Impulswerkstatt: Bild 3: das Gelb des Maises (Verbindungsübung zu Bild 2)

Maisgelb strahlt tiefe Ruhe und Wärme aus,  ein wenig wie Honiggelb, nur deutlich matter.

Wie verschieden doch ist, was sich hinter dem Wort „Gelb“verbirgt! Früher fand ich es eine schwierige Farbe, weil es nach vorn drängt. Immer wieder habe ich mit verschiedenen Gelbs experimentiert und ausprobiert, wie die anderen Farben dagegen standhalten. Mein kleiner Sohn hatte da keine Probleme. Vier Jahre erst, wusste er bereits, wie man das Gelb zur Wirkung bringt und zugleich im Zaume hält.

Gelb drängt nicht nur nach vorn, sondern neigt auch dazu, aus der Reihe zu tanzen. Es ist halt sehr dynamisch und bewegungsfreudig. Nur das Weiß ist noch vorwitziger.

Gelb bringt dem fröstelnden Menschen Wärme, Entspannung. Mag auch das Wetter grau und kalt sein – ein wenig Gelb hinter den Fenstern der armen Häuser lässt das Herz freudiger schlagen.

Dasselbe Gelb freilich auch kann Gefahr und Zerstörung anzeigen.

So findet auch in dem Bild, dass du, Myriade, als zweites präsentierst, das Gelb seinen Platz. Spärlich nur tritt es auf, und es wärmt nicht, sondern die wenigen gelben Pinselstriche und Kleckse steigern die Trauer über das Verlorene.

Wie anders ist die Empfindung angesichts der gewaltigen leuchtend gelben Wolke, die über dem violetten Meer treibt!

Der Mais hat einiges von der Sonnenkraft, die ihn hat reifen lassen, in sich gespeichert, als Süße und Wärme teilt sich uns diese Kraft mit, wenn wir den Mais essen, frisch geröstet auf dem Holzkohlenfeuer.

Wenn diese Sonnenkraft aufgebraucht ist, bleibt die weißlich-bräunliche Hülle zurück. 

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Niemals, auch an den trübsten Tagen, möge uns das sonnige Gelb völlig fehlen!

Möge es auch in den grauen Städten nicht nur als elektrischer Schein, sondern als lebendige Sonnenkraft immer präsent bleiben!

 

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt September-Oktober 2024, zum Bild 3 mit einer „Verbindungsübung“ zu Bild 2. Die eingefügten Arbeiten sind von mir, mit Ausnahme des Aquarells meines vierjährigen Sohnes und der beiden von Myriade als Impuls gesetzten Fotos.

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Hygeia (11) mit Maske und Pflanzlichem

Heute präsentiere ich euch die elfte und vorerst letzte Zeichnung mit Hygeia, seit isch sie von der Zeichenschule mit nach Hause genommen habe.  Denn morgen fahren wir nach Athen, und die Skulpturen werde ich nicht mitnehmen. Wie alle anderen ist auch dies eine Kohlezeichnung, wobei ich nun die Rückseite des Zeichenkartons genommen habe, die glatter als die sehr körnige Vorderseite ist. Die Hygeia habe ich ein wenig hinter den Bambus in der Vase gerückt.Hinter der Jünglingsmaske steht eine selbst geformte und bemalte Keramitvase, und in der Mitte thront die allseits beliebte Mme Kolokytha.

Zum Erinnern eine Übersicht über all die Hygeia-Jünglingsmaske-Zeichnungen im September, in der Reihenfolge ihrer Entstehung.

Und welche mag ich gerade jetzt am liebsten? Die mit dem kompliziertesten Bildaufbau: a) mit den strengen Rahmen und b) mit dem pflanzlichen Licht-Schattenspiel.

Vielleicht hast du auch eine Präferenz und möchtest sie mir mitteilen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Lebendiges zwischen Steinen

Auf dem Geröllstrand der Bucht unter „unserer“ Taverne wächst ein Palmenwäldchen heran. Wurden die ersten Pälmchen gepflanzt? Oder haben sie sich von einem höher liegenden Garten ausgesät? Ich weiß es nicht, denke aber, dass die dortigen Kakteenliebhaber auch für die Palmen sorgen.

Einige der Palmen sind inzwischen fast doppelt so groß wie ich…

andere winzig klein, aber schon komplett mit Stamm und Krone, groß genug, um Zwergen Schatten zu spenden.

Und noch andere sind gerade dabei ihre ersten Blätter über dem Geröll zu entfächern.

Die Bucht wird seit ein paar Jahren von einer aus mächtigen Felsbrocken aufgeschichteten Mole geschützt. Die Steine dafür wurden aus dem nahegelegenen Gebirge gebrochen. Jetzt bemerkte ich Bäumchen, die oben zwischen den Felsbrocken hervorgewachsen sind.

Leider konnte ich nicht viel näher heran, und der Zoom des Handys reichte nicht, um mir ein klares Bild zu verschaffen. Aber mir scheint, dass sich Eichenblätter darunter befinden. Eine Eiche aus dem Gebirge – hier am unfruchtbaren Strand – eine schöne Ergänzung zum Palmenwäldchen wäre es allemal.

Übrigens, das titellose Bild von gestern zeigt einen Salzwassertropfen in einem Felsenloch. Eine Träne des Meeres. Vereinzelung. Sagen wir Menschen nicht oft, wenn jemand stirbt, er kehre zurück ins große Meer? Diese Träne wird nun ihren Weg antreten: verdunsten, zur Wolke werden, abregnen und schließlich in einem der Ozeane sich mit dem Großen Ganzen wieder vereinen.

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ohne Titel

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ein Boot besuchen

Außer mir schwamm heute nur ein Bötchen auf dem Meer.

Ich besuchte es, und es gefiel mir, es in der ungewohnten Perspektive von unten gegen den Horizont zu betrachten. Ein gemütliches Boot, rüstig und solide. Das Holz, der grobe Anstrich und das etwas unbeholfene Rumeiern auf den Wellen, an der Flucht gehindert durch den Anker – all das gefiel mir sehr.

Natürlich hatte ich kein Handy dabei. Später watete ich ins Meer, so weit es eben ging, und versuchