und hier und hier  .

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Außer einer Erweiterung des Gartenbau-Projekts haben wir Ausbildungen in Schreinerei und Gastronomie ins Auge gefasst. Dass mit solchen behinderten Menschen eine Taverne hervorragend zu betreiben ist, habe ich erstmals bei meiner Romreise gesehen, und auch davon habe ich hier berichtet. Alle drei Sektoren sollen langfristig entwickelt werden, um zusammenzuwirken, sich gegenseitig zu ergänzen und den Grundstein für eine Lebensgemeinschaft zu bilden, die diesen Menschen und ihrer Familien ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Nun ist es aber so, dass mehr Geld gebraucht wird, als momentan durch eine Stiftung gesichert ist. Denn auch anderen jungen Menschen, die bisher nicht aufgenommen werden konnten – auf der Warteliste steht bereits jetzt die doppelte Zahl -, möchten wir auf ihrem Lebensweg weiterhelfen.

In dem Flyer findet ihr ein Spendenkonto. Auch Kleinbeträge sind sehr willkommen. Sehr willkommen sind auch Tipps und Hinweise, vielleicht auch Adressen, an wen wir uns für weitere Unterstützung wenden sollten. Wenn du Erfahrung mit solchen Projekten hast – bitte schreib an die im Flyer angegebene oder an meine Mail-Adresse gkazakou@yahoo.de. Wir sind alle keine Experten in Geldbeschaffung, sind aber dennoch zuversichtlich, dass sich unsere Pläne realisieren lassen.

Denn über dem Projekt wacht ein guter Geist: unser uralter Olivenbaum und seine Stifterin.

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Griechenland ist mutig! Artikel teilen mit:

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Griechisches Alphabet des freien Denkens: T wie ΤΑΞΗ/Ordnung, Klasse

tau_uc_lc-svg Tau,  auszusprechen als tav, ist der 19. Buchstabe des griechischen Alphabets und der letzte des semitischen, weshalb ihm in der jüdischen und christlichen Tradition eine große Rolle zukommt. Aber nicht darüber möchte ich heute sprechen, sondern über das Wort τάξη / Ordnung, Klasse. Du kennst es von Taxonomie – Ordnungsschema,  von englisch taxes – Steuern, und von taxieren – einschätzen, aber auch vom Taxi, was eine Abkürzung von Taxometer ist, mit dem die Gebühren der „Mietdroschke“ berechnet werden. Im Griechischen bezeichnet es all dies und noch viel mehr. Schulklasse und gesellschaftliche Klasse, sowie jede Art von Klassifizierung, Anordnung und Regelwerk ist mit dem Begriff τάξη gemeint.

Ursprünglich leitet sich τάξη/Klasse vom Militärdienst im Athen der klassischen Zeit ab: Athen hatte ein reines Bürgerheer. Für die Ausrüstung sorgte jeder Bürger selbst. Daher dienten die Wohlhabenden, die sich ein Pferd leisten konnten, als Reiter, die Bürger mit kleinem Vermögen als vollbewaffnete Fußsoldaten – Hopliten –  und die Armen taten im Hilfstrupp bzw als Ruderer Dienst. Sokrates diente bekanntlich als Hoplit , war also nicht ganz arm.

Das also war der ursprüngliche Sinn des Wortes Klasse: Jeder verteidigt entsprechend seinem Vermögen die Stadt, wenn sie von Feinden bedroht wird. Je nach Bedarf wurden dann auch die Befehlshaber vom Volk gewählt.

Welcher Klasse im Sinne einer gesellschaftlichen Schicht jemand angehört, beginnt und endet heutzutage im Klassenzimmer. Ein Haufen kleiner Individuen verschiedenster Herkunft strömt hinein ….78d449e59783bf5cc2aa579c46e0d0b1

Eine Weile geht es noch darum, dass jede und jeder seinen Platz im Klassenzimmer findet und sich an eine allgemeine Ordnung gewöhnt, die je nach Schulsystem variieren kann.

Doch bald schon fängt das große Rüttelsieb an zu arbeiten …

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Klassenzimmer mit Erstklässlern

Der eine fällt gleich durch, der andere kommt weiter, bis er nicht mehr weiterkommt, sondern durch ein feineres Sieb fällt. Ein paar fallen gar nicht durch. Nach wenigen Jahren haben wir schön geordnete Verhältnisse: Sonderschule – Hauptschule – Realschule – Gymnasium -Abschlusszeugnisse, meinetwegen auch Förderstufen, Leistungskurse etc pp. So vorsortiert kommen die jungen Leute dann aufs berufliche Rüttelsieb, so dass sie sich irgendwann als ungelernte, gelernte und Facharbeiter, kleine, mittlere und höhere Angestellte, Selbständige, Akademiker, Manager wiederfinden. Das bildet sich dann wieder ab in Einkommensunterschieden, der Art zu wohnen, zu denken, seine Kinder zu erziehen. Diese Kinder werden dann, wie oben, als ein Haufen sehr unterschiedlicher kleiner Individuen, in die Rüttelsiebe gegeben…. Der Kreis schließt sich. Das Ganze nennt man Reproduktion der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Ist Ordnung also ein Gegenbegriff zu Freiheit? Nein. Der Gegenbegriff ist Chaos.

