Tagebuch der Lustbarkeiten: das Schlangen-Alphabet ergänzen

Ich fand heute ein weiteres vertrocknetes Schlänglein beim Fegen unter den Bücherregalen im Keller, wo ich Großreinemachen veranstaltete mit dem Ziel, einen Teil meiner Bilder dorthin auszulagern. Drei große Tüten mit Büchern aus meiner Uni-Zeit gehen morgen in den Recycling-Müll. Das macht mich recht froh, denn diese didaktische und sozialpädagogische Lektüre inspirierte mich nie.

Das Schlangenalphabet besteht nun schon aus neun Buchstaben bzw Hieroglyphen! Ich bin fasziniert von ihrem Glanz und ihrer Eleganz. Der Neuling ist die No 6. Den langen ersten Buchstaben habe ich auch noch nicht gezeigt.

Hier kannst du auch Großaufnahmen der Schlänglein sehen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: gelber Klee

Nach einer sehr stürmischen Nacht ist mein weißer Rosenbusch leider nicht mehr wiederzuerkennen: eben noch voller Blüten, ist er nun fast kahl.

An allen Horizonten bauen sich neue hohe Wolkenberge auf, manchmal  tröpfelt es auch, nieselt, aber die Sonne setzt sich immer wieder durch. Bei einem Spaziergang die Straße hoch leuchteten mir die Terrassen der Olivenhaine in kräftigem Goldgrün entgegen. Das Gold hat der gelbe Klee hinzugefügt, der nun überall blüht. Er wendet seine kleinen Kelche der Sonne zu, egal wo sie grad steht, und trinkt und trinkt das Sonnenlicht, um es verwandelt zurückzustrahlen.

Die Olivenbäume in diesem Hain sind verbuscht. Das geschieht, wenn sich die Menschen nicht kümmern. Da die Bautätigkeit wieder stark zugenommen hat (uns gegenüber entstehen drei neue Häuser, vermutlich um sie an Touristen zu vermieten) und so mancher Bauer meint, mit einem Häusle mehr Geld verdienen zu können als mit dem Öl, vermute ich, dass auch auf diesem schönen Feld bald ein Bagger stehen wird.

Dem gelben Sauerklee wird das aber nichts anhaben können. Der ist widerständig. Wo er sich einmal angesiedelt hat, lässt er sich nicht mehr vertreiben. Und bietet seinen goldenen Trichter den Bienen dar.

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Impulswerkstatt, Bild 4: Dekonstruieren – was heißt das?

https://laparoleaetedonneealhomme.files.wordpress.com/2023/12/img_2384-e1704573362985.jpg

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, 4. Bild.

Von all deinen diesmaligen Bildern, liebe Myriade, ist dieses das rätselhafteste. Es tyrannisiert mich. Ich versuche es zu fassen, aber es entzieht sich. Mein Gedanke: da wird ein hoch kompliziertes Hufeisen konstruiert, aber der Konstrukteur kommt irgendwie nicht zurande mit seiner Arbeit. Denn gleichzeitig mit der Konstruktion läuft ein Prozess der Dekonstruktion. Drum geht es nicht vorwärts, und zurück gehts auch nicht. Alles bleibt in der Schwebe. Die beiden Prozesse haben sich so sehr ineinander vertütelt, dass der Konstrukteur das Weite gesucht hat. Oder, um mit Morgenstern zu reden:

Der Architekt indes entfloh

nach Afri- od Ameriko.*

Konstruktion ist ein klarer Begriff: Nimm Materialien und mach was Neues draus. Konstruiere dir eine neue Welt, zum Beispiel einen Rundbogen wie auf dem Bild. Destruktion ist auch einfach zu beschreiben: Mach kaputt, was du gebaut hast, reiß es ein.

Aber Dekonstruktion?

Erfunden hat den Begriff – bzw die Methode – der französische Philosoph Jacques Derrida. Wer Lust hat, lese den Artikel zu seinem Leben und Werk nach. Ich bin weit davon entfernt, voll zu begreifen, was es mit dieser Methode auf sich hat, aber soviel habe ich doch verstanden:

Alles irgendwie in Erscheinung Tretende wird als „Text“ behandelt.

