Die Griechen von Mariupol (Ukraine)

Nicht so sehr nach Kiew wie nach Mariupol schauen die Griechen (und nun auch ich) in diesem fürchterlichen Konflikt. Denn dort leben seit undenklichen Zeiten Griechen, mit eigener Kultur, Sprache und Tradition. Der Name der Stadt selbst ist griechisch: Marienstadt.

Dieses Foto habe ich einem griechischen Zeitungsartikel entnommen. Meine Informationen entstammen griechischsprachigen Artikeln der Tagespresse. Es gibt auch deutschsprachige Quellen über Mariupol, beispielsweise im vergangenen Jahr bei BR über gewaltige Umweltprobleme, Konflikte und Geschichte der Stadt hier, doch die setzen verständlicherweise den Aktzent nicht beim Griechentum der Stadt.

Hier siehst du, warum Mariupol so traurig aktuell ist:

Die Industrie- und Hafenstadt von einer halben Million Einwohnern, davon ca 90 000  (nach anderen Zählungen 150 ooo) Griechen, liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zur Provinz Donetsk und ist ein bedeutender Hafen mit Schwerindustrie des sowjetischen Typus. Den Titel der „schmutzigsten Stadt der Ukraine“ hat sie sich durch die beiden Stahlwerke Asovstal und Iljitsch verdient, die im Besitz von Rinat Achmetov  sind. 25 000 Menschen arbeiten Tag und Nacht allein in Asovstal. Anstatt der dringend benötigten Filteranlagen kaufte Achmetov, der Reichste der ukrainischen Oligarchen, die teuerste Immobilie der Welt (die Villa König Leopolds II. von Belgien an der Côte d’Azur – auch er ein „Menschenfreund der besonderen Art“) für 200 Mio Euro. (Quelle hier).

Das berüchtigte Nazi-Asov-Regiment, das 2014 das Gewerkschaftshaus von Mariupol in Brand steckte –  40 Menschen kamen ums Leben (Foto: dpa) …..

Eine Frau trauert in dem teilweise ausgebrannten Gewerkschaftsgebäude in Odessa, in dem am Freitag über 40 Menschen starben.

(Foto: dpa)

und dem sehr viele Menschenrechtsverbrechen angelastet werden, hat seinen Sitz in der Region. Diese und andere Nazis, die als Freiwilligenverbände seit einigen Jahren in die reguläre Ukrainische Armee integriert wurden, sind auch der Anlass oder Grund für den russischen Einmarsch und für ie Bereitschaft Israels, im Krieg zu vermitteln. Die vom CIA gefütterten und mit Waffen vollgestopften Asov-Banden verhindern zur Zeit die Evakuierung der Bevölkerung (insbesondere auch der russischsprachigen Griechen), die sie als lebenden Schutzschild benutzen. (Unterschiedliche Darstellungen bei: Der Spiegel, Russia Today, Deutsche Welle).

Die griechische Besiedlung der Küsten des Schwarzen Meeres begann im 6. vorchristlichen Jahrhundert. Die kaum erschlossene Küste des Asovischen Meeres wurde durch einen Erlass der Zarin Katerina 1778 zum Siedlungsgebiet für Griechen der Krim, als das Osmanische Reich für die christliche Bevölkerung zur Bedrohung wurde.  Von 1810 bis 1873 hatte die Region  eine eigenständige griechische Gebietsverwaltung, und Nichtgriechen durften sich sis 1859 nicht dort niederlassen. Die Bevölkerung wuchs stark insbesondere nach Fertigstellung der Eisenbahnlinie. Der Hafen von Mariupol wurde, nach Odessa, der wichtigste des Russischen Reiches. Schwerindustrie siedelte sich an und bestimmt bis heute das Leben. Während der Russischen Revolution und des anschließenden Bürgerkriegs verlor es wieder viel seiner Bedeutung.  Viele Griechen  wurden in den Jahren des Stalinismus nach Sibirien umgesiedelt. Vom 8.10.1941-43 wüteten die Deutschen in Mariupol, brachten Unheil auch über die verbliebenen Griechen. Die große jüdische Gemeinde wurde fast ganz vernichtet.