Kann Denken ohne Ordnung auskommen? Natürlich nicht! Denken bedeutet ja Ordnung schaffen in einem Haufen ungeordneter Daten, die durch unsere Sinne auf uns eindringen. Denken ist ein ständiges Auswählen, Definieren, Kategorisieren, Zuordnen, Verbinden, Hierarchisieren, Auflösen … Wir bilden Begriffe, die wie Raster wirken, durch die die Dinge durchfallen oder in denen sie hängen bleiben. Wenn ich alles, was auf vier Beinen herumläuft, auf das Raster „Hund“ werfe, dann fällt das meiste durch; nur die Hunde bleiben drin hängen. Die Hunde selbst haben auch solche Raster, ich beobachte es an meinem: egal wie riesig oder winzig ein Artgenosse ist – unweigerlich begrüßt er ihn als Hund. Was ich durch Denken zustande bringe, schafft er durch die Nase.

Denken heißt also: Ordnungen herstellen. Die Frage ist: Welche? Liegen sie in den Dingen selbst – wie im Beispiel Hund – oder werfe ich meine willkürlichen Begriffsnetze über die Dinge? Auf welche Eigenschaften der Dinge gründe ich mein Auswahlsystem? Sortiere ich nach Größe oder nach Farbe, nach Leistung oder nach Herkunft, nach Intelligenz oder nach Schönheit, nach Qualität oder nach Preis? Unendlich viele solcher Kriterien gibt es, durch jedes kann ich Klassen schaffen, reine oder Mischformen, dem Kombinieren sind keine Grenzen gesetzt.

Die Freiheit meines Denkens besteht darin, welche Ordnungen ich bilde – und nicht darin, ob ich überhaupt welche bilde. Meine Legekunst ist eigentlich eine ständige Demonstration dieses Gedankens. Schau her: Hier habe ich ein paar Elemente in Reihen geordnet, um zu sehen, was ich habe.

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Wie kann ich eine neue Ordnung schaffen? Indem ich die Teile anders anordne, zB so:

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Hübsch, doch was ist gewonnen? Nun, die Wissenschaftler und Politiker streiten sich oft über solche Fragen. Als Künstlerin strebe ich nach anderen Lösungen. Wie wäre es mit diesen?

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Oder nehmen wir einen anderen Haufen, etwa diesen hier:

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Auch dieser Haufen ist vorgeordnet, nach Farbe und Helligkeitswert. Daraus entstanden sind eine Feuervogel-Familie und ein Bild, das ich „Nachtgelichter“ nenne.

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Ich denke, du hast das Ordnungs-Prinzip verstanden, dem ich huldige. Aber da aller guten Dinge DREI sind, zeige ich noch ein Beispiel: das vorgeordnete Material und zwei Varianten, was man draus machen kann: „Hades raubt Persephone“ und „Ithaka“:

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Wenn es möglich ist, aus ein paar bemalten Stücken Papier ständig neue Welten zu schaffen, indem man sie anders arrangiert – warum sollte das nicht auch in der Menschenwelt möglich sein? Dafür wäre es allerdings nötig, den Wert jedes Individuums unabhängig von dem Platz, an dem es sich gerade befindet, wahrzunehmen, und ihm die Freiheit zu geben, seine unbeachteten Fähigkeiten an neuen Plätzen auszuprobieren.

Ich weiß, das ist utopisch. Aber derlei Utopien halten mein Denken lebendig.

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Planet Kleinstadt

IMG_2807Mein Beitrag zum Mitmachblog. Das Legebild habe ich 2015 bereits verwendet bei Life can be easy, der Text ist ein wenig verändert.

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Im Stadtwald, über Utopie nachdenkend.

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Wenn ich in Athen bin, gehe ich täglich im Stadtwald spazieren. Darauf besteht mein Hund. Während ich gehe, denke ich gewöhnlich über dies und das nach. Ich bin sozusagen eine Peripatetikerin: Peripatos bedeutet Spaziergang, kommt von Herumgehen und wurde zur Bezeichnung der philosophischen Schule von Aristoteles.https://gerdakazakou.com/2016/12/02/aristoteles-und-die-ermitage/

Während ich nach links entschwand, blieben die Folgen meines Nachdenkens als Wolkenschrift, um Zeugnis abzulegen: „Hier dachte jemand nach über den Nicht-Ort, Utopia.“.

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Schneeweiß und Rosenblüt – für die abc.etüden von Textstaub.

In der Mittagsstille lösen sich Düfte aus dem weißen und dem roten Rosenstrauch. Rotköpfig ist der rote Rosenduft, bräutlich weiß der weiße. Komm, wir wollen uns vereinen, flötet der rotköpfige Rosenblüt und wedelt mit einem bunten Bündel aus Stängeln, doch Schneeweiß findet ihn mickrig und will einen richtigen Rosenstrauß und flieht zurück zu Mamablüt.

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Viele Tage vergehen. Der rotköpfige Rosenblüt wird groß und stattlich. Er kann die liebliche Schneeweiß nicht vergessen. In prächtigem Prinzenornat nähert er sich ihr erneut. Doch ach! Verblüht ist die Kleine, die Stolze, verschrumpelt und alt.

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O ihr Narren, liebt euch heute, morgen ist ein anderer Tag!

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Anmerkung: Dies sind meine allerersten Legearbeiten, ich machte sie aus bemaltem Pergamentpapier im November 2015. Die Geschichte dazu fand ich jetzt mithilfe der Wörter Stille, Narr, Rosenstrauß, inspiriert durch https://textstaub.wordpress.com/2017/01/22/abc-etueden-schreibprojekt-kw-4-17/

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