Kunst hilft: und heute?

Am fünften und offiziell letzten Tag der Ausstellung gingen noch mal sechs Bilder – oder wenn man Sofias Erwerbung der vier Variationen einer Blumenvase einzeln zählt, sogar neun – an liebe Menschen, und die Kasse füllte sich weiter.

Und da es weiterhin Interesse gibt, drei Bilder auch noch auf ihre Abholer warten, bleibt die Ausstellung weiterhin bestehen. Ich werde freilich nur noch sporadisch vorbeischauen. Als nächstes sind Beschlüsse über die Verwendung der eingegangenen Spenden und eine Präsentation der Aktion für die Öffentlichkeit fällig. Der Sinn der Präsentation ist einerseits, den Spendern Rechenschaft abzulegen, andererseits, Nachfolgeaktionen anzuregen, durch die stillliegende menschliche Ressourcen außerhalb des üblichen Marktmechanismus nützlich gemacht werden.

Der Gewinn der Aktion ist vielfältig:

Ich bekomme Platz in meinem Atelier (das war mein erster Impuls: weg mit den vielen Bildern!), Mitmenschen, die das Geld für Originalkunst nicht haben oder nicht ausgeben wollen, erwerben gegen eine Spende ein Bild (Verbreitung von Originalkunst), die Spenden füllen eine Kasse, aus der Leistungen für Menschen in Not finanziert werden können (Philanthropie), nebenbei wird auch das Yogazentrum bekannter (Werbung)… und ich sowieso (Selbst-Projektion, Spaß). Und wo sind die Kosten? Es gibt keine, außer ein bisschen Zeit, Gebäck, Getränke und Benzin.

Hier sind sie noch einmal im Überblick zu sehen – die liebenswürdigen Neubesitzer meiner Werke. Vier sind leider ohne Foto geblieben. Ich hoffe, das nachholen zu können.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, Ökonomie, Erziehung, events, Fotografie, Kunst, Leben, Malerei, Meine Kunst, Projekt Alternativen | Verschlagwortet mit , , , | 15 Kommentare

Irisierende Sonnenkringel und Spiegelungen auf dem Meer (kleine Beobachtungen)

„Die Sonnenkringel haben Regenbogenfarben, wenn man gegen das Licht schaut, nicht aber in die andere Richtung“ – bemerkte meine Nichte, die die Phänomene der Natur stets mit Aufmerksamkeit und Freude beobachtet.

Ich hatte die irisierenden Lichtwellenmuster schon bemerkt, doch hatte ich mir keine Gedanken gemacht, in welcher Weise die Richtung der Sonneneinstrahlung dabei eine Rolle spielt. Also stieg ich mit dem Handy ins Meer, um das Phänomen selbst zu beobachten und zu dokumentieren.

Hier steht mir die Sonne im Rücken:

und hier blinzele ich ins Licht. Siehst du die Regenbogenränder?

Nicht? Besser zu sehen sind sie, wenn man etwas heranzoomt.

Irisierendes Meer über Felsen, die Sonne spiegelt sich, und im Schatten der Felsmauer funkelt es silbern lebendig.

zwei Bildausschnitte

Sieht aus, als wäre Benzin ins Wasser gefallen. Doch keine Sorge: Das Meer ist vollkommen klar, es wimmelt von kleinen Fischen und bezaubert, mit und ohne Regenbogen-Effekt.

Die Spiegelungen der Felsen im Schattenbereich sind nicht weniger magisch.

Bildausschnitt:

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur, Vom Meere, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 22 Kommentare

Kunst hilft: Architektonisches Umfeld, Besucherin und Heimfahrt

Von 4-7 Uhr am Nachmittag habe ich wieder meine Ausstellung gehütet. Wie ich so vor der Tür sitze und nichts zu tun habe, lasse ich den Blick über die Häuserfronten wandern.und wundere mich, wie so oft, über die Fähigkeit der Griechen, in einer Ecke so ziemlich sämtliche Stile und Fertigungsstadien der Architektur zu vereinen.

Gegenüber steht ein irgendwann mal begonnene Haus mit „anamones“ (Erwartenden) – so nennt man die aus dem Zement ragenden Eisenstangen, die darauf warten, dass eine weitere Etage fianzierbar wird -, davor zwei stark zurückgeschnittene Maulbeerbäume und daneben, in einer Baulücke, ein aufgebocktes Boot. Das Haus dahinter prunkt mit einer großen fensterlosen weißen Wand. Fensterlos ist sie, weil das Grundstück dort endet, also der vorgeschriebene Sicht-Abstand zum Nachbarn nicht einzuhalten ist. Zur Straße hin hat sich der Architekt etwas ganz Nettes ausgedacht, um die Eintönigkeit der Balkone zu unterbrechen. Auch dieses Haus ist noch nicht fertig gebaut.