Wie lebendig das dortige Griechentum im Jahr 2021 trotzdem noch ist, zeigte sich bei der „Mega Giorti“ (Großes Fest) am 21. Oktober 2021, anlässlich des 200. Jahrestags der „griechischen Revolution“, mit der das Griechentum weltweit des Beginns des Befreiungskampfes gegen das Osmanische Reich gedachte (Video auf Ukrainisch, leider ohne Untertitel).

Nun herrschen dort wieder Krieg und Vertreibung, Hunger und Angst. Wieviele dieser liebenswürdigen Menschen werden sich aus den Trümmern retten können?

Im Umfeld der Stadt gibt es 29 griechische Dörfer. Die Bewohner nennen sich Rumäi und sprechen die „rumäische Sprache“ – von „Rum“  (Römer), wie die Griechen in Konstantinopel, der Hauptstadt des Oströmischen Reiches, genannt wurden.  Es ist ein Dialekt des Griechischen, der nur hier gesprochen wird und daran erinnert, dass das Reich von Byzanz sich bis hierher erstreckte, bevor es von anderen Mächten zerstört wurde.

Wie konnten sich griechische Sprache und kulturelle Eigenheiten über so lange Zeiträume halten? Durch die Kirche und die Schulen. Die Schulbildung der Kinder lag in den Händen der Gemeinden, die zugleich kirchliche wie weltliche Aufgaben erfüllten. Bereits 1687 gab es in der „Kirche der Erzengel Michael und Gabriel“ in Nezin eine griechische Schule.  Ein erstes „Gymnasium für höhere Wissenschaften“ wurde in Bezborontcko gegründet. Seit 1824 entstand in Mariupol die erste griechische Schule. Eine Höhere Militärschule („Griechisches Gymnasium“) wurde mit Erlass von Katerina 1775 in Cherson gegründet .

Auch in Odessa wurden seit 1814 griechische Schulen gebildet. Bedeutend war die von wohlhabenden Kaufleuten finanzierte „Griechische Handelsschule“.

Schulkinder, Mariupol, Ukraine, beim jährlichen Schulfest.

Quelle: protagon

Erinnerung ans klassische griechische Altertum in Mariupol:

Quelle: protagon

Evzonen in Mariupol

Ουκρανία: Οδοιπορικό στη Μαριούπολη των Ελλήνων | Protagon.gr

Quelle: protagon

PS.  Was ist das Asov-Regiment und der Rechte Sektor? Ich fürchte, zu wenige wissen, dass es sich um echte neo-nazistische Kampfverbände handelt, die gegenwärtig einen heftigen Zulauf von international verbandelten extrem rechten „Kämpfern“ erhält. Die Ukraine ist das einzige Land weltweit, das solche offen nationalsozialistischen, suprematistischen Freiwilligenverbände in seine reguläre Armee integriert hat. Momentan wird in Europa nicht nur ein schrecklicher Krieg geführt sondern es bildet sich auch ein neo-nazistisches Schlangennest, in dem all die, die man eben noch meinte unter Kontrolle zu haben, erneut ihr Weltbild mit Brutalität und Krieg durchzusetzen versuchen.

Seid wachsam!

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Wortman Themenwort No 6: Ordnung

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„Ordnung muss sein“.  Die Schuhe hängen nicht von der Decke, sondern stehen dort, wo sie sollen: auf dem Boden. Die Lampe ist, damit sie nicht umfällt, ordentlich mit zwei Steinen beschwert. Ist das nun Ordnung? Ich finde: ja, durchaus. Es ist eine lebensnahe Ordnung.

Das Thema „Ordnung“ ist freilich sehr sehr viel größer als die Anordnung von Schuhen im Raum. Historisch durchlaufen wir gerade eine Phase extremer Unordnung. Denn eine schlimmere Unordnung als den Krieg gibt es nicht, auch wenn die Armeen der Inbegriff von Ordnung zu sein scheinen. Das ist die Dialektik der Ordnung. … Eben schaute ich nach, ob zu diesem Thema schon etwas geschrieben wurde. Und tatsächlich: unter eben diesem Titel erschien ein Buch von Zygmunt Bauman: Dialektik der Ordnung: Die Moderne und der Holocaust. Oxford 1989. Bauman ist Professor in Tel Aviv, Warschau und Leeds.

