Original oder Bearbeitung? Zwei Olivenbaumstämme und Frühlingslichtbilder

Gestern fragte mich Frau Wildgans (Kommentar beim Mandelbäumchen): „Deine Bilder gefallen mir, doch frage ich mich, warum man so schöne Zeichnungen immerzu digital bearbeiten will?“

Sonja ist mit dieser Frage nicht allein. Hier meine Antworten: Weil es meinen Spieltrieb befriedigt. Weil ich dadurch eine Menge neuer Bildeindrücke erzeugen kann. Weil ich auf diese Weise verborgene Eigenschaften der Zeichnung sichtbar machen kann. Es geht mir nicht um Verbesserung des Originals, sondern um alternativen Ausdruck, um Abweichungen vom Original. Die ursprüngliche Zeichnung und die Varianten muss man nicht vergleichen. Sie haben (oder haben nicht) ihren je eigenen Wert.

Zweitens aber: alles, was du hier siehst, ist ohnehin digital bearbeitet. Nichts ist original, es handelt sich immer um Fotografien von Originalen. Die Fotografien bearbeite ich in jedem Fall, indem ich sie beschneide, aufhelle etc. Bei dieser Art der Bearbeitung geht es mir um eine möglichste Annäherung an den Bildeindruck des Originals.

Hier unten siehst du zwei Original-Fotos von einer heutigen Zeichnung. Ich halte mit der  einen Hand das leichte Papier fest, damit der Wind es nicht umblättert, und drücke mit der anderen Hand auf den Auslöser des iphone. Das eine Mal habe ich den Block ins Gras gelegt, das andere mal auf den Gartentisch. Auf dem einen Foto ist das Bild blau vom Schatten, auf dem anderen grau im Licht. Offenbar kommt das zweite dem Original näher, denn ich zeichnete mit Bleistift und schwarzem Kuli auf weißem Papier.

Nun bearbeite ich das Foto, drehe, beschneide,  vergrößere es, helle es mit den automatischen Einstellungen auf, passe es farblich an und schärfe es gelegentlich. Du siehst dann etwas, was sich in vieler Hinsicht vom Originalfoto, aber auch von der Originalzeichnung unterscheidet (Größeneindruck, Papierqualität etc).

Hier das linke Foto, entsprechend „frisiert“ (gedreht, beschnitten etc).

Und hier das rechte Foto.

Zeichnungen bearbeite ich auch, indem ich weiterzeichne. So habe ich heute mit Bleistift begonnen, die entstandene Skizze auch fotografiert, habe dann mit dem Kuli drübergezeichnet und erneut den Bleistift eingesetzt, um so das obige Ergebnis zu erzielen. Warum bin ich nicht bei der einfachen Bleistiftzeichnung stehengeblieben? Sie hat ja durchaus ihren Reiz und ist der ausführlichen Kuli-Zeichnung in manchem überlegen. Vor allem ist sie anders. Hier ist sie.

Und hier noch ein anderer Olivenbaum, den ich heute beim Spazierengehen skizzerte, den Block in der Hand. Man sieht den Unterschied zur obigen Zeichnung, die ich gemütlich im Garten sitzend machte. In beiden Fällen benutzte ich den Winzlingsblock, Kuli und Bleistift. Was ist besser, was schechter? Es ist verschieden.

Natürlich habe ich auch diese Bilder mit Fotoshop-Filtern weiterbearbeitet, aber die Ergebnisse zeige ich jetzt nicht, denn mein Thema war heute ein anderes.

Das Zeichnen fand übrigens in herrlichstem Frühlingslicht statt, in das ich jetzt auch wieder abtauchen will. Wielange soll Tito noch warten?

 

 

 

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Skizzieren am Bahnhofsmuseum von Kalamata

Bahnhof 05

Nach dem vorzüglichen Essen in der „Argo“ zog ich mit Hund Tito ins kommunale Cafe des Bahnhofsmuseums und trank einen Espresso, während mein Mann einkaufte. Das Eisenbahnmuseum ist der ehemalige, leider seit langem stillgelegte Bahnhof, der nun hübsch hergerichtet ist – ein beliebter Spielplatz für Kinder, aber leider auch immer wieder Opfer vandalierender Jugendlicher. Auch Obdachlose brechen in die Waggons ein, wogegen die Gemeinde inzwischen rigoros vorgeht. (In mehreren Beträge zu Juttas Geschichtengenerator habe ich dieses Milieu „gestaltet“, zB hier. Auch habe ich mehrfach von Bahnhofs-Aktivitäten berichtet, so auch von Zerstörungen hier. Mehr findest du unter dem Stichwort „Bahnhof“).

