Welttheater 4. Akt, 28. Szene: Danai belehrt Hawi über Menschen und Hunde

Was zuletzt geschah:

Wo stecken unsere Helden?  Abud ist allein unterwegs zu Wilhelms Lager  … Domna, Trud und Clara bei den Schafen …. Danai und Hawi beim Beerensammeln … Jenny mit Wilhelm auf Kairos unterwegs, wir wissen nicht, wohin. Wir wenden uns Danai und Hawi zu, die entdeckt haben, dass sie aus derselben Ecke Afrikas stammen.

Danai

Da lebt ich auch, bevor ich floh

Dieselbe Heimat! Das macht froh!

bet’ami tedesichalehu …

Hawi:

Bei uns heißts Baay’een gammada

so sagte es die Frau Mama.

Nun wollen sie zu Danais Höhle gehen.

Danai

Schau, Hawi, jetzt sind wir gleich da

Die Bäume kenn ich einen jeden

Sie trösten mich, wenn lang ich niemand sah.

Mit ihnen kann ich über alles reden.

 

Und gleich dahinten ist dann auch die Höhle

die mich so manche Nacht geschützt

Sie ist ein Balsam für die arme Seele

wenns draußen donnert, regnet, blitzt.

Hawi

Ist sie denn leer, die Höhle, wo du wohnst?

Die Mama sagt, dadrinnen wohnt ein Drachen

wenn du ihn tötest, wirst du gut belohnst

doch soll ich niemals solche Sachen machen.

Danai

Nen Drachen hab ich drinnen nie gesehen

nur manchmal kommt der Hirt mit seiner Herde

wenn draußen allzu stark die Winde wehen

und wenn von Regen ganz durchnässt die Erde.

Hawi

Und hat er dann auch Hunde mit dabei?

Die Hunde sind gefährlich, denn sie beißen.

Man soll sie niemals lassen frei

und auch nicht schlafen, wo sie scheißen.

Danai

Ich will dein Mütterlein nicht schelten

 Vorsicht ist gut in allen Fällen.

doch nicht für alle Hunde gelten

dieselben Regeln, auch wenn alle bellen.

 

Die wilden Hunde mögen Schafe reißen,

das ist so angelegt in der Natur

sie mögen kämpfen und einander beißen

doch gilt das in der freien Wildnis nur.

 

Sobald du ihnen einen Dienst zuweist

und ihnen sagst: behüte mir die Herde

so tun sies willig und sind dienstbereit

und zeigen dirs mit fröhlicher Gebährde.

 

Gefährlich sind sie, wenn sie in der Meute

zusammen jagen, grad wie Menschenhorden

grad so wie jene wüsten Leute

die umzu brennen und zu morden

 

des Nachts in eure Hütten kamen.

Wenn du den einen kennst, als ihr noch Kinder,

und rufst ihn an bei seinem Namen

und sagst zu ihm, komm, hüte meine Rinder

 

dann wird ers tun, und wenn die andern wüten

wird er sie schützen und mit Todesmut

wie jene Hunde, die die Schafe hüten

sich stellen gegen Ihresgleichen Wut.

 

Siehst du dort hinten jenen schwarzen Hund

der vor der Höhle Wache schiebt?

Der könnte Schafe würgen runter in den Schlund

doch tut ers nicht, weil er sie liebt.

 

Uns könnt er beißen, nur um sie zu schützen,

und wärn wir Diebe, wollten Schafe klauen

so würde unser Mut uns wenig nützen.

Doch still steht er, er hat zu uns Vertrauen.

 

Danai (zum Hund gewandt)

Nicht wahr, mein Freund, du lässt uns in die Höhle?

Wir sind ja müde und der Weg war weit.

Du machst uns Platz, auch wenn ichs nicht befehle?

So ist es recht, ich seh, du bist gescheit.

(zu Hawi)

So komm, er lässt uns zu den Schafen

die in der Höhle diese Nacht verbringen,

Bei ihnen wird es herrlich sein zu schlafen.

