Noch einmal Yannis Kounellis

Eben erinnerte ich mich, suchte in alten Archiven: 2006 sah ich ein Bild von Yannis Kounellis im MoMa in New York, das mich tief beeindruckte. Ich fand es und frage mich: Was ist das Außergewöhnliche an dem Bild, dass ich es so gar nicht vergessen kann? Es handelt sich um ein frühes Werk. Lange dachte ich, es wäre auch die mir gemäße Weise mich auszudrücken. Und jetzt, wo ich es wieder anschaue, bestätigt sich das von Neuem.

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Yannis Kounellis, im Museum of Modern Art, New York, aufgenommen 2006

Ich war nur ein einziges Mal jenseits des „Großen Teiches“ – New York, Philadelphia, Boston, Pittsburgh, Washington -, dann in Mexiko, die befreundete Künstlerin Helen Escobedo besuchen, dann in Kuba. Wie tief haben sich all diese Begegnungen in meine Erinnerung eingegraben, mit welcher Lebhaftigkeit stehen sie vor meinem inneren Auge!
Ach, Helen ist tot, und Yannis Kounellis ist nun auch den Weg gegangen, den alles Fleisch gehen muss. (Zu sarx/Fleisch vergleiche https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=38704&action=edit)

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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8 Antworten zu Noch einmal Yannis Kounellis

  1. Liebe Gerda, als Du das letzte mal über Helen berichtet hast, hatte ich nicht viel Zeit, jetzt habe ich mir noch einmal ihre Arbeiten angeschaut und gesehen, dass die Flüchtlinge ja auch schon bei uns im Frauenmuseum ausgestellt wurden, 2001 bereits… gut, dass Du noch einmal daran erinnert hast!

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    • gkazakou schreibt:

      O, das freut mich! Sie hat sehr früh Themen aufgegriffen, die jetzt so aktuell erscheinen. ZB hat sie eine tolle Installation an der US-mexikanischen Grenze gemacht, mit Booten, die nicht seefest sind, und Katapulten für Kokusnüsse… Und viele ökologische Themen, ihre Installation mit Schildkröten aus Autoreifen, und eine wunderbare Installation mit weißen offenen Gräbern für verbrannte Bäume, jedem Baum sein Grab. Die letzten Jahre arbeitete sie nur noch mit weggeworfenem und vergänglichem Material und verfolgte die Veränderungen, die durch Witterung und menschliche Eingriffe entstanden. So bei einer Flüchtlingsgruppe aus Stroh in Hamburg, wo zuletzt nur noch die Kreuze übrig waren. Da kamen eines Abends junge Menschen mit bunten Tüchern, tanzten und kleideten die Flüchtlinge neu ein. Das war für sie eine besonders schöne Erfahrung, sie war ganz glücklich, als sie mir davon erzählte. . Liebe Grüße dir! Gerda

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  2. Ulli schreibt:

    Wie schön, liebe Gerda, dass es immer noch und immer wieder so viele KünstlerInnen zu entdecken gibt! Auch wenn ich gerade nicht sooo aufnahmefähig bin, weiß ich nun um sie und kann forschen, dafür danke dich dir.
    Zum Bild … ich sehe es, aber so wirklich spricht es nicht zu mir, wie so oft, wenn ich mit abstrakter Kunst konfrontiert bin, es ist noch seltsam, aber ich denke, dass es etwas mit meinem gering entwickelten mathematischen Gehirn zu tun hat. Aber auch damit, dass ich so sinnlich bin, nichts destotrotz lasse ich auch solche Bilder auf mich wirken und manchmal lösen sie dann doch noch etwas aus.
    Sonntägliche Grüße an dich
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, womit sich mal wieder bestätigt, dass wir aus ganz verschiedenen Ecken kommen – wie ja auch beim Alphabet – , aber es einen großen Überschneidungsbereich gibt, der durch Begegnung entsteht (wie in deinem Bild mit den zwei farbigen Kreisen gezeigt). Mir gefiel Mathematik immer sehr, ich löste die schwierigsten mathematischen Rätselfragen im Handumdrehen, es war ein Spiel für mich, Heute kann ich das nicht mehr von mir sagen, leider.

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      • Ulli schreibt:

        Liebe Gerda, gerade habe ich mir Zeit genommen und mir einige Installationen sowohl von Helen Escobedo wie auch von Yannis Kounellis, ich sah zwar sehr, sehr Unterschiedliches, aber gleichzeitig berührten sie mich beide, Helen Escobado besonders mit ihren Lumpenpuppen und refugees- Strohfiguren! Yannis Kounellis holt mich ganz woanders ab, hier folge ich sehr viel mehr der Sinnlichkeit und ich dachte an eine Installation in der Foundation Beyeler, als kopflose Pferde Wände hochgingen, ich weiss nicht mehr von wem dies war und fotografieren ging damals nicht-
        die Welt ist voll von der faszinierendesten Menschen und ihren Werken und durch dich durfte ich nun zwei weitere entdecken- ich werde mir nochmal Zeit nehmen!

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    • gkazakou schreibt:

      Ich hab nachgeschaut, die Pferde-Installation war von Maurizio Cattelan. Das ist wieder was ganz anderes. Kounellis arbeitete mit einfachen natürlichen Materialien, er zeigt sie vor: dies ist ein Sack, dies ist Kohle. Und daraus gestaltete er Formationen. Es war eine „arme Kunst“ (arte povere). Auch Escobedo hätte nie solche fragwürdigen Mittel verwendet wie wie Cattelan. Sie kam von der klassischen Bildhauerei, arbeitete zuerst in Bronze, später kam viel Eisen dazu, aber die letzten Jahre machte sie nur noch Flüchtiges, Unbeständiges aus vergänglichen oder weggeworfenen Materialien. Ich freu mich, dass wir uns hier so unterhalten können, in Büchern blättern, fast als säßen gemeinsam wir am Küchentisch. Nun aber muss ich langsam weg vom Computer. gute Nacht!

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      • Ulli schreibt:

        Ich fand die Installation von Cattelan (danke, dass du nachgeschaut hast!) bedrückend bis: ich-will-das-jetzt-nicht-sehen! Es waren letztlich nur die Pferde in der Bildersuche, die bei Kounellis auftauchten, die mich erinnert haben.
        Wenn ich (besonders die Arbeiten von deiner Freundin Escobado sehe), dann juckt es mich in den Fingern- das ging mir damals auch so, als ich Marry Baumeister entdeckte- Gerda, bald, bald habe ich Platz!
        Gerade habe ich an einer Fotomontage zu der Serie puppets in the streets gemacht, die ich nächsten Sonntag zeige, dort wirst du eine meiner neuen Mitbewohnerinnen kennenlernen und den Raum, den ich heute Abend vor mir sah…
        und jetzt mache ich auch aus, schlaf gut, liebe Gerda

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  3. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ich kannte seinen Namen nicht mal und suchte nun nach Werken von ihm, weil mir das eine nicht reichte, um mir ein Bild zu machen *g* Ich habs natürlich auch jetzt noch nicht wirklich, aber ich sehe die große Ästhetik in allem was er machte und seine Gestaltung ist jedesmal sehr wohl proportioniert und harmonisch bis ins kleinste Detail hinein.
    Danke für diesen Namen. Ich hätte ihn sonst niemals entdeckt.

    Lieber Gruß an Dich

    Gefällt 1 Person

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