Zwei kleine Skizzen wurden es, wiederum mit Bleistift und schwarzem Kuli im klitzekleinen Block. Hier lohnte sich das Bearbeiten, finde ich, denn man sieht sehr schön, wie unterschiedlich Bleistift und Kuli funktionieren. Während in den Originalskizzen Kuli und Bleistift nur wenig unterschiedbare Einträge sind, da sich beide im Graubereich befinden, treten sie bei den Bearbeitungen deutlich auseinander: der Bleistift wird zur Farbe, der Kuli bleibt Linie. Dadurch wirken die Bearbeitungen viel geordneter und strukturierter als die Originale. Man muss freilich schon beim Zeichnen an die Bearbeitungs-Effekte denken, damit es klappt.

 

 

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Skizzieren in der Taverne am Segelhafen

Zum Mittagessen waren wir wieder in der „Argo“, „unserer“ Taverne am Segelhafen. Bevor das Essen kam sowie beim letzten Glas Wein machte ich schnelle Skizzen im Winzlings-Abreißblock (10×14 cm), den ich jetzt immer bei mir habe. Den Rapidographen hatte ich extra mit einer neuen Tintenpatrone versehen, aber er funktionierte nicht gut, und so blieb es bei der blauen Umrandung der Lampe in der ersten Skizze. Alles andere ist mit Bleistift und schwarzem Kuli gezeichnet.

 

Warum Bleistift UND Kuli? Nun, die hier schon länger lesen, wissen, dass ich damit experimentiere. Ich habe nämlich herausgefunden, dass sich die beiden Medien verschieden verhalten, wenn man eine Zeichnung abfotografiert. Der Kuli-Strich bleibt einfarbig erhalten, der Bleistift-Strich nimmt je nach Lichteinfall verschiedene Tönungen an. Das sieht man auf den obigen Fotos nicht wirklich, wohl aber, wenn man die Farbtöne verstärkt. Der Bleistift wirkt farbiger, der Kuli präziser.

Oft verschiebe ich die Farbskala, um andere Stimmungen zu erzeugen. In der ersten Reihe habe ich die blaue Tinte nach Gelb hin verschoben (die Farben verschieben sich entsprechend ins Blau). Bei der zweiten und dritten Reihe vertausche ich den Gelb-Blau-Bereich zwischen oben und unten. Ist der Gelbbereich im Himmel, fühlt sich das für mich so an, als sitze ich an einem heißen Tag im kühlenden Schatten. Ist der Blaubereich oben, fühle ich mich wie an einem kühlen Tag an wohltuend sonnengewärmtem Platz sitzend…

 

 

 

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Unser Mandelbäumchen im Garten (Kuli-Bleistift-Zeichnung)

Heute skizzierte ich mit Bleistift und schwarzem Kuli auf glattem Papier unser Mandelbäumchen, das so lieblich im Mittagslicht im Garten stand und vor sich hin blühte. An dem Haltestab mit Ring genau neben dem Bäumchen siehst du, wie viel es gewachsen ist, seit wir es vor ca 5 Jahren einpflanzten. Im Hintergrund ein verwildertes Orangenbäumchen und eine Skulptur aus Steinen, die beim Hausbau übrig blieben.

Und so sieht das Gartenstück fotografisch aus. Am Stamm des Mandelbäumchens lehnt mein Block mit der Zeichnung. Du siehst schon, dass ich nicht so fleißig war wie das Bäumchen und viel weniger Blüten zeichnete als es hervorgebracht hat. Auch die Bienen, die um die Blüten summten, zeichnete ich nicht mit.