Daneben konkurriert eine moderne Fassade  mit einem Wohnhaus älterer Bauweise: dessen Balkone sind an die Fassade angeklebt und vergittert, die Fenster im Erdgeschoss werden durch hölzerne gestrichene Jalousien vor neugierigen Blicken geschützt.

Für die Fassade des Hauses, in dessen Erdgeschoss sich das Yogastudium und andere Geschäftsräume befinden, hat sich der Architekt etwas besonderes einfallen lassen: große Wintergärten stecken wie verglaste Kästen zwischen den rosarot gestrichenen Trennwänden.

Gleich daneben steht ein mehrstöckiges Haus der gewöhnlich-hässlichen Art, das Erdgeschoss aber versucht,  einen traditionellen Baustil vorzutäuschen. Wozu die Steinplatten und der hölzerne Fensteraufsatz, völlig sinnlos unter dem vorragenden Balkon, gut sein sollen? Funktional sind sie jedenfalls nicht.

Am Ende des Sträßchens steht ein weiteres Hausmonster, in dessen Erdgeschoss eine Familie eine etwas kümmerliche Taverne bestreibt.

Das also ist das Umfeld meiner Ausstellung. Ich bin gerne dort, sitze gern in der Sonne auf dem mitgebrachten stoffbespannten Klappsessel und gucke, was sich auf der Straße tut. Natürlich freue ich mich noch mehr, wenn jemand kommt und die Ausstellung sehen will.

Heute machte mir Christina aus unserem Freundeskreis diese Freude. Sie ist Expertin für alte Samen, sehr aktiv im alternativen Landbau und hat mir voriges Jahr mit meinem  kleinen Gemüsegarten geholfen. Heute nahm sie sich die Zeit, meine Dossiers durchzusehen, und erwarb zwei kleine Bilder: ein aquarellierter Bauernhof auf Samothrake und eine Fantasie mit Ölfarbenabdrucken und Aquarell.

Weitere Verkäufe kamen heute nicht zustande, aber es gab ein paar Anfragen. Vielleicht morgen, am letzten Tag der Ausstellung, kommt noch was zustande.Auch so lässt sich das Ergebnis durchaus sehen. Und so sprachen wir mit Sofia auch darüber, welche Personen und Projekte wir mit dem Geld unterstützen wollen. Die Gruppe soll am Wochenende eine Entscheidung treffen.

Auf der Heimfahrt sah ich den bleichen Vollmond über dem Vorgebirge aufgehen, zückte das Handy und fotografierte ihn inmitten gleichgroßer runder Formen. 

Veröffentlicht unter Allgemein, Architektur, ausstellungen, Ökonomie, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Malerei, Meine Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , , | 18 Kommentare

Kunst hilft: Was sich heute tat

Drei Stunden war die Ausstellung heute geöffnet – drei Stunden mit Besuchen und anregenden Gesprächen. Olga, die meine Bilder in ihrem Cafe anbietet, besuchte mich mit ihrer Cousine: die reizende Elektra nahm ein großes Aquarell mit. Sie ist erst seit drei Tagen wieder in ihrer Heimatstadt Kalamata, hat ein großes nun leerstehendes Haus geerbt, und will es für Ausstellungen u.ä. herrichten. Ob ich Interesse hätte? Geld will sie  nicht, nur Fotos möchte sie machen, um bei Instagram für die Einrichtung zu werben und sie bekannt zu machen. Ein Angebot ganz nach meinem Geschmack!

Das Bild zeigt eine Auster mit Perlen, die einmal lichtvoll, dann wieder dunkel erscheinen.

Ein netter Nachbar, der nebenan ein Geschäft für medizinische Beatmungsgeräte betreibt, interessierte sich, konnte sich aber noch nicht zwischen Landschaft und Seestück entscheiden.

Eine ganz junge Frau aus der Zeichenschule besuchte mich, betrachtete alles genau, und ich hatte die Freude, ihr auch die in einem Dossier gelagerten großen „experimentellen“ Stücke zu zeigen, die ich nicht auslegen wollte. Ihr Lieblingsbild war das Gartenstück in Kohle, das ich erst kürzlich, im April, zeichnete.

