Tagebuch der Lustbarkeiten: tägliches Zeichnen (Schwemmholz)

Mein „tägliches“ Zeichnen habe ich kläglich vernachlässigt, seit ich meine Kreativität ins „Welttheater“ investiviere. Gestern aber, als ich ein Stück Schwemmholz in die Hand nahm, um es  dem Kaminfeuer zu übergeben, zögerte ich. Es war so eindrucksvoll! Nein, vorher musste ich es zeichnen. Was ich tat. Danach konnte ich es nicht mehr verbrennen. Denn wenn du einStück Holz zu lange in der Hand hattest und es sogar gezeichnet hast,ist es nicht mehr anonym. Und du kannst es nicht verfeuern.

Meine Kugelschreiber-Zeichnungaus einem etwas anderen Blickwinkel:

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Meine Kunst, Natur, Skulptur, Tagebuch der Lustbarkeiten, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , | 19 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Ölbäume

Wieder einmal sind wir für zwei Wochen nach Athen umgezogen. Einen letzten Blick warf ich auf die Ölbäume, bevor es los ging. Sie kamen mir noch präsenter, noch lebendiger vor als an den anderen Tagen.

Das ist natürlich dummes Zeug. Es ist einzig meine Aufmerksamkeit, die gesteigert ist, wenn es ans Abschiednehmen geht. Den Olivenbäumen wird meine Anwesenheit vollkommen egal sein. 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Reisen, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , | 18 Kommentare

Welttheater, 4. Akt, 12. Szene: Wilhelms Abstieg (Wald und Sumpf)

Was zuletzt geschah: Danai verhalf dem verletzten Wilhelm durch ein Heilkraut zu einer erotischen Wiederbegegnung mit Isolde. Er will sie nun unbedingt finden und bittet Danai sowie die beiden Afrikaner Hawi und Abud um Hilfe.

Wilhelm:

Mein rechtes Bein ist zwar kaputt

Doch wenn ihr zwei, Hawi Abud

Mich stützt, dann wird es gehen.

Das Licht reicht noch zum Sehen.

 

Wir müssen nur den Abstieg zwingen

und durch den Spinnwebwald vordringen,

dann kommt ein Sumpf und wenig drauf

gehts einen kleinen Hügel rauf

 

von dort sieht man dann schon das Meer.

Nun kommt schon her

was wollt ihr mehr

Zum Abschluss gibt’s ein gut Salair.

Sie gelangen in den Spinnwebwald.

Hawi:

Ich mag nicht mehr

der Mann ist schwer.

Abud:

Es ist ein Schlauch

Mir langt es auch.

Wilhelm

Nur noch ein kleines Stück,

ich kann nicht mehr zurück

Ich biete euch ein guts Entgelt

bin sicher, dass es euch gefällt.

Abud:

Was willst du uns denn geben, Boss?

Hawi:

Ich will ein Huhn, gebraten kross.

Abud:

Du spinnst, Hawi, ich will viel Geld

dann kauf ich mir, was mir gefällt.

Nun sag schon, Boss, was wir so kriegen

ansonsten lassen wir dich liegen.

Danai:

Ich bitt euch beiden, seid nicht gierig

der Abtransport ist so schon schwierig.

Kommt, hebt ihn an,

voran, voran!

Sie gehen weiter und geraten in den Sumpf.

Hawi und Abud weigern sich weiterzugehen. Danai stützt Wilhelm, der ohnmächtig ist, mit ihrer Schulter.

Hawi

Ich mag nicht mehr, der Sumpf ist zu gefährlich

ich glaub, ich bin hier sowieso entbehrlich.

Abud

Alleine kann ich ihn nicht tragen

wir sollten ihn noch einmal fragen

was er uns als Salair verspricht

ne Perlenkette reicht mir nicht.

 

Von solchen edelen Geschenken

Hab ich vom Opa ein Andenken.

Sie schleppten damals weiße Damen

Da gings Hühott und kein Erlahmen

 

Wer schlapp macht, kriegt ein dutzend Hiebe

Wollen sie Lohn, nennt man sie Diebe.

Danai:

Helft mir, den armen Mann zu betten

wenn ihr zu feig seid, ihn zu retten.

