Griechisches Alphabet des freien Denkens: Ω wie Ώπης/Opis

1024px-omega_uc_lc-svg Omega ist der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Er sieht aus wie ein Tor oder … vielleicht doch eher wie ein Nadel-Öhr, durch das das Kamel schreiten muss, um ins Paradies zu gelangen?18457h480w640(Bild-Quelle)

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich euch das Ω als ωόν = Ei, ώτιον = Ohr, ωραίο = das Schöne, ώρα = Zeit und Stunde, ωκεανός = Ozean präsentiere, oder vielleicht doch lieber als ωροσκόπιο = Horoskop, oder sogar als Ων = das Seiende, das Wesen? Schließlich entschied ich mich für das dürftige Ώπης/Opis, das heißt eigentlich für ein Nichts. Denn Opis ist eine längst zu Sand zermahlene Stadt in Mesopotamien, dem heutigen Irak. Wen interessiert das schon? Wen interessiert diese ganze zerfetzte, gemarterte, politisch abgeschriebene Gegend, in der die Völkerschaften seit den Tagen von Babylon aufeinander hauen? Nichts ist von der Stadt Opis geblieben, nicht die geringste Spur. Erstmals erwähnt wurde sie vor fast 4000 Jahren. Zu Nebukadnezars Zeiten, also rund 1400 Jahre vor unserer Zeitrechnung, wurde der Königskanal, wurde auch eine Befestigungsmauer gebaut, die Euphrat und Tigris verbanden. Opis wurde zu einem Verkehrs- und Verwaltungszentrum, von hier aus gingen die Waren über die große Seidenstraße nach Susa, nach Assyrien und Lydien. Aber schon im 3. vorchristlichen Jahrhundert verschwand sie von der Landkarte.

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Warum um Himmels Willen sollst du dich für dieses Opis interessieren, von dem nichts, NICHTS übrigblieb?
Und doch! Vielleicht ist es ja das Nadelöhr zum Paradies?

Von opi gesprochen habe ich euch bereits unter dem Buchstaben o = omikron, als ich meine Gedanken zu Orama /Vision (hier) und Organe (hier) vorbrachte. Op – wie in Optik – hat im weitesten Sinne mit Sehen zu tun. Das Auge des Op-Art-Künstlers Vasarelli vasarely erschien daher bereits in meinem allerersten Beitrag zum Alphabet des freien Denkens, bei A wie Ανθρωπος / Mensch. „Wieso“, fragte ich dort, „kann der Mensch sehen? Weil er im Auge eine Οπή (Opi) hat, eine enge Öffnung, ein rundes Loch: die Pupille. …“

Durch diese winzig kleine Öffnung tritt die Welt in den Menschen hinein und durch sie schaut er hinaus in die Welt. (Mehr dazu hier) **

Nun also, beim letzten Buchstaben des Alphabets, kehre ich zu dieser Öffnung zurück, zu diesem ΩΠ in ΑΝΘΡΩΠΟΣ. Zu Opis.

Denn von dort, von Opis, dringt über die Weiten der Wüsten, der Kriege und der Zeit eine Stimme zu uns herüber, die spricht von Frieden und Völkerfreundschaft. Die Stimme gehört – so sagt es die Fama* – einem 33jährigen Mann, Alexander mit Namen. Er hat seine Soldaten und sich durch die halbe Welt gehetzt, hat Großreiche zerschlagen und neu gruppiert und ist nun, im Jahr 324 v. Chr, von Indien zurückgekehrt nach Opis in Babylonien. Seine alten Kumpane meutern gegen ihn, denn er will viele von ihnen heimschicken und an ihre Stelle Menschen aus den eroberten Gebieten setzen.
Alexander aber besteht auf seinem Entschluss. Denn er weiß: Dauerhaft kann das Reich nur sein, wenn sich die Völker verbinden. Daher lädt er Sieger und Besiegte zu einem gemeinsamen Gelage. 8000 Menschen sollen es gewesen sein: Lyder und Perser und Griechen und allerlei Hilfsvölker. Nachdem sich alle vom Wein aus den großen Kratern, die auf den Tischen verteilt sind, bedient haben, hält Alexander eine Rede. Die lautet – in meiner Übersetzung – so:
“Ich wünsche euch, jetzt, wo die Kriege zu Ende gehen, dass ihr glücklich werdet im Frieden. Alle Sterblichen sollen von jetzt an als ein Volk leben und für das gemeinsame Wohlergehen sorgen. Die Ökumene (bekannte Welt) sollt ihr als eure Heimat ansehen, mit gleichen Gesetzen für alle, wo die Besten, ungeachtet ihrer Stammeszugehörigkeit, regieren. Ich unterteile die Menschen nicht, wie es die Engstirnigen tun, in Griechen und Barbaren. Mich interessiert die Herkunft der Bürger nicht, noch auch die Rasse, mit der sie geboren wurden. Ich teile sie nur nach einem Kriterium ein: der Areti (Tugend). Für mich ist jeder gute Fremde Grieche, und jeder schlechte Grieche ist für mich schlimmer als ein Barbar. Wenn ihr je untereinander Streitigkeiten habt, sollt ihr nicht zu den Waffen greifen, sondern sie friedlich beilegen. Notfalls diene ich euch als Schiedsrichter. Den Gott sollt ihr euch nicht als autoritären Regenten vorstellen, sondern als gemeinsamen Vater aller, so dass eure Lebensführung der von Geschwistern einer Familie gleicht. Ich meinerseits halte alle für gleich, Weiße und Dunkelhäutige. Und ich wünsche mir, dass ihr nicht nur Untertanen des gemeinsamen Staates, sondern Teilhaber und Mitgestalter seid.
Soweit es von mir abhängt, werde ich bemüht sein, das zu verwirklichen, was ich versprochen habe.“*4-%ce%bf-%ce%bc%ce%b5%ce%b3%ce%b1%ce%bb%ce%ad%ce%be%ce%b1%ce%bd%ce%b4%cf%81%ce%bf%cf%82-%ce%bc%ce%b5-%cf%84%ce%b7%ce%bd-%ce%b1%ce%b4%ce%b5%ce%bb%cf%86%ce%ae-%cf%84%ce%bf%cf%85-%cf%84%ce%b7%ce%bd

