Natur-Skulpturen: Impulswerkstatt „Holz“, Zeichnungen

„Sie sonnt sich“, dachte ich, als ich heute mittag dieses Holz an einem Pfeiler unserer Taverne lehnen sah.

„Er ist zu schade zum Verbrennen“, dachte ich gestern, als ich dieses Holz im Korb mit den anderen Hölzern erblickte, und warf ihn nicht in den Kamin, sondern wusch ihn ab und fotografierte ihn.

„Er? ihn?“ Ja, denn irgendwie erinnert dieses Holzstück mich an Rembrandt, mit seinen Selbstportraits und dem „lachenden Mann“.  Aber es könnte natürlich auch seine „lachende Alte“ sein. Für ein „es“ geht es mir nicht durch.

Rembrandt: „Selbstportrait als Zeuxis“ und „Lachender Mann“.

Natur-Plastiken aus Holz haben es mir angetan, ich hab schon so manches Stück gezeichnet und hier vorgezeigt..

„Hand hält Holz“ wurde sogar schon einmal hier in der Impulswerkstatt zum Thema.

Vielleicht erinnert sich noch die eine und der andere, wie sich diese Hand mit der von dir, Myriade, fotografierten zu einem Bild vereinte. (Hand hält Holz)

Das Thema war freilich nicht neu für mich, denn das Ineinandergreifen von Holz und Hand hat mich immer schon fasziniert, und so machte ich einmal gleich sieben Etüden dazu (hier)

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Dies hier war ein Wurzelholz, weißgewaschen vom Meer. Joachim Schlichting kommentierte damals: „Durch die Reduktion der Komplexität realer Hände und Hölzer fiel mir vor allem die große Ähnlichkeit dieser „organischen“ Strukturen auf….“, und ich freute mich, denn genau das wollte ich zeigen.

Ein anderes Wurzelholz wurde mir zum „Krokodilgott“ oder auch „Krokodilgeist“….

und als solcher sogar zum „Erschaffer“. Im Hintergrund sieht man mein ägyptisches Totenschiff aus Alabaster und darüber ein anderes flaches Holzstück, das selbst wie ein Geist aussieht.

Schwemmholz zu sammeln ist, ich gebe es gerne zu, eine meiner stillen Leidenschaften…

und wenn ich ein besonders eindrucksvolles Stück gefunden habe, muss ich es in die Hand nehmen und zeichnen.

Über Holz lässt sich unendlich viel sagen. Für die Chinesen ist es sogar eines von fünf Elementen. Ja, warum eigentlich nicht? Wer sagt denn, dass wir mit Luft, Wasser, Erde, Feuer alle Elemente erfasst haben? Natürlich ließe sich einwenden, dass Holz kein „Element“ ist, weil in ihm die anderen vier zusammengewirkt haben, um es hervorzubringen. Aber ist das ein guter Einwand? Ist nicht im Holz das Lebensprinzip uns deutlich vor Augen gerückt, das in den „reinen“ Elementen sich nicht ausdrücken kann, da jedes für sich genommen das Leben nicht zu tragen vermag? Holz ist lebendig, gewachsen im Zusammenwirken der anderen Elemente, und indem es lebendig ist, fügt es den reinen Elementen eine neue Komponente hinzu.

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, Thema „Holz“.

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Zusammenhänge und Beziehungen zwischen den 5 Elementen

 

In der Chinesischen Elementenlehre fehlt Luft ganz, stattdessen kommen Holz und Metall dazu.  (Das nebenstehende Diagramm entnahm ich einer Darstellung bei „Wald in Österreich“, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft).

 

 

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Fortsetzung der „Lustbarkeiten und Beobachtungen“: Erinnerungen, Betrachtungen

Eben habe ich bei der Kirche des Hl. Georg Halt gemacht und mich in alle Richtungen umgeschaut. Ich mag diesen Platz, an den sich kaum mal ein Mensch verirrt – außer die Kirche wird für Feierlichkeiten geöffnet. Die gar nicht so kleine Kirche liegt auf einem Vorsprung der Küste, den man nur über den Privatweg einer kleinen Wohnsiedlung erreichen kann. Hinter der Kirche gibt es einen von Unkraut überwucherten vertieften Rundplatz, dessen frühere Funktion ich nicht ergründen konnte, dahinter stürzt die Küste steil ab.