Der Dekonstruktivist sucht im „Text“ (zB geschichtliches Ereignis, Kunstwerk, Lebenslauf, was auch immer) nach Gegensätzen, nicht um sie aufzulösen oder um zu einer die Gegensätze in sich aufnehmenden Synthese zu gelangen (wie in der Hermeneutik), sondern er prägt einen Terminus, der einen „geschichtlich gefestigten Gegensatz in Bewegung versetzt bzw. seine ihm immer schon innewohnende Bewegung verständlich macht“. (Zitat nach  Wikipedia-Artikel Dekonstruktion). Ein solcher Gegensatz wäre zum Beispiel Leben und Tod. Kann man daran zweifeln, dass jemand entweder lebt oder tot ist? Jeder meint doch zu wissen, was mit Leben und Tod gemeint ist und dass es sich um einen Gegensatz handelt, den man nicht hinterfragt. Unsere moderne Medizin ruht auf diesem „festen Fundament“: Wer tot ist, lebt nicht, und wer lebt, ist nicht tot.

Und doch: auch dieser Gegensatz hat diese Bedeutung nur im Text, in dem wir ihm gerade hier und jetzt begegnen (im aufgeklärten, naturwissenschaftlich orientierten Westen). Auch dieser Gegensatz hat eine Geschichte, und die ist nicht gradläufig, sondern kommt und geht, verändert sich, überlagert sich, nicht unähnlich dem merkwürdigen Bogen auf deinem Foto, liebe Myriade.

Wenn ich nämlich den Gegensatz Leben-Tod „dekonstruiere“, komme ich zum Begriff „Untoter“, Zombie, vielleicht auch Gespenst, Dämon, Geisterscheinung. Oder auch zum Begriff „Reinkarnation“.  Oder zum Begriff „Der Geist der Ahnen“. Oder zum Begriff „Schatten“, denen Odysseus am Ausgang der Unterwelt begegnet, denn sie kommen herbeigeeilt, um sich am Opferblut zu laben und sich zu erinnern…

https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2015/08/img_4467.jpg Jeder dieser Begriffe (Gespenst, Zombie, Reinkarnation etc) hat seine Geschichte, wurde zu bestimmten Zeiten geprägt und zur Geltung gebracht. Und jeder dieser Begriffe kann jederzeit wieder auftauchen (und tut das auch ständig), in neuem Gewand, neu definiert, mit veränderter Wirkung, um später wieder abzutauchen.

Leben-Tod ist im „aufgeklärten Westen“ ein so gut etablierter Gegensatz, dass man leicht vergisst, dass es nicht immer so war und nicht überall und allezeit so ist. Unsere „Selbstverständlichkeit“ ist selbstverständlich nur im gegebenen historischen oder auch regionalen, psychischen, literarischen, künstlerischen … Text. Schaut man in einen anderen Text, gibt es ihn womöglich gar nicht.

Nimm ein anderes Beispiel, etwa Freier-Sklave, Demokratie-Diktatur, Rechts-Links, Mann-Frau … Und versuch für dich, diesen Gegensatz zu dekonstruieren….


Danke, liebe Myriade, für den Impuls, den du mit deinem Foto gesetzt hast.


*Christian Morgenstern, Der Lattenzaun.

 

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Malerei fortgesetzt: Pareidolie (Gesichter sehen)

Wir alle sehen ein Gesicht dort, wo uns in Wahrheit nur zwei Punkte anschauen. Ist auch noch eine Linie im Bereich, wo Menschen den Mund haben, vorhanden, ist die Illusion perfekt.  Schon ungeborene Babys reagieren darauf, las ich eben bei einer TV-Wissenssendung. Das Gesichter-Sehen sei angeboren. Man nennt es Pareidolie.

Gesichter sehen wir auch in Wolken, Felsen, an Dingen … überall blicken uns Gesichter an.

Ich vermute, ihr alle seht im folgenden Foto ein Gesicht, wenngleich es sich nur um Mandeln, Cashewkerne und Rosinen handelt, die ich auf dem Abendbrottisch anordnete, bevor sie in meinem Mund verschwanden. Sogar ein Geschlecht, ein Alter und einen Charakter wird man dieser rothaarigen Person zuordnen. Man kann ihr eine Geschichte zuordnen, kann mit ihr hoffen und bangen und es schrecklich finden, ihr die Augen einfach wegzuessen. Gruselig!

Nicht immer sind Gesichter eindeutig zu erkennen. Das merkte ich mal wieder an euren Kommentaren zu meinen nächtlichen Überlegungen. Ich behauptete, es gebe dort ein Profil (Mann, Bärtiger), das durch die Gitterstäbe blickt. Hier noch mal das ganze Bild und der Bildausschnitt.

