Wurzelmännchen fortgesetzt: von griechischen Rebsorten.

Der Kormoran fragte gestern, wie der Wein denn schmecke, der aus diesen Rebmännchen gewonnen werde. Warum ein Kormoran das wissen will, weiß ich freilich nicht. Er will sich doch nicht etwa berauschen?img_9459

Heute war ein sehr trüber Tag, und die Wurzelmännchen waren recht geschwärzt vom Regen. Die kleinen Täfelchen, die ihnen entlang des Pfades zur Seite stehen, waren unansehnlich und grau. Doch namenlos sind sie nicht, sind durchaus keine Rumpelstielzchen. Gerne geben sie ihren Namen preis, in dessen Klang sich ihre Aromen entfalten:

Agiorgitiko

Assyrtiko

Avgoustiatis

Lagorthi

Liatiko

Limniona

Mavri Korinthiaki

Moschofilero

Hunderte von Namen, Aromen, Farben sind es. Manche Rebsorten sind nur auf einer Insel oder auf einem kleinen Hang zu Hause, andere haben sich über das ganze Land verbreitet. Auf meinem Feld sind eine ganze Menge davon versammelt, zu Studienzwecken. Denn mein Stadtwald ist eine Stiftung, die ursprünglich für die Ausbildung junger Landwirte gedacht war.

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Die folgenden drei Fotos habe ich an einem Novembertag gemacht, als die tiefstehende Sonne das Eisenblech der Namenstäfelchen weinrot einfärbte.

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Das Lesen gleicht allerdings eher dem Entziffern von Hieroglyphen – was mir ganz gut passt, denn Hieroglyphen ist ein griechisches Wort und bedeutet „heilige Zeichen“. Und heilig sind die hunderte von griechischen Rebsorten, manche so alt wie Dionysos, oder vielleicht sogar noch älter, denn Dionysos ist ein relativ junger Gott.

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Um euch die Entzifferung zu erleichtern, habe ich eine Webseite rausgesucht, http://www.newwinesofgreece.com/de/home/index.html. Lest sie und wundert euch, welche Vielfalt köstlicher Trauben an diesen krüppeligen Gestalten hängen werden, wenn ihre Zeit reif ist.

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Montag ist Fototermin: Berauschte Wurzelmännchen

Heute stromerte ich wie gewöhnlich in meinem Stadtwald herum. Die verrückten Gestalten der Weinstöcke, von denen ich gestern schon einige fotografierte, hatten es mir auch heute angetan. Leider waren weder das Wetter noch mein Handy hilfreich – aber vielleicht hast du ja genug Fantasie, um sie dir vorzustellen, diese verrückten, vom vorjährigen Wein noch leicht berauschten Wurzelmännchen. Hunderte stehen auf einem Feld, jedes anders, jedes eine Persönlichkeit.

Wenn du sie anklickst, kannst du sie hoffentlich sehen.

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Griechisches Alphabet des freien Denkens Σ wie ΣΥΝΕΙΔΗΣΗ/Gewissen, Bewusstsein

1024px-sigma_uc_lc-svg Σίγμα, Sigma ist der 18. Buchstabe des griechischen Alphabets. Geschrieben als Σ, σ oder als Endlaut auch ς, wird als scharfes ss gesprochen. Mein Wort fürs Alphabet ist Συνείδηση, gesprochen synithisi mit dem Ton auf dem ersten i und weichem th wie im englischen these.  Wörtlich bedeutet es Mit-Wahrnehmen.

Im Deutschen entsprechen der Συνείδηση gleich zwei schwergewichtige Wörter: Bewusstsein und Gewissen. Diese beiden sind erst zu Beginn der Neuzeit auseinander dividiert worden. Das Gewissen wurde zur moralischen Instanz, das Bewusstsein zur hellen Geistesverfassung des Ich. Im Griechischen blieben die beiden Begriffe eins. Συνείδηση ist beides: Gewissen und Bewusstsein.

Wie ist das möglich? fragst du vielleicht. Nun, eigentlich ist es ganz einfach:

Bewusstsein entsteht, wenn ich mir zwei oder mehr Sachverhalte gleichzeitig vor Augen halte. Ich beginne nach Ursachen und Wirkungen zu fragen, vielleicht auch nach meinem Anteil an einem Geschehen. Dabei geht mir vielleicht ein Licht auf: ich bemerke Zusammenhänge, die ich vorher nicht sah, nicht verstand.

