Tagebuch der Lustbarkeiten: Aufräumaktion im Atelier beendet

Heute bin ich sehr zufrieden. Warum? Nebst allem anderen habe ich es geschafft, einen Schlusspunkt unter meine Sichtungs- und Aufräumarbeit im Atelier zu setzen. Ich habe die Teppiche, die Staffelei, die Farbbehälter…, die ich gestern rausschleppte, heute in gereinigtem Zustand zurückgetragen, nachdem ich auch die letzten Ecken des großen Raums ausgekehrt hatte. Nun fühle ich mich im Atelier wieder heimisch und wohl und hoffe, dass ich auch wieder male, anstatt vor Zeiten gemalte Bilder hin und her zu tragen.

Ich habe ein paar Ecken des Ateliers fotografiert. Die Wände sind noch weitgehend leer, was mir gefällt, aber nicht so bleiben muss. Das Konzept, wie ich zu Ausstellungen einlade, entsteht gerade. Ich glaube, ich werde einfach „ins Atelier“ einladen, „Schauen Sie sich in meinem Atelier um“. Das wäre eine attraktive Alternative zu den üblichen Ausstellungen. Und ich müsste keine perfekte Schau hinlegen. Ein paar Bilder werden hängen, andere lehnen an den Wänden, Zeichnungen kann man in Dossiers anschauen, und jedem Besucher wird klar sein, dass es außer dem, was herumsteht, noch vieles zu entdecken gibt.

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wiedersehen mit sechs Bildern

Heute freute ich mich, einige Bilder als Foto zugeschickt zu bekommen, die sich in einer privaten Sammlung in Deutschland befinden. Gemalt habe ich sie in den 90er Jahren, alle mit Pigmenten und Kleister auf Leinwand (1,2,5,6) oder auf Pappe (3-4). Die beiden männlichen Figurenbilder waren Teil einer Ausstellung im Goethe-Institut Athen, 1993. Die noch in meinem Besitz befindlichen habe ich bereits gezeigt, zur Erinnerung hier nochmal fünf der Serie (60×120 cm). DasFormat dieser jetzt hinzugekommenen Bilder ist etwas anders: 70×100 cm.

                                      

Die Energie, mit der ich damals malte, ist in den mitgesandten Detailaufnahmen schön zu sehen. Beispiel: Rücken.

Eine Mehrfiguren-Studie auf Pappe, 51×54 cm
> Bild 6: 50×70

eine Szene mit zwei Jugendlichen zur Siestazeit….(70×100 cm)

Wie aus einem Siesta-Traum entstiegen, sind auch die folgenden beiden Bilder: ein träumerisches seascape  …(70×100 cm)

und ein grauer Tempel, der im Ausschnitt eines Gemäuers sichtbar wird. 60×45 cm.

Diese sechs Bilder füge ich nun meinem Werkverzeichnis hinzu, aber sie stehen für evtl. Interessenten nicht zur Verfügung.

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Transparenz 12: Eure Kommentare zu (11) und Bitte um weitere Stellungnahmen und Beispiele.

Vielen herzlichen Dank für eure Kommentare! Ich finde sie so wesentlich, dass ich sie hier noch mal gesammelt den geneigten Lesern und Leserinnen meines Blogs zur Lektüre empfehlen möchte. Vielleicht möchte die eine oder der andere noch etwas ergänzen oder anmerken. Mich würde vor allem interessieren, wie du die Wirklichkeit in Deutschland auf dem „Transparenz-Barometer“ (*) einschätzt.

Gibt es im politischen und gesellschaftlichen Bereich genügend Transparenz (1 sehr intransparent – 10 sehr transparent)? Welche Bereiche sind besonders intransparent? Nehmen Korruption, Vetternwirtschaft, undurchsichtige Verfahren im staatlichen Handeln zu (ja-nein-weiß nicht)? Meinst du, dass es aktuell Gefahren für das Privatleben der Menschen gibt, von oben kontrolliert und „durchsichtig“ gemacht zu werden? Wo hapert es, wo ist es gerade richtig, wo schon zu viel der „Transparenz“? Gerne auch Beispiele mit eigenen Erfahrungen, die deine Ansicht verdeutlichen.

