Dora zum FünftenDritten: Eleni und der Esel

Wieder führte uns unser Weg über das Bergdorf hinaus. Wandernd sprachen wir über dies und das: über Weltentwicklung, Erwartungen, Zukunftspläne, zumal dies der letzte Tag meines lieben Besuchers hier ist. Unsere Unterhhaltung wurde unterbrochen durch einen prächtigen Esel, der im Gebüsch neben der Landstraße graste. In einem Seitenbeutel steckten mehrere Laibe Brot, darüber hing ein Regenschirm. Seine Besitzerin war durch das Gebüsch verborgen.

Dora, kaum wurde sie des Esels ansichtig, sprang auf seinem Sattel und schrie „Hü, hott!“ Der Esel ließ sich dadurch freilich nicht aus der Ruhe bringen. Seine Besitzerin…

… kam hinter dem Gebüsch hervor und winkte mit einem Strauß roter Anemonen, den sie soeben von der Wiese gerupft hatte. Sie wollte uns die Blumen schenken und natürlich auch ein wenig plauschen. Woher? Wohin? Von welchen Eltern? Auch wir fragten, und so erfuhren wir: sie sei aus Altomira – das ist ein verlassenes Dorf in den Bergen, von dem ich gelegentlich erzählte (hier) – , aber sie lebe nun schon seit 30 Jahren hier unten. Unverheiratet und kinderlos, zwei Ziegen habe sie noch und den Esel – und liebevoll-zärtlich schaute sie zu ihm hin, worauf er sich neben sie stellte und bestätigend nickte, wie Esel es tun.

Später wurden wir vom Regen überrascht und suchten Schutz in einem aufgegebenen Busunterstand. Während der Regen aufs Blechdach und auf den Asphalt der Straße pladderte, redeten wir über dies und das: über die Weltentwicklung, die Flüchtlinge, die eigene Identität zwischen zwei Kulturen und was es bedeutet, Fremder in einem Land zu sein.

„Ist diese Frau, die lebt wie in uralten Tagen, nicht auch eine Fremde im eigenen Land?“ Alle rundum haben sich verändert, und so blieb sie allein mit ihren beiden Ziegen, dem Esel und dem spärlichen Feuerholz, das sie gesammelt und dem Esel aufgebunden  hat, um es am Abend in den Holzofen zu werfen, die Kleidung zu trocknen und die alten Knochen zu wärmen, wie immer schon. Von den Weltläuften – nein, davon weiß sie nichts. Wozu auch.

 

 

 

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Dora zum ViertenDritten: Himmelblaues Blümelein

Als Dora merkte, dass ich in düstere Gedanken abriften wollte, erhob sie sich ins Blau des Himmels. Ich blinzelte und versuchte, ihrem Flug zu folgen, aber es gelang mir nicht.   Kurz darauf kam sie strahlend zurück und überreichte mir ein himmelblaues Blümelein .  Danke, Dora! Du hast mal wieder meinen Tag gerettet.

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Herz bleib kalt! (2016 reblogged)

Herz bleib kalt! Hand halt das Steuer!

„Ich versuche, Kurs zu halten, doch das ist nicht einfach. Denn es stellt sich die Frage: wo ist vorwärts, wo ist zurück? wo ist Osten, wo ist Westen?…

Ich wollte Ephesos erreichen und mit dem alten weisen Heraklitos tiefsinnige Gespräche über den ΛΟΓΟΣ (Logos) und die Frage führen, was er denn wohl meinte mit dem Satz, der Krieg sei der Vater aller Dinge.“

Das Legebild entstand 2016 aus einem zerrissenen Bild, auf dem ich Flüchtlinge dargestellt hatte.

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Was ist eigentlich aktuell auf dem damals so heiß diskutierten Kriegsschauplatz Syrien los?

 German-Foreign-Policy.com, Do., 3. März um 23:00 (eigener Bericht)

Die ignorierte Invasion

Die Türkei, ein enger Verbündeter Deutschlands, verstärkt im Windschatten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ihre militärischen Angriffe auf ihr Nachbarland Syrien. In den vergangenen Tagen wurden erneut türkischer Artilleriebeschuss und Drohnenangriffe auf die kurdischen Gebiete Nordsyriens gemeldet; dabei wurden zahlreiche Zivilisten verletzt. Wenige Wochen zuvor war es zu einem Großangriff der türkischen Luftwaffe gekommen: Ankara ließ die nordostsyrische Region Hasakah bombardieren, nachdem es dort kurdischen Kämpfern gelungen war, einen Gefängnisaufstand des Islamischen Staates (IS) niederzuschlagen. Die Türkei hält seit Jahren mehrere Regionen Nordsyriens besetzt, errichtet dort türkische Infrastruktur und bindet die Gebiete an ihr Verwaltungssystem an, während die ursprünglich ansässigen syrischen Kurden in wiederkehrenden ethnischen Säuberungen vertrieben werden. Deutschland, traditionell ein bedeutender Waffenlieferant der Türkei, und die NATO, deren zweitgrößte Streitkräfte Ankara stellt, tolerieren die türkische Invasion in Nordsyrien und begünstigen sie zeitweise sogar.