 Um den Rundblick zu ergänzen, zeige ich auch den mit runden Steinen gepflasterten Hof, den jetzt kahlen Mandelbaum und das Hinterland mit seinen Bausünden und seinen sanft ansteigenden Olivenhainen, dahinter das Vorgebirge des Taygetos.

Dann steige ich hinunter an den Strand, der hier aus grobem Geröll besteht, und wende mich zurück zum Dorf. Ein gut befestigter und mit Kakteen geschmückter Pfad führt hinüber. Wie oft bin ich hier mit Tito gegangen! Immer sehe ich ihn schwanzwedelnd vor mir, wenn ich durch diesen Engpass gehe. (hier, im Januar 2020).

Unten in der Bucht, in einem Geröllfeld, haben Anrainer ein friedliches Palmenwäldchen gepflanzt. Jedes Mal, wenn ich vorbei komme, freue ich mich, dass die Pflänzchen sich gut entwickeln. Im Hintergrund sieht man eine schon recht große Palmen-Gruppe.

Steine, Steine. Die Auswahl ist groß. Welchen Stein soll ich zuerst betrachten? den zerklüfteten mit rostigen Verfärbungen und Einschlüssen von Glimmer? Oder das weiße glatte Riesenei?

Es ist nicht ganz einfach, über die Geröllfelder zu wandern. Vor der Hauswand des Strandlokals liegt Geröll vom letzten Sturm.

Die Wanddekoration am Nachbarhaus ist verblichen, nur ein roter Fisch hat seine Farbe behalten.

Von hier aus führt eine Treppe, die von albanischen Steinmetzen gebaut wurde, hinauf ins Dorfzentrum, mit seiner stattlichen Kirche und einigen alten sowie neu hinzugebauten oder renovierten Häusern. Viele sind es nicht, das Dorf ist klein, aber die Geschichte groß. Denn hier stand in alten Zeiten ein Asklepios-Tempel, und hier verbrachten die letzten Kaiser von Byzanz, als sie Konstantinopel verloren hatten und im benachbarten Mystras residierten, ihre Sommer. Das Klima galt als besonders förderlich für die Gesundheit.  Der alte Name des Dorfes und der Region „Avia“ ist sogar noch älter, leitet sich her vom Herakles-Mythos: Avia war die Amme des Herakles.

Als ich in unsere Straße einbiege, fällt mir das verbeulte, verblasste Stoppzeichen auf. Daneben steht ein Strommast, übersät mit Reißzwecken, Löchern und winzigen Papierfetzen. Im Hintergrund sieht man ein primitives Mehrfamilienhaus, in dem die Albaner untergekommen sich, die in der Landwirtschaft und auf dem Bau arbeiten. Die meisten haben inzwischen Familie. Es ist ein armer, aber kommunikativer Ort.

Ich mag solche symbolträchtigen Orte, an denen nicht nur zwei Straßen, sondern viele Schicksale zusammenzulaufen scheinen. Ich mag auch die Unmittelbarkeit der Materialien: grob, rau, ungeschminkt. Also suche ich einen passenden Winkel und mache ein Foto davon.

Da hält ein kleines Auto neben mir und ein junger Mann steigt aus. Ich komme mir etwas albern vor, denn wer versteht schon, wozu man ein solches Motiv fotografiert. Der junge Mann aber beachtet mich nicht, schreitet grußlos zum Strommast und heftet einen Zettel mit schwarzem Rand über die anderen Löcher.

Dann verschwindet das Auto. Ich lese und erinnere mich an eine Nachricht, die vor anderthalb Monaten die Dorfgemeinschaft erschütterte: Ein Pilot und Ausbilder der Luftwaffe trat zu seinem letzten Flug an – und stürzte aus unbekannten Gründen ab. Die Medien waren voll davon. Er bekam ein Staatsbegräbnis, der Verteidigungsminister eilte nach Kalamata und hielt die Begräbnisrede. Nun, 40 Tage danach, wird eingeladen zum Mnemosyno, der üblichen Gedenkfeier. Ein rissiger durchlöcherter Strommast trägt die message, die bald einer ähnlichen weichen wird. (Epameinondas Kosteas, Foto: internet).

