Arbeit mit Susannes Schnipseln – Vorüberlegungen und 2 Versuche

Susannes Schnipsel stammen aus einem Akryllgemälde auf Pappe. Warme lebhafte Farben dominieren. Meine erste Frage ist heute: welchen Untergrund werde ich benutzen? Ich schütte die Schnipsel auf einen dunkelgrauen, weißen und beigen Grund und entschließe mich, mit dem weißen zu beginnen, weil er am neutralsten wirkt. (Bitte immer zum Vergrößern anklicken!!)

Myriade fragte, ob es einen Unterschied macht, ob man mit eigenen oder fremden Schnipseln Bilder legt. Ei freilich! antwortete ich, denn jeder Mensch produziert nicht nur verschiedene Farbzusammenstellungen, sondern auch verschiedene Formen. In der Kunsttherapie gewinnt man ganz wichtige Hinweise auf die Persönlichkeit des Patienten, indem man zB fragt: Dominiert die Farbe über die Form oder die Form über die Farbe? Werden gerade, gebogene, unregelmäßige, glatte, gebrochene …Linien bevorzugt? usw usf.

Ich lege Susannes Teile in eine Ordnung, um zu sehen, was ich da habe. Aha: glatte gerade Schnitte, geometrische Formen: viele Dreiecke, stark gelängte Vierecke, leicht deformierte Kreise, nur wenige unregelmäßige Teile. Die Form dominiert die Farbe, durchschneidet sie, setzt sich durch. Meine Ordnung basiert daher auf den Formen: ich lege die Dreiecke, Vierecke, runden Teile, Kreisabschnitte, Spirale, unregelmäßige Formen zusammen. Außer einer großen Spirale und einem kleinen schwarzen Punkt gibt es keine extremen Größen.

Vergleicht mal Susannes Teile mit meinen (im letzten Bild verwendete und Reserve-Schnipsel).

Was meine Schnipsel hergeben, habe ich euch in den letzten Tagen immer wieder vorgeführt. Ihr findet die Bilder hier und hier und hier. Was aber geben die Farben und Formen von Susanne für mich her? Wie kann ich damit umgehen? Ich werde versuchen, die mir fremde Formensprache in meine eigene umzuformen, soweit es eben geht.

Zwei Bilder habe ich vorhin schon mal gelegt. Sie enthalten jeweils alle Teile (bis auf den kleinen schwarzen Punkt, der verschütt ging). Die Geschichten dazu? Nun, die erzähle ich jetzt nicht. Vielleicht fällt dir ja eine ein?

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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28 Antworten zu Arbeit mit Susannes Schnipseln – Vorüberlegungen und 2 Versuche

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, während ich noch an meinen „Eisblumen“ sitze, warst du fleißig …
    ich hatte schon gleich großes Gefallen an deinen sogenannten Zufallschüttungen, auch wenn du nur den Untergrund ausprobieren wolltest und noch keine Ordnung in die Formen gebracht hast, ergeben sich Bilder, die Geschichten erzählen, wilder und freier und doch sind sie da…
    Bei den nun von dir gelegten Bildern denke ich an Manege, oder eine Theaterbühne, aber auch an Spiele der Kinder.
    Na, du wirst es wahrscheinlich noch selbst erzählen…
    herzliche Nachtgrüße, Ulli

    Gefällt 5 Personen

  2. Maren Wulf schreibt:

    Ja, jetzt erkenne ich, wie individuell die Formen sind, die ein(e) jede(r) schafft. Interessant finde ich, wie die sehr geometrischen Schnipsel in deinen Händen in Bewegung geraten (quasi Gerda-isch werden) – und das Ergebnis doch ziemlich verschieden ist von den Bildern, die du aus eigenen Schnipseln legst.

    Gefällt 3 Personen

  3. kunstschaffende schreibt:

    Liebe Gerda,
    diese Werke strahlen soviel Lebendfreude und Optimismus aus! Vielleicht liegt es daran, dass Susanne ein positiver und energievoller Mensch ist. Schließlich ist ihre Energie in den Schnipseln! Ich kenne Susanne nicht, aber ich deute es einfach mal so! Du hast eine wunderschöne Legearbeit gezaubert und Deine Energie vereint sich mit Susannes!

    LG Babsi

    Gefällt 4 Personen

  4. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Gerda!

    Unglaublich!

    Vielen, vielen Dank für deine Analyse und Arbeit mit meinen Schnipseln.
    Die Form dominiert — ja, ich sehe es jetzt auch. Die Größe ist relativ einheitlich, ja… darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, als ich das Bild zerschnitt.