Dann könnt ihr gehn, denn eure Gier

gefällt mir nicht. Ich bleibe hier.

 

Abud:

Wir sind nicht gierig, gute Frau,

doch kennen wir die Welt genau.

Wenn dieser Mann uns brauchen tut

dann sind wir plötzlich brav und gut.

 

Ansonsten hält er uns für Pack

und haut uns kräftig in den Sack.

Hawi:

Komm Abud, wir legen ihn nieder

betten die zerbrochenen Glieder.

Die Frau kanns nicht alleine tun.

Dann können wir uns auch ausruhn.

 

Die drei betten Wilhelm vorsichtig auf dem Boden.

Danai:

Ich danke euch, ihr zwei, dass euer Herz

gesprochen hat,  und ihr den Schmerz

des Mannes fühltet, und nicht euren Groll,

von dem auch dieses Herz ist übervoll (sie zeigt auf ihre Brust)

 

Doch dieser Mann ist ja nicht selber schuld

am Unglück unsrer Ahnen, habt daher Geduld

wie er, wenn er erwacht, wird unsren Dienst begleichen.

Das soll für uns dann sein ein glaubhaft Zeichen

 

wie er uns sieht und ob er würdig ist

der Freundschaft, oder ob er leicht vergisst

was er in großer Not von uns erhalten.

Ob er vielleicht noch fühlt so wie die Alten

 

die uns, weil wir mit dunkler Haut geboren,

für Tiere hielten oder auch für Toren.

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Flüchtlinge, Geschichte, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Psyche, Welttheater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Tagebuch der Lustbarkeiten: Kontraste, mit Pflanzen

Vier große Kakteen stehen in weißen Krügen an einer Wand direkt am Meer. Noch blühen sie nicht, aber ihre eindrucksvolle Skulptur ist immer einen Extra-Blick wert, zumal an Tagen wie dem gestrigen, wenn das helle Mittagslicht die Formen herausziseliert und schöne Schatten gegen die Wand wirft. Ich mag die Hell-Dunkel-Kontraste dieses Motivs sehr.

Nicht minder schön, aber ganz anders sind die Farbkontraste einer hohen roten Pflanze gegen den blauen Himmel. Sie blüht auf dem Balkon einer Freundin in Kalamata, die ich heute besuchte.

Leider habe ich ihren Namen schon wieder vergessen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Natur, Skulptur, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , , , , | 8 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten. Senkrechtes

Das Licht ist gegen Abend weicher, der Himmel von leichtem Gewölk bezogen. Die wilden Zypressenwäldchen betonen die Senkrechte.

Eine einsame Zypresse hoch oben im goldenen Abendschein, herangezoomt.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Fotografie, Natur, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , | 12 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Kubisches

Wieder so ein fabelhafter sonnig-kalter Tag im Februar. Vieles sah und bewunderte ich bei meinem Strandbummel. Unter anderem diesen Blau-Weiß-Kontrast mit Kakteen.

Kubisches am Strand. Mit Kakteen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Architektur, Fotografie, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , | 10 Kommentare

Welttheater, 4. Akt, 11. Szene. Tristan-Überlebenskünstler und Isolde-Hedonie (Halluzination)

Was zuletzt geschah: Jenny findet Clara und schimpft mit ihr. Sie habe sich durch Kairos‘ Tricks zum Diebstahl verführen lassen. Clara ist, wie wir uns erinnern, das „innere Kind“ von Jenny, der verwahrlosten Jugendlichen.

Bevor wir weiteres über Tschinn und sein Bauprojekt erfahren, wenden wir uns zurück zu Wilhelm, der nach seinem Sturz von Danai, Abud und Hawi im Lager gepflegt wird (hier).

Danai (zu Abud):

Geh, hol mir von dem trocknen Kraut

das draußen wächst an einer Wand

des Schuppens, den er hingebaut,

Bring Wurzeln und den Samenstand

Abud geht hinaus und kommt mit einer Pflanze zurück.

Ich mache draus die Arzenei

die man auch Hexensalbe nennt.

Verrufen zwar als Hexerei

doch nicht für den, der sich auskennt.

 

Die wird von Schmerzen ihn befrein

und süße Träume ihm bereiten.