Ich würde mich freuen, wenn am Ende eine Art Stimmungsbild zustande kommt. Natürlich kann ich auch meine Eindrücke aus Griechenland mitteilen, doch wäre das sehr einseitig, da ich ja keine anderen griechischen Stimmen herbeizitieren könnte.

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(*) Transparency international, 1993 vom ehemalige Weltbank-Direktor Peter Eigen gegründet, hat sich auf Korruptionsbekämpfung weltweit spezialisiert. Die deutsche Abteilung ist als Verein organisiert. TI erarbeitet jährlich Rangreihen der „subjektiv wahrgenommenen“ Korruption. Deutschland hält da gegenwärtig mit dem 9. Platz weltweit eine gute Position. Objektive, also tatsächlich vorhandene Korruption ist damit nicht erfasst, sondern nur die Stimmung der Bevölkerung.

5 Antworten zu Transparenz (11) : Gläserne Menschen, ja oder nein? Aufruf zu einer Debatte

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Transparenz ist per se in vielen Fällen nicht möglich.
    Aus meinem Spezialgebiet Schach weiß ich das. Ich fragte einst Nationalspieler Dr. Fahnenschmitt um seine Einschätzung eines Zugs. Er machte eine fahrige Bewegung, die mich im Nachhinein ärgerte. Allerdings weiß ich heute, dass einem Novizen das schwer bis unmöglich zu erklären war, denn dazu hätte es die Erfahrung eines Spielers wie er es war, gebraucht, um zu verstehen. Vieles ist also schwer zu vermitteln.

     
  2. lachmitmaren schreibt:

    Transparenz hinsichtlich von Entscheidungen und Handlungen, die unmittelbaren Einfluss auf das Schicksal und das Leben sehr vieler anderer Menschen haben, halte ich für unabdingbar.

    Mehr Bereitschaft, persönliche Gefühle und Bedürfnisse, die jeweils hinter dem eigenen Verhalten stehen; den dieses Verhalten Betreffenden auch mitzuteilen; – für ein besseres Verständnis untereinander -; halte ich ebenfalls für wichtig.

    Transparenz aber, die dadurch hergestellt wird, dass einige bestimmen, dass sehr viele andere für sie „transparent“ werden sollen; während sie für sich selber jede Transparenz verweigern; führt in eine Dystopie.

  3. Eva Farniente schreibt:

    Transparenz wäre ideal, wenn alle sich an die gleichen Werte halten würde. Das heißt, wenn die eigene Transparenz nicht als Schwachstelle oder als Vorteil für einen anderen benutzt werden.
    Wenn Transparenz bedeutet, sich die Zeit und Muße zu nehmen, um in Verbindung zu kommen, sich andere Standpunkte anzuhören, ohne zu werten, dann finde ich es sinnvoll und wünschenswert. Das Problem der Transparenz wird die Wertung der Mitmenschen sein, vermute ich. Und davon kann ich mich nicht freisprechen. Wie oft bewerte ich etwas unterbewusst, anstatt dass ich es beobachte, nachhake, versuche zu verstehen?
    Ein verzwicktes Thema, liebe Gerda.
    Komm gut ins Wochenende und danke für deinen Denkanstoß! Liebe Grüße, Eva

     

     
  4. linienspiel schreibt:

    Der gläserne Mensch ist eine grausliche Vorstellung. Daten, Berechenbarkeit, Funktion versus Lebendigkeit. Transparenz wünschenswert? Ja und Nein. Eine Pauschalantwort gibt es nicht. Transparenz trägt sowohl Nutzen- , als auch Schadenspotential in sich. Es kommt auf die Perspektive und den Kontext an, ganz besonders auf die zu Grunde liegende Motivation, die Absicht, den Zweck.