gemalt von Bost (Χρύσανθος Βοσταντζόγλου, 1918-1995) : „Alexander der Große mit seiner Schwester, der Gorgone“


*Fama, lat. Gerücht, Ruf, Ruhm. Die Gelehrten und die Ideologen streiten sich heftig darüber, ob dieser „Eid des Alexander“ wirklich im Jahre 324 v. Chr. in Opis abgelegt wurde oder ob er ein Machwerk der Freimaurer und Globalisten des 20. Jahrhunderts sei. Bei Bedarf kann ich gern über den Stand meiner diesbezüglichen Ermittlungen berichten.

**Ευρ-ώπη = Europa besteht aus den beiden Wörtern ευρ = weit, breit, und ώπη = Sicht, Blick …. oder Loch. Ist die Nymphe Europa, die Zeus in Gestalt eines Stieres herüberholte aus Kleinasien, eine Weitblickende, Weitsichtige? Oder vielleicht doch nur ein breites weites Loch, in das die Völkerscharen hineinstürzen?

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Schwanenwege: „Die Kette reißt“

Liebe Leute, ich kanns nicht lassen. Schon wieder rücke ich mit einem Stück aus meinem Romanfragment „Schwanenwege“ heraus. Der Köder war diesmal das Wörtchen „Perle„, das zum Wochenthema im Mitmachblog gewählt wurde. Da habe ich doch so ein hübsches Kapitelchen fertig, dachte ich mir, da brauche ich mir nichts Neues aus den Fingern zu saugen.

In diesem Stück geht es um Elisabeth, die betagte Mutter der fünf Geschwister, von denen ihr, die ihr mir folgt, bereits den Ludwig und den Harald ein wenig kennen gelernt habt. Elisabeth war eine junge, im Aufwind der Nachkriegsjahre nach oben getragene  Wiener Konzertpianistin, bevor sie den dänisch-deutschen Mathematik-Professor Nils heiratete, zuerst mit ihm in Kopenhagen lebte, dann aber auf das grenznahe Gut „Swaneby“ verschlagen wurde und versauerte.

An diesem „Vorabend“ des Romangeschehens hat die älteste Tochter, Gise, ihren Bruder Harald in Hamburg angerufen, um ihn heimzubeordern. Etwas Schreckliches sei passiert. Er rast, wie er ist, vom Naturschutzgebiet bei Hamburg Richtung Norden. Wir wenden uns unterdessen der Mutter zu.24-cognac15x19mm-1182-ei

Die Kette reißt

Plötzlich sehr müde, stand Elisabeth von ihrem Klavierhocker auf, schloss leise den Flügel und ging hinüber in ihr Schlafzimmer. Sie schluckte zwei Tabletten und legte sich hin. Die Tabletten nahmen dem Gefühl des Unglücks die Schärfe, hüllten ihr Bewusstsein in mildtätiges Vergessen. Sie brauchte sie, seit Nils so plötzlich starb. Nun, auch die schwierigen Jahre davor hatten sie ihr bisweilen über Stimmungstiefs hinweggeholfen und das Leben erträglicher gemacht. Sie legte sich hin, warf noch einen Blick auf das leere Bett neben sich und wartete. Die wohltuende Wirkung der Medizin würde nicht lange auf sich warten lassen.

Warum quälte sie sich? Waren es nicht schöne Jahre gewesen?