Und dir werd ich ein kleines Schlaflied singen.

bet’ami k’onijo begi yalewi manewi?

werik’amawi ch’erek’a ālati

kezafochachini besitejeriba yalewi

izīya besemayi wisit’i yinorali .*

Du verstehst das Liedchen nicht?
amharisch sang ich das Gedicht.
Deine Mama sängs auf Oromo
Dann geht das Liedchen eben so:

Hoolota bareedduu eenyutu qaba?

Ji’i warqee isaan qaba

Kan muka keenya duuba jiru

achi samii keessa jiraata.*

Sobald wir in der Höhle sind,

und du liegst in dem Nest

und bist mein liebes gutes Kind

dann sing ich dir den Rest.

____

*Googles Übersetzung  in Amharisch und Oromo der ersten Strophe von Hoffmann von Fallerslebens Gedicht „Wer hat die schönsten Schäfchen“. Das ganze Gedicht lautet im Original:

Wer hat die schönsten Schäfchen?
Die hat der goldne Mond,
Der hinter unsern Bäumen
Am Himmel drüben wohnt.

Er kommt am späten Abend,
Wenn alles schlafen will,
Hervor aus seinem Hause
Zum Himmel leis’ und still.

Dann weidet er die Schäfchen
Auf seiner blauen Flur;
Denn all die weißen Sterne
Sind seine Schäfchen nur.

Sie thun sich nichts zu leide,
Hat eins das andre gern,
Und Schwestern sind und Brüder
Da droben Stern an Stern.

Und soll ich dir eins bringen,
So darfst du niemals schrei’n,
Mußt freundlich wie die Schäfchen
Und wie ihr Schäfer sein.

 

 

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Legebild des Tages (neu und aus dem Archiv): Tanz!!

Schnipselspende Susanne Haun, Berlin.

Ein Legebild aus dem Archiv mit Schnipseln von Ulli Gau, Susanne und Ule Rolff und einem etwas wilderen Rhythmus:

Dieses Tanzbild aus dem Archiv ist mit Schnipseln von Hannah Buchholz gelegt

Und dieses mit Scherben aus meinem Garten:

Diese aus irgendwelchen Schnipseln gelegte Tanzszene sagt: Egal wie alt du bist, egal wie du dich grad fühlst: Tanz!!

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Welttheater, 7. Zwischenbilanz: 14.-26.3.2023

Der 12-Tage-Rhythmus, in dem ich die Zwischenbilanzen schreibe, helfen mir, die sich  zerfasernden Stränge des dramatischen Geschehens zusammenzuhalten und zusammenzuflechten.

Die erste Zwischenbilanz  schrieb ich am 12. Januar. Dort findest du auch ein Personenverzeichnis und eine Revue, „wie alles begann“: Die „blinde Poetin“ (Domna), Ende 2022 zur wichtigsten Repräsentantin des Jahres 2023 gewählt, ist der spiritus rector dieses „Welttheaters“. Mithilfe von Eichendorffs „Wünschelrute“ (Zauberwort) findet Domna das Leitmotiv des Stücks: „Geben und Nehmen im Ausgleich“. Es ist das große Gesetz der Natur. Inwieweit es auch zum Gesetz der Menschen werden kann, wird sich wohl erst noch zeigen müssen.

2.-4. Zwischenbilanzen zeigen Variationen des zentralen Themas von Geben und Nehmen auf.

In der fünften Zwischenbilanz  vom 1. März mache ich mir Gedanken über meine Figuren: Sind sie feste Typen oder entwicklungsfähig wie reale Menschen? Ich untersuche das Thema anhand der „Hilfesuchenden“ Danai und dem „Überlebenskünstler“ Wilhelm: Danai wird zur „Helfenden“ und Wilhelm zum „Hilflosen“, der fürs Überleben auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Sein tieferes Thema aber ist Kontrolle vs Hingabe.