Επαμεινώνδας Κωστέας: «Έφυγε έτσι όπως ήθελε, να πετάει ...

 

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Lustbarkeiten und kleine Beobachtungen unterwegs (Round-up)

Mein heutiger Spaziergang brachte mich auf einem Feldweg hinunter in unsere kleine Schlucht und an der anderen Seite wieder hinauf. Der Wind blies ziemlich eisig, aber das stört mich nicht, wenn ich in der Landschaft unterwegs bin.

Ich kenne diesen Weg in- und auswendig – aber was heißt das schon? Kenne ich etwa jeden einzelnen Olivenbaum? Die Bäume mit ihren charakterstarken Stämmen und ihrem feinen Laub fügen sich mit dem Blau und Weiß des griechischen Himmels zu immer neuen Bildern, dass es eine Freude ist.

Weit weniger erfreulich ist es, die Wirkung von Glyphosat (Round-up) zu sehen. Immer noch gibt es Bauern – oder in diesem Fall wohl auch Angestellte der Gemeinde -, die das Aufbringen von Gift dem mühsameren Abmähen oder Umpflügen der üppigen Pflanzenwelt unter den Bäumen vorziehen. Die EU hat den Einsatz von Glyphosat im vorigen Jahr wieder erlaubt. Bayer hat sich durch den Ankauf des Round-up-Produzenten Monsanto nicht nur die Profite aus dem Glyphosat-Geschäft (ca 1/4 des Umsatzes bei landwirtschaftlichen Produkten), sondern auch Milliardenklagen von US-Bürgern eingehandelt hat und wurde gerade wieder mal zu einer gewaltigen Schadenszahlung von 2.1 Milliarden Dollar verurteilt. Die Bayer-Aktie verlor mächtig an Wert. Aber man ist zuversichtlich: Bis 2033 darf Glyphosat in der EU (und in den meisten Ländern der Welt) verkauft werden, und bis dahin will man das profitable Geschäft mit genetisch veränderten Pflanzen tüchtig ausbauen.

So sieht es vor und nach der Glyphosat-Vergiftung unter den Bäumen aus.

Ich wandere dann weiter Richtung Meer, komme vorbei an einer nun fertiggestellten neuen Wohnanlage für Touristen und an der riesigen Zeder am Ortseingang. Eine zweite Zeder überragt die Dächer des Dorfes.

Unten angekommen, mache ich einen kleinen Umweg zu einer Kirche, von der man einen schönen Rundblick auf die Küste Richtung Kalamata hat. Die Fahne des Hl Georg flattert an einer hohen Stange und klirrt im Wind.

Weiter geht es mit einem neuen Eintrag….

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Großer Spaziergang mit Vergoldung

Kalt war es und windig, aber herrlich klar, als ich gegen halb vier Uhr am Nachmittag zu einem großen Spaziergang aufbrach. Auf der Karte unserer Gemeinde Avia (inzwischen nach der „West-Mani“ eingemeindet, mit Hauptort Kardamili – ganz unten auf der Karte) ist meine Strecke nur ein Fitzelchen – das kleine grüne Dreieck an der Küste, zwischen Paliochora, Sandova Bay und Meg. Matinia.

Für mich war die Strecke (7 km) eine gute Leistung, zumal es über 3 km von der Sandova Bucht nach Megali Mantinia ziemlich steil bergauf geht.

Wenn man auf der Küstenstraße, von Paliochora kommend, nach Akrogiali einbiegt, zeigt sich dieses Bild:

Das geweißte Eckhaus ist ein Kleinmarkt, in dem man alles Nötige findet. Ich erstand eine kleine Flasche Wasser, ein koulouri (ringförmiges Gebäck mit Sesam) und einen kleinen Notizblock, die Kugelschreiber waren ihnen leider ausgegangen. Und so konnte ich nicht zeichnen.

Ich liebe diese Gasse mit dem plötzlichen Ausblick auf das Meer, drum zeige ich sie gleich noch mal.