 

 

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Aus aktuellem Anlass: Contro le Guerre

Überblendung von Foto und Zeichnung (Bruno Martinazzi „Contro la guerre“)

Aktuell ist dies Plakat in unserem Wohnzimmer leider immer. Nun aber ist der eine Krieg in aller Munde. Ich schaue auf die Bilder, lese die Geschichten und schaudere. Krieg in den Köpfen, Krieg in den Gemütern, Krieg in den Herzen. Krieg Mensch gegen Menschen. Man hat für oder gegen, pro oder contra zu sein. Man bekennt sich.

(Leider erinnere ich mich nicht, wo ich dies Foto fand)

 

Also bekenne auch ich:

Ich bin für das Leben und gegen den Krieg

Contro le Guerre

 

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Dora zum DrittenDritten: Ein Engel

Ein weiter Spaziergang bringt uns im kühlen hellen Vorfrühlingslicht über das Bergdorf hinauf und hinaus. Weiß leuchtet der Berg, den in der Nacht Neuschnee bedeckte, weiß leuchten auch die Wiesen der kleinen Margeriten unter den alten Ölbäumen. Dazwischen immer wieder rote Einsprengsel der Anemonen, zarte Blüten der blauen Iris und allerlei rosa und hellviolette Blütenpolster. Auch die wilde „Hyazinthe, die eine Orchidee ist“, begegnet uns, sogar gleich an mehreren Stellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dora rollert zwischen uns auf einem helleren Streifen des Straßenbelags, wo offenbar  ein Rohr verlegt worden ist.  „Hehe!“ schreit sie. „Nun lasst mal das Denken und Grübeln! Dies ist ein Tag vom Besten, Besseres weiß ich euch wirklich nicht zu schenken!“

O ja, sie hat recht. Und so schicken wir die traurigen und sorgenvollen Gedanken ins vorläufige Exil und schauen uns um, reden mit dem einsamen Hund, der heute nicht mal Schafe zu bewachen hat, betrachten die schöne alte und die manchmal lächerliche und pompöse neue Architektur der wenigen Häuser, schauen hinüber zum goldglänzenden Spiegel des Meeres, grüßen auch einen Briten, der drei große Hütehunde spazierenführt….

und schmunzeln über die ausgesucht kitschigen Verzierungen an einem aus vielen Teilen zusammengesetzten Haus. Dora hüpft auf den Zaun und schreit: „Ein Engel! Wer hat ihm seine Flasche weggenommen? Ich bring sie ihm grad mal!“

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Kritzeln geht immer (tägliches Zeichnen)

Foto und erste Skizze überblendet

Als ich, mal wieder wartend, durch einen kleinen Park in Kalamata schlenderte, fielen mir zwei jüngere Männer auf. Der eine saß auf einer Bank, der andere stand vor ihm. Der Stehende war offenbar ein Tänzer, denn er führte kräftig und anmutig zugleich ein paar ausdrucksvolle Schritte vor dem Sitzenden aus. Ich verzog mich auf eine entfernte Bank, um die beiden zu beobachten und in meinem winzigen Reporterblock zu skizzieren.

erste Skizze

Bei diesen vier stehenden Figuren habe ich die Linien digital ein wenig verstärkt und die vierte Figur ganz rechts von einem anderen Blatt hinzugesetzt.

4 mal die stehende Figur

Hier habe ich die Linien und die Restfarben einer Skizze digital verstärkt und in das obige Foto eingesetzt:

verstärkte Restfarben der Skizze über Foto

 

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Dora zum ZweitenDritten: Zärtliche Zyklamen

Es ist wieder kälter geworden, es regnet viel, und die Schneegrenze ist ein weiteres Mal fast bis zum Bergdorf auf der anderen Seite der Schlucht heruntergekommen.

Wenn man heranzoomt, erkennt man die feine Schneeschicht auf den wenig bewachsenen Bergkuppen.

Bei uns in Meeresnähe aber treibt die Feuchtigkeit Gras und Blüten hervor, und immer wieder leuchtet auch der Meeresspiegel auf. Hier wandern wir grad vorbei an einem Kreis von Bienenstöcken. Dora hat auf der Schulter meines Sohnes Platz genommen, da sie gerne die Übersicht hat. Seine 1.98 sind ihr da gerade recht.

Die Schafe, jung und alt, kommen herbeigerannt, als sie unser ansichtig werden. Sie drücken ihre Schnauze an den Zaun und lassen sich die Nase kraulen, verlieren aber schnell das Interesse und streben, immer als Herdenformation, einem anderen Ziele zu. Schafe sind eben auch Menschen. Dora schlüpft durch den Zaun und nutzt die Gelegenheit für einen kurzen Schafsrückenritt.