Und während sie sich langsam entspannte, wurden ihr die Ereignisse ihres Lebens rund und glatt wie die Perlen jener kostbaren Gebetskette aus Bernstein, die sie von der Griechenland-Reise heimgebracht hatte und die immer griffbereit auf ihrem Nachtisch lag. Sie nahm sie auch jetzt in die Hand und ließ die golden schimmernden Perlen langsam durch ihre Finger gleiten. Jede hatte einen kleinen Einschluss oder eine Blase oder sonstige Unregelmäßigkeit, und somit eine Individualität. Mit jeder verband sie Personen und Orte, die an ihrem Lebensfaden aufgereiht waren: Vater, Mutter, Wien, die Musikerfreunde, die Konzerte, Nils, die Verlobungsfeier – wie jung und lustig war sie damals! -, dann Italien, Kopenhagen, die Geburt von Gise. Harald, das Schloss an der Ostsee und wie der Flügel seinen Platz fand, die Schlosskonzerte, die Reisen, immer wieder Italien, Wien, Bayreuth. Ludwig, und wieder Konzerte und Reisen. Die Zwillinge – -.

Hier riss die Kette, die Perlen entglitten ihr, fielen ins Dunkel. Sie grübelte. Die Zwillinge. Etwas Entsetzliches war geschehen. Ein Polizist war hier gewesen, ja, ein dicker blonder Mann, er hatte etwas gesagt. Was war es nur? Und in der Tür stand ein großer Mann in schmutzigen Stiefeln und nasser Windjacke, die Haare zerzaust. Was wollte er von ihr? Jetzt sagte er wieder. „Mutter, ich bin’s, Harald“.

Ah, Harald, ja, ihr Ältester. Sie erinnerte sich. Aber warum waren seine Stiefel so schmutzig? Was suchte er mit den schmutzigen Stiefeln in ihrem Schlafzimmer? Sie fühlte, dass sie ungehalten werden sollte, aber es fehlte ihr dazu an Kraft. Also sagte sie nur: „Gib mir, da du schon einmal hier bist, bitte, meine Gebetskette, sie ist mir entfallen. Aber zieh erst deine schmutzigen Stiefel aus. Mit den Stiefeln kannst du nicht hereinkommen.“

Harald fand, dass ihre Stimme verwaschen klang, als mache ihr die Artikulation Mühe. Dennoch war an Widerspruch nicht zu denken. Gehorsam zog er seine Stiefel aus. Ihm war dabei, als schrumpfe er auf die Hälfte seiner beträchtlichen Körpergröße, als würde er wieder zum kleinen Jungen. Er musste sich auf die Knie niederlassen und halb unters Bett kriechen, um die zerrissene Gebetskette und die verstreuten Perlen aufzusammeln. Er legte alles zusammen auf den Nachttisch und bemühte sich, seine Männlichkeit wieder herzustellen. Doch das war schwer ohne Schuhe und in diesem Raum, in dem, wie ihm schien, der Geist des Vaters ein Vakuum hinterlassen hatte.

Er suchte daher seine Rettung in der Flucht: „Mutter, ich muss mit dir sprechen, bevor ich abreise. Ich warte auf dich im Salon“, und er verließ das Zimmer, die Stiefel in der Hand, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Abreisen? Wohin? Wieso war Harald überhaupt hier? Ich muss mich selbst kümmern. Auf die Kinder ist kein Verlass. Elisabeth seufzte und blickte sich hilfesuchend um. Das Glöckchen. Martha soll kommen und mir helfen. Doch so oft sie das Band der Glocke auch zog, Martha kam nicht. Martha war längst den anderen Dienstboten gefolgt, die es bei Elisabeth von Winrod  schwer aushielten. Da sank sie erschöpft auf ihr Kissen zurück, und ihrer Brust entrang sich ein hohes Wimmern, das klang wie bei einem sehr kleinen Kind, vielleicht auch einem verlassenen Hündchen.

So fand sie Gise, die gekommen war, um Elisabeth mitzuteilen, dass sie Harald nach Italien begleiten würde.

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A-b-c-Etüden: Kata-Strophen

Maximal 10 Sätze und 3 Worte, die dieswöchige Wortspende ist von Margarete Helminger:

Königin – Backerbsen – Korallenriff

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Kata-Strophen

Des Kö-önigs Schiff / fuhr auf ein Riff

Von rötlichen Korallen. / Die Königin tat lallen: /

Mein Leib ist verletzt, mein Kleid ist zerfetzt /

Ich möchte schnell sterbsen / wie die Backofenerbsen.

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Ist Momo behindert?

Dies habe ich eben unter dem Wochenthema „Was verstehen wir eigentlich unter Behinderungen“ im Mitmachblog veröffentlicht.

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Griechische Kunst am Sonntag: „Ordnung im Chaos“. Opi Zouni

Gestern besuchte ich vier Ausstellungen, alle im modernen architektonisch interessanten Benaki Museum, in der Piräus-Straße, Athen. Die eindrucksvollste war eine Retrospektive der Arbeiten von Opi Zouni (1941-2008), griechisch-ägyptische Künstlerin des Neo-Konstruktivismus mit internationaler Resonnanz.