Ich wanderte dann bis zur Sandova Bucht und nahm die ansteigende Asphaltstraße nach Megali Mantinia. Diese Strecke ist die eigentliche Herausforderung. Meine viel jüngere Freundin, mit der ich kürzlich schon mal hier unterwegs war, streikte auf der halben Strecke. Und auch ich nutzte jede Gelegenheit, eine kleine Verschnaufpause einzulegen, zB  um ein Foto vom leicht beschneiten Taygetos-Gebirge zu machen, das wegen des scharfen Windes zum Greifen nah vor mir lag…

oder bei einer Höhle, die, fein mit Pinienzweigen ausgelegt, Hirten und Herden als Schutz bei Unwetter dient.

Von solchen Höhlen gibt es viele hier an der Sandova-Schlucht. Bis hinauf zum Dorf Meg. Mantinia machte ich keine Fotos mehr, und auch das Dorf ließ ich rechts liegen, um auf unserer schmalen Straße zur Küste wieder abwärts zu wandern. Von hier aus boten sich wunderbare Aussichten aufs Meer und auf die goldgerandeten Wolken, hinter denen die Sonne versank.

Sehr eindrucksvoll fand ich, wie die Sonne das Gras unter den Olivenbäumen tatsächlich mit breiten Streifen vergoldete.

Sogar ein Drahtzaun mit ein paar durchaus nicht goldenen Blättern überzog des Sonnenlicht mit seinem Goldglanz.

Beim Nachbarn pflückte ich mir noch schnell ein paar reife Kum-Kwat-Früchte, die dem Gold der Sonne nacheifern. Die werde ich jetzt verspeisen.

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Was ist mit den Wolken los? (kleine Beobachtungen)

Vorgestern war ein strahlender Tag. Am Nachmittag zogen dann leichte Wolkenschleier auf, die sich bald verstärkten. Wie gewöhnlich beobachtete ich die Wolken mit Interesse, seit einiger Zeit aber auch mit zunehmendem Argwohn. Sind es „normale“ Wolken? Oder wurden sie womöglich künstlich hervorgerufen? Man hört und liest ja so einiges….

So wurde ich auch vorgestern stutzig: Es gibt in dem Gewölk rhythmische Strukturen, die ich mir nicht erklären kann. Also fotografierte ich sie und stelle sie nun ins Netz in der Hoffnung, dass mir jemand sagt, dass das alles „völlig normal“ sei, und mir erklärt, wie diese Strukturen zustandekommen. 

leichte Schleierwolken (unbearbeitetes Handy-Foto)

Wenn man dies Foto durch Fotoshop „automatisch beleuchtet“, zeigen sich die Strukturen, von denen ich rede, deutlicher:

Das folgende Foto habe ich wenig später aufgenommen:

um dann den interessierenden Himmelsausschnitt farblich zu bearbeiten.

Und noch ein drittes Foto:

sowie die farbliche Bearbeitung

In der Nacht danach begann es stark zu regnen und zu gewittern, und am Sonntagmorgen war der Himmel trüb und schwer. Am späten Nachmittag klarte es dann wieder auf. Und heute, am Montag, ist der strahlende Sonnenschein zurück.

Wer kann mir diese Wolkenformationen und den schnellen Wechsel Sonnenschein – Schmuddelwetter – Sonnenschein erklären?

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Tägliches Zeichnen (im Cafe)

Mit dem „täglichen Zeichnen“ ist es in diesem Monat nicht weit her gewesen. Das Aussortieren, Ordnen, digitale und tatsächliche Rahmen von früher Gezeichnetem hat weit mehr Platz eingenommen. Doch damit muss Schluss sein! Drum habe ich mich entschlossen, den Zeichenblock oder jedenfalls des Notizblöckchen stets mit mir herumzutragen.