    Die Bilder gefallen mir sehr gut. Sie ströhmen Fröhlichkeit aus, im zweiten fühle ich mich erkannt. Ich sehe die Routine und Ideenvielfalt, die du beim Schnipsellegen hast. Wie steif wirkt dageben mein – ich gebe zu mühevoll gelegtes – Bild dagegen. Ich möchte es noch nicht zeigen – ich warte ab, was du mit den Schnipseln vollführst. Hast du sie vor, mit deinen zu mischen? Ist das eine Option? Als ich deine und meine Schnipsel nebeneinander sah, kam mir der Gedanke. Kennst du das kunsthistorisch definierte concetto? Den scharfsinnigen Einfall des Künstler? Den sehe ich in deiner Arbeit.

    Deine Arbeit bringt mich fast dazu, die andere Hälfte des Gemäldes in Schnipsel zu schneiden. Ich denke noch darüber nach.

    Wunder dich nicht, liebe Gerda, wenn ich im Moment nicht immer zeitnah antworte. Ich schlafe sozusagen meine Zahnentzündung mit 10 – 12 Stunden Nachts und 2 – 3 Stunden Mittags weg. Langsam wird es besser. Schlaf ist dann mitunter die beste Medizin. Meine Wange nimmt auch wieder normale Dimensionen ein.

    Eine dicke Umarmung und viele liebe Grüße von Susanne

    P.S. Die Signatur ist ausversehen mit in die Schnipseltüte gelangt :-), beim Betrachten sehe ich sie jedoch als persönlichen Gruß für dich 🙂

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Susanne, Babsi hat recht, aus deinen Schnipseln leuchten mir so viel Freude und Lebensenergie entgegen, dass mir das Legen trotz der ungewohnten Formate (für mich sind sie allzu eindeutig definiert, so dass ich mich nicht von ihnen leiten lassen kann, sondern konstruieren muss) sehr sehr viel Spaß gemacht hat. Und gleich gehe ich ins Atelier und suche nach weiteren Lösungen. Hast du mal versucht, die Bilder als Geschichten zu interpretieren?
      Das Mischen mit meinen – darüber habe ich auch schon nachgedacht. Ich werde es mal versuchen, sobald ich deine ausgereizt habe. Ich finde es nett, dass du deins noch nicht zeigst, denn dann bleibe ich unbeeinflusst.
      Schlaf recht viel, liebe Susanne! Das ist sowieso das beste an den kurzen Tagen des Winters. Ich schaffe es auch, ohne Zahnentzündung, zehn bis elf Stunden zu schlafen.
      Deine Signatur mit der Jahreszahl auf dem Tischchen mit der Vase und der Fruchtschale hat mich sehr gefreut, und gerne nehme ich ihn als persönlichen Gruß! Pass gut auf dich auf, und werde schnell wieder ganz gesund! Un abraccio! Gerda

      Gefällt 2 Personen

      • www.wortbehagen.de schreibt:

        Unglaublich, wie unterschiedlich Eure Schnipsel sind.
        Unterschiedlich in Schnitt und Farben.
        Deine, die ältere erfahrenere Frau, die die Farben nicht mehr im Vordergrund sieht, deren Formen Dominanz ausstrahlen und die Jüngere, deren Lebensfreude wohl alles überstrahlt, ein sonniges Temperament und das erkennt jetzt Gerda sehr genau und legt eine Manege, in der die Künstler mit Jonglage, Tanzen und geheimnisvollem Zauber ein wundervolles Zirkusfest feiern. Ihnen spricht die Lebendigkeit, die Freude an ihrem Können aus allen Knopflöchern.
        Wundervoll , was Du aus Susannes Schnipseln gezaubert hast, liebe Gerda.
        Liebe Grüße von Bruni

        Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Bruni, herzlichen Dank für dein enthusiastisches Lob. In einem Punkt allerdings hast du nicht recht: die Form dominiert bei Susanne, nicht bei mir. Susanne schneidet meist geometrische Formen quer zur Farbe, während ich viel freiere Formen scheide oder reiße, die den Farben weitgehend folgen. Du hast das jetzt mit der Leuchtkraft der Farben verwechselt, die bei Susanne freilich höher ist. Liebe Grüße!

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      • www.wortbehagen.de schreibt:

        Sieh Dir mal Dein mittleres Bild an. Das brachte mich auf die Dominanz, liebe Gerda. Hier sehe ich sie, in den klaren Farben und den großen Stücken. Ein sehr klares Bild der Formen bei Dir, bei Susanne das Verspielte, das Hurtige *lächel*

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  5. kormoranflug schreibt:

    Ein fröhlicher Bildreigen ist herausgekommen. Wunderbares Leben…

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  6. kopfundgestalt schreibt:

    Du bist dermassen umtriebig! Und das bei bis zu elf Stunden Schlaf!
    Ich hatte unlängst auch legebilder begonnen…meine allerdings waren monochrom:-)
    Freue mich über deine überbordende Phantasie!

    Gefällt 1 Person

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