Bei Bücher.de gibt es eine Besprechung (Roland Große Holtforth, literaturtest.de). Ich zitiere: Die „Betonung und Erklärung des Holocaust als deutsches Verbrechen ist verhängnisvoll, denn sie führt dazu, dass alle anderen und insbesondere alles andere entlastet sind.“ … Die systematische Menschenvernichtung … wurde inmitten einer modernen, rationalen Gesellschaft konzipiert und mit Akribie ausgeführt, in einer hochentwickelten Zivilisation und im Umfeld außergewöhnlicher kultureller Leistungen.

Und das heißt, möchte ich hinzufügen: Systematische Menschenvernichtung ist weder ein deutsches noch ein einmaliges Phänomen. Unsere moderne, rationale Gesellschaft hat die Eigenschaften, die seine Wiederholbarkeit ermöglichen.

***

Ιn einem Kapitel zum „Griechischen Alphabet des freien Denkens“ habe ich über das Begriffspaar Ordnung-Chaos nachgedacht. Falls du Lust hast zu schauen – hier ist der link:

Griechisches Alphabet des freien Denkens: T wie ΤΑΞΗ/Ordnung, Klasse

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Dora zum FünftenDritten: Eleni und der Esel

Wieder führte uns unser Weg über das Bergdorf hinaus. Wandernd sprachen wir über dies und das: über Weltentwicklung, Erwartungen, Zukunftspläne, zumal dies der letzte Tag meines lieben Besuchers hier ist. Unsere Unterhhaltung wurde unterbrochen durch einen prächtigen Esel, der im Gebüsch neben der Landstraße graste. In einem Seitenbeutel steckten mehrere Laibe Brot, darüber hing ein Regenschirm. Seine Besitzerin war durch das Gebüsch verborgen.

Dora, kaum wurde sie des Esels ansichtig, sprang auf seinem Sattel und schrie „Hü, hott!“ Der Esel ließ sich dadurch freilich nicht aus der Ruhe bringen. Seine Besitzerin…

… kam hinter dem Gebüsch hervor und winkte mit einem Strauß roter Anemonen, den sie soeben von der Wiese gerupft hatte. Sie wollte uns die Blumen schenken und natürlich auch ein wenig plauschen. Woher? Wohin? Von welchen Eltern? Auch wir fragten, und so erfuhren wir: sie sei aus Altomira – das ist ein verlassenes Dorf in den Bergen, von dem ich gelegentlich erzählte (hier) – , aber sie lebe nun schon seit 30 Jahren hier unten. Unverheiratet und kinderlos, zwei Ziegen habe sie noch und den Esel – und liebevoll-zärtlich schaute sie zu ihm hin, worauf er sich neben sie stellte und bestätigend nickte, wie Esel es tun.

Später wurden wir vom Regen überrascht und suchten Schutz in einem aufgegebenen Busunterstand. Während der Regen aufs Blechdach und auf den Asphalt der Straße pladderte, redeten wir über dies und das: über die Weltentwicklung, die Flüchtlinge, die eigene Identität zwischen zwei Kulturen und was es bedeutet, Fremder in einem Land zu sein.

„Ist diese Frau, die lebt wie in uralten Tagen, nicht auch eine Fremde im eigenen Land?“ Alle rundum haben sich verändert, und so blieb sie allein mit ihren beiden Ziegen, dem Esel und dem spärlichen Feuerholz, das sie gesammelt und dem Esel aufgebunden  hat, um es am Abend in den Holzofen zu werfen, die Kleidung zu trocknen und die alten Knochen zu wärmen, wie immer schon. Von den Weltläuften – nein, davon weiß sie nichts. Wozu auch.

 

 

 

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Dora zum ViertenDritten: Himmelblaues Blümelein

Als Dora merkte, dass ich in düstere Gedanken abriften wollte, erhob sie sich ins Blau des Himmels. Ich blinzelte und versuchte, ihrem Flug zu folgen, aber es gelang mir nicht.   Kurz darauf kam sie strahlend zurück und überreichte mir ein himmelblaues Blümelein .  Danke, Dora! Du hast mal wieder meinen Tag gerettet.