Und dann kam schon die Yoga-Lehrerin Sofia mit zwei ihrer Schülerinnen, um Unterricht zu machen. Die eine hat zehn Jahre lang in Deutschland gelebt – in Köln und Wuppertal -, und ihr Sohn lebt nun in Frankfurt. Sie freute sich, sich mit mir auf Deutsch zu unterhalten, und Sofia freute sich, dass sie alles verstand. Sie hat deutsche Philologie studiert, aber ihre Kenntnisse nie genutzt.

So gefällt es mir: eine ganz informelle Ausstellung, in der man sich gut unterhalten kann, neue Menschen kennenlernt, ihnen die eigene Kunst und die Techniken erklären und nebenbei auch noch ein Bild gegen Spende an die Frau bringen kann.

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, Erziehung, Fotografie, Kunst, Leben, Malerei, Materialien, Meine Kunst, Psyche, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 13 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Träume vom weißen Pferd

Es stand so schön im Licht, da oben am Hang, schaute zu uns herab und wollte fotografiert sein! Aber mein Handy lag zu Hause. Zum Glück habe ich lieben Besuch mit ausgezeichnetem Fotoauge.

Am Strand dann legte ich mich in die strahlende Weiße der Steine, den Kopf auf dem toten Tamariskenstamm, schlief ein und träumte vom weißen Pferd.

Fotos: Johanna Benseler

Dieser Traum ist schon älter. Er nahm Gestalt an in einem Entwurf  zur Tarotkarte „Sonne“, mit weißem Pferd und Kindern im Licht.

Dieselben Motive habe ich auch für die Karte „die Liebenden“ ausprobiert.

 

Das weiße Pferd habe ich aus einem größeren Bild von Hans Baldung-Grien kopiert. Das Original hängt in Karlsruhe: https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Hans-Baldung/Der-behexte-Stallknecht/06F807909FF440468AA7571C89760B5A/

Es hat mich zu vielen träumerischen Collagen inspiriert:

Pferd-Collagen

und auch hier:

Hund Tito schaut mit aufgerissenen Augen auf das Pferd, das seinerseits mich anschaut.

Liebes Pferd! Lieber Tito! Lieber Besuch!

Pegasus ist natürlich auch ein Pferd. Ein Dichtergaul, auf das ich mich manchmal schwinge. Ihm habe ich so manches Legebild und auch eine abc-etüde gewidmet.

Kata-Strophen im Krisenmodus (abc-etüde)

den Pegasus reiten

Veröffentlicht unter abc etüden, Allgemein, Dichtung, elektronische Spielereien, Fotocollage, Fotografie, Katastrophe, Kunst, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten, Tarotkarten-Legebilder, Tiere, Träumen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 18 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Am Ende eines langen Tages … Abendspaziergang

Der Tag war bis oben gefüllt, denn ich habe nicht nur lieben Besuch, sondern hatte auch einen sehr anstrengenden Aufstellungstermin, wir waren nicht nur schwimmen, sondern hatten auch starke Gespräche, es galt wohlschmeckendes Essen zu verdauen und eine schönen großen Igel zu beerdigen, der, ich weiß nicht wie, in unserem Garten verendet ist.

Am Abend gingen mein Mann und ich den gewohnten Weg hinauf und hinunter – zufrieden und ein wenig erschöpft.

Morgen habe ich wieder Ausstellungspflichten. Darauf freue ich mich. 

Von der gestrigen Schnipselkunst-Einlage habe ich ja berichtet. Hier seht ihr mich noch mal in Aktion.

Und hier fordere ich einen kleinen Jungen heraus, indem ich ihm Schnipsel zeige und finster frage, ob sie etwa überflüssig seien? – und er protestiert und nimmt sie, um sie zu sorgfältig zu platzieren. Ich wiederhole dieses Spiel immer wieder, und immer wieder nimmt er das „überflüssige“ Schnipsel, sucht bedächtig und findet einen Platz dafür, und wir sind beide sehr zufrieden mit der Lösung.

Niemand ist überflüssig, jeder hat seinen Platz! das ist die message, und ich glaube, die hat er verstanden.

Ein anderer Nachtrag: drei weitere Bilder kamen in neue Hände. Damit erhöht sich die Zahl der Bilder auf 18.