Dafür aber machte ich ein paar Versuche mit digitalen Bearbeitungen, nachdem ich die Zeichnung unter verschiedenen Licht-Schatten-Mustern fotografiert hatte. Beim letzten Foto sieht man die Schatten des Klees, in den ich den Block zum Fotografieren gelegt hatte.

Die Zeichnung war allerdings zu zart für starke Effekte…

 

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Faschingsmode? Nein, ein Leben mit Niqab.

Heute las ich bei https://nandalya.wordpress.com/:

„Der Wind in meinen Haaren

Während die Narren langsam ihre Masken abnehmen und das graue Gesicht des Alltags wieder übernimmt, werden an anderer Stelle neue Masken angelegt. Natürlich alles unter dem Deckmantel von religiöser Toleranz.“

 

Bleistift-, Kohle und Kulizeichnungen, bis auf die Augenpartie digital bearbeitet.

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Der Feigenkaktus in meinem Garten

Der Feigenkaktus ist eine gewaltige blass- bis tiefgrüne Skulptur, dessen dicke „Ohren“ mit haarfeinen Stacheln besetzt sind. Anfassen darf man sie nicht, denn sie bleiben in der Haut stecken und lassen sich sehr schwer entfernen.

Heute habe ich ein Stück davon mit schwarzem Kuli und Bleistift im Block mittlerer Größe gezeichnet. Zu seinen Füßen liegt eine kleine verrostete Skulptur – ein objet trouve, früher war’s wohl mal ein Kanister. Ich habe diese Ecke schon mal  fotografisch hier, das objet trouve auch als digitales Kunstwerk hier gezeigt.

Fotografiert habe ich die Zeichnung dreimal bei Lampenlicht. Die Bearbeitungen variieren entsprechend der unterschiedlichen Ausleuchtung. Zum Vergrößern anklicken.

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Kleine Kinder und Erwachsene kritzeln verschieden

Serap’s Wunsch nach mehr Zeichnungen von Babis und Asteria kann ich leider noch nicht genügen  Aber ich fand in meinem klitzekleinen Skizzenbuch zwei weitere Dinosaurier-Bildchen, die ich letztens vergessen hatte zu posten.

Wintergoldhühnchen kommentierte zum vorigen Eintrag: „Kinderkunst ist das größte“. Ich:  „Das stimmt. Leider verliert sie sich irgendwann“. Sie: „Ja, das stimmt, dann muss man sich wieder zurück zeichnen und das ist manchmal nicht so leicht…“ Ich: „Zurück geht wohl nicht. Picasso sagte es ungefähr so: um wieder wie ein Kind zu zeichnen, muss man den ganzen Kreis abgeschritten haben.“

Worin besteht nun eigentlich der besondere Charme von Kinderzeichnungen, der von Erwachsenen-Kritzeleien zwar imitiert, aber nicht erreicht werden kann? Ich kann diese Frage nicht beantworten, aber  illustrieren. Du darfst raten: welche der beiden Zeichnungen ist von einem kleinen Kind (leider erinnere ich mich nicht, ob von Asteria oder von Babis) und welche von mir, als ich den Kindern von den Dinosauriern und ihren Flugkünsten erzählte? Und woran machst du es fest?

Bearbeitet habe ich beide Zeichnungen, und dann sehen sie so aus (bitte Anklicken!):

Eine richtige Erwachsenen-Kritzelei habe ich heute bei einer Lagebesprechung in unserem Garten gemacht. Die sieht dann wieder ganz anders aus.

 

 

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Ein Olivenbaum im Garten (Bleistift-Kuli-Zeichnung)

Bevor die Sonne verschwand, zeichnete ich gestern noch einen Olivenbaum. Es tat mir gut nach einem anstrengenden Tag, ruhig den Linien seines verknorpelten verkrebsten Stammes und der Steinmauer zu folgen.IMG_6393

Ich zeichnete auf glattem Papier, das eigentlich für Federzeichnungen gedacht ist, mit Bleistift und Kuli. Das Papier nimmt den Graphit nicht gut an. Daher ist die Zeichnung grauer als der Abend es war. Nach leichter Bearbeitung sieht der Baum dann so aus:

 

 

 

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Das Kleine und das Große (Kunst am Sonntag)

Immer mal wieder lese ich, dass wir Menschen angesichts des großen Universums doch nur Winzlinge seien, viel kleiner als ne Laus. Und dann sehe ich Macro-Aufnahmen von Läusen, die mir offenbaren, dass diese Viecher ja ganz gewaltige Ausmaße annehmen können und überhaupt höchst komplex gestaltet sind.