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Herz bleib kalt! (2016 reblogged)

Herz bleib kalt! Hand halt das Steuer!

„Ich versuche, Kurs zu halten, doch das ist nicht einfach. Denn es stellt sich die Frage: wo ist vorwärts, wo ist zurück? wo ist Osten, wo ist Westen?…

Ich wollte Ephesos erreichen und mit dem alten weisen Heraklitos tiefsinnige Gespräche über den ΛΟΓΟΣ (Logos) und die Frage führen, was er denn wohl meinte mit dem Satz, der Krieg sei der Vater aller Dinge.“

Das Legebild entstand 2016 aus einem zerrissenen Bild, auf dem ich Flüchtlinge dargestellt hatte.

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Was ist eigentlich aktuell auf dem damals so heiß diskutierten Kriegsschauplatz Syrien los?

 German-Foreign-Policy.com, Do., 3. März um 23:00 (eigener Bericht)

Die ignorierte Invasion

Die Türkei, ein enger Verbündeter Deutschlands, verstärkt im Windschatten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ihre militärischen Angriffe auf ihr Nachbarland Syrien. In den vergangenen Tagen wurden erneut türkischer Artilleriebeschuss und Drohnenangriffe auf die kurdischen Gebiete Nordsyriens gemeldet; dabei wurden zahlreiche Zivilisten verletzt. Wenige Wochen zuvor war es zu einem Großangriff der türkischen Luftwaffe gekommen: Ankara ließ die nordostsyrische Region Hasakah bombardieren, nachdem es dort kurdischen Kämpfern gelungen war, einen Gefängnisaufstand des Islamischen Staates (IS) niederzuschlagen. Die Türkei hält seit Jahren mehrere Regionen Nordsyriens besetzt, errichtet dort türkische Infrastruktur und bindet die Gebiete an ihr Verwaltungssystem an, während die ursprünglich ansässigen syrischen Kurden in wiederkehrenden ethnischen Säuberungen vertrieben werden. Deutschland, traditionell ein bedeutender Waffenlieferant der Türkei, und die NATO, deren zweitgrößte Streitkräfte Ankara stellt, tolerieren die türkische Invasion in Nordsyrien und begünstigen sie zeitweise sogar.

 

 

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Aus aktuellem Anlass: Contro le Guerre

Überblendung von Foto und Zeichnung (Bruno Martinazzi „Contro la guerre“)

Aktuell ist dies Plakat in unserem Wohnzimmer leider immer. Nun aber ist der eine Krieg in aller Munde. Ich schaue auf die Bilder, lese die Geschichten und schaudere. Krieg in den Köpfen, Krieg in den Gemütern, Krieg in den Herzen. Krieg Mensch gegen Menschen. Man hat für oder gegen, pro oder contra zu sein. Man bekennt sich.

(Leider erinnere ich mich nicht, wo ich dies Foto fand)

 

Also bekenne auch ich:

Ich bin für das Leben und gegen den Krieg

Contro le Guerre

 

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Dora zum DrittenDritten: Ein Engel

Ein weiter Spaziergang bringt uns im kühlen hellen Vorfrühlingslicht über das Bergdorf hinauf und hinaus. Weiß leuchtet der Berg, den in der Nacht Neuschnee bedeckte, weiß leuchten auch die Wiesen der kleinen Margeriten unter den alten Ölbäumen. Dazwischen immer wieder rote Einsprengsel der Anemonen, zarte Blüten der blauen Iris und allerlei rosa und hellviolette Blütenpolster. Auch die wilde „Hyazinthe, die eine Orchidee ist“, begegnet uns, sogar gleich an mehreren Stellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dora rollert zwischen uns auf einem helleren Streifen des Straßenbelags, wo offenbar  ein Rohr verlegt worden ist.  „Hehe!“ schreit sie. „Nun lasst mal das Denken und Grübeln! Dies ist ein Tag vom Besten, Besseres weiß ich euch wirklich nicht zu schenken!“