Das eine war der Schwan. Er ging an die Besitzerin des Hauses, die auch den Yogasaal vermietet. Sie ist amerikanische Griechin und verstand sofort das Spendenkonzept. In den USA, sagte sie, lerne man das freiwillige Engagement für Mitmenschen in Not bereits in der Schule, quasi als Unterrichtsfach. 

Ein anderes Bild ging an einen ihrer Mieter, der uns mitsamt seinen Kindern besuchte.

Zum dritten Bild habe ich leider kein Foto machen können. Ich habe eine große Freude an diesen Fotos, die den neuen Besitzer mit dem erworbenen Bild zeigen. Wie ich ja geschrieben habe, verschenke ich die Bilder, erwarte aber eine Spende. Und die wird auch immer gern gegeben.

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, Erziehung, events, Fotografie, Kunst, Leben, Legearbeiten, Malerei, Materialien, Meine Kunst, Philosophie, Projekt Alternativen, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 15 Kommentare

„Kunst hilft“, Legespaß mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

„Die einfachen Dinge“, las ich eben bei Beate (Linienspiel), „sind zugleich kostenlos und unbezahlbar“. Genau das war auch meine heutige Message für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die sich zum „Malen“ eingefunden hatten. Natürlich stellte ich ihnen frei, ob sie malen oder sich zu einer Schnipsel-Lektion bereitfinden wollten. Neugierig gemacht, ließen sie sich auf meine Schnipselspielerei ein.

Jede-r bekam ein leeres Blatt Schreibmaschinenpapier. Wertlos? Was soll das schon geben? Nun, machen wir was draus. Jede-r wird aus dem völlig gleichen, armseligen Stück Papier ein ganz eigenes Kunstwerk machen, das niemand anderes machen kann als eben er-sie selbst. Und ich zerriss mein Stück Papier, zeigte ihnen – Wunder der Vermehrung! – wie aus einem blöden Stück Papier viele viele interessante Stücke werden können, aus denen man Bilder und Bildergeschichten machen kann. Vermehren kann man, so zeigte ich ihnen anhand meiner Drucke, auch durch Bearbeitung des Fotos am Computer. Und auf diese Weise ganze Reihen erstellen.

Ich erklärte ihnen auch, dass sie, falls sie wollten, natürlich auch Farben benutzen könnten.

Zögernd machten sich die beiden Kleinsten – Zwillingsbrüder – ans Werk, der eine ganz in sich versunken, der andere unruhig und immer wieder nach einem größeren Jungen ausspähend, der in seinem Block schicke Comic-Figuren zeichnete. Ich überredete die beiden, ihr Werk auf einer roten Matte auszulegen. Und dann sah ich, wie der stille Junge mit großer Inbrunst begann, die Fetzen zu bemalen.

Schaut euch mal die feinen kleinen Kreationen an! Mit ihnen würde ich gerne kunsttherapeutisch arbeiten. Der unruhige Bruder genoss es dann, noch eine wilde Zeichnung aufs Papier zu bringen und zu unterschreiben. Das Schnipseln ist eben nicht jedermans Sache.

Ein 13Jähriger junger Mann, der in Begleitung seiner Mutter ankam und stolz einen Zeichenblock vorwies, in dem er fachmännisch Comic-Figuren, aber auch ein Selbstportrait nach Foto gezeichnet hatte, nahm zwar am Schnipsellegen teil, doch ich konnte ihn nicht motivieren, sich wirklich auf das Spiel einzulassen. Er zog es vor, mit seinen eingeübten Typenbildern Punkte zu sammeln. Seine Anerkennung konnte ich erst erringen, als ich ihm meine sehr akurat gezeichnete Boote im Hafen zeigte. Ja, die fand er toll. So möchte er auch… Mit seiner Mutter kam ich dann in ein Gespräch, in dem ich ihr ein paar Tipps geben konnte.

Zwei Teilnehmerinnen –  eine frühreife 13Jährige und eine kindliche 22Jährige – saßen beieinander und inspirierten sich gegenseitig.

Aus einem einfachen Blatt Papier und ein paar Stiften werden kleine farbige Kunstwerke. Toll, nicht wahr? Die Ältere konnte ich bewegen, ihre bemalten Teile zu neuen Figuren zu legen, aber schließlich kehrte sie zu ihrem Baumhaus zurück. Mit ihr, die durch FB von der Malaktion erfahren hatte, kam ich auch in ein interessantes Gespräch über Herkunft, Studium, Lebenspläne …

Die Jüngere, die öfter mal im Raum zirkulierte und die Werke der anderen begutachtete, machte schließlich auch ein Zweitbild: die Erde, die von einem Kometen getroffen wird.