     

     
  5. Ulli schreibt:

    Mit der Transparenz hast du ein großes Thema eröffnet. Natürlich wünsche ich mir Transparenz in der Politik, in der Wirtschaft, dass nachvollziehbare Schritte sichtbar sind oder werden.
    Meine Geheimnisse aber bleiben meine Geheimnisse und ich entscheide, wem ich sie mitteile oder ob überhaupt. Ich weiß auch, dass manches, was mensch so gerne verbergen möchte, umso sichtbarer wird.
    Durch die Digitalisierung schreitet der Porzess des transparenten Menschen fort und das ist mir ehrlich gesagt unheimlich.

    Ich denke so ähnlich wie Ulli. Ich persönlich möchte kein durchsichtiger / transparenter Mensch sein. Es ist schön, sich einhüllen zu können, nicht in Geheimnisse, aber in der Sicherheit meiner Kleidung. Mensch ohne jegliche Hülle ist auf Dauer sehr eintönig.
    Viele Jahre war ich mit meinen Eltern in FKK-Geländen unterwegs und nahm wie selbstverständlich auch meine Freunde mit.
    Mit der Zeit wurde es sehr langweilig, ständig alle diese unbekleideten Menschen zu sehen. Da war kein *Geheimnis* mehr, Erotik? Fehlanzeige.

    Durchsichtig bedeutet auch, die Gedanken der Menschen zu lesen und meine Gedanken sind mir kostbar. Die brauche ich dringend, um mein Ich zu wahren.

     

     

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Nach Hause kommen

Als ich vorhin, heimkommend, durch die Gartenpforte trat: was sah ich da? Den weiß blühenden Rosenbusch, rote Geranien und Hibuskus-Blüten, die riesige Pinie, ein paar Olivenbäume natürlich und das aus großen Steinen gefügte Haus ….

und, als Empfangskomitee, Lin mit seinen zwei goldenen Cousins auf dem Kissen vor der Tür. Hier seht ihr die drei Süßen herangezoomt. Noch haben sie mich nicht bemerkt. Aber gleich!

Die Risse in der Türbemalung verdanken wir noch Tito, der sich durch Kratzen bemerkbar machte, wenn er reinwollte.

 

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Im Cafe (tägliches Zeichnen)

Nach Meer und Wildnis zog es mich in die Stadt, unter die Menschen. Wohin? Ins Lieblingscafe in Kalamata: Es heißt Schmuckstück und ist auch eins.  An sonnigen Tagen sitzt man im Garten, jetzt eher drinnen. Platz war heute, am Samstag nachmittag, genug. Ich bestellte einen doppelten Espresso, genoss die Geräuschkulisse aus Menschenstimmen und Musik, genoss die wohlige Wärme und ließ den Blick über das Mobiliar, die Menschen, die Bilder an den Wänden wandern. Es sind mehrere kleine, fast intime Räume, die Wände in verschienenen Farben gehalten, stilvolle bequeme Sitze, alles sorgfältig dekoriert. (Unbezahlte Werbung)

Schließlich fischte ich einen winzigen Block aus der Umhängetasche, um mein „alltägliches Zeichnen“ zu absolvieren. Es wurden vier Skizzen. Wie klein sie sind, kannst du auf dem ersten Foto ermessen.

Die Zeichnung mit der Kaffeetasse habe ich mit einem entsprechenden Foto überblendet und das Foto angepasst. Dafür musste ich das Foto zerschneiden, denn die Nah-Drauf-Sicht des Fotos ließ das Wasserglas stark in die Schräge kippen und  den Teelöffel übermäßig groß erscheinen, während die Dinge auf der Zeichnung sich „normal“ verhalten und den wirklichen Größenverhältnissen nachempfunden sind.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Zerklüftete Küste

Als ich beschloss, heute ein ziemlich wildes Stück der Küste zu besuchen, musste ich erstmal meinen inneren Schweinehund in seine Hütte jagen, Denn so schön diese Ecke ist, so unangenehm ist der Zugang. Zuerst kommt man an einer Reihe seit Ewigkeiten verrottenden Hausgerippen vorbei. Der Weiterbau wurde gestoppt, weil die erlaubte Bebauung überschritten wurde (und weil die Minitarjunta, die derlei Überschreitungen erlaubte, gestürzt wurde). Das war in den 70ern des vorigen Jahrhunderts….

Dann kommt man an anderen mehr oder weniger verwilderten Grundstücken vorbei. Heute fehlte das Hundegebell, stattdessen flogen ein paar reizenden Meisen neben den aufgegebenen Orangenbäume auf, was ich für ein gutes Zeichen nahm. Weiter gings an der Küste entlang, zunächst noch auf gangbarem Beton, dann über Holzkisten, Bruchstücke und Geröll, durch Gestrüpp und über zur Mole aufgeschichtete Felsen.

Schließlich gelangst du in eine kleine Bucht, von wo es kein Weiterkommen gibt.

Oder vielleicht doch? Ja, es geht noch ein Stück weiter, es gibt sogar eine Treppe, die am Hang hochführt – freilich nur bis zu einer verscvhlossenen Pforte mit dem obligatorischen „Bissigen Hund“.

Endstation Sehnsucht. Das musste sogar ich einsehen.

Aber willst du überhaupt weiter? Ist es nicht herrlich hier in der Stille, die nur vom Plätschern der Meereswellen belebt wird?

Ich schaue mich um, ob es vielleicht doch ein Weiterkommen gibt. Vielleicht über die etwas höher gelegener bewachsene Küste, das in ein verwuchertes Wäldchen übergeht? Nein, das ist aussichtslos, denn darüber erhebt sich eine gelbe Steilwand. Das Stück Erde aber ist übersäht mit… blauer Iris! Freude! Hier, in unmittelbarer Meeresnähe, hätte ich sie keinesfalls erwartet. Aber so ist es eben mit den Wundern: sie erreichen dich dort, wo du sie am wenigsten erwartest.

Wie die Iris aussieht, wisst ihr ja. Aber wie hübsch sie sich hier zwischen Steinen und allerlei Gräsern macht, möchte ich doch noch zeigen. Dazu auch eine in Auswicklung befindliche Knospe (rechts).

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Blaue Blumen finden

Die Blaue Blume der Romantik ist ein Symbol für die Selbstfindung. Und insofern ist es vielleicht nicht unerheblich, dass ich heute, nach Um- und Irrwegen in den Olivenhainen, an eine Stelle kam, wo sie in Fülle blühte.

Ich habe ein Problem mit der Schilddrüse, das mich manchmal sehr belästigt, mich nervös macht und meine Gedanken trübt. Gestern, als ich deshalb nicht einschlafen konnte, bemühte ich mich, ruhig zu atmen. Dabei fiel mir auf, dass meinem Halsbereich bei jedem Einatmen helle blaue Farbe zuströmte. Das fühlte sich gut an, beruhigte mich. Ich schaute daraufhin nach, welche Farben den Chakren zugeordnet werden, und freute mich zu erfahren, dass das lichte Blau tatsächlich zum Halschakra gehört.

Ich schaute mir dann auch noch die anderen Chakra-Farben an, probierte sie durch und behielt sie im Gedächtnis. Und so wanderte ich heute durch die Felder. Der Weg, den ich einschlagen wollte, war versperrt. Also suchte ich einen anderen. An jeder folgenden Weggabelung überließ ich mich meiner Intuition, geriet in Sackgassen und wechselte die Richtung. Schließlich gelangte ich in einen feuchten Hohlweg – und da sah ich sie: die blaue Blume! Die wilde Iris, die sonst schon nicht mehr blüht, liebt die schattigen Hänge und hat sich hier ausgebreitet.

Bei ihrem Anblick fiel mir die gestrige Chakren-Atmung wieder ein. Dies war nicht mehr das helle Blau des Halschakras, sondern schon fast das Indigoblau des „Dritten Auges“. Ich ließ mich in das samtige leicht rötliche Blau hineinsinken und fühlte im Kopf eine tiefe Entspannung.

Immer, wenn ich das schwebende Blau der wilden Iris über dem kräftigen Grün erblicke, fühle ich große Freude, ich „eile, um sie nah zu sehn“. Aber bisher hatte ich mich nicht gefragt, warum es mir so gut tut. Jetzt weiß ich es.

Die jungen Blüten haben das tiefste Blau, später verbleichen sie. Im Zentrum, von wo aus auch die federfeinen gold-weißen Zeichnungen ausgehen,verdichtet sich das Blau zu einem schweren Violett.

Ich ließ mich auf einem Hang nieder und begann zu träumen. Nein, es war nicht der von Novalis berichtete Traum*, und er wird auch nicht in die Geschichte eingehen, aber sag selbst. ob es einen schöneren Platz zum Träumen gibt?

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* Wikipedia, Stichwort „Blaue Blume“, ich zitiere:
Durch ein Bild seines Freundes Friedrich Schwedenstein inspiriert, verwendete Novalis dieses Symbol als Erster in seinem Romanfragment Heinrich von Ofterdingen. Er beginnt damit, dass der junge Heinrich vor dem Einschlafen über die Begegnung mit einem geheimnisvollen Fremden nachsinnt:

„Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, sagte er zu sich selbst; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken.“

Er schläft ein und beginnt zu träumen. Im Traum durchreist er fremde Gegenden, bis er schließlich am Fuße eines Berges die Öffnung eines Ganges erblickt. Er betritt eine Höhle, in der sich ein Wasserbecken befindet, das er durchschwimmt bis zum anderen Ufer:

„Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die […] ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstliche Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stängel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte. Sein süßes Staunen wuchs mit der sonderbaren Verwandlung, als ihn plötzlich die Stimme seiner Mutter weckte […]“

 

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Transparenz (11) : Gläserne Menschen, ja oder nein? Aufruf zu einer Debatte

Diese transparente Wesen – Menschen, Hunde, Bäume – schuf ich im November 2015 aus Pergamentpapier, die ich bemalt und zerschnitten hatte. Ich zeigte das Bild schon mal unter „November-Transparenz“.

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Ursprünglich schrieb ich dazu; „Man sieht, so kommt es mir jedenfalls vor, was sie denken und fühlen.  Mir gefällt es, denn wer wünscht sich nicht transparente Verhältnisse?“

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Inzwischen ist mir freilich so mancher Zweifel gekommen, ob es denn wirklich so wünschenswert ist, dass jedermann sehen kann, was ein anderer denkt und fühlt? Wir alle lieben doch die Camouflage, stellen gern etwas vor und dar, oder? Und jeder hat das eine und andere Geheimnis, das er gut hüten und nicht an die große Glocke hängen möchte, oder? Es gibt natürlich auch die Wahrheitsfanatiker, die Geheimnistuerei gar nicht gutheißen und meinen, es wäre weit besser um die Menschheit bestellt, wenn jeder zu dem, was er fühlt und denkt, auch offen steht und es urbi et orbi verkündet. Und es gibt die Technokraten, die „Privatsphären“ und allgemein die Intransparenz der menschlichen Verhältnisse ganz und gar lästig finden und sie gern durch einen schnell ablesbaren Bar-Code ersetzen möchten: der „gläsernde Mensch“ als Ideal einer effizienten Verwaltung. 

„Ja, tatsächlich wäre das besser“, sage ich versuchshalber. „Man wüsste, woran man ist“. Man. Wer aber ist man?

Einem wohlwollenden Freund  kann man sein Denken und Fühlen offenbaren und tut es manchmal gern. Einem Priester kann sich der arme Sünder transparent machen, denn Gott sieht ja sovieso alles. Für den sind wir eh transparent.

Aber der Steuerbehörde? Möchtest du, dass sie auf Heller und Pfennig weiß, was du hier und da erhalten hast? Na schön, auch da ist es ja im Prinzip nicht verkehrt, man bleibt ehrlich. Und was öffentliche Funktionsträger an Gehalt beziehen, und wen der Minister mit einem Sonderauftrag beglückt, möchten wir ja auch ganz gern wissen. 

Also wäre es gut, wenn alle Menschen und Vorgänge transparent wären?

Ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher.

Der Einzelne wird womöglich schutzlos, nackt vor dem alles sehenden Auge.

Was sagen denn die Experten dazu?

