Fotografieren ohne Focus? Vom Gegenstand zu Form, Fläche und Farbe

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Angeregt durch unsere Unterhaltung im Anschluss an Ullis Rezension von Lusseyrans Buch „Das wiedergefundene Licht“ hier habe auch ich einen kleinen Ausflug ins nicht-focussierte Fotografieren gemacht. Ich habe das auch früher schon manchmal getan und fand es spannend zu sehen, wie die Welt sich mir darbietet, wenn ich mich ohne bewusstes Fokussieren durch sie bewege. Das ist eine Variante des Blind-Fotografierens. Denn ich sehe zwar, vermeide aber, mich auf das Gesehene einzulassen, es zu „erkennen“. Ich suche auch nicht nach schönen Objekten, interessanter Perspektive, ich enthalte mich, so gut ich es kann, jeder bewussten Entscheidung für oder gegen eine Aufnahme und bewege mich tappend wie blind.

Heute abend machte ich den Weg vom Wohnzimmer in die Küche zwei Mal, bei mäßigem Kunstlicht von zwei Seiten. Es gibt dort nichts Besonderes zu sehen. Beim ersten Durchgang waren dennoch sehr viele Gegenstände zu erkennen, beim zweiten Durchgang verschwanden sie mehr und mehr und schließlich blieben nur noch dunkelfarbige Flächen:

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Kata-Strophen No. 5 / abc-Etüden (der Buchgeist und der Schokoladenengel)

Der Buchgeist und der Schokoladenengel**

Es wimmert der Geist des Buches                 / das ich im Regal ganz vergessen /
„ich bitte dich, such es                                     / meine Geduld hat Grenzen!“/
„Κsst“, knispert der Engel aus Schokolade / „gar nicht schlimm, gar nicht schade! /
Am Weihnachtsbaum vergessen                   / much better than gegessen* /
So kann ich doch noch grade                          / ein wenig glänzen.“

*Importware, daher die Neigung zu eng(e)lischen Floskeln

**Das Reimschema: a, b, a , c, d , d, b, b, d, c kann auch als Melodie im Modern Jazz Modus gespielt werden. Bitte das Copyright beachten!

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Textstaub, abc etüden, Wortspende Margot M, Schokolade, Buch, Geduld

 

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Kata-Strophen No. 4 / abc-Etüden (der Staatsrat in Not)

img_9742Der Staatsrat in Not

Der Königin ihr Töchterlein / fing einmal plötzlich an zu schrei’n: / „Ich esse eure Suppe nicht! / Nein, eure Suppe ess’ ich nicht!“*

Es sprang davon, der Staatsrat hinterdrein / mitsamt dem Suppentellerlein / drin schwammen Backererbsen fein. /

Doch schrie das Kind, Nein nein! / Ich esse eure Suppe nicht, ich mag sie nicht, esst sie nur selber, /ihr Dummerjans, ihr dummen Kälber!

Und fluggs sprangs vom Korallenriff / Aufs dort geparkte Segelschiff.
Man hört es aus der Ferne schrein: Nein nein! Ich esse eure Suppe nicht!

Das war der Königin ihr Töchterlein.

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* Diesen Reim habe ich dem Struwwelpeter entliehen.


Maximal 10 Sätze und 3 Worte, die dieswöchige Wortspende ist von Margarete Helminger:

Königin – Backerbsen – Korallenriff

Danke dir, lz, für dieses Vergnügen!

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Noch einmal Yannis Kounellis

Eben erinnerte ich mich, suchte in alten Archiven: 2006 sah ich ein Bild von Yannis Kounellis im MoMa in New York, das mich tief beeindruckte. Ich fand es und frage mich: Was ist das Außergewöhnliche an dem Bild, dass ich es so gar nicht vergessen kann? Es handelt sich um ein frühes Werk. Lange dachte ich, es wäre auch die mir gemäße Weise mich auszudrücken. Und jetzt, wo ich es wieder anschaue, bestätigt sich das von Neuem.

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Yannis Kounellis, im Museum of Modern Art, New York, aufgenommen 2006

Ich war nur ein einziges Mal jenseits des „Großen Teiches“ – New York, Philadelphia, Boston, Pittsburgh, Washington -, dann in Mexiko, die befreundete Künstlerin Helen Escobedo besuchen, dann in Kuba. Wie tief haben sich all diese Begegnungen in meine Erinnerung eingegraben, mit welcher Lebhaftigkeit stehen sie vor meinem inneren Auge!
Ach, Helen ist tot, und Yannis Kounellis ist nun auch den Weg gegangen, den alles Fleisch gehen muss. (Zu sarx/Fleisch vergleiche https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=38704&action=edit)

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Das Kamel und das Nadelöhr – Vorbemerkungen zum Wort ΕΓΩ/Ich.