Vorgestern notierte ich eine Szene im Cafe. Es handelt sich um einen hier üblichen gläsernen oder durch Plastik abgeschirmten Kasten im Fußgängerbereich der Stadt Kalamata, mit bequemen Stühlen und Bänken, messingglänzenden Säulchen, notdürftig beheizt. Das eigentliche Cafe liegt dahinter in einem ansehnlichen Haus. Durch Innentreppen erreicht man das „batari“ (offene Galerie im Obergeschoss), wo ein gerade erschienenes Buch vorgestellt wurde, für das sich mein Mann interessierte:  „Woke – Η καθολική αποδόμηση: έθνος – φίλο – φυλή“ (zu deutsch etwa: „Die universelle Dekonstruktion: Ethnos – Geschlecht – Stamm“), an dem viele Autoren mitgewirkt hatten. Ich hatte keine rechte Lust drauf, zumal mich Vorträge mit anschließenden Diskussionen wegen meiner Schwerhörigkeit sehr ermüden, und verzog mich ins Außencafe.

Eine Gruppe von Menschen hatte sich dort zusammengesetzt, wohl auch, um zu rauchen. Ich machte eine flüchtige Skizze, so gut das in dem Halbdunkel des Raums möglich war (Kugelschreiber und Ölkreide).

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kinderkunst anschauen

An Kinderkunst gehe ich nie vorbei. Wenn möglich, betrachte ich sie genau und komme mit den jungen Künstlern ins Gespräch. Letzteres war gestern abend nicht möglich, denn die Bilder der Kinder hingen im Foyer von Kalamatas Großer Musikhalle, die wir angesteuert hatten,  um ein Konzert im Rahmen der 12. Gitarren-Festivals anzuhören. Es war ein schönes Konzert, und ich freute mich sehr über die Musik sowie über die lebhaften Beifallsbekundungen aus den oberen Rängen. Da saßen die Schüler des Musikgymnasiums und applaudierten ihren Lehrern auf der Bühne.

Zuvor hatte ich die Kinderkunst im Foyer betrachtet und fotografiert. Nähere Angaben zu Namen und Alter der Künstler fehlten. Die Arbeiten waren Varianten je eines Themas und wurden nicht einzeln, sondern wie eine Collage präsentiert. Ich zeige mal ein Beispiel.

Hier war das Thema offenbar Pilze und Früchte, und die Kinder waren angehalten. das ganze Blatt auszufüllen. Es scheint noch andere Anweisungen gegeben zu haben, denn es fällt auf, dass die Kinder vielfältige Muster benutzten. Und so haben die Bilder eine gewisse Gleichförmigkeit, die noch durch die Hängung betont wird.  Eine Art Kollektiv-Arbeit, wo jedes der zehn Kinder einen Flicken zu einem gemeinsamen Patchwork-Teppich beigetragen hat.

Aber wird der individuelle Ausdruck so nicht unterbewertet? Der interessiert mich nämlich am allermeisten, und so machte ich mich daran, die Bilder zu vereinzeln und jedes für sich zu betrachten. Und möchte dich auffordern, das ebenfalls zu tun.

Dann wirst du nämlich sehen, dass die Kinder, bei allen vorgegebenen Einschränkungen, sehr unterschiedliche persönliche Lösungen finden.

Man könnte nun versucht sein herauszufinden, welche Bilder von Jungs, welche von Mädchen stammen.

Man könnte auch Charakterbilder der Kinder dazu erfinden.

Man könnte, wie es in der Schule ja üblich ist, die Bilder miteinander vergleichen und sie benoten.

Man könnte auffällige Bildeigenschaften analysieren und deuten

Man könnte sich über den Reifegrad des jeweiligen Kindes Gedanken machen

Man könnte ihm eine künstlerische Zukunft weissagen oder auch nicht

Man könnte nach der Wirkung der jeweils bevorzugten Muster – Kugeln, Streifen, Wellen, Vierecke… – fragen und was sie über den Malenden aussagen

All das könnte man tun, und tut es auch, wenn man Kunsterzieher oder Psychologe oder gar Experte in Kunstpsychologie ist

Im Grund habe ich mir diese vielen „könnte-Sätze“ nur ausgedacht, um zwischen jedes Bild einen Satz zu schieben, damit du dir jedes einzelne dieser Kunstwerke zu Gemüte führst, es einatmest und die Seele jedes dieser malenden Kinder wahrnimmst und dadurch ehrst.