Book cover„Transparenz ist eines dieser gesellschaftlichen Phänomene, das wünschenswert erscheint und dann auch wieder nicht. Anscheinend widersprüchliche Beobachtungen zur Transparenz verdeutlichen das unmittelbar: Eine Gesellschaft, in der es keine Geheimnisse gibt, ist unrealistisch. Geheimnisse „als bewußt gewolltes Verbergen“ (Simmel) sind ein unverzichtbarer Teil gesellschaftlichen Zusammenlebens (…) Wir wissen außerdem, (…) dass eine „totale Verhaltenstransparenz menschlicher Gesellschaften“ ebenso unmöglich ist wie ein „Normensystem, das die Entdeckung aller Normbrüche aushalten würde…“

(Gekürzte Zusammenfassung eines Beitrags Nico Stehr und Cornelia Wallner in dem Band „Transparenz“ ´erschienen im renommierten Springer Verlag). Auslassungen habe ich mit (…) gekennzeichnet.

Ich habe das Buch weder gelesen noch überhaupt in der Hand gehalten und weiß durchaus nicht, was drin steht. Dass aber Transparenz „wünschenswert erscheint und dann auch wieder nicht“, dem kann ich mich vorläufig anschließen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Gedanken dazu schreiben würdet.

Zum besseren Einstieg zitiere ich gleich nochmal, dieses Mal aus einem Aufruf zu Beiträgen, veröffentlicht 2015 von der Fachbereich Soziologie der Universität Osnabrück unter dem Titel  „Soziologie der Transparenz: Utopien, Theorien und unbeabsichtigte Nebenfolgen eines Konzepts“. Da heißt es einleitend:

„Transparenz“ ist ein gleichermaßen positiv belegter, allgegenwärtiger und selten klar
definierter Begriff (…). Offenkundig ist die derzeitige Konjunktur des Begriffes in massenmedial-­‐politischen Debatten, in denen vor allem in Bezug auf öffentliche Institutionen, aber auch in Richtung privatwirtschaftlicher Organisationen nahezu widerspruchslos nach „mehr Transparenz“ gerufen wird. Ob es sich nun um Korruption, Lobbyismus, Unterschlagung, Spionage oder Diskriminierung handelt: das Transparentmachen von Entscheidungen gilt als mächtiges Werkzeug zur Sicherstellung von institutioneller Legitimität, Fairness und Effizienz.
Der Aufbau „transparenter“ öffentlicher Institutionen, die Sicherstellung „transparenter“
Vergabeverfahren, „transparenter“ Wahlen und Einstellungspraktiken oder die „transparente“ Kennzeichnung von Lebensmitteln wird zunehmend von internationalen Akteuren wie der OECD, der UNO, der Europäischen Kommission und vielen anderen als explizites Ziel von Reformagenden formuliert. Einige Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von Transparenz als einer unhinterfragbaren globalen Norm (…).
Auffällig ist an all den Beispielen einerseits ein konzeptionelles Naheverhältnis zwischen
Transparenz und Überwachung. Transparenz bezeichnet als Ideal nicht nur einen neugierigen Willen zum Wissen (Foucault), sondern einen Sammelbegriff für (Selbst-­‐)
Kontrollmechanismen, die Regelkonformität sichern sollen (…). Andererseits ist das Transparenzideal in hohem Maße ambivalent in Bezug auf seinen Anwendungsbereich. Während es im Bereich übertragener Macht unmittelbar plausibel erscheint, soviel externe Einsichtigkeit wie möglich zu institutionalisieren, sollen Privatpersonen gerade vor dem Zugriff von Überwachungstechnologien geschützt werden.

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Vom Segelhafen und Federvieh

Heute musste ich ans andere Ende von Kalamata, um meine Abgaskarte fürs Auto zu erneuern. Und da ich Zeit hatte und die Sonne vom blauen Himmel strahlte, beschloss ich, dem Segelhafen einen Besuch abzustatten.

Der Wirtschaftshafen von Kalamata, erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb genommen, hat kaum noch Bedeutung, im Gegensatz zum Segelhafen. Der ist als winterlicher Liegeplatz mit großem Areal zum Aufbocken und Überholen der Boote gut frequentiert.