Und die Zyklamen? Ja, auch Zyklamen schenkte Dora uns, zärtliche Zyklamen zur Vorfrühlingszeit.

 

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Tödliche Umarmung (abc-etüde)

Endlich liegen wir Armen

Uns in den Armen.

*

Soldaten sind wir, marschiern in Armeen

Über uns die Fahnen wehen.

Blauweißrot

Ich schlag dich tot

Gelb und Blau

Du Russensau.

*

Rauch schwebt über deiner Hütte,

Arme Frau, und keine Bitte

Hat das Feuer ausgetreten

Das dir fremde Mächte säten.

Feurig lodern Horizonte

Man tat’s dir an, weil man es konnte.

*

Deine Haut und meine Haut

Bräutgam ich und du die Braut

Sind vermolzen in dem Feuer

Das zerstört hat das Gemäuer

Unsrer Häuser, unsrer Gärten

Es zerschmolz auch unsre Härten.

*

Mit dem Schießen ist jetzt Schluss

Eins sind wir, aus einem Guss

In dem letzten Todeskuss.

*

Endlich liegen wir Armen

Uns in den Armen.

Lots Weib. digitale Bearbeitung

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abc.etüden 2022 08+09 | 365tageasatzaday

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Dora zum ErstenDritten: Woher hast du die Bilder?

„Was machst du da eigentlich die ganze Zeit?“ fragt mich Dora. „Du liest und runzelst die Stirn. Hast du nichts Besseres zu tun? Ich langweile mich.“

„Langweile dich ruhig ein bisschen“, sage ich. „Besser mal nicht so viel Aktivität, hier bei uns. Mir schwirrt schon der Kopf von all der Aktivität, die da draußen tobt.“ – „Wo da draußen?“ will Dora wissen. „Ich sehe nichts als einen trüben Tag. Langweilig eben“.- „Nun, vielleicht nicht da draußen, sondern hier drinnen“, sage ich und klopfe an meinen Kopf. – „Was ist dadrinnen?“ – „Bildersturm, Menschenansammlungen, Kriegsgeschrei. Sirenen, Panzer, brennende Häuser, weinende Kinder, tote Soldaten…“ – „O, interessant! Darf ich mal reingucken in deinen Kopf?“  „Meinetwegen, Dora, aber sehen wirst du da nichts. Gedanken sind ja unsichtbar.“ – „Aber du siehst doch Bilder, oder?“ – „Ja, schon, liebe Dora. ICH sehe sie, aber ein anderer kann sie nicht sehen.“ – „Und woher hast du die Bilder, die du in deinem Kopf siehst?“ .

Eine gute Frage. Woher habe ich die Bilder in meinem Kopf? Also von Draußen jedenfalls nicht, da hat Dora recht. Da gibt es nur einen etwas trüben Tag zu sehen. Und von hier drinnen sind sie auch nicht, der Raum ist möbliert wie immer und zu dieser Nachmittagsstunde vollkommen ruhig. Woher also habe ich die Bilder in meinem Kopf?  TV-Übertragung von Kriegsszenen? Aber ich sehe ja nicht fern. Erinnerungen? Werden Wörter zu Bildern? EinBildungen?

Zum Glück gibt es Dora, die meine Grübeleien unterbricht. „Komm schon! Draußen ist es gar nicht so schlecht. Schau mal, das Gras! Wie hoch es steht! Und der Ginster blüht auch“

 

 

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Natur II (Themenwort der Woche)

Eigene Bilder zu dem, was ich hier auszudrücken versuche, habe ich nicht. Also nehme ich ein Video, das ich bei der WELT fand. Ich hoffe, das ist erlaubt. Sonst entferne ich es natürlich.

Sind diese Tötungsmaschinen Natur? Wenn nicht, was dann? Der Mensch (Natur), der Materialien, der Natur abgerungen, in hoch komplizierte Maschinen zu verwandeln und zu handhaben versteht und bereit ist, sie gegen andere Natur (Menschen, Umwelt) einzusetzen – folgt er seiner Natur? Ist er Natur?

Ist der Mensch Natur oder Nicht-Natur? Anti-Natur? Verfügt er über etwas, über das andere Naturwesen nicht verfügen? Geist, Intelligenz, Vernunft, Dummheit? Deine Gedanken dazu interessieren mich.

Da es sich nicht um ein eigenes Foto handelt, verlinke ich es nicht mit Wortmans Themenwort-Projekt.

ps. Ich habe das Thema „Panzer“ natürlich aus aktuellem Anlass gewählt. Dazu auch Waffenhandel – deutsche Waffe als Exportschlager, bei Planet Wissen. :

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