Dies ist nun eine andere Collage, die Kinder sind offenbar kleiner und in ihrem individuellen Ausdruckswillen weniger „gegängelt“. Ich finde den Vergleich zwischen dem obigen und diesem Patchwork sehr interessant. Das Foto ist in hoher Auflösung, und so kannst du, wenn du willst, jedes Einzelbild gut betrachten und dir deine Gedanken machen. Einfach anklicken!

Hier habe ich noch vier Bilder aus einem 8-teiligen Patchwork herausfotografiert, bei denen das Thema offenbar „unsere Stadt“ oder vielleicht auch „Sonntagsausflug“ o.ä. war.

Es gab auch eine Ausstellung von Erwachsenen-Arbeiten eines Kunstkurses, die waren nicht schlecht, doch machen mich die Kinderarbeiten weit mehr an. Als Erwachsener hat man es schwer..,,

 

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Good morning, Babylon! (einen alten Film wieder ansehen)

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen Griechenlands hat oft sehr sehenswerte Filme im Programm. Gestern abend konnten wir einen unserer Lieblingsfilme anschauen: „Good Morning Babylon“ der Gebrüder Taviani (1987). Bei Wikipedia kann man die Handlung und einige nörgelnde Kritiken nachlesen (hier), die meiner Meinung nach dem Zauber dieses Films keineswegs gerecht werden. Ach, wer die Poesie der Bilder verstünde! Vor allem das Ende wird in der Kritik vollkommen unterbewertet, während es mich zum Weinen brachte, und ich hinausging in die mondhelle Nacht und meinen Kummer mit den schweigenden Olivenbäumen besprach.

Zwei Brüder, Nicola und  Andrea, Söhne eines Patriarchen (Steinmetzmeister in Pisa), starten jung, hoffnungsvoll in die Neue Welt, finden nach schweren Zeiten Erfolg und zwei reizende Frauen, die gleichzeitig schwanger werden – immer gehen sie und die Frauen im Doppelpack oder, wie bei meinen heutigen Katzenfotos: doppelt gemoppelt (hier). Ihren Erfolg verdanken sie ihrem Zusammenhalt und der Geschicklichkeit, für den damals berühmten Regisseur Griffith und seinen Film „Intoleranz“ riesige Elefanten zu schaffen. Den Prototyp dafür hatten sie in Eigenbau im Wald gebaut – aus Zweigen, alten Plakaten und Gips.

Dieser Elefant wird durch den neidischen, die armen Italiener verhöhnenden Regieassistenten abgefackelt.

Das Glück bleibt ihnen dennoch treu. Doch dann kommt es vor dem Theater, in dem der Film mit den Elefanten seine Uraufführung erlebte, zu Tumulten: die USA sind in den Ersten Weltkrieg eingetreten. Griffith, der für seinen Film „Geburt einer Nation“ gefeiert worden war, ist mit „Intoleranz“ nun nicht mehr up-to-date. Überstürzt müssen die hochschwangeren Frauen in die Klinik gebracht werden. Beide Kinder werden gerettet, aber die Frau Nicolas stirbt. Der, nun tief unglücklich, kann das Glück des Bruders nicht mehr ertragen: das Ungleichgewicht zwischen ihnen ist gestört. Nicola bleibt unversöhnlich und kehrt nach Italien zurück, wo er als Kriegsfreiwilliger in die Armee eintritt. Der „glückliche“ Bruder Andrea kann seinerseits nicht ohne seinen Bruder leben und lässt sich von den US-Streitkräften anwerben. Und so treffen sie auf dem italienischen Schlachtfeld (vor der Kirche, die sie vor ihrer Auswanderung mit dem Vater und den anderen Brüdern meisterlich renoviert hatten) erneut zusammen, tödlich verwundet beide. Mit einer Kriegs-Reporter-Kamera filmen sie sich sterbend gegenseitig.

Und warum weinte ich? Weil die beiden sich filmen, damit ihre kleinen Söhne das Gesicht ihrer Väter kennenlernen. Und weil Andrea zuletzt seine blutigen Hände hebt und damit die kleinen Söhne in der Ferne segnet. Es ist eine Wiederholung einer Anfangsszene, als ihr Vater sie einst segnete, als sie in die Fremde zogen.

