Eleusis und Triptolemos

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Der liebliche Jüngling auf dem altgriechischen schwarzgrundigen Krater ist Triptolemos, Sohn des Königs von Eleusis, der die großmütige Getreidegöttin Demeter gastfreundlich aufnahm, als sie verzweifelt nach ihrer Tochter Persephone suchte. Hades  hatte sie geraubt….

Zum Dank für die Gastfreundschaft überreicht Demeter dem Jüngling Ähren, auf dass er die Menschen den Ackerbau lehre. Sie schenkt ihm auch einen Wagen, der von zwei Drachen gezogen wird. Mit dem macht sich Triptolemos auf die Reise und lehrt die Völker,  wie sie Getreidekörner in die aufgebrochene Erde ausstreuen können. Nach anständiger Wartefrist werden aus der dunklen Erde grüne Halme sprießen, dass es eine Lust ist. Und nach weiterer Wartezeit werden sich neue Ähren am Halm bilden, und wenn man sie nicht vorzeitig zertritt oder von den Tieren auffressen lässt, kann man die Ähren schneiden. Man kann sie dann mit Knüppeln schlagen, um das Spreu vom Weizen zu trennen. Und die so gewonnenen Körner –  viel viel mehr Körner als die, die man wenige Monate zuvor in die Erde streute – kann man mithilfe von Steinen zermahlen. So gewinnt man ein grobes  weißliches Pulver, das man mit Wasser verrühren und auf heißen Platten zu Fladen backen kann.

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Am Beginn: die Aussaat (c) gerda kazakou

Ich weiß nicht, ob Triptolemos die Sache des Getreideanbaus und Brotbackens genauso vermittelte, wie es mir eben einfiel zu erzählen. Wie auch immer, er ist derjenige, der am Anfang unserer Landwirtschaft steht (siehe auch: https://gerdakazakou.com/2015/09/19/am-beginn/). Oder vielmehr: Kornmutter Demeter steht am Anfang.

fig_1 Diese herrliche Stele, die links Demeter, rechts Persephone und in der Mitte den Menschen Triptolemos zeigt, befindet sich im Archäologischen Museum von Athen. 

In manchen Weltgegenden ist man heute froh, wenn man im Frühjahr ein paar Körner zusammenscharren kann, um sie in den vertrocknenden Boden auszusäen und später, wenn nicht Kriegerhorden sie zertrampelt haben, sein dürftiges Brot auf heißen Steinen zu backen.

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Mama Afrika (c) gerda kazakou

In anderen Gegenden zieht man immer noch mit dem Ochsen und dem Pflug dreimal den Kreis – wie Triptolemos es empfahl (daher sein Name). Am dreimal umpflügten Feld (du kennst das Wort Triptichon) entstanden die ersten Städte – Polis. Es entstanden die Politia (Gemeinwesen), der Politismos (Kultur, du kennst es zB aus dem englischen polite=höflich), der Politis (Bürger), die Politik und die Polizei ….

Schon damals gab es menschliche Eigenschaften, die heute noch die Politik bestimmen. So wird erzählt, dass der König der Geten, die im heutigen burgarisch-rumänischen Grenzgebiet siedelten,  kaum hatte er den Getreideanbau erlernt, den einen Drachen  von Triptomeos‘ Gespann tötete, um zu verhindern, dass auch andere Völker von dem Wissen profitierten. Heute macht man das bekanntlich, indem man Saatgüter patentieren lässt….

Dieser König hieß übrigens Karnavos, und der Mythos erzählt, dass er schließlich zusammen mit dem Drachen, den er getötet hatte, am Himmel landete, als Sternbild Ophiouchos (Schlangenträger). Es ist das dreizehnte Tierkreiszeichen, benachbart dem Skorpion. Gerade gestern verließ die Sonne es, um den Schützen zu begrüßen. (So reimte ich es mir zusammen).