Wer sich einmal auf ihre vollkommen geordneten geometrischen Chaos-Räume einlässt, kommt ins Grübeln. Wie funktioniert Raum? Ist er für mich begehbar? Oft lockt er mit

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leuchtenden Farben, aber darf ich mich ihm anvertrauen? Er endet an einer Wand,

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und wenn sich ein Gitter öffnet, steht schon ein Horizont bereit, die Bewegung zu beenden.

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Wie fröhlich auch die Farbe sein mag, die in den Raum hineinführt, sie endet im schwarzweißen Käfig, mal so, mal anders.

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Sie nennt die beiden folgenden schwarz-weißen mit Akryllfarbe auf Holz gemalten Scheinräume Positiv- und Negativ-Raum, doch die Öffnung im Boden ist immer dieselbe. In diesem leeren flachen Rechteck verstummt die Welt. Da ist nichts. Nichts. NICHTS.

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Manchmal führen dich Spiegel hinunter, tief hinab – das scheint lustig zu sein, aber da ist nichts als deine eigene Spiegelung.

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Auch die Throne der Mächtigen sind leerer Schein, will mir scheinen. Du erklimmst

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prächtige Stufen, du wirst sitzen über den anderen, aber um dich gibt es nichts, nicht mal eine schöne Aussicht.

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Opi Zouni wurde 1941 in Kairo geboren, von griechischen Eltern. Dort hat sie auch studiert und als noch sehr junge Frau eine erste Ausstellung gemacht mit Bildern wie diesem.

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Eine Wand mit dunklen Öffnungen und stehengebliebenen Uhren, an der eine rote Lebensgestalt vorbeistreicht, der der schwarze Schatten bereits folgt.

opizouni140a Wer einmal in Kairo war, versteht die Herausforderung für diese junge Frau, im Chaos der Stadt ein Struktur aufzutun. Mir scheint, ihre Lösung führt zu den leeren Totenmonumenten (kainotaphio-Leergrab), die das Leben in Kairo überschatten. Sie malt ihre Formen starkfarbig an, und so fühlt man, wenn man in den Ausstellungsraum mit all den bunten Bildern und Raumskulpturen hineingeht, nicht die tiefe Depression, die ihre menschenleeren Räume mir auszudrücken scheinen.

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Opi Zouni starb 2009 nach vielen Jahren Kampf gegen den Krebs im Alter von 67.

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Lumpengesindel

Das Lumpengesindel

Ein Märchen der Brüder Grimm
img_9572 Hähnchen sprach zu Hühnchen: „Jetzt ist die Zeit, wo die Nüsse reif werden, da wollen wir zusammen auf den Berg gehen und uns einmal recht satt essen, ehe sie das Eichhorn alle wegholt.“ – „Ja,“ antwortete das Hühnchen, „komm, wir wollen uns eine Lust miteinander machen.“ Da gingen sie zusammen fort auf den Berg, und weil es ein heller Tag war, blieben sie bis zum Abend. Nun weiß ich nicht, ob sie sich so dick gegessen hatten, oder ob sie übermütig geworden waren, kurz, sie wollten nicht zu Fuß nach Haus gehen, und das Hähnchen mußte einen kleinen Wagen von Nußschalen bauen. Als er fertig war, setzte sich Hühnchen hinein und sagte zum Hähnchen: „Du kannst dich nur immer vorspannen.“ – „Du kommst mir recht,“ sagte das Hähnchen, „lieber geh ich zu Fuß nach Haus, als daß ich mich vorspannen lasse. Nein, so haben wir nicht gewettet. Kutscher will ich wohl sein und auf dem Bock sitzen, aber selbst ziehen, das tu ich nicht.“
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Die Geschichte geht natürlich noch lange weiter, so oder auch anders, aber wenn du denkst, du darfst dich einfach gemütlich zurücklehnen und sie läuft in dich rein, als wärs ein Schluck guter Wein, so muss ich dich enttäuschen. Wozu hast du Fantasie! Gebrauch sie, sonst rostet sie!
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Schwanenwege: Harald und Mirka

Ulli ermutigte mich, noch einmal in den uferlosen Fluss meines Romans „Schwanenwege“ einzutauchen und ein Stückchen rauszufischen. Und weil ihre Erinnerungen zurück in den Norden und ihre Sehnsucht vorwärts zum Jokkmokk der Samen lief, gehe ich an den Anfang meines Romans zurück – oder doch fast. Denn dort treffen wir den älteren Bruder von Ludwig (du erinnerst dich? Ludwig und Johannes), den 42-jährigen Harald, der sich seinerseits an die Samin Mirka erinnert.