In der Tragödiendichtung um Ödipus  (entstanden ca. 429–425 v. Chr.) wird das von Sophokles thematisiert: Ödipus erschlug einen ihm fremden Mann, heiratete eine Königin, bekam mit ihr vier Kinder, herrschte und war guter Dinge.  Aber dann kommt die Pest über Theben, und das Orakel sagt: „Da ist ein Schuldiger am Tod des alten Königs unter euch. Sühne ist nötig, Reinigung muss sein, damit die Stadt gerettet wird“. Ödipus klärt den Mord auf  – und findet sich selbst als Täter. Er rechnet nun zwei und zwei zusammen und begreift, dass er seinen Vater ermordet und seine Mutter geheiratet hat, und dass seine vier Kinder in Blutschande gezeugt wurden. Was sich eben noch unschuldig anfühlte, ist nun ein schreckliches Verhängnis und Verbrechen. Seine Frau-Mutter erhängt sich, er selbst sticht sich die  Augen aus, da sie nicht gesehen hatten, was sie hätten sehen müssen: den Zusammenhang zwischen dem frühen und dem nachfolgenden Geschehen. 1967-edipo-re-01-g siehe hier

In jener Zeit war das, was wir heute als Gewissen bezeichnen, den Menschen noch äußerlich. Es wurde ein Mord begangen, es kam eine Pest über das Land, das Orakel verlangt Aufklärung – in all dem ist gar keine innere Beteiligung. Doch schließlich begreift der Held.  So wird der äußerlich Sehende blind und der innerlich Blinde sehend. Das Gewissen als innere moralische Instanz ist entstanden. Der Richter hat im Innern des Menschen Platz genommen. Der Mensch ist frei und verantwortlich für das, was er tut. Er richtet sich selbst.

Bei anderen großen Tragödienstoffen ist es nicht anders. Nehmen wir den Mord, den Orest an seiner Mutter Klythaimnestra begeht, um seinen Vater Agamemnon zu rächen. Was passiert mit dem Mörder Orest bei  Aischilos, 458 v.Chr.? Er wird von den Furien gehetzt. Das sind keine Gewissensbisse, sondern tatsächliche dämonische Gestalten, die hinter ihm her sind und ihn malträtieren, die ihn beißen. 300px-william-adolphe_bouguereau_1825-1905_-_the_remorse_of_orestes_1862 Les Remords d’Oreste – Orestes wird von Furien gehetzt. W.A. Bouguereau, 1862.

50 Jahre später nimmt sich Euripides desselben Stoffes an. Jetzt hetzten keine Furien den Orest, denn er ist sich seiner selbst bewusst geworden. Ihn.quält „das Bewußtsein darum, daß ich von mir selbst aus weiß, Schreckliches getan zu haben.“ Sein Gewissen ist erwacht.

Συνείδηση ist auch als „Mit-Wissen“ zu übersetzen. Wie schlimm fand und finde ich den Satz, mit dem sich viele Deutsche nach dem Krieg herausredeten: „Ich habe es nicht gewusst“. Sie seien keine Mitwisser gewesen. Sie zogen es vor, sich als Opfer einer Täuschung auszugeben, als zu ihrem Tun und Lassen Stellung zu beziehen. – Heute ist es noch schwieriger geworden, sich als Nicht-Wisser hinzustellen. Wir alle sind Mit-Wisser von sehr vielem Schrecklichem und Ungerechtem, und unser Gewissen mahnt uns täglich, Stellung zu beziehen.

Bewusstsein und Gewissen, sagte ich, sind ursprünglich eine Funktion des klaren Sehens, des Zusammensehens von getrennten Erscheinungen. Meistens reicht es, frei und klar zu denken und die Dinge in ihrem Wirkungszusammenhang zu betrachten – ohne Denkverbot, ohne Vorurteil, ohne Angst.

Hanna Ahrend spitzt das so zu:„Könnte vielleicht das Denken als solches – die Gewohnheit, alles zu untersuchen, was sich begibt oder die Aufmerksamkeit erregt, ohne Rücksicht auf die Ergebnisse und den speziellen Inhalt – zu den Bedingungen gehören, die die Menschen davon abhalten oder geradezu dagegen prädisponieren, Böses zu tun?“[144] 

Manchmal meldet sich die „innere Stimme“ schon, wenn das Wissen noch bruchstückhaft ist. Es ist klug, auf sie zu hören, denn sie lenkt unsere Schritte sicher und bewahrt uns vor Bösem. Schon Sokrates empfahl das, nur nannte er die innere Stimme noch nicht Gewissen, sondern seinen Daimon.