In der sechste Zwischenbilanz vom 13. März  schaue ich auf die Entwicklungsmöglichkeiten von Tschinn dem Macher, von Kind Clara, von Jenny theKid und der Fragenden Trud. Inhaltlich geht es vor allem um die Beziehung der Lebenden zu den Toten.

Wie ging es seither weiter?

Wir haben es mit vier Handlungssträngen zu tun:

a) Streit zwischen Wilhelm und Abud, in dem sie ihre rassistischen bzw vom Kolonialismus geprägten Vorurteile aktivieren. Beide wollen nehmen, ohne zu geben. Daher bleiben sie allein.

b) Danai wird zur Beschützerin und Lehrerin oder auch Ersatzmutter für den kleinen Hawi. (Danai hat auf der Flucht ihr eigenes Kind verloren).  Die beiden entdecken eine gemeinsame Heimat, trotz verschiedener Muttersprachen.

c) Die Gruppe um Domna ist unentschlossen, wo sie nächtigen wollen. So ergreift Jenny die „Gelegenheit“ (Kairos) und setzt sich ab. Sie will zu Wilhelm, der ihr als „Überlebenskünstler“ sympathisch ist. Vielleicht sucht sie eine Art „Ersatzvater“ in ihm. Als sie ihn findet, ist er hilflos und „verrückt“, denn er will zu der halluzinierten Isolde (Hedonie) in die Bucht, anstatt, wie Jenny vorschlägt, ins Krankenhaus, um sein Bein zu heilen. Als sie sieht, dass ihr Hilfsangebot ins Leere läuft, lässt sie ihn innerlich los: „Tu was du willst, was geht es mich an“. Aber sie lässt ihn nicht im Stich.

d) Domna, Trud und Clara suchen Danais Höhle, um dort zu übernachten, doch kennen sie den Weg nicht. Die sonst so nutzlose Trud macht sich für das müde Kind Clara zum Pferdchen. Die blinde Domna vernimmt den dadurch ausgelösten Klang und erkennt so den Weg zur Höhle. In der Höhle nächtigen Schafe, bewacht von Hunden, die sich freundlich gegenüber den freundlich Eintretenden verhalten.  Die Aktive ist in dieser Szene die immer-fragende-Trud, die sich zur das-Kind-tragenden-Trud wandelt und dadurch eine harmonische Entwicklung anstößt.

 

 

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Über die Schwerkraft nachsinnen (kleine Beobachtungen)

Nach dem Morgenspaziergang zum Nachbardorf, in dessen Kramladen ich ein paar Dinge einkaufe, hocke ich mich auf die Geröllkante, lausche dem Meer und dem Wind, nehme auch einen Stein in die Hand, betrachte ihn ein Weilchen, rätsele ein bisschen, woraus er wohl bestehe und was seine Geschichte sei – und werfe ihn zurück zu seinen Kumpanen. Er beschreibt einen leichten Bogen in der Luft, kullert ein Stück weit und bleibt liegen. Das war zu erwarten.

Der Stein ist vollkommen dem Schwerefeld der Erde ausgeliefert, er hat dem nichts entgegenzusetzen, denke ich und bedaure ihn ein bisschen. Ich selbst kann mich, wenn auch mit zunehmendem Alter mühsamer, aufrichten, auf die Beine stellen und nach eigenem Ermessen bleiben oder davon gehen.

Wie ist es denn mit den Pflanzen? Die schaffen es, die Schwerkraft zu überwinden und sich aufzurichten. Ein Stein kann das nicht, aber das allerkleinste Blümchen vermag es. Welche Kraft ist es wohl, die sie der Schwerkraft entgegenzusetzen vermögen? Sie sind lebendig, der Stein nicht. Was aber heißt das: lebendig sein? Gibt es so etwas wie eine Lebenskraft, vergleichbar der Schwerkraft?

Manche Blumen schaffen es grade mal, ein bisschen über den Wurzelbereich hinauszuwachsen. Andere können ihre Blüte mithilfe eines hohlen Stängels hoch hinauf in den Luftraum tragen. Beide streben nach dem Licht. Oder ist es das Licht, das sie nach oben zieht, so wie die Schwerkraft sie nach unten zieht?