Ach, diese Linien der Masten! Diese gewölbten Schiffsleiber und hölzernen Aufbauten, vielfältigen Namen und Herkunftsländer, diese manchmal pompösen oder aber liebevoll gepflegten kleinen Yachten, die Tender, Wimpel, Taue, Beschläge, Wanten… alles in kaum wahrnehmbarer Bewegung, sonnig, still… Und alles wiederholt sich, leicht gebrochen und gewellt, im Spiegel des Hafenbeckens – wie sehr ich all das liebe, immer schon.

 

Als ich vorhin im Netz unter dem Stichwort „Hafen von Kalamata“ nachschaute, fand ich ein Gemälde von Konstantinos Parthenis (1878/9 – 1967), einem hier hoch geschätzten Maler, der gewisse Aspekte der Moderne in Griechenland einführte. In diesem Hafenbild von 1911, das eher herkömmlich wirkt, ist bemerkenswert die Reduktion der 3. Dimension, also der Bildtiefe – ein Thema, das die Maler seit Manet zunehmend beschäftigte. Sie wollten die Fläche, auf der das Bild sich entfaltet, ernst nehmen, indem sie die in der Renaissance wiederentdeckte Perspektive durch allerlei Bildtricks außer Kraft setzten. 

Ich meine, Ähnliches ist mir bei dem folgenden Foto gelungen, das im Gegensatz zum Foto ganz oben die Perspektive weithehend „vernichtet“.

Während ich stehe und schaue, macht ein großer Fischkutter los und gleitet mit tuckerndem Motor hinaus aus dem Hafenbecken. Männer, die auf einem der Anleger sitzen und klönen, rufen dem Käptn einen Gruß hinterher und winken.

Wenn ich noch eine Sehnsucht hätte, dann wäre es diese: In einem der Häuschen da unten mich einnisten und Tag für Tag zuschauen, was sich am Hafen so tut.

Übrigens tat sich heute auch auf der Wiese davor etwas. Die Gänse und Enten, die dort leben, kennt ihr schon (hier und hier). Heute sah ich sie gemütlich herumliegen, als ich vorbei ging, und freute mich. Auf dem Rückweg aber hörte ich ein aufgeregtes Geschnatter. Was war los? Eine Frau stieg aus einem Auto. Die kannten sie und begrüßten wie mit Geschnatter!

Sie trat zu dem Federvieh und fütterte es mit den mitgebrachten Brotbrocken.

Dann verabschiedete sie sich, wies die Gänse an, ihr nicht zu folgen, und ging zurück zu ihrem Auto, aus dem ein kleiner Terrier zum Fenster herausschaute.

Die große Gans im Zentrum richtete sich hoch auf, reckte den Hals und schickte der Wohntäterin ein kräftiges Trompetengeschnatter-Dankeschön hinterher!

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wespennester

Von der Straße aufgehoben habe ich sie, wo sie zum Glück noch unversehrt lagen. Eine ordnende Hand hatte sie aus unserem Briefkasten entfernt und weggeworfen. Ich aber schrie innerlich: „Echt jetzt?“ Wunderbauten sind das, federleicht und trotzdem stabil, von einer so perfekten Geometrie, dass es mir unmöglich war, sie zu zeichnen (ich versuchte es).

Die Gebilde waren mit einer Art Stiel am Metall des Briefkastens befestigt, Die sechseckigen Waben haben eine beträchtliche Tiefe, und auf etlichen sitzen noch die runden „Eier“, als denen die Jungwespen wohl geschlüpft sind (bitte, mich zu korrigieren, wenn das falsch ist).

Beeindruckend ist die Leichtigkeit. Die Nester sind aus Papiermasse, von den Wespen aus Holzabfällen und eigenen Sekreten zusammengekaut. Zunächst baut nur die Königin, denn sie ist die einzige, die vom vorjährigen Stamm übrig blieb. Die neu geborenen Jungwespen machen sich sogleich ans Werk und helfen, schleppen Holuschnipsel heran, kauen, kleben.

Meine Nester wurden wohl frühzeitig aufgegeben, denn sonst wären noch viele Etagen drangebaut und schließlich das Ganze verschlossen worden.

Nun sag selbst: sind diese Viecher nicht erstaunlich?

 

 

 

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