Es ist Anfang März, der Abend senkt sich über das unwegsame Sumpfgelände nahe bei Hamburg. Harald ist beim Vögelzählen, was seiner Stellung als promoviertem Ornithologen durchaus nicht entspricht. Aber er braucht die Einsamkeit der weiten Natur, um atmen zu können.

Harald, ein beringter Vogel

Schwer lastete der Himmel auf der flachen Landschaft und spiegelte sich grau und düster in den Gräben und Brackwassern, die jetzt, bei steigender Flut, zu flachen Seen zusammenflossen. Bei einsetzender Ebbe würden sie ihren Grund aus Schlick und Modder wieder freigeben. Denn auf unterirdischen Wegen wirkte der Gezeitenstrom der Ozeane noch hinein in diesen einstmals amphibischen Lebensraum.

Gegen Abend löste sich ein silbriger Schein aus dem wüsten Grau des Gewölks und ließ den fernen Horizont des Meeres kurz aufleuchten. Harald richtete sich auf und lockerte seine Schultermuskeln, die sich in der nassen Kälte verkrampft hatten. Von weit her ertönte das durchdringende Krr-krik krk der Krickenten – Werbungsruf für eine kurze Sommerehe. Eine Schar Graugänse ging in einem der verschilften Seen nieder, begrüßt vom Geschrei der Nilgänse, ägyptischen Immigranten, die, ausgewildert aus Hamburger Zierteichen und Parkanlagen, sich in diesem unwegsamen Gelände angesiedelt hatten und ihr neues Terrain wütend verteidigten. Sonst war nichts zu hören außer dem Sausen des Windes im Schilf und dem Saugen und Glucksen des Wassers.

(…)

Bevor die Tümpel unpassierbar wurden, musste Harald noch ein letztes Netz nachsehen. Ein Zaunkönig hatte sich darin verfangen.  Mit routinierten Griffen befreite er den heftig flatternden Federball und nahm ihn behutsam in seine großen, ein wenig zu knochigen Hände. Er klemmte das Köpfchen zwischen Mittel- und Ringfinger und begann, das Vögelchen, das nun ganz still war – nur das Herz unter dem unendlich zarten Rippenbogen schlug heftig -, zu untersuchen, zu vermessen und ihm einen Normring anzupassen.

„Auch ich bin ein beringter Vogel“, seufzte Harald mit Blick auf den schweren Siegelring, der an seinem rechten Ringfinger stak.

Ein beringter Vogel. Mirka hatte ihn einst so tituliert, als sie seinen Siegelring entdeckte, der ihn als ältesten Sohn der von Winrod auswies. Ringed goshawk of Winrod, hatte sie  in ihrem etwas mühsamen Englisch gesagt und gelacht. Accipiter gentilis, hatte er pariert, „Hühnerhabicht, meinetwegen auch Gänsehabicht“. Sein Profil mit der starken Nase ähnelte tatsächlich einem Raubvogel, doch sein Siegelring zeigte einen Schwan, den man gut und gern auch für eine Gans halten konnte, gehörten doch beide zur selben Familie: Anatidae (Entenvögel), Unterfamilie Anserinae (Gänseverwandte), Gattungsgruppe Anserini (Gänse), Gattung  Cygnus (Schwäne).005-a

Sein schmaler Mund verzog sich zu einem selbstironischen Grinsen wie damals, als er für Mirka die Familienverhältnisse seiner Schwanensippe herunterbetete; doch war der Belustigung jetzt ein peinigendes Gefühl beigemischt, dem er unter keinen Umständen nachgehen wollte.

Er öffnete die Hand und blickte dem Zaunkönig nach, der mit raschem Flügelschlag davonschnurrte (…)

Da erschienen wie aus einer anderen Welt drei Schwäne im Abenddämmer. Sie landeten mit solcher Kraft, dass die trübe Oberfläche des Sees aufriss und ein Sprühregen aus leuchtenden Tropfen um die weißen Gestalten stob. Harald hob sein Fernglas und bestätigte sich, was er schon wusste: eine Zwergschwanfamilie. Zwei erwachsene Tiere, ein Jungschwan.

Er schaute auf die Digitalanzeige seiner Armbanduhr, um sich das Datum für die seltenen Besucher zu merken: 03.03.. Etwas spät waren sie dran. Kein Wunder bei dieser anhaltend kalten Witterung. Bei besserem Wetter würden sie weiterziehen. Zu ihren Brutplätzen in Finnland oder Russland. Vielleicht auch an einen der baltischen Seen mit ihren ausgedehnten Schilfwäldern. Er spürte ein schmerzliches Ziehen in der Brust. Könnte er doch mit ihnen reisen, in weltabgelegene menschenferne Gebiete mit ihren höheren Himmeln! Zum Onegasee. Zu Mirka.