Über den Steinwall kommt ein Vater mit seinem Kind gewandert. Der kleine Junge ist noch unsicher auf seinen Beinchen, immer wieder fällt er hin, rappelt sich auf, fällt hin. Er kämpft mit der Schwerkraft, denke ich. Er will sie überwinden. Wenn er größer wird, wird er hüpfen und springen wollen, am liebsten natürlich fliegen. Letzteres wird er nicht können. Höchstens können ihn die Eltern zwischen sich hin und her sausen lassen, so dass er juchzt und schreit: ich kann fliegen. Von Fliegen kann aber keine Rede sein. Er kann es nicht. Warum nur? Was hat ein Vogel, und er hat es nicht? Wieso ist er dem Schwerefeld stärker ausgeliefert als ein Schmetterling? Es sind nicht nur die Flügel, die ihm fehlen – die könnte er ja nachbauen. Es fehlt ihm alles zum Fliegen. Sein Körperbau, die Dichte seiner Knochen lassen es nicht zu. Er ist nicht zum Fliegen gemacht. Er wird immer an den Boden gebunden bleiben – entweder an den Boden der Erde oder an den eines Fluggeräts. Die Raumkapsel kann ihm einen Moment der Illusion des Fliegens schenken – aber was für ein Fliegen ist das schon? So in einer Kapsel rumzuschweben hat ja nichts, was sich mit dem freien Flug einer Schwalbe vergleichen ließe. Dann schon eher Drachenfliegen, obgleich auch das fade ist: immer muss man erst einen Berg rauffahren, um sich von da oben runtersegeln zu lassen.

Natürlich sind auch die Vögel dem Schwerefeld der Erde ausgeliefert, aber sie haben dem etwas entgegenzusetzen, was wir nicht haben. Anatomisch betrachtet, sind es außer den Flügeln vor allem ihre mit Luftsäcken gefüllten Hohlknochen, in die Luft wie mit dem Blasebalg hineingepumpt wird. Luft in den Knochen – und aufwärts gehts!  Auch die Flugsaurier hatten solche Knochen.

Ich stemme mich vom Boden hoch, nehme die Tasche mit den Einkäufen über die Schulter, und wandere heimwärts. Das Schwerefeld zerrt an mir und meiner Tasche. Früher hätte es mir nichts ausgemacht, nun aber muss ich immer wieder ein Päuschen einlegen. Was ist das für eine Kraft, die der junge Mensch hat und die dem alten zu fehlen beginnt, so dass er mehr und mehr der Schwerkraft ausgeliefert ist, bis er sich gar nicht mehr erheben kann? Ist es das Mineral in ihm, der Stein, der ihn zu Boden zieht, sobald er ihm keine Aufrichtekraft mehr entgegenzusetzen vermag? Und diese Aufrichtekraft: was ist das?

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Mittagsmeeresgeglitzer anschauen und Essen genießen

Eine der Lustbarkeiten, die ich nie satt habe: in meiner Stammtaverne sitzen und über die Dächer aufs Meer schauen. Essen erübrigt sich da fast.

Freilich ist auch das Essen nicht zu verachten. Heute gabs für mich mit Kräutern in roter Soße fein geschmorte Sepia (eine Art Tintenfisch) und mit Zitrone und Öl angemachten gekochten Löwenzahn, dazu Landbrot, Wasser und offenen Weißwein.  Das ist ein „Einfachessen“ der Fastenzeit. 😉

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Welttheater, 4. Akt, 26. Szene: Wer führt Regie?

Was zuletzt geschah: Jenny findet Wilhelm im Sumpfgebiet und will ihn mit Kairos‘ Hilfe ins Krankenhaus schaffen.