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Stadtwald – Abendstimmung

Mein Kopf brummte vom Nachdenken über den nächsten Buchstaben im Alphabet des freien Denkens, denn der hat es mal wieder in sich. Σ wie Συνείδηση, Bewusstsein und Gewissen. Um mein Hirn zu lüften, ging ich wie jeden Tag eine Runde in unserem Stadtwald Syngrou spazieren, nahm heute auch mein iphone mit. Um diese Jahreszeit gibt es dort nichts Spektakuläres zu sehen, doch tat mir die niedrig stehende Sonne den Gefallen, die Wipfel und Stämme der Pinien rötlich einzufärben. Und so knipste ich, so gut ich es eben vermochte, denn ich wollte mich nach all den herrlichen Schneebildern aus deutschen Landen nicht lumpen lassen. Auch hier ist es schön!

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Spiegelung – für MYRIADEs Fotoprojekt

Hier ist nun schon mein zweiter Beitrag für Myriades FOTOPROJEKT,

https://laparoleaetedoOOTnneealhomme.wordpress.com/2017/01/18/einladung/

damit es Fahrt auf nimmt. Eine Fotografie ist es ja nicht grad, aber Myriade hat auch meine Legearbeiten akzeptiert. Warum also nicht auch mal was Gemaltes? Hier also „Spiegelung“:

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Griechisches Alphabet des freien Denkens: R wie Rhiza, Wurzel

1024px-rho_uc_lc-svg Pω – Rho ist der 17. Buchstabe des griechischen Alphabets. Man schreibt ihn im lateinischen Alphabet als Rh, weil er früher angehaucht wurde. Sokrates behauptet  – in Platons Dialog „Kratylos“ -, dass die Seele des Menschen besonders stark durch das rollende Rh angezogen werde. Denn es verweise auf den ewigen Lebensstrom, die ροή, das Fließen ρέω,  also auf das, was Heraklit das Panta rheei  nannte.  Auch im Namen der Urmutter Ρέα – Rhea  ist dieses Fließen, Strömen zu hören.

Ich will aber heute nicht über das Fließen, sondern über ein anderes Wort sprechen: über R wie Rhiza – sprich risa, Wurzel. Es ist ja grad ziemlich verbreitet, über die Wurzeln bzw über die Wurzellosigkeit des Menschen zu raisonnieren. „Auf die Suche nach ihren Wurzeln“ haben sich zahlreiche Menschen begeben – indem sie ihren Stammbaum erkunden, indem Adoptierte oder durch künstliche Befruchtung Gezeugte nach ihren biologogischen Eltern forschen, indem sie in das Geburtsland ihrer Eltern reisen oder auch indem sie im Wald ihr Blockhaus bauen. „Ohne Wurzeln keine Flügel“ heißt es in so mancher therapeutischen Rezeptur. –  Auf der anderen Seite gibt es die „Wurzelabhacker“ und „Wurzelausreißer“, griechisch Ριζοσπάστης, deutsch die Radikalen, von lat. radix. Das Parteiblatt der griechischen Kommunisten heißt so: Ριζοσπάστης – risospastis. Seit zwei Jahren wird Griechenland vom SYRIZA regiert, das Akronym bedeutet wörtlich: „Zusammenschluss der radikalen“ sprich  wurzelabhackenden „Linken“. Freilich ist die Radikalität kein Privileg der Linken: auch die von Konstantinos Karamanlis 1965  gegründete und lange Zeit regierende Partei ERE ist eine Wurzelabhackerin; denn ERE bedeutet „Nationale Radikale Union“.

Die einen wollen Wurzeln finden, die anderen wollen sie abhacken….

Ja, hat der Mensch denn überhaupt Wurzeln?

Wurzeln haben die Pflanzen. Mit ihren Wurzeln senken sie sich in die Erde, geben sich Halt. Manche haben sogar extra Schwereelemente in ihrem Wurzelwerk, damit die Blüten und vielleicht auch die Blätter nicht das tun, was sie am liebsten täten: auf und davon fliegen.