Sie wird auch gut tun seinem Bein,

und er wird durch die Lüfte reiten.

 

Und wenn er aufwacht, wird die Welt

ihm anders scheinen als zuvor.

‚Was hab ich mich denn so gequält?

Was war ich fürn verdammter Tor?‘

 

So wird er sprechen, denn sein Sinn

der stets auf Sicherheit bedacht

wird suchen höheren Gewinn

und nur noch, was ihn glücklich macht.

 

Und nun hinaus!

Dies ist jetzt Arbeit nur für Frauen

da sollt ihr Kerle nicht zuschauen!

 

Hawi und Abud gehen ab. Danai bereitet die Arznei und reibt Wilhelm damit ein.

Danai:

So komm herab. du Bringerin der Träume

nimm Wilhelm mit und führ ihn fort in Räume

wo er von Neuem wird geboren

und wieder findet, was er glaubt verloren.

Luise, das Traumwesen, erscheint.

Zeig ihm die Frau, die er einmal im Traume

geschaut, doch hat er sie verachtet

als er sie schon umfing am Meeressaume

Sein höhrer Sinn war noch umnachtet.

Isolde (Hedonie) schwebt herein, übergroß.

Wilhelm

O Pein! O Lust!

in meiner Brust

tobt Schmerz

Mein Herz!

Du kommst zurück?

Ach komm und drück

den warmen Leib

an mich, du Weib!

Dass ich in dich

und du in mich

versinkst

ertrinkst …

Danai (zu Luise)

Zeig ihm, wer ihn zur Welt gebar

damit er fühlen kann das, was ihn trug

wie sicher er in ihrem Leibe war

als Herze noch an Herze schlug.

Wilhelm:

O weh, ich werde winzig klein

der Mutterleib, er saugt mich ein!

Doch nein!

ich fliege, schwebe über ihr

Sie gibt die volle Freiheit mir

und ist doch, wenn ich falle, da

mich aufzufangen, ja!

 

Ich fliege, schwebe, sicher, frei

Ich fürchte nichts, was es auch sei!

Ich brauche nichts zu sammeln, horten

bin ja versorgt an allen Orten.

Isoldes Brust ernährt uns alle

Gibt Milch für mich, den Feinden Galle.

Danai (zu Luise)

Zeig ihm die Lust, sich zu vereinen

mit der Geliebten, die ihn liebt.

so wird er lernen, möcht ich meinen

zu nehmen, während er doch gibt.

Luise:  Der Traum geht fort, in höchsten Wonnen

ergießt der Mann sich in das Weib

Ihm ist, als gingen tausend Sonnen

ihm auf in dem erfrornen Leib.

 

Er muss eindringen, er muss stöhnen

und schreien wie ein brünstig Tier

er will versinken in der Schönen

und trinken sie in wilder Gier.

 

Sie nimmt ihn auf, sie biegt den Hals

sie hebt die Brust und zittert, bebt

sie schreit und jubelt ebenfalls

und fühlt im Innern, dass sie lebt!

 

So ists, wenn beide sich erkennen

und einer sich im andern fand

Es kann kein Schicksal jemals trennen

die, welche Aphrodite band

 

So ist der Tristan der Isolde

und sie dem Tristan anvertraut:

Der Tapfere und seine Holde.

Dagegen hilft kein Zauberkraut.

Abud und Hawi kommen herein.

Wilhelm (langsam zu sich kommend)

Wo bin ich? Und wo ist Isolde?

Hab ich sie denn erneut verloren?

Ist sie nicht mehr bei mir, die Holde

wozu ward ich denn dann geboren?

Was schaut ihr auf den Unglücksmann

der einsam mit kaputten Knochen

die er sich, er weiß selbst nicht wann

aus irgend einem Grund gebrochen?

 

Im Traume konnt ich fliegen, lieben

und fühlen, wie mein Herze schlägt.

Wo ist das Lustgefühl geblieben,

das leise sich im Leib noch regt?

 

O, heiß begehr ich, sie zu finden

die schöne liebe süße Braut

ich will mich ganz mit der verbinden,

die mir im Traume angetraut.

(zu Danai, Abud und Hawi)

Ihr müsst mir helfen, ich muss fort

zu einer Bucht; an jenem Ort

hab ich sie schon einmal getroffen.