Um die folgende Szene (wer ist Isolde?) zu verstehen, muss man sich an Vorangegangenes erinnern. Das erste Mal träumte Wilhelm (unter dem einfluss vonHeras Wein) von einer Begegnung mit Isolde (Hedonie) in der Bucht, war aber zu unentschlossen, um sie zu halten (hier). Sein Sturz folgte auf diesen Traum (hier). Danai gab ihm dann ein Krauts, durch das er halluzinierend Isolde erneut erblickt und sich mit ihr vereint (hier).  Die Sehnsucht nach ihr ist der Grund für seinen überstürzten Aufbruch (hier).  Jenny weiß nichts von Isolde, die bisher nur in Wilhelms Fantasien und Träumen existiert. 

Wilhelm:

Verflixt, Kairos, nun halt mal still!

So kann ich mich nicht auf dich setzen.

Und fragt mich erstmal, was ich will!

Ins Krankenhaus wollt ihr mich hetzen?

 

Das passt mir nicht, ich muss zum Strand!

Muss hin, wo ich Isolde sah.

 

Jenny:

Du bist ja wohl nicht bei Verstand?

Hast du vergessen, was geschah?

 

Wilhelm:

Das weiß ich gut, drum muss ich schnell

zur Bucht hinab, noch diese Nacht!

Ich muss dahin, bevor es hell

Sonst wird Isolde weggebracht.

Jenny:

Was sprichst du da? Wer ist Isolde?

Wilhelm:

Das ist die Süße, ist die Holde

ist die mir anvertraute Braut

Ich hab sie ja im Arm gehalten

verlor sie dann, o Gott, mir graut!

Mir ist als wollt mein Kopf sich spalten!

 

Mach schnell, ich seh sie schon entweichen

Wer weiß, wie lange sie noch bleibt!

Ich muss sie unbedingt erreichen

bevor der Tag die Nacht vertreibt.

Jenny (für sich)

Ich glaub, ich spinne, dieser Mann

den ich für recht vernünftig hielt

der ist jetzt toll, ich frag mich, wann

hat man ihm wohl so mitgespielt?

 

Er fiebert wohl, das wird es sein

Der Sturz bereitet ihm noch Pein.

Komm her, Kairos, und mach dich klein

ich schaffs sonst nicht mit seinem Bein.

 

Eins zwei drei vier mit aller Kraft!

So, gut, ein Glück, das wär geschafft.

Und nun renn los, ich halt mich fest

und du erledigst dann den Rest.

Kairos:

Ich hoff, dass er sich nicht verschiebt.

Und wohin wollt ihr, wenns beliebt?

Jenny:

Zum Krankenhaus, zur Chirurgie.

Wilhelm:

Zur Bucht, verflucht, wer führt Regie?

Jenny:

Dein Bein ist hin, man muss dich operieren.

Wilhelm:

Verdammt, du Kid, du willst mich kommandieren?

Ich weiß schon selber, was mir frommt,

was mir gefällt und mir bekommt!

Jenny:

Mach was du willst, was gehts mich an.

Renn los, Kairos, ich häng mich an!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Alte Türen bewundern (kleine Beobachtungen)

Das Bergdorf, das ich heute besuchte, hat einen Großteil seiner Bewohner verloren, und die, die geblieben sind, kämpfen mit den Unbilden des Wetters, dem Zustand der Straßen, den Rissen in den Häusern … . Man behilft sich, streicht hier, flickt dort, setzt hier einen Nagel, dort ein Stück Blech. Das Ergebnis ist oft fotogen. Zu Zeiten, als ich noch bei FB unterwegs war, gab es eine Gruppe, wo ausschließlich Fotos von alten Türen und Fenstern gezeigt wurden. Wunderbare Fundstücke mit viel Geschichte waren darunter. 

Heute blieb ich bewundernd vor einer gelben Tür stehen, die mit einer weißen Holzplatte geflickt war. Welch Leben steckt in dieser alten rissigen Holztür! Wie oft wurde der Griff, wurden Schlüssellöcher und Sicherungsketten umgesetzt, vernagelt und verschraubt! Wie oft wurde die Tür von Neuem mit einer Schicht Farbe übergangen!