Besov Nos, das Kap der Dämonen

Da war sie wieder, Mirka, tauchte vor ihm auf wie damals, als er in das Seengebiet zwischen Russland und Finnland gereist war, um seine Forschungen über die Lebens- und Wandergewohnheiten des Sterntauchers (Gavia stellata) abzuschließen.

(…)

Während er, die schweren Gummistiefel bei jedem Schritt mühsam aus dem morastigen Grund ziehend, zum Rand des Sumpfes stakste, sah er sich wieder in der primitiven Station  sitzen und sich radebrechend mit drei jungen Russen unterhalten, die eben eingetrudelt waren, um sich bei einem Glas Tee aufzuwärmen. Als die Tür erneut aufging, blies der Wind eine Frau herein, fast ein Kind noch, so schien ihm. Sie war kleinwüchsig und in eine unförmige wattierte Jacke verpackt. Um den Kopf mit den dunklen Krusellocken hatte sie einen dicken Schal gewickelt. Lachend und mit lebhaftem Wortschwall begrüßte sie die Tischgesellschaft, während sie sich aus ihrer Vermummung schälte. Mirka.

(…) Ihr Gesicht, flach und fast so breit wie hoch, mit Knopfnäschen und Katzenaugen, hatte für Harald etwas Fremdartig-Apartes. Samischer Abstammung sei sie, erklärte sie ihm lachend, Spross der balto-finnischen oder finn-ugrischen Urbevölkerung dieses Seengebiets – die Gelehrten und Politiker stritten sich noch über die richtige Bezeichnung.

Wie begeistert erzählte sie von den mysteriösen Zeichnungen, die ihre steinzeitlichen Vorfahren in allen Größen und Formen in die Felsen am See geritzt hatten und die nun, bei sinkendem Wasserspiegel, eine nach der anderen wieder zum Vorschein kamen! bes354Übervoll war sie von einem Mitteilungsdrang, der sich ihrem Schulenglisch schlecht fügen wollte, weshalb sie die Figuren mit ihrem Taschenmesser in die Fichtenbretter des Tisches schnitt. Schwanenmänner entstanden unter ihrem ritzenden und kratzenden Messer, aufgehende Monde, Sonnen, Elche, magische Mühlen, Kopulationsszenen von Strichmännchen und -weibchen, flache Langboote mit Schwanenhälsen, Wale, Lebensbäume. bes354-aUnd immer wieder Schwäne, deren überlange Hälse wie Schlangen aus Felsspalten hervorragten und sich spiegelnd verdoppelten.

005-aDass er einen Siegelring trug, in den ein wütend zischender Schwan eingraviert war, war für Mirka eine freudige Entdeckung. Schon am nächsten Tag lud sie ihren ‘Schwanenritter’ ein, sie auf dem Ruderboot eines befreundeten Fischers zum Kap der Dämonen zu begleiten. Und da sah er sie selbst, die magischen Schwäne.

Was sie darstellten, sei den Wissenschaftlern ein Rätsel, erklärte Mirka, doch sie selbst vermutete schamanische Beschwörungen von Seelen, Seelen der Verstorbenen, die aus den Ritzen und Spalten der Felsen hervorquollen und sich in den dunklen Wassern des Sees spiegelten.

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Gemälde von Hilma af Klint

Während er die Ruder ins Wasser tauchte und sie langsam über den im Abendlicht verglühenden See zurückglitten, fragte Mirka: „Kennst du den Schwan von Tuonela? Das Stück von Sibelius, worin er eine Szene aus dem Kalevala-Epos vertont hat? Die Kalevala ist, musst du wissen, eine Sammlung uralter Runenlieder meines Volkes. Der weiße Schwan, Boot und Seelenführer zugleich, trägt die Seelen der Verstorbenen über das schwarze Wasser ins Totenreich.“ https://www.youtube.com/watch?v=HE8HvYqfTPc&list=RDHE8HvYqfTPc

Und sie erzählte mit vor Begeisterung schwirrender Stimme: „Ein breiter Fluss mit schwarzem Wasser umströmt Tuonela, das Reich des Todes. Auf den schwarzen Fluten zieht majestätisch ein Schwan seine Kreise und singt. Horch! Er bringt die Seelen der Toten hinüber ans andere Ufer. Doch sieh, da kommt der Held Lemminkainen und steigt hinunter zum Fluss! Louhi, die Herrin des Nordlands, hat ihm ihre Tochter zur Frau versprochen, wenn er drei schwere Aufgaben erfüllt. Zwei hat er schon glücklich bestanden, und nun bleibt noch die dritte. Er soll den Schwan von Tuonela schießen. O, o, warum den herrlichen Schwan töten? Er kann es nicht tun. Stattdessen wird er selbst von einem Hirten getötet. Und dann, denk doch, wie grässlich, kommt der Knabe des Totenreichs, zerstückelt den Leichnam und wirft die Teile in den schäumenden Wasserfall. Währenddessen sitzt Lemminkäinens Mutter zu Hause und wartet auf ihn. Doch was ist das? Blut läuft aus seinem Kamm! Sie versteht, dass ihrem Sohn etwas Schreckliches passiert ist. Sie macht sich eilends auf den Weg zum Totenfluss und sucht so lange, bis sie alle Stücke des Leichnams eingesammelt hat. Sie setzt sie mühsam wieder zusammen. Und dann“, endete Mirka triumphierend, „erweckt die Mutter den Sohn wieder zum Leben.“

Ihr Eifer amüsierte ihn. Natürlich kannte er die Lemminkäinen-Suite des großen finnischen Komponisten, schließlich war er in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Aber erst durch Mirka erschloss sich ihm ihr tieferer Sinn.

