Angeregt durch eine gestrige Kommentardiskussion möchte ich heute noch ein wenig bei der Frage der „Unschärferelation“ bleiben.
Ich zeichnete ein Weinglas mit trübem Tonic, die runde weiße Tonvase mit Salbeistängel und künstlichem Stechpalmenzweig auf rundem Metalltischchen.
Ich fotografierte die Objekte später aus etwa derselben Position, aus der ich sie gezeichnet hatte. Ich fotografierte drei mal – mal etwas mehr aufgerichtet schräg von oben, mal geduckter in etwa auf der Ebene der Gegenstände.
Hier siehst du alle drei Fotos überblendet (50% Transparenz).
Wie sehen Vase und Glas „wirklich“ aus? Und in welchem Verhältnis stehen sie „tatsächlich“ zueinander?
Da bin ich nun bei einer für Zeichner typischen, für Fotogafen aber untypischen „Unschärfe“: Als Fotograf wählt man eine Position und eine Blendenöffnung und Klick! Als Zeichner variiert man während des Zeichnens laufend Abstand, Blickwinkel Augenschärfe. Man will das nicht, aber es geschieht unwillkürlich. Denn wer ist aus Eisen? Man sinkt zusammen, man kneift die Augen zusammen oder öffnet sie, man beugt sich vor, um etwas genauer zu erkennen – und jedesmal verändern sich die Objekte sowie auch die Beziehung zwischen den Objekten und dem Zeichner. Wie der Zeichner verhält sich jeder Beobachter. Dadurch entstehen die „Fehler“, die einem Apparat nicht unterlaufen. Fehler aber in welcher Hinsicht? Sind es Fehler? Oder ist nicht vielmehr das Ergebnis des Apparats fehlerhaft, weil er eine Schärfe vorspiegelt, die nur bei toten Apparaten, nicht aber bei Lebewesen existiert und auch gar nicht existieren kann?
Nun überblendete ich das Dreifach-Foto mit meiner Zeichnung und passte die gezeichnete Vase genau in die fotografierte. Das Weinglas erscheint deutlich als „zu klein“ gezeichnet.
Und wenn ich nun auch das gezeichnete Weinglas an das fotogafierte einpasse? Stimmt es nun?
Was ist richtiger: das Foto an die Zeichnung (links) oder die Zeichnung ans Foto (rechts) anzupassen?
Nichts richtig? Alles richtig? Alles Illusion? alles Realität? Es kommt darauf an?
Nun, was geht’s mich an, solange das Glas voll ist und ich meinen Durst löschen kann.

















