Die Fensterklappen gehen jetzt wohl nicht mehr auf, das Haus scheint unbewohnt zu sein. Aber sicher bin ich nicht. Denn bei so manchem ehemals prächtigen Haus, das nun halb verfallen und leer zu sein scheint, gibt es plötzlich ein Fenster, das auf Bewohner hindeutet….

und sei es auch nur während der Sommermonate, wo sich das Dorf belebt und die alten Gemäuer für ein provisorisches Wohnen zurechtgemacht werden. Noch sind die Stromzähler angeschlossen, Blumentöpfe oder auch, wie hier, angefangene Schnitzwerke aus dicken Hölzern stehen vor der verschlossenen Tür. Und vor der Tür gleich daneben, mit Wasserbehälter für Katzen, liegt eine Matte…

Auch diese schöne alte Tür eines anderen Hauses wird sich vielleicht noch einmal öffnen.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: In guter Gesellschaft im Bergdorf speisen

Es war wieder einmal einer dieser Tage, wo ich nicht weiß, welche von den vielen Lustbarkeiten ich hier besonders würdigen soll. Ich war nämlich in guter Gesellschaft in einem Bergdorf, woher eine meiner Freundinnen stammt und wo sich letztes Jahr Panagiotis Manikis niedergelassen hat. Dort führt er auch seine Seminare über natürliche Landwirtschaft nach Fukuoka durch …(siehe hier).

Wir speisten gemeinsam in der Anlage der „Holzhäuser“ oberhalb des Dorfes – bestehend aus einer Reihe sehr nett eingeríchteter Häuschen, die an Einzelreisende und Gruppen vermietet werden (sie kommen von überall her, neuerdings vermehrt aus Israel), und einer ausgezeichneten Gaststätte, wo, das versteht sich, nach der natürlichen Methode gezogenes Gemüse und Salate den Speisezettel anführen. Aber auch alle anderen Speisen sind reichlich vorhanden und vorzüglich zubereitet.

 

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Welttheater, 4. Αkt, 25. Szene: Jenny sucht Wilhelm

Was zuletzt geschah, spielt sich auf vier „Bühnen“ ab:

1) Danais Höhle mit Schafherde und Hütehunden, Domna, Trud und Clara trauen sich hinein und legen sich zum Schlafen. 

2) Irgendwo zwischen Sumpf und Lager: Abud ist unterwegs zum Lager, um sich seinen Lohn als Träger mit Gewalt zu holen.

3) Sumpf, wo er in lichten Wald und Landwirtschaft übergeht: Danai und Hawi sammeln Beeren und Wurzeln, finden heraus, dass sie dieselbe Heimat haben, und machen sich auf den Weg zur Höhle.

4) Irgendwo unterwegs zwischen Bucht und Sumpf: Jenny hat sich Kairos anvertraut, um Wilhelm zu finden, den sie bewundert.

Wir wenden uns nun Jenny und Kairos zu.

Jenny:

He du, mir wird es langsam bang

ist denn der Weg zum Ziel noch lang?

Kennst du denn überhaupt das Ziel?

Ich hoff du treibst mit mir kein Spiel?

Kairos:

Zu Wilhelm willst du, oder nicht?

Dein Wunsch ist mir Befehl und Pflicht.

Jenny:

Und weißt du denn, wo er jetzt steckt?

Er ist vielleicht schon längst verreckt!

Sah ihn zuletzt mit gebrochenem Bein

bei ihm zwei Neger und Danai allein.

Ich wollte auch bleiben, doch Clara das Kind

sagte, sie braucht mich, denn Domna ist blind

und Trud weiß nur Fragen, nur ich kenn mich aus.

Drum bracht ich die drei dann auch runter zum Haus.

 

Mir tat es leid, der Wilhelm hätt mich gebraucht.

He, schau mal dort, was ist das, was da raucht?

Kairos:

Ein Feuer ists, das hat die Frau entzündet

damit man irgendwann den Wilhelm findet.