Das bringt mich zur Frage: ist die Laus vielleicht gar nicht klein? Und der Mensch?

Nun, wie auch immer.

Jedenfalls machte ich mich auf die Suche. Ich nahm ein Blatt Papier, legte es an eine gemauerte Wand und rieb mit dem Bleistift, um eine „Frottage“ zu machen. Was würde mir dieser Abdruck über das Leben offenbaren?

Einige gewaltig hohe Baumstämme entdeckte ich sofort – war ja auch nicht weiter schwer. Aber dann bemerkte ich ein Gewimmel am Grund, dort wo das alte Laub liegt. Ich zoomte mich vorsichtig heran. Zuerst sah ich nur ein farbiges Geflimmer.

Dann wurden feine Umrisslinien sichtbar.

Immer schärfer fokussierte ich:

Endlich, nachdem ich das störende Geflimmer herausgefiltert hatte, sah ich klar, was sich da am Boden tat:

Sieh selbst und sag mir, ob du das an einer Zimmerwand zu sehen erwartest hättest! Eine Wichtel-Kommune! Die Welt ist doch voller Rätsel und Wunder!

Und nicht genug damit, ich hörte auch ein Wispern, das sich immer mehr steigerte, je schärfer ich mein Hörgerät einstellte. „Immer diese Kinder! Nichts als Unsinn im Kopf“ kreischte eine Frauenstimme.  Eine andere aus dem Off klang ruhig: „Nun lass sie doch, es sind ja Kinder!“

Eben, beim Nachtbummel, habe ich sie auch am Himmel gesehen – als Sternbilder. Und wunderte mich. Sooo groß sind sie, diese kleine Zwerge?

Größe ist doch eine ziemlich relative Angelegenheit, scheint mir.

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Gemeinsam Zeichnen 13

Dreizehn ist meine Glückszahl bzw die Glückszahl aller Frauen. Heute bewährte sie sich wieder: das dreizehnte Mal trafen wir uns im Atelier. Fünf Frauen kamen, zwei alte Bekannte (Magda, Nena), drei Neue (Eleni M, Eleni A, Julia). Es war ein spannendes intensives gemeinsames Zeichnen. Darf ich vorstellen?

Magda (kennt ihr schon) zeichnete heute zwar alle Positionen und saß selbst nicht Modell, doch war sie unzufrieden und wischte das meiste wieder aus.  Zwei ihrer Zeichnungen konnte ich retten, Ich mag ihre ausdrucksstarken Kohle-Portraits sehr.

Nena ist keine geübte Zeichnerin, hat aber schon einen ganz eigenen Stil entwickelt.

Eleni M kam heute zum ersten Mal und war die große Überraschung. Sie entdeckte das Zeichnen erst vor einem Jahr für sich und geht seither in einen Malkurs bei einem Syrer, der in der VHS von Kalamata Ölmalerei unterrichtet.

Noch eine Eleni kam heute zum ersten Mal. Sie studiert im dritten Jahr an der Kunsthochschule von Saloniki und brachte eine neue Technik mit: Kreide und Kohle auf bräunlichem Papier.

Ich selbst habe zwei Mal posiert. Während der ersten Pose  machte ich zwei Skizzen. Ich zeichnete auf verschiedenen Formaten, mit Bleistift, schwarzem Kuli und ging zweimal auch mit Kohle rein. Dabei dachte ich auch an mögliche Wirkungen bei der digitalen Bearbeitung.

Auch Julia war zum ersten Mal bei mir. Sie wollte nicht zeichnen, saß aber brav Modell und schaute Eleni M fasziniert beim Zeichnen zu. Nächstes Mal will sie es selbst versuchen.

Mit ein paar der Zeichnungen habe ich digital herumgespielt. Bei anderen versuchte ich es, doch kamen keine vernünftigen Lösungen zustande. Nicht alle Zeichnungen sind eben dafür geeignet.

 

 

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