Kleine Mirka! Angehende Paläontologin im Mutterland des real existierenden Sozialismus! Sie hatte merkwürdige Theorien über Weltentstehung und Weltentwicklung. Anstatt aus den vorgeschriebenen Lehrbüchern schöpfte sie ihr Wissen aus den Märchen und Mythen ihres Volkes. Verliebt wie er war, vergaß er vorübergehend seine wissenschaftliche Skepsis und hörte ihr fasziniert zu.

„Um höheres Wissen zu erreichen, müssen die Helden Schreckliches erdulden“, erklärte sie und riss die Augen auf, als wollten sie die Abendnebel durchbohren, die sich über dem See zusammenzogen. „Sie werden von Dämonen zerstückelt, ihre Glieder werden gekocht, bis ihre Knochen sich weiß aus dem Fleisch herauslösen, ihr Schädel wird auf dem Amboss zerschlagen und dann wie Eisen geschmiedet“.

Ihre Begeisterung für die Dämonen konnte er nicht nachvollziehen. Er fand den Mythos, wie übrigens die meisten Märchen und Mythen, übertrieben grausam. Wozu all diese erfundenen Schrecknisse? Reichten die realen Gräuel, reichten Gulag und KZs nicht aus? Aber er sagte nichts, sondern sah sie nur an, wie sie mit glänzenden Augen verkündete:

„Es geht darum, die Substanz des Menschen zu verwandeln und ihn höher zu entwickeln. Du darfst die Beschreibung nicht wörtlich nehmen. Zerstückeln, kochen, zerschlagen, schmieden – das sind Schritte im alchemischen Prozess. Was tut man, um ein Metall von seinen Schlacken zu befreien? Na also! Und wenn die Mutter den Leichnam von Lemmenkäinen zusammenfügt und ihn wieder zum Leben erweckt – weißt du, was das heißt?“, fragte sie triumphierend. „Na, was meinst du? Liegt doch auf der Hand! Mutter heißt lateinisch mater. Mutterstoff ist Materie. Klar?“. Sie sagte in ihrem komischen Englisch motherstuff, und er konnte sich nur mit Mühe ein Lachen verkneifen. Unbeirrt fuhr sie fort: „Materia prima ist der Mutterstoff, die Grundsubstanz. Damit kannst du alles in alles und jedes verwandeln. Damit machst du aus Dreck Gold und aus einem schlechten Menschen machst du einen Weisen. Den Neuen Menschen, wie man heute sagt. Die Materia prima ist nämlich nichts anderes als der Stein des Weisen, nach dem die Alchemisten immer schon gesucht haben.“

Er hörte sich ihre Tiraden geduldig an, amüsierte sich und machte seine Witzchen. Inhaltlich musste er passen, denn mit Alchemie kannte er sich überhaupt nicht aus, und er hatte auch nicht vor, sich damit zu befassen. Und was die Erziehung zum neuen Menschen anbetraf, so grauste ihm davor. Hatten nicht alle ideologischen Schreckensbewegungen seit je versucht, den neuen Menschen zu schaffen, indem sie den wirklich existierenden niedermetzelten und zertraten? Keine Mutter würde die Toten wieder auferstehen lassen. Sie waren vergangen zu schwarzem Moder und weißen Knochen, verweht in Asche und Rauch.

Aber Mirka sah so reizend aus, wie sie, klein und lebendig in ihrer übergroßen Jacke, mit vor Eifer glühendem Gesichtchen, ihm gegenüber auf der Bank des Ruderbootes hockte! Er wollte nicht mit ihr zanken, wollte ihr den Spaß nicht verderben, als sie nun raunend von der Chymischen Hochzeit der Alchemisten zu erzählen begann. Mit gewaltsamem Tod hatte diese Hochzeit zu tun und mit Liebe und Erneuerung im Fleische, soviel verstand er. Ob sie etwas wie die Bluthochzeit des spanischen Dichters Lorca meinte? fragte er und freute sich, ihr mit einem Wissen imponieren zu können, das sie nicht hatte. Als er ihr aber die Handlung des Dramas erklärte, protestierte sie heftig: Nein, nein, da höre ja alles mit Mord und Totschlag auf! Das sei ihr Fall nicht. Also nein! Die Chymische Hochzeit habe zu tun mit der glücklichen Vereinigung von Frau und Mann und der Zeugung neuen höheren Lebens.images