Jenny:

 

Verdammt, das ist mir nicht geheuer!

Er liegt am Boden, dort am Feuer!

Er ist allein, die andern sind verschwunden

Sie ließen ihn im Stich mit seinen Wunden!

Den Schwarzgesichtern sieht das ähnlich

und die Danai, die ist so dämlich

dass sie den Typen traut, den Dieben!

Sind Menschen, sagt sie, muss man lieben!

Und Wilhelm lässt sie einfach liegen?

Das ist um kalte Wut zu kriegen!

Danai ist eben nicht von hier

Da bist du besser, obgleich Tier!

Jenny geht zu Wilhelm, rüttelt an ihm

He, Wilhelm, was ist los mit dir?

Wenn du noch lebst, antworte mir!

Wilhelm

Ich leb schon noch, ich atme noch

in diesem gottverdammten Loch.

Anstatt die Schmerzen mir zu lindern

wollten die Bürschchen mich ausplündern.

Als ich nichts gab, verfluchten sie mich

und ließen mich dann ganz im Stich.

Jenny:

Und die Danai, wo ist die hin?

Wilhelm:

Ich weiß nicht, was die hat im Sinn.

Die nahm den Kleinen bei der Hand

Ich glaub, die ist nicht bei Verstand.

Jenny zu Kairos:

Ich werde ihm sein Bein jetzt schienen,

dann musst du ihm als Reittier dienen

Wir bringen ihn ins Krankenhaus

Kennst du dich vielleicht damit aus?

Kairos:

Nur zu, ergreif die Gelegenheit

sie kommt nicht wieder, wenn du nicht bereit!

Jenny:

Bin schon bereit, und Wilhelm ists auch

Mach, leg dich nieder auf deinen Bauch,

Du kommst dabei schon nicht zu Schaden!

So kann ich Wilhelm auf dich laden.

Ich selbst halt mich am Schwanze fest

und du erledigst dann den Rest.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Grapefruitblüten.

Als ich nach anstrengenden Laufereien im „Schmuckstück“, meinem beliebten Gartenlokal in Kalamata, ankam, steuerte ich gleich auf ein Tischchen unter einem blühenden Baum zu. Die Pampelmuse blüht! Wie schön! dachte ich und pflückte eine der großen Blüten ab, um sie mir unter die Nase zu halten.

Zu Hause beschaute ich mir die Blüte, die übrigens mein Auto wunderbar aromatisiert hatte, genauer. Und wunderte mich: vier Bütenblätter? Haben Zitrusfrüchte nicht eher fünf davon? Also ging ich googeln und erfuhr:

Pampelmuse und Grapefruit ist nicht ein- und dasselbe! Na so etwas! Ich hatte bisher angenommen, Pampelmuse sei der witzige deutsche Name für eine Frucht, die im Englischen eben Grapefruit heißt. Weit gefehlt! Die Grapefruit ist ein Hybrid aus Orange und Pampelmuse  und verdankt sich einer natürlichen Kreuzung. Diese Kreuzung passierte irgendwie zufällig auf den „Westindischen Inseln“ – also von Kuba, Jamaika, Barbados oder einer der anderen Mittel- und Südamerika vorgelagerten Inseln.

Der Grapefruitbaum kann bis zu 10m hoch werden kann. Und ja, da steht es: „Die weißen Blüten weisen meist 4 Blütenblätter auf, duften und stehen sowohl einzeln als auch in kleinen Gruppen.“ (hier).

Wenn man ein bisschen herumgoogelt, erfährt man noch mehr Wunderlich-Verwirrendes: Aus der Kreuzung von Pampelmuse und Mandarine entstand die Orange! Wenn man Orange und Pampelmuse „rückkreuzt“, erhält man … die Grapefruit (so stehts bei Wiki).

Der Baum, unter dem ich saß und der sein köstliches Aroma in meine Nase verströmte – was war er also? Ein Grapefruitbaum oder ein Pampelmusenbaum? Und welche Ahnen steckten in ihm? Na?

 

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