Dort find ich sie, so will ich hoffen.

(Vorhang)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welttheater, 4. Akt, 3. Szene: Wilhelm wird ins Lager transportiert. Die Gruppe trennt sich

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Collage, Commedia dell'Arte, Erziehung, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Psyche, Therapie, Welttheater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 11 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten (2): Natur-Technisches an der Mergelwand (kleine Beobachtungen)

Am späten Nachmittag war ich mal wieder bei „meiner“ Mergelwand. Natürlich schaute ich auch nach den Behausungen der Mauerbienen, fand aber nur eine verschlossene, die anderen waren offen und leer.

Diesmal fielen mir besonders die „Nähte“ ins Auge, mit denen die lehmig-tonigen Wände wie zusammengenäht sind.

Ich würde die Fotos ja gern in höherer Auflösung zeigen, doch habe ich kaum noch freie Pixel. Ich hoffe, die „Nähtechnik“ lässt sich auch so gut erkennen.

 

Auch die Wurzel-Lehm-Behänge –  auf Fäden aufgezogenen Lehmperlen – machten mir Eindruck.

Und was sagst du zu diesen fabelhaften Reliefs, erzeugt mit einer Technik, in der Erdiges, Metallisches, Wurzeln und Regen kooperieren?

Veröffentlicht unter Allgemein, kleine Beobachtungen, Natur, Spuren, Tagebuch der Lustbarkeiten, Technik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 8 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Feigenkaktus- und Schneebergblick mit Kirchlein

Heute war ein klarer kalter Tag. Ich hatte im Norden von Kalamata zu tun, von wo aus man einen Blick auf die andere Seite des Taygetos-Gebirges werfen kann. Was ich tat.

Zugegeben, man braucht scharfe Augen, um das Schneegebirge auf dem Foto zu entdecken. Drum noch mal, diesmal gezoomt.

Auf dem ersten Foto wird der Rasen von einem eckigen Schatten abgedunkelt. Den warf ein Kirchlein, das, von Baumschatten verziert, mein Auge nicht minder erfreute.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Natur, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , , , | 4 Kommentare

Welttheater. 4. Akt, 11. Szene: Jennys Moral

Was zuletzt geschah:

Das Biest Kairos (Gott der günstigen Gelegenheit) hat Clara überredet, seinen Schwanz zu packen, um zum „Taschengeld“ zu gelangen. Als Mittel der Verführung benutzte er Claras Stolz auf ihren Mut. Nun spielt sie versunken mit den fünf „Talern“, draußen dunkelt es bereits.

Am Fenster erscheint Jenny.

Jenny

Was machst du da, wir suchen dich!

Lässt du uns einfach so im Stich?

Die Domna weint, die Trud stellt Fragen

der Tschinn ist frech. Zu allen Plagen

 haust du noch ab und machst uns Kummer!

Du bist mir eine schöne Nummer!

Clara:

Schau was ich hab! Die Taler hier

Sind die nicht hübsch? Ich schenk sie dir.

Jenny

Die sind gestohlen, nehm ich an

Du bist ein Kindskopf, Mannomann!

Weißt du nicht, wer der Kairos ist?

Der ist ein raffiniertes Biest!

 

Er lobt dir die Gelegenheit,

verlockt dich zu Verwegenheit

Ich weiß das, hab es selbst erfahren

als ich noch ziemlich jung an Jahren.

 

Kairos ist schlau und ausgebufft

hat mich verführt, der üble Schuft.

Merk dir, Gelegenheit macht Diebe,

doch klaust du, setzt es später Hiebe.

Clara (weinend)

Ich habe gar nix gestohlen.

Wirst du mich jetzt versohlen?

Jenny

Schon gut, komm mit, und lass die Finger

von fremden Sachen. Diese Dinger

die bringen dich sehr schnell ins Kittchen

und nachhermal wirst du zum Flittchen.

 

Ich weiß das leider nur zu sehr,

Herauszukommen ist dann schwer.

Los, komm, die andern warten schon.

und sag nur ja nichts, keinen Ton!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Collage, Erziehung, Legearbeiten, Malerei, Welttheater | Verschlagwortet mit , , , , , , | 22 Kommentare