Offenbar ist diese Anordnung von Linien und Farbtönen nicht zwingend als Gesicht zu erkennen. Darf ich ein wenig nachhelfen, damit du siehst, was ich sehe?

Das Merkwürdige ist, dass man, wenn man es einmal „gesehen“ hat, nicht wieder ungesehen machen kann. Es ist da und bleibt hartnäckig bestehen, ist eingegraben ins Hirn. Die einzige Hoffnung, es wieder loszuwerden, ist, es zu übermalen. Doch selbst dann ist es nicht ganz weg.

Weit mehr als die anderen Strukturen, die viel eindeutiger und kräftiger sind, beherrscht  das „Gesicht im Profil“ die Bildaussage. Das ist immer so, wenn ein Mensch oder menschenähnliches Wesen auftritt. Am Menschen kommen wir nicht vorbei. Wir sind aufgefordert, uns mit ihm zumindest versuchsweise zu identifizieren, wie er zu fühlen, zu lieben und zu leiden und die Welt mit seinen Augen zu betrachten.

(wird fortgesetzt)

 

 

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Malerei fortgesetzt: Überlegungen

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Weisen, ans Malen heranzugehen: Die „klassische“ Art ist, sich ein Thema zu setzen (oder von einem Auftraggeber ein Thema gestellt zu bekommen) und dann zu beginnen, das Thema umzusetzen. Früher machte man zu diesem Zweck eine Reihe Vorskizzen, denn Leinwände und Farben waren teuer und schwer zu beschaffen, heute gehen die meisten Maler spontaner vor.

Die entgegengesetzte, heute verbreitete Herangehensweise ist, sich nur eine ungefähre Vorstellung zu bilden, was man malen möchte, und sich dann dem Malvorgang anzuvertrauen, der die Führung übernimmt. „Es“ malt sich. So werden einerseits dem Medium (Farben etc), andererseits dem Unbewussten ein großer Spielraum eingeräumt. Der Maler wird zum Beobachter seines eigenen Schaffens.

Dieses Beobachten findet natürlich auch beim „klassischen“ Malen ständig statt, denn ohne dies würde der Maler die Kontrolle über den Malvorgang verlieren. Dirigierende Instanz aber ist die Absicht des Malers, ist sein hellwacher Wille. Beim spontanen Malen macht sich der Maler absichtlich willenlos, er betäubt sich (manche benutzen Rauschmittel oder Musik), denn er möchte sich selbst überlisten und auf die Schliche kommen. Er schaut gespannt einem von ihm abgetrennten Tun zu, etwa so, wie man seinem Traum zuschaut. Die Subjekt-Objekt-Schranke wird brüchig, das Subjekt löst sich im Objektiven des Malens auf.

Ich selbst bewege mich zwischen diesen Extremen: mal übernehme ich bewusst die Leitung, mal übergebe ich die Leitung an das Medium (verlaufen lassen, sprühen, wischen, die entstehenden Formen beobachten). Dann stelle ich mich vor dem Bild auf und „entdecke“ es. 

Zurück zur in Arbeit befindlichen Leinwand,  Stand jetzt:

Für Spontaneität ist momentan nicht viel Raum, denn es gibt schon eine Bild-Architektur, es gibt Strukturen bzw Informationen, die zu berücksichtigen sind. Welche werde ich herausarbeiten? Welche werde ich durch Übermalung vernichten?

Die kräftigste Struktur wird durch die aufgeklebten Papiere gebildet. Die schwarzen Linien bilden ihrerseits ein kräftiges Gitter. Können beide erhalten bleiben? Können sie koexistieren oder muss eine weichen?

Es gibt daneben heimliche „Informationen“, die sich anbieten, eine führende Rolle bei der Weiterarbeit zu übernehmen. Eine möchte ich herausgreifen. Es ist ein „Gesicht“, ein graues Profil, das durch das schwarze „Gitter“ schaut:  Man sieht eine gerade Nase, ein geschlossenes Auge, ein Ohr, schwarzes Haar, vielleicht einen Bart, ein Stück Hals. Der Hinterkopf ist ein wenig abgeplattet. Kannst du es sehen?