Der Vater hatte damals gesagt: Zusammen seit ihr stark undwerdet Erfolg haben. Trennt euch nie, bleibt immer im Gleichgewicht, denn wenn das gestört wird, werdet ihr zu Feinden.

Brüder waren sie, Brüder sind sie, aber sie trennen sich, als der eine mehr vom Glück begünstigt ist als der andere – und sie schlagen sich gegenseitig tot, als ihre Regierungen ihnen das Schlachtfeld dafür bietet. Das einzige, was ihnen noch bleibt, ist, ihre Kinder sterbend zu segnen.

Die letzte Szene, die mich so anrührte, ist in den Zusammenfassungen des Plots unterbewertet oder fehlt ganz. Offenbar haben die Autoren sie gar nicht verstanden, weil ihnen die dazugehörende Lebenserfahrung fehlt.

Für mich ist sie die wichtigste Szene. Ich fühlte den tiefen Schmerz der vaterlosen Kinder, deren Väter in einem fernen Krieg zum Täter und Opfer werden. Mir war, als ob mein eigener Vater, der vor Stalingrad fiel, als ich ein Säugling war, noch einmal, aus der Ferne des Raumes und der Zeiten, herübergrüßte mit seinen blutbedeckten Händen und mich segnete, und er segnete ebenso die Kinder der Männer, die auf der „Feindesseite“ starben. Seine Brüder. Meine Gewschwister.

Geschwister sind die Menschen. Aber seit Kain und Abel zerstreiten sie sich, wenn der eine es besser trifft als der andere. Jedenfalls vorübergehend besser. Denn im Tod sind sie wieder gleich.

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Legebild: Gib dem Frieden eine Chance!

 

 

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Kleine Beobachtungen: blühende Blumenkohlwiese

Als ich nach zehntägiger Abwesenheit meinen Gemüsegarten besichtigte, staunte ich nicht schlecht: was ist mit dem Blumenkohl passiert? Ihr erinnert euch, dass er sich sehr schön entwickelte. Einen haben wir bereits verspeist – ein Hochgenuss. Einen anderen wollte ich jetzt ernten. Aber schau selbst, was aus ihm geworden ist! Kann man den noch essen?

Nicht zu reden von einem anderen, der sich in eine Wiese transformiert hat:

Hübsch ist er ja, aber ist er essbar? Oder kann man daraus neue Kohlköpfe gewinnen?

Ich habe eben schon selbst im Netz nachgeschaut: ja, essbar sei er schon noch, aber eben nicht mehr so nach Blumenkohl schmeckend. Interessanter für mich war die Information, dass der weiße Blumenkohl eigentlich aus Knospen besteht, die eben zB bei plötzlich eintretendem Wetterwechsel „schießen“ und aufblühen. Und dann bilden sich Schoten mit Samen, die wiederum zu Kohl werden….

Gelobt sei mein Baktze (Gemüsegarten), gelobt auch das Internet! Beide zusammen haben nun mein Blumenkohl gründlich erweitert.

Was aber mache ich? Ich glaube, den einen „geschossenen“ Kohl werde ich heute gleich noch ernten, den blühenden aber überlasse ich sich selbst, auf dass ich auch im nächsten Winter Blumenkohl habe.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Doppelt gemoppelt

Im sonnigen Garten haben es sich die großen und kleinen Fellträger gemütlich gemacht. Gold zu gold, weiß zu weiß bilden sie Paare, als wollten sie noch einmal zurück in den Mutterleib.

Die blauäugigen Kater Lin und Lan im Vordergrund kennt ihr ja schon, seit sie selbst Kleinkater waren.

Sie sind auch jetzt unzertrennlich. Eine Freundin wollte einen der beiden adoptieren, aber ich bringe es nicht übers Herz, sie zu trennen. Beide oder keiner. Auch das später geborene goldene Paar bleibt beisammen und wärmt und säubert sich gegenseitig.

Wer brächte es übers Herz, sie zu vereinzeln? Und so bleiben sie halt alle hier, und der Katzengott sei mir gnädig.

 

 

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