Die Erwachsenen?

Die Mutter der 13Jährigen machte das erste Bild, das zweite ist eine Kooperation der beiden Mütter, das dritte legte eine ältere Teilnehmerin

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, Erziehung, Kinderzeichnung, Kunst zum Sonntag, Leben, Materialien, Methode, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , , , | 3 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Starbesuch in der Ausstellung „Kunst hilft“

Wenn ihr einen wirklichen Starbesuch sehen wollt, müsst ihr nicht bei mir, sondern bei Jürgen vom Linsenfutter-Blog vorbeischauen. Ich meine das Wort im übertragenen Sinne. Heute kam ein kleines Mädchen, A, mit seiner Mutter und einer anderen Frau zur Ausstellung und schaute sich um. Wir hockten uns gemeinsam auf den Boden und besahen die Bilder in der Mappe, und ich erklärte, wie und wo ich sie machte. Am Ende suchte sich jede ein Bild aus – oder auch zwei.

Eindruck machte mir A’s Wahl. Man soll niemals die Kinder unterschätzen!

Sie wollte dies Bild in ihrem Kinderzimmer aufhängen. Weil sie sich so für die Malerei interessiert, erklärte ich ihr auch die Kratztechnik und schenkte ihr ein Bild, damit sie es selbst mal ausprobiert.

Für ihren älteren Bruder, der nicht mitkommen konnte, suchte die Mutter ein martialisches Bild aus.

Die mitgekommene Freundin erwarb gleich zwei farbenfrohe Aquarelle und verliebte sich noch in etliche andere Bilder.

Später kam noch eine andere Frau unserer Gruppe und suchte sich ein Tulpenbild aus.

Wie ihr euch denken könnt, freue ich mich sehr über dieses Interesse an meinen Bildern. Natürlich sind es vor allem die kleinen und „eingängigen“ Aquarelle, die ihre Liebhaber finden, doch zeigen sich die Besucher auch von den großen Bildern beeindruckt, die sie aus Gründen des Preises und der benötigten freien Wandfläche dann aber doch lieber stehen lassen.

Morgen werde ich wieder die Ausstellung hüten und gegen Abend mit Kindern malen. Also bleibt nicht viel Zeit, um eure Blogeinträge gebührend zu würdigen. Später! Gute Nacht!

 

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, Erziehung, Fotografie, Kunst, Leben, Malerei, Meine Kunst, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , , , | 11 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Aufstellungseröffnung „Kunst hilft“

Heute abend war die Eröffnung der Ausstellung in Sofias Yogaraum. Schweißtreibend heiß war es, gemütlich und freundschaftlich. Zehn Bilder fanden neue Besitzer.

Zwei Freundinnen hatten für ein kleines Büffet gesorgt, mit tollem Feigenkaktussaft, Rotwein, eigenem Gebäck und anderen Leckereien.

Bevor die Besucher kamen:

Vor der Eröffnung hatte eine Yogalehrerin mit Kindern die Bilder beschaut: jedes Kind suchte sich ein Bild aus, um sich dann „hineinzuversetzen“. Am Sonntag werde ich mit ihnen malen. Dies sind die Bilder, die sich die Kinder ausgeguckt hatten:

Der Sonnenuntergang faszinierte auch ein kleines Mädchen, es strebte immer wieder zu dem Bild hin.

Im Vorraum lagen Mappen aus, die das Interesse weckten.

Übergabe der erworbenen Bilder!

Morgen und übermorgen werde ich wieder dort sein. Mal sehen, ob sich noch einige Freunde, die verhindert waren, einfinden. Ich freu mich drauf.

Veröffentlicht unter Allgemein, ausstellungen, events, Fotografie, Kunst, Leben, Malerei, Meine Kunst | Verschlagwortet mit , , , , | 35 Kommentare

Das Numinose* oder zwei Formen der Demut (Fetzenbilder nachgereicht)

Nachreichen möchte ich zwei aus Papiertüte-Fetzen gelegte Bildchen, die ich gestern vergaß zu zeigen.  Sie illustrieren das, was man das „Numinose“ nennt: Schauer und Faszination vor dem Übermächtigen, Göttlichen (siehe Beispiele unten)

„Anbetung“ nenne ich das erste: Zwei Personen haben eine Figur gebaut, vor der sie  demütig niederknien, das Haupt gesenkt, das Herz voller Anbetung und Frömmigkeit. Die Kunst ist voll von solchen Darstellungen. Wen beten sie an – wenn nicht sich selbst in einer höheren Form, als Herrscher und Gekrönten?