War der Beitrag zu Ω wie Ώπης / Opis nun das Ende meines Alphabets des freien Denkens? O nein!! Der Ullis schrieb ich dort: Liebe Ulli, dieser Bogen zwischen Alpha und Omega, zwischen ‘Ανθρωπος/Mensch und Ώπης / dem Versprechen, alle Menschen zu ehren und zu würdigen, unabhängig von Rasse und Herkunft und Stand – den hast auch du inspiriert mit deinem mutigen Träumen. Und so war der letzte Eintrag eine kleine Verbeugung vor dir. „Soweit es an mir liegt“, sagt Alexander, sage ich, sagst du, will ich das Verspechen halten. Das ist schon mal gut und ein Schritt in die richtige Richtung.
Ich habe aber vor, noch einen zweiten Eintrag zu Omega und einen zum ausgelassenen Theta zu machen, denn ich mag zwar den Kreis, aber nun muss der Faden durch das Nadelöhr des Ich weitergeführt werden in die Zukunft. …
Nun denn: das Nadelöhr, durch das das „Kamel“ schreiten muss, wenn es zum Paradiese gelangen will … dieses Nadelöhr ist das ΕΓΩ/Ich. „

Über dieses EGO denke ich nun weidlich nach – es ist ja keine einfache Sache damit.
Die ganze Welt muss durch dies kleine enge Ω, diesen ausatmenden Laut des ΕΓΩ, hindurchgefädelt werden ….
Kurzum, ich brauche Zeit, um all das zu durchdenken. Und so legte ich mir, nachdenkend, heute erst mal die Parabel vom reichen Mann, dem Kamel und dem Nadelöhr.

img_9738Der reiche Mann ritt auf seinem Kamel durch die Wüste, auf der Suche nach dem Paradies. Plötzlich blieb das Kamel stehen und rührte sich nicht mehr vom Fleck. Denn vor ihm ragte ein Ding aus dem Sand, das es nicht kannte. Nie zuvor gesehen. Es war, wie du natürlich längst begriffen hast, das berühmte Nadelöhr.

img_9739Der Mann stieg vom Kamel und beäugte das Ding. Da hörte er eine Stimme aus den Höhen, die sagte laut und deutlich: „Eher wird dein Kamel durchs Nadelöhr marschieren, als dass du ins Paradies kommst. Versuchs nur, du wirst ja sehen, was du davon hast. Gib deinen Besitz den Armen – dann sprechen wir uns wieder.“

Der Mann sann auf einen Ausweg. Denn das Paradies -das wollte er schon gern erreichen! Aber seine Habe weggeben? Das denn doch nicht. Also sagte er zum Kamel: „Du musst vorangehen. Wenn du da durchmarschierst, kann ich mein Geld und auch dich behalten.“

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Das Tier, das seinem Herrn treu ergeben war und keineswegs Lust hatte, in fremde Hände zu fallen, bemühte sich ehrlich. Doch so sehr es sich auch verdünnte und verformte, es konnte nicht durch das Nadelöhr hindurch, denn dieses wich vor ihm zurück.

Tja, und so blieb es, wie es war. Die beiden – Herr und Kamel – erstarrten allmählich unter den bitteren Wüstenwinden und wurden zu rostigem Eisen. Vielleicht ziehst du ja mit deiner Karawane irgendwann einmal vorbei, dann siehst du, dass ich die Wahrheit sage.

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Griechische Kunst: Yannis Kounellis und Dimitris Mytaras

Heute morgen haben es die Portraits zweier bedeutender griechischer Künstler auf die Titelseite unserer Tageszeitung Kathimerini geschafft. Leider. Denn diese Ehre wurde ihnen zuteil, weil sie beide gestern abend starben. Der eine 81 jährig in Rom, wo er lebte, der andere 83jährig und seit zwei Jahren erblindet, in Halkida auf Euböa. Ich habe gelegentlich ein wenig von ihnen erzählt (hier und hier). Yannis Kounellis war für mich persönlich der wichtigere, seine Kunst spricht unmittelbar zu meinen Sinnen und regt mein Denken an. Die Kunst von Dimitris Mytaras empfinde ich eher als kalt und glatt, zumal sie zigtausend mal reproduziert und gerahmt, in Arztpraxen und sorgfältig gestylten Wohnungen die Wände schmücken. Es war wohl sein großes Zeichen-Talent und sein Hang zu dekorativer Kunst,  die ihn so beliebt machte. Zudem war er trotz seines riesigen Erfolgs ein kluger, sympathisch-zurückhaltender Mensch.

img_9728Aus der Zeitung fotografierte ich heute die Photos ab, die dort aus Anlass der traurigen Neuigkeiten veröffentlicht wurden. img_9730 Yannis Kounellis: Seine Arte Povere Installationen aus Kohle, Eisen, Säcken und anderen „ersten“ Materialien machten ihn weltweit bekannt. Die Installation mit den schwarzen Mänteln (links) sah ich im Kykladen-Museum von Athen und machte eine Reihe von Fotos hier. Das „Labyrinth“ (rechts unten) hat vielleicht eine/r von euch Berliner/innen gesehen,  er zeigte es, ich weiß nicht in welchem Jahr, in der Neuen Nationalgallerie.