Schaut man auf eine Pflanze, dann empfindet man, wie sie sich mit ihrem ganzen Wesen dem Licht hingibt. Sie schmiegt sich in ihrer Form dem Weltall an. Von oben, vom Gang der Sonne und der Gestirne, nimmt sie ihre Impulse, dreht sich von Osten über Süden nach Westen, und ihre Blätter folgen spiralig diesem Lauf.

Doch da sind die Wurzeln. Davonfliegen gilt nicht. Denn die Pflanze hat eine Aufgabe zu erledigen. Aus der Erde schafft sie empor und wandelt um, was die Erde an mineralischen Substanzen in den Lebenskreislauf geben will und kann. Das wird dann zur Nahrung für die Tiere und Menschen.

Der Mensch ist anders herum gepolt. Er schreitet, den Kopf erhoben, die Sohlen seiner Füße abwechselnd gegen den Boden tretend, über die Erde. Seine Bodenhaftung ist gering. Er hat sich aufgerichtet, sagt man. Aber genauer wäre es zu sagen: Er hat sich auf den Kopf  gestellt. Schaut ihn doch an, vergleicht ihn mit den Pflanzen! Seine Fortpflanzungsorgane zeigen zur Erde, und der Kopf, dies mineralische Ding, ragt in den Himmel. Ist das Gehirn vielleicht des Menschen Wurzelbereich,

und tun ihm daher die Wurzelgemüse so gut ….

… während „die Wurzelsysteme der Bäume als Gehirne des Waldes anzusehen“ sind, wie die kanadische Baumforscherin Suszanne Simard meint?

Wunderdinge werden dem Kopfstand nachgesagt. Er gilt dem Yogi als König der Asanas;  denn so ziemlich alles, was durch die Aufrichtung des Menschen in Unordnung geraten ist, korrigiert er. Vor allem das Hirn wird entlastet, darf es doch endlich mal seinem Schwerkraftbedürfnis folgen, anstatt immer dagegen anzukämpfen. 19_headstand_image_260_w siehe hier. 

Morphologisch ähnelt der Mensch tatsächlich einer entwurzelten, auf den Kopf gestellten Pflanze, und seine Wurzeln liegen, wenn überhaupt irgendwo, dann in seinem Kopf. Mit dem Kopf nimmt er seine Nahrung auf, verbindet sich mit der Umwelt, speichert seine Erinnerungen, kommuniziert.

So weit war ich mit meinen Spekulationen, als ich nachschaute, woher sich dies griechische Rho denn eigentlich ableitet. Tja, da staunst du! Es kommt vom phönizischen Res 85px-phoenician_res-svg, was „KOPF“ bedeutet.

Die Chakren des Menschen haben sich den neuen Verhältnissen angepasst. In den Scheitel ist das Kronenchakra gezogen, und am Ende des Steißbeins sitzt das Wurzelchakra, mit dem der Mensch versucht, eine Beziehung zur Erde aufzunehmen. Das ist gar nicht so leicht, es bedarf der Übung. Drum sitzen die Yogis stundenlang im Schneidersitz; doch das Steißbein will und will sich nicht verwurzeln. gossip_131 siehe hier

Warum ist das so schwierig? Ich vermute, weil wir unsere Wurzeln im Kopf aufsuchen müssen.

Oder haben wir unsere Wurzeln vielleicht doch in der Familie, im Clan, im Volk, von denen wir uns quasi als Sprösslinge abgezweigt haben? Von Stammbäumen spricht man, aber wo ist oben, wo unten?genealogical_tree_of_antigone_odipus-svg Meistens sind die Vorfahren in den Lüften angeordnet, während du nur ein Würzelchen bist, wie im Beispiel hier die große Antigone.

Wo also sind des Menschen Wurzeln? Vielleicht hat er ja gar keine, vielleicht ist er ein Vom-Winde-Verwehter, der sich müht, Würzelchen in den Boden der Erde zu senken. Wenn er lange genug an einem Ort gelebt hat, mag er wohl sagen: hier habe ich Heimat gefunden. Er umarmt einen Baum, am besten einen tief verwurzelten, und bittet ihn: Lieber Baum, bitte nimm mich mit hinab in dein Erdreich. ….baum-umarmen

hier

Ich fühle mich so wurzellos. Mein Körper ist schwer und will sich gerne hinlegen, will eins werden mit der Erde, aber da ist mein Kopf!  Da ist mein Denken! Das irrlichtert herum, denn es gehört in eine andere Sphäre, gehört zum Himmel, aber da wurde es ausgerissen, die Wurzeln wurden abgehackt, radikal, und nun sehne ich mich mit allen Fasern nach einer verlorenen Heimat.