250px-kepler_drawing_of_sn_1604Diese Zeichnung stammt von Kepler

Doch was kümmert mich der alte Schlangenträger – es sei denn, ein anderer Mythos hätte recht, der in ihm Asklepius sehen  möchte – den Halbgott, der den Menschen die Heilkunst brachte  – ihr wisst schon, den mit dem Schlangenstab, den die Römer … (siehe mein Beitrag „Rom – Auf der Insel“)

Und so schlage ich den Bogen zu dem, was mich gegenwärtig am meisten beschäftigt: dem Projekt, in dem junge Menschen mit mentaler Behinderung lernen, den Boden zu bearbeiten, ohne ihn zu verletzen, Saaten auszustreuen, die aus alten Sorten gewonnen werden, Gemüse zu ernten, das nicht vergiftet ist. In Lysos Garten unter dem alten Olivenbaum.

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Und grüße alle, die mutig davon träumen, dass Erde, Mensch und Tier in schönem Gleichgewicht zusammenleben und anstatt Elend Fülle haben..

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Am Beginn: im Gleichgewicht (c) gerda kazakou

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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8 Antworten zu Eleusis und Triptolemos

  1. bruni8wortbehagen schreibt:

    Die Sicht mit Asklepius gedfällt mir sehr, liebe Gerda,
    und ich danke Dir sehr für all die feinen Infos. Endlich weiß ich, daß Demeter die Getreidegöttin ist´.
    Ich habe immer gerätselt, was Demeter bedeutet und auf die Idee nachzusehen, kam ich nie 🙂
    Nun hast Du sie mir direkt vor die Nase gebracht und ich habe mit Interesse gelesen.
    Wieder warst Du so fleißig und hast so feine Legebilder gestaltet und ich frage mich, wann Du das alles schaffst.

    Ich wünsche Euch für dieses wundervolle Projekt nur Gutes und viel Erfolg.
    Ich denke, Du wirst uns auf dem laufenden halten.

    Liebe Abendgrüße von Bruni

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    • gkazakou schreibt:

      Och, liebe Bruni, das Geheimnis, wie ich das alles schaffe, ist schnell gelüftet: die Legebilder sind aus meinem Archiv. Ich fand sie so passend. Neues mache ich leider dieser Tage kaum. Liebe Grüße dir! Gerda

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  2. bruni8wortbehagen schreibt:

    :-), das erleichtert mich, liebe Gerda

    Liebe Schmunzelgrüße von Bruni

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  3. kunstschaffende schreibt:

    Liebe Gerda,
    mir ist der Demeter Anbau bekannt, dass ist eine sehr Nachhaltige und natürliche Anbauweise und in Bioläden erhält man Demeter Produkte. Wir haben hier in Rengoldshausen (Bei Überlingen) bei der Waldorfschule so einen Laden! Die Preise dort sind für mich unerschwinglich, selbst wenn ich meinen Appetit auf ein Minimum reduzieren würde!
    Außerdem wird hier im ganzen Umkreis Clyohosat eingesetzt und wir leben hier in einer sehr windreichen Region, somit ist es unwahrscheinlich, dass diese Produkte völlig Schadstoffarm- bzw. frei sind!
    Gäbe es nur Demeter ohne die chemischen Anbaupraktiken, dann wäre ich überzeugt davon!

    Wieder hast Du uns eine sehr interessante Einsicht und Geschichtsinfo mit der griechischen Mythologie gegeben! Deine Legearbeiten dazu, veranschaulichen dass immer sehr eindrucksvoll!

    Vielen Dank dafür und Dir noch einen schönen Abend!

    Lg Babsi

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  4. gkazakou schreibt:

    Liebe Babsi, danke für deinen freundlichen Zuspruch zu meinem Beitrag. Zu Demeter: das sind Produkte aus biologisch-dynamischem Anbau, wie sie Rudolf Steiner (Anthroposophie) vorgeschlagen hat, von dem auch der Impuls für die Waldorfschulen ausgeht. Ich denke nicht, dass sie dort angebaut werden, wo man sie verkauft. Aber ob es wirklich schadstofffreie Gebiete in Deutschland gibt, weiß ich natürlich nicht. Sicher sind sie besser für die Gesundheit als die Sachen von Aldi. Sie sind teurer, ja, weil die Herstellung kostspieliger ist. LG Gerda

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  5. Pingback: Lysos Garten braucht deine Unterstützung. | GERDA KAZAKOU

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