„Vor dem Mysterium“ nenne ich das zweite Bild: Ein Menschlein steht vor den wunderbaren Erscheinungen der Natur und Geisterwelt, versucht mit einem ihrer Vertreter ins Gespräch zu kommen, bittet um Einlass. Wird ihm Zugang gewährt? Vielleicht, wenn er die rechte Demut und Frömmigkeit aufbringt. Im Hintergrund wartet schweigend ein Baum und horcht, ein anderer hat sich steil aufgerichtet und abgewandt. 

Das Papier, aus dem ich diese Bildchen legte, ist aus einem lebendigen Baum gemacht. Die Elektronik, die mir die Versendung gestattet, ist nach Vernichtung der unbetretenen Wälder möglich worden. Das Numinose ist Teil der Warenwelt geworden.

———————————————

*Das Numinose (DWDS, Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute, Quelle)

das Göttliche als unbegreifliche, zugleich Vertrauen und Schauer erweckende Macht
Beispiele:
[Religionspsychologe Rudolf] Otto hatte das Heilige als das »Numinose« bestimmt, abgeleitet vom lateinischen Wort für göttliche Wesen. Dieses Numinose ist vor allem durch das Moment des »tremendum« bestimmt, des Schauervollen, dann durch das Moment der »majestas«, des Übermächtigen, und schliesslich durch das Moment des »fascinans«, des Anziehenden. Keine Frage, dass sich das Heilige in einer profanen Welt in unterschiedlichen säkularisierten Formen erhalten kann: vom ästhetisch Erhabenen über die Unantastbarkeit der Menschenwürde bis zur Anbetung des Silicon Valley. Gerade Letzteres könnte tatsächlich als ein paradigmatisch heiliger Ort der Gegenwart beschrieben werden, auf den alle klassischen Bestimmungsstücke des Numinosen zutreffen: Macht, Faszination und Erschrecken. [Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2016]
»Das iPhone X ist ein wegweisendes und magisches Produkt, vollgepackt mit unglaublichen neuen Features.« Das ist nicht sehr aussagekräftig, so beginnt bei Apple jede Pressemitteilung. Man muss sich bei der Exegese dieser Texte von den einzelnen Adjektiven lösen, entscheidend ist das Clustering, die Reihung von »unglaublich«, »magisch« und »wunderschön«; es ist dieser Zusammenklang, mit dem Apple die Innovation zelebriert und das Numinose benennt, als zugleich Vertrauen und Schauer erweckende Macht. [Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2017]
Das Wilde Gjoad ist ein uralter Mythos, der aus der überreichen Brauch‑ und Sagenwelt des Salzburger Umlandes herausragt. Die Trommelschläge, die Urschreie und das schreckliche Heulen dieses zwölfköpfigen Dämonenheeres lassen erahnen, welche Ängste die stark vom Aberglauben geprägten Menschen der alten Agrargesellschaft gequält haben. Damals, als die Natur voller Geister und Spukgestalten zu sein schien, erst recht in der finsteren Jahreszeit. In dem noch bäuerlich geprägten Landstrich zwischen Salzburg und dem Untersberg ist diese Aura des Numinosen, die das Landleben einst durchdrungen hat, nach wie vor stark zu spüren. [Süddeutsche Zeitung, 22.12.2016]
[…] der Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Jean Clair hat sich mit Alexander von Humboldt den[…] letzten Enzyklopädisten zum Schutzheiligen und Stichwortgeber geholt für eine Ausstellungsexpedition, die hinter Kunst und Wissenschaft noch einmal jenes Sublime oder Numinose sichtbar zu machen sucht, das dem vergangenen 20. Jahrhundert so glatt abhanden gekommen ist. [Die Zeit, 13.04.2000]
Die [katholische] Messe kommt dem Verlangen nach dem Numinosen in hohem Maße entgegen; ihre religiöse Wirkung läßt sich von ihren dogmatischen Voraussetzungen nicht trennen. [Sucker, W.: Katholizismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 25101]
Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Elektronik, Kunst, Leben, Legearbeiten, Materialien, Meine Kunst, Natur, Philosophie, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar