Impulswerkstatt: Meer

https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2021/11/02/einladung-zur-impulswerkstatt-november-dezember-2021/

„Ein Foto vom Meer darf natürlich nicht fehlen. Dies ist eines ohne nennenswerte Wellen, ohne Schiffe und ohne Strand. “ So schreibst du in deiner Einladung, liebe Myriade. Ich weiß nicht, wo dies Foto aufgenommen wurde. Es ist eine Atmosphäre, die auch hier heute herrschte. Nun, nicht ganz dieselbe, natürlich.

Es war um die Mittagszeit, und ich kam von Besorgungen aus Kalamata zurück. Still und leer das Meer. Die melancholische Stimmung des beginnenden Winters, die ich liebe, hüllte den Geröllstrand, das Meer, die ferne Landzunge ein. Nach rechts schaute ich…

und nach links, unentschlossen, wo ich mich niederlassen sollte, um zu sinnieren und vielleicht auch ein wenig zu zeichnen.

An diesem Strand gibt es überall kleine Bauten, um den sommerlichen Gästen das Sitzen direkt am Meer zu ermöglichen. Sie bestehen meist aus dicken Bohlen, ein paar Blumenkästen, Tischen, Stühlen und Bänken, und Sonnenschirmen. Auf einen vom nächtlichen Regen noch feuchten Stuhl mit Korbgeflecht setzte ich mich und zeichnete das…. Fast-Nichts. Kennst du den Roman „Oceano Mare“ von Alessandro Baricco?  Da gibt es einen Maler, der malt das Meer mit Meerwasser. „Nichts“ sehen die Menschen, die seine Bilder anschauen.

Obgleich ich das Buch von Baricco sehr liebe, ging ich nicht so weit wie dieser Maler, sondern zeichnete mit Kugelschreiber, bemüht, in dem Fastnichts doch noch das eine und andere festzuhalten: einen Horizont,  ins Meer hineingebaute Buhnen, Wolken und Geröll. Wolkenschatten auf der spiegelnden Oberfläche.

Am Meer zu sitzen und in das Fast-Nichts hineinzuträumen – wer hätte da Einwände? Wer braucht da „Etwas“, um das Fast-Nichts zu füllen? Ich nicht. Aber beim Zeichnen ist es denn doch etwas fad, sich mit ein paar Linien begnügen zu müssen. Also wechselte ich meinen Sitzplatz, schaute von dort nach rechts zu den drei zusammengefalteten Sonnenschirmen, entdeckte auch am Horizont drei Tanker, die vor der gegenüberliegenden Küste vor Anker lagen. Vorn links aber sah ich drei Holzpfähle, Reste einer Buhne, die der Küste ungenügenen Schutz bot.

Von den Sonnenschirmen machte ich gleich noch ein Extra-Portrait: Sie stehen da wie drei wanderlustige Wesen, denen man den Rock zusammengebunden hat, denn Wolken und Berge locken gar zu sehr.

„In Wirklichkeit“  sahen die Schirme so aus – daneben überblendet mit der Zeichnung.

Ganz ähnlich wie auf deinem Foto, Myriade, gibt es auch hier eine Mole. Aber sie ist aus schweren groben Bruchsteinen gebaut – ein Verteidigungswerk gegen die winterlichen Überflutungen. Um drauf spazieren zu gehen, sind sie nicht geeignet. Ich zeichnete sie hier zusammen mit der Kulisse unseres Dorfes und einer müde herabhängenden griechischen Nationalflagge.

Und hier eingepasst in ein Foto, das ich in eben dieser Blickrichtung machte.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Collage, Dichtung, Fotografie, Impulswerkstatt, Leben, Meine Kunst, Natur, Psyche, Träumen, Vom Meere, Zeichnung, Zwischen Himmel und Meer abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Impulswerkstatt: Meer

  1. Leela schreibt:

    ein Sonnenschirmgeist… 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Johanna schreibt:

    Was für charaktervolle Sonnenschirme !

    Gefällt 1 Person

  3. Myriade schreibt:

    Nun, es ist ein anderes Meer, aber für mich vermittelt jedes Meer oder sogar jede größere Wasserfläche den Eindruck von Weite, von Weite des Blicks und Weite des Geistes. Winter am lieblichen Mittelmeer ist anders als am stürmischen, kalten Atlantik und doch sind beide Formen des Winters einander ähnlicher als der Winter im Inneren des Kontinents.
    Die letzte Überblendung mag ich sehr, weil ich sie sehr klar und daher eindrucksvoll finde. Die Überblendung der Sonnenschirme finde ich verwirrender…
    Ein schöner Beitrag von Meer zu Meer! Danke dir!

    Gefällt 1 Person

  4. Gisela Benseler schreibt:

    Leicht und locker gezeichnet.

    Gefällt 1 Person

  5. Peter Klopp schreibt:

    Erstaunlich, wie du mit ein paar Strichen mit dem Kugelschreiber eine ganze Landschaft hervorzaubern kannst. Die Skizzen gefallen mir sehr.

    Gefällt 1 Person

  6. bernhard1965 schreibt:

    Faszinierend, die Malerei, könnte ich nicht so hinbekommen 😀

    LG Bernhard

    Gefällt 1 Person

  7. Wie schön ist Deine Sonnenschirmparade, liebe Gerda,
    vor allem auch als überblendete Zeichnung!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.