Staatstheater Karlsruhe

Bluthochzeit, Oper in sieben Szenen von Sándor Szokolay, Text von Gyula Illyés, nach der Lyrischen Tragödie „Bodas de sangre“  von Federico Garcia Lorca (Foto entnommen der Ankündigung des Theaters)

 

Die Nacht verbrachten sie miteinander, nicht chymisch vereint vielleicht, doch ihre Chemie passte vorzüglich.“

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Ich würde gern – abc-etüden

Ich würde euch gern  eine Geschichte für die abc-etüden erzählen https://textstaub.wordpress.com/ , und zwar über einen Zirkusbesuch in Prag …

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bei dem es sich natürlich um die Liebe drehen würde, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht danach aussähe …  img_9591

Beim zweiten Blick würde es zur Gewissheit.

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Warum also erzähle ich euch keine Geschichte? Weil ich den Zug nach Prag verpasste. Und das kam so: ein Zirkuslöwe stellte sich mir in den Weg, um Mitfahrgelegenheit bittend. img_9598

Als höflicher Mensch nahm ihn mit, aber mein Mofa fand das gar nicht komisch, so einen Löwen hatte es nicht einkalkuliert. Und so brach es zusammen.  Ich erreichte den Bahnhof zu Fuß. Der Löwe kam mir unterwegs abhanden, und so sehr ich ihn auch mit der Laterne suchte, er blieb verschwunden. Und der Zug nach Prag war auch weg.

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Tut mir leid.  Das nächste Mal – vielleicht.

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Alter Bilbao Mond

Alter Bilbaomond! / Wo noch die Liebe lohnt…/ Ich kann den Text nicht mehr, / ’s ist schon lange her! / Ich weiß ja nicht, ob Ihnen so was grad gefällt, doch: / es war das Schönste / auf der Welt. (B. Brecht)

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Am Anfang img_9605waren zehn Schnipsel und ein Mond. Hier haben sie sich zu fünf Paaren geordnet, so oder auch so. Oder zu zwei Fünferpacks, so … oder auch so oder so. img_9607img_9606

Sie vereinigten sich zum Kreis …

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… wie die Tänzer von Matisse und begannen zu leben.

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Eigenwillen kam in die Burschen und Mädchen. Sie tauschten die Plätze, amüsierten sich. Jeder und jede durfte einmal auftreten, wurde zum Gesicht. Egal ob groß oder blass, rot oder schmächtig, jeder und jede hatte Charakter. Manche drängelten sich vor, traten gleich mehrfach auf, andere hielten sich bescheiden an die Regel. So sind sie, die Schnipsel!

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 Da waren freilich noch andere Schnipsel, die neideten es ihnen, wollten auch leben.

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Man gab ihnen eine Chance: Bitte sehr, zeigt was ihr könnt! Und sie begannen mit großem Trara und Tamtam:

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Schließlich ermüdeten die Helden und begaben sich zum Schlaf in die Berge, unter dem Mond aus Papier. Gute Nacht allerseits.

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Und damit du besser schlafen kannst, und weil morgen Vollmond ist, noch ein Lied „Der kleine Mond aus Papier“ von Manos Hadzidakis, erstmal gesungen von Melina Merkouri 1948 im Theaterstück „A Streetcart named Desire“ von Tennessy Williams, hier vorgestellt vom Komponisten selbst. Es ist eines der bekanntesten Lieder, jeder Grieche kennt es.

Den Text willst du wissen?

Θα φέρει η θάλασσα πουλιά
Das Meer wird Vögel bringen
κι άστρα χρυσά τ’ αγέρι
und goldene Sterne der Wind
Να σου χαϊδεύουν τα μαλλιά
um dir das Haar zu streicheln
να σου φιλούν το χέρι,                                                                                                                              um dir die Hand zu küssen.

Χάρτινο το φεγγαράκι, ψεύτικη η ακρογιαλιά
Papieren ist der kleine Mond, künstlich die Küste,
Αν με πίστευες λιγάκι, θα ’ταν όλα αληθινά
wenn du mir ein wenig glauben würdest, wäre alles echt.

Δίχως τη δική σου αγάπη γρήγορα περνά ο καιρός
Ohne deine Liebe geht die Zeit schnell vorbei
Δίχως τη δική σου αγάπη είναι ο κόσμος πιο μικρός
Ohne deine Liebe ist die Welt kleiner.

Papieren der kleine Mond ….

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Am Montag war Fototermin, aber der Computer in Reparatur

daher heute als Nachtrag: Tito im Sternbild des kleinen Bären.

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hatte ich gepostet, aber der post-Inhalt verschwand. Daher gleich noch mal, hoffentlich richtig.

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