O ja, sie hat recht. Und so schicken wir die traurigen und sorgenvollen Gedanken ins vorläufige Exil und schauen uns um, reden mit dem einsamen Hund, der heute nicht mal Schafe zu bewachen hat, betrachten die schöne alte und die manchmal lächerliche und pompöse neue Architektur der wenigen Häuser, schauen hinüber zum goldglänzenden Spiegel des Meeres, grüßen auch einen Briten, der drei große Hütehunde spazierenführt….

und schmunzeln über die ausgesucht kitschigen Verzierungen an einem aus vielen Teilen zusammengesetzten Haus. Dora hüpft auf den Zaun und schreit: „Ein Engel! Wer hat ihm seine Flasche weggenommen? Ich bring sie ihm grad mal!“

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Kritzeln geht immer (tägliches Zeichnen)

Foto und erste Skizze überblendet

Als ich, mal wieder wartend, durch einen kleinen Park in Kalamata schlenderte, fielen mir zwei jüngere Männer auf. Der eine saß auf einer Bank, der andere stand vor ihm. Der Stehende war offenbar ein Tänzer, denn er führte kräftig und anmutig zugleich ein paar ausdrucksvolle Schritte vor dem Sitzenden aus. Ich verzog mich auf eine entfernte Bank, um die beiden zu beobachten und in meinem winzigen Reporterblock zu skizzieren.

erste Skizze

Bei diesen vier stehenden Figuren habe ich die Linien digital ein wenig verstärkt und die vierte Figur ganz rechts von einem anderen Blatt hinzugesetzt.

4 mal die stehende Figur

Hier habe ich die Linien und die Restfarben einer Skizze digital verstärkt und in das obige Foto eingesetzt:

verstärkte Restfarben der Skizze über Foto

 

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Dora zum ZweitenDritten: Zärtliche Zyklamen

Es ist wieder kälter geworden, es regnet viel, und die Schneegrenze ist ein weiteres Mal fast bis zum Bergdorf auf der anderen Seite der Schlucht heruntergekommen.

Wenn man heranzoomt, erkennt man die feine Schneeschicht auf den wenig bewachsenen Bergkuppen.

Bei uns in Meeresnähe aber treibt die Feuchtigkeit Gras und Blüten hervor, und immer wieder leuchtet auch der Meeresspiegel auf. Hier wandern wir grad vorbei an einem Kreis von Bienenstöcken. Dora hat auf der Schulter meines Sohnes Platz genommen, da sie gerne die Übersicht hat. Seine 1.98 sind ihr da gerade recht.

Die Schafe, jung und alt, kommen herbeigerannt, als sie unser ansichtig werden. Sie drücken ihre Schnauze an den Zaun und lassen sich die Nase kraulen, verlieren aber schnell das Interesse und streben, immer als Herdenformation, einem anderen Ziele zu. Schafe sind eben auch Menschen. Dora schlüpft durch den Zaun und nutzt die Gelegenheit für einen kurzen Schafsrückenritt.

Und die Zyklamen? Ja, auch Zyklamen schenkte Dora uns, zärtliche Zyklamen zur Vorfrühlingszeit.

 

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Tödliche Umarmung (abc-etüde)

Endlich liegen wir Armen

Uns in den Armen.

*

Soldaten sind wir, marschiern in Armeen

Über uns die Fahnen wehen.

Blauweißrot

Ich schlag dich tot

Gelb und Blau

Du Russensau.

*

Rauch schwebt über deiner Hütte,

Arme Frau, und keine Bitte

Hat das Feuer ausgetreten

Das dir fremde Mächte säten.

Feurig lodern Horizonte

Man tat’s dir an, weil man es konnte.

*

Deine Haut und meine Haut

Bräutgam ich und du die Braut

Sind vermolzen in dem Feuer

Das zerstört hat das Gemäuer

Unsrer Häuser, unsrer Gärten

Es zerschmolz auch unsre Härten.

*

Mit dem Schießen ist jetzt Schluss

Eins sind wir, aus einem Guss

In dem letzten Todeskuss.

*

Endlich liegen wir Armen

Uns in den Armen.

Lots Weib. digitale Bearbeitung

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abc.etüden 2022 08+09 | 365tageasatzaday

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