Kounellis, geboren 1936 in Piräus, lebte, seit er durch die Prüfungen für die Athener Kunstakademie fiel und er zum Studium nach Rom ging, in Rom.  „Italiener griechischer Herkunft“ nannte er sich. Ihn faszinierte, sagt er, die σάρκα/sarx – das „Fleisch“, der „Körper“ der Madonnen von Tizian, die so ganz anders präsent waren als die byzantischen Madonnen -, und ich will ihm wohl glauben, denn seine Kunst ist eben eine, die die sarx der Dinge direkt und unmittelbar vor die Sinne stellt. Seine bedeutendste Ausstellung war wohl die auf einem alten Schiff im Hafen von Piräus, 1994, durch die er auch den Athenern bekannt wurde. Ich habe noch heute den Geruch, die Substanz, den Glanz und die Brüchigkeit von Kohle und Säcken und Metallen, die mir im Bauch des Schiffes von den Exponaten entgegenströmten, als Erinnerungsspuren in allen meinen Sinnen.

img_9729Dimitris Mytaras, geboren 1934 in Halkida, der Hauptstadt von Euböa, war ein außerordentlich talentierter Zeichner und als Mensch und Lehrer an der Kunstakademie sehr beliebt. Seine Bildsprache hat sich jedem Griechen eingeprägt, denn sie ist wiedererkennbar, oft plakativ und farbenfroh.

144Eine seiner schönsten Ausstellungen freilich, die auch ich sah (2001), hatte die streunenden Hunde zum Thema, um die er sich kümmerte, die er liebte. (Die Fotos stammen aus damaligen Presseveröffentlichungen). In einem Interview sagte er, diese Arbeit habe ihm 33598größere Schwierigkeiten bereitet als alle anderen zuvor. Denn er wollte die Lebensumstände der Tiere sichtbar machen. Besonders empört war er über den Plan, die freien Hunde anlässlich der Olympiade 2004 zu vergiften. Als Protestkünstler sah er sich freilich nicht. Doch unterstrich er gern seine Liebe zur Natur und deren Formen (Muscheln malte er oft) und meinte, insofern vielleicht auch ein ökologischer Maler zu sein.%ce%bc%cf%85%cf%84%ce%b1%cf%81%ce%b1%cf%82

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Kata-Strophen No. 3 : Der Königin ihr Troubadour – abc etüden

img_9726Der Königin ihr Troubadour / sang ihr in Moll und auch in Dur / von leuchtenden Korallenriffen / von Meeren und versunknen Schiffen / von Schleierfischen märchenhaft / und Prinzen in Gefangenschaft.
Die Königin wollte nur hören, wie sie mit Schönheit könnt betören.

Wie sie gewänne Männerherzen.

So reimste er: Euer hoheitliches Gesicht
gleicht einem Backerbsengericht.

Das fand sie wahrlich nicht zum Scherzen.

Der Troubadour singt nur mehr Moll / Sein Bauch ist rund und übervoll / Schluss ist es mit Delikatessen / Er muss nun Tag und Nacht Backerbsen fressen.

Der Königin ihr Troubadour
sang ihr in Moll und auch in Dur.

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Maximal 10 Sätze und 3 Worte, die dieswöchige Wortspende ist von Margarete Helminger:

Königin – Backerbsen – Korallenriff

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Kata-Strophen No.2 – – – – – abc-Etüden

Eine schöne fette Ratte
Führte ihr verliebter Gatte
Am Heiligen Sankt Valentin
Zu dem Korallenriffe hin
Und lud sie ein zu speisen fein
Von einem königlichen Bein
Das lag dort auf dem Riffe
Gleich beim versenkten Schiffe.
Hui, pfiff die Dicke, ich lieb dich, o weih!
Backerbsen-Geschmack macht mich ganz high!

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Maximal 10 Sätze und 3 Worte, die dieswöchige Wortspende ist von Margarete Helminger:

Königin – Backerbsen – Korallenriff

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Nur so: Die Entwicklung der Arten

 

Die Entwicklung der Arten nach Darwin. Vom Fisch zum Vogel zum Leu.

 

 

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Und wieder kommt der Sensenmann

Ein Glanzverriss des deutsch inspirierten Sanierungsprogramms für Griechenland – man dankt.

Avatar von Gerhard Mersmannform7

Im Süden Europas, genauer gesagt in Griechenland, da sehen sie ihn wieder. Wie er ausholt zu einem neuen Schlag, mit dem er das gebeutelte Land endlich befrieden will. Weil es ihm nicht reicht. Weil es ihm nicht reicht, wie es unter der Aufsicht von Weltbank und EU alles liquidiert, was ein Gemeinwesen ausmacht. Das geht bereits seit Jahren so. Und so, wie es aussieht, wird es nie reichen, um ihn, den Sensenmann aus Germanistan zu befriedigen. Die Schulden, die das Land hat, sind dreimal so hoch wie alles, was dieses Land in einem Jahr an Werten schafft. Wer, so stellt sich die Frage, wäre in der Lage, das aus eigener Kraft zu begleichen? Aber das interessiert niemanden, vor allem nicht den Sensenmann, seinerseits Finanzminister der Deutschen, der sich den heimlichen Titel des europäischen Liquidators längst erworben hat.

Sensenmänner sind immer unbarmherzig. Der Kleinmut dieses Sensenmannes resultiert, wie meistens, aus mangelnder…

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