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Leonardo da Vinci, Johannes der Täufer

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Myriade’s Einladung: Begeisterung

Myriade hat ihr Foto-Projekt, an dem alle teilnehmen dürfen, wiederbelebt! Toll, ich bin begeistert und wünsche besten Erfolg, das heißt: viele begeisterte TeilnehmerInnen.  https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2017/01/18/einladung/

Es gibt da wahlweise eine ganze Reihe von schönen Wörtern, unter denen man sich einreihen kann mit seinen Bildern. Eines heißt: Begeisterung. Ich versuchs mal, dies durch und durch belebende beflügelnde Gefühl mit einem Legebild zu illustrieren.

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Uralte Geschichten

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Schnee, Buchladen, Rotwein

textstaub aka ludwig zeidler hat am Sonntag ein neues Projekt vorgestellt

  • Texte zur Liebe
  • maximal 10 Sätze
  • jeden Sonntag gibt er drei Wörter vor, die im Text vorkommen sollen (siehe oben)

Aus dem grauen Himmel fiel unaufhörlich der Schnee. Die Frau starrte aus dem Fenster ihres kleinen Buchladens. Niemand würde heute mehr kommen, und morgen war morgen. Wo war der Geliebte, wo das Kind, das sie sich erträumt hatten? Sie erinnerte sich, ja, sie erinnerte sich. Ein solcher Tag wars gewesen, und sie hatte an einem anderen Fenster gesessen – auf dem verschneiten Balkon hatte eine Kohlmeise am entlaubten Rosenbusch gepickt – Schau, das kohlschwarze Häubchen! hatte sie geflüstert und seine Hand ergriffen – Solch schwarzes Haar soll unser Kind haben! Wie unter Zwang war sie hinausgeeilt, wollte das Vöglein erhaschen, aber es flog auf und davon, und sie stach sich am Rosenbusch. Drei Tropfen fielen in den Schnee.

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Uralte Geschichten, seufzte sie und griff mit zittriger Hand nach dem Glas mit dem Rotwein. Es fiel um und zerbrach.

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ANDERE VARIANTEN von Schneewittchen:

Eine Dame von Welt

Die schönen Schlafenden

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so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz

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Dreimal Glück

Wer macht sich heute  noch die Mühe und expediert seine Grüße in analoger Form? Es geht ja viel geschwinder mit der Elektronik. Man schickt sie – und der andere hat sie. Sofort. Umgehend. Kein Weg zum Postamt, kein Warten in der Schlange, kein Gesuche nach einem passenden Umschlag, einer Briefmarke. Ich bin so bequem geworden. Warum sollte mir jemand einen echten Brief schicken?

Doch heute brachte mir der Postbote – ja, es gibt ihn noch! – gleich zwei Briefe ins Haus. Damit die glücksbringende Zahl 3 voll würde, holte ich ein Bücher-Paket von der Poststelle ab, wo es seit einem Monat auf mich wartete, über und über mit allerlei Zettelchen beklebt; und eine dicke schwarze Schlaufe war um eine Lieferzahl gemalt. Na, seht selbst!

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Damit ihr nicht glaubt, ich rede nur so vor mich hin, habe ich auch die beiden Briefe fotografiert, die mir heute ins Haus flatterten – auf einem Hintergrund, der meiner Freude über ihr Ankommen Ausdruck verleihen soll. Danke Elke, danke Katrin!

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Und da das Jahr noch jung genug für Vorsätze ist: Ich werde ebenfalls wieder richtige Post expedieren, jedenfalls gelegentlich. Es ist doch zuuuuuu hübsch, so ein Ding in der Hand zu haben. Es macht irgendwie …. glücklich.

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Montag ist Fototermin: Abschied vom Meer.

Bin wieder in Athen. Las grad bei Finbar, dass er sich nicht mit dem Abschiednehmen anfreunden mag. Es ist ein herzzerreißend schöner alter Text, den ich über Ullis letzte Miniatur fand https://finbarsgift.wordpress.com/2013/11/13/abschiede/

Mir fällt das Abschiednehmen von Dingen leicht, und von Menschen; wenn es nur ein vorübergehendes ist, fällt es mir auch nicht sonderlich schwer. Aber vom Meer! Es fehlt mir bereits, als sei es mein Atem. Schwer ist es, auch nur wenige Tage ohne das Meer auszukommen.

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