Durch dieses Gesicht bekommt das Bild eine unerwartete Bedeutung. Ich jedenfalls fühle mich aufgefordert, den Rest des Bildes als Imagination dieses „Objekt-Subjekts“ wahrzunehmen. Wo, in welcher Situation befindet es sich? Was sieht es? was wünscht es? Welche Gedankeninhalte bewegen es? Wird es die Dinge auf neue Art ordnen? Wenn ja, in welcher Weise?

Und schließlich: Was ist es? Ein Mensch? eingesperrt, Insasse einer Anstalt? Oder schaut es von außen hinein in unsere Welt und sinnt, versucht zu verstehen?

Werde ich es übermalen oder werde ich das Bild in seinem Sinne umgestalten?

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Handwerker im Haus

Wenn du denkst, du hast’n …

Kennst du das alberne Liedchen: „Wenn du denkst du hastn,/ springt er aus dem Kasten! / Wenn du denkst, es ist dein Schatz,/ isses nur ein Hampelmatz!“*? Das kam mir in den Sinn, als ich mir das heute erneut entstandene Chaos und die Staubschicht besah, die alles in meinem Atelier überdeckte.

Und das kam so: Wir hatten heute einen Handwerker im Haus, der an unseren Außentüren und einigen Fenstern „sites“ (bewegliche Fliegengitter) anbrachte. Die sind übrigens so durchsichtig, dass ich, um mich zu vergewissern, dagegenfasste. Also alles gut. Die Katzen sind freilich entsetzt: sie können nun nicht mehr auf der Fensterbank Platz nehmen, durch die Fenster schauen, zur Balkontür hereinspazieren, sobald man sie ein wenig offen lässt, oder gar, wie Fritzi, am frühen Morgen durchs Schlafzimmerfenster einsteigen. Fritzis Morgenbesuch wird mir fehlen, der Massenaufmarsch der Katzen weniger. Es ist doch schön, mal eine Tür oder ein Fenster zu öffnen, ohne eine Katzeninvasion befürchten zu müssen. Andererseits: Solche Bilder gehören nun leider der Vergangenheit an….

Da wir also einen Handwerker im Haus hatten, bat ich ihn, im Atelier ein paar Löcher zu bohren für Halterungen von Stangen, an die ich im Falle von Ausstellungen Bilder hängen kann. Dann brauche ich nicht ständig neue Nägel in die Wand zu hauen, sondern kann mit Fäden die Höhe der Bilder regulieren. Um die Halterungen anzubringen, musste ich freilich erst mal Platz für die Leiter schaffen und die nah der Wand verstauten Bilder woanders ablegen.

Die Hängevorrichtung ist nun dran, der dickste Staub ist entfernt, die Bilder aber hängen noch nicht richtig.  Das ist eine ziemlich komplizierte zeitraubende Aktion. Heute habe ich erstmal die vorhandenen Nägel benutzt, um sie aus dem Weg zu haben. Und die großen Bilder sind hinter einer weißen Holzplatte verstaut. Ideal ist was anderes, und so bleibt mir die Arbeit erhalten…

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*Bei diesem „Gassenhauer“ handelt sich um eine 1887 entstandene Berliner Kreuzpolka von Rudolf Daase. Den Text schrieb Alfred Schmasow. Ich fand diese Angaben und den ganzen Text bei https://www.berliner-zeitung.de/autoren/torsten-harmsen–li.37.

„Siehste wohl, da kimmt er,/ lange Schritte nimmt er,/ siehste wohl, da kimmt er schon,/ der versoffne Schwiegersohn./ Siehste nicht, da steht er,/ seinen Schnurrbart dreht er./ Ja, oh ja, er muss ihn drehn,/ denn er muss zur Hochzeit gehn./ Wenn du denkst, du hast’n,/ springt er aus’m Kasten./ Wenn du denkst, es ist dein Schatz,/ isses nur ein Hampelmatz!/ Siehste, jetzt verschwindt er,/ eine andre nimmt er./ Oder auch er hat se schon,/ dieser blöde Schwiegersohn.“

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Malerei fortgesetzt: Metamorphose eines Bildes in 5 Phasen

Ich möchte einfach mal zeigen, was aus dem Bild, das ich vorgestern durch Übermalung eines anderen produzierte, weiter geworden ist. Vielleicht interessiert sich manch einer für den Prozess des Malens. Fertig ist das Bild noch lange nicht.

voriger Stand:

Ich vermalte die noch flüssige Ölfarbe der insektenähnlichen Gestalt und drehte das Bild um 180 Grad.

Ich betrachtete das Ergebnis und beschloss, die nun leere Fläche durch aufgeklebte Pappen und Papiere zu beleben.

Dieses etwas geflickte, dennoch recht freundliche Ergebnis entsprach nicht meiner Stimmung. Ich nahm einen dicken Pinsel und übermalte es mit unruhigen schwarzblauen Linien.

Dann überging ich die gelblichen Felder mit Blau.

Dann verdunkelte ich auch die noch verbliebenen Helligkeiten.

Da bin ich nun.

Wenn auf dem Ausgangsbild ein unangenehmes Rieseninsekt dominierte, möchte ich diese Verwandlung mal als „erneute Verpuppung“ interpretieren.

(wird fortgesetzt)

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Tagebuch der Lustbarkeiten: zwischen zwei Schauern spazierengehen

Es ist eine Lust und ein besonderes Vergnügen loszumarschieren, wenn die Welt in Regentropfen und Sonnenschein funkelt. Das dachte ich und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Bergdorf. Hoch türmten sich die Wolken über dem Gebirge, und am Horizont des Meeres erschien der berühmte Silberstreif, der sich mal verbreiterte, mal schmaler wurde. Regen verschleierte die gegenüberliegende  Küste.

 

 

 

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Transparenz 14: Gläserner Krug mit Überblendungen (tägliches Zeichnen)

Die Transparenz des Gegenstandes mischt sich hier mit dem Verfahren der Überblendung, bei dem ich die beiden Ebenen – Foto des Objektes und der Zeichnung – zu je 50% „transparent“ mache.

Ich machte die Zeichnung mit diversen Stiften – auch, um auszuprobieren, welche noch funktionieren: Angefangen habe ich mit Buntstiften, dann machte ich mit Kugelschreibern weiter, von denen die meisten den Geist aufgaben, und schließlich fand ich einen Filzstift, mit dem ich die Zeichnung komplettierte.

Ich fotografierte die Zeichnung und das Motiv.

Das Ergebnis der Überblendung des fotografierten Motivs mit der digital veränderten Zeichnung:

Mir scheint das eine ganz gute Illustration dessen zu sein, was nicht nur ich beim Wort „Transparenz“ empfinde. Man weiß nicht so recht, was man sieht: was ist Vordergrund, was liegt dahinter?  Was ist „wahr“, und auf welcher Ebene? Die Eindeutigkeit geht verloren, alles ist bruchstückhaft miteinander verzahnt.  Und genauso ist es wohl auch, wenn man sich bemüht, den Dingen, Entwicklungen, Absichten, Bekenntnissen auf den Grund zu gehen.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: wieder mal malen!

Heute habe ich mir  gestattet, alles zu vergessen, was ich über Malerei weiß. Nach langem Pausieren war mir danach, einfach drauflos zu pinseln und zu sehen, was draus wird. Entsprechend rudimentär waren meine Vorbereitungen: Ich probierte gleich auf der Leinwand aus, welche Farben noch brauchbar waren, ersetzte das nicht vorhandene Bindemittel Kleister durch Öl, nahm als Malgrund eine große Leinwand mit Kohle und aufgeklebten Papieren, die seit langem unfertig herumstand (die große weiße in der Mitte). Und los gings mit dickem Pinsel.

In diesem Fall ging der Malimpuls von zwei aufgeklebten Schnipseln aus (oben, in der Mitte), die mich wie gelbe Augen anstarrten. 

und so baute ich die Schnipsel in rötliche Farbe ein. Ein unangenehmes wütendes Wesen sprach nun daraus.

Ich bekam Angst vor der eigenen Courage und änderte das Drumherum:

Man könnte die beiden Schnipsel jetzt für die Köpfe von verliebten Goldfischen halten. Doch war der Anfangsimpuls nicht mehr zu stoppen…

und so entstand das Portrait eines insektenartigen Zwitterwesens, das sich in seiner ganzen Hässlichkeit zeigt, nachdem es seine weiße Maske abgelegt hat.

Schade eigentlich, denn die angefangene Leinwand war vielversprechend und hätte mit Bedacht zu einem guten Ende geführt werden können. Aber so bin ich bisweilen: draufgängerisch und bedenkenlos.  🙂

Zum Glück gibt es noch viele andere Leinwände, die ich mit mehr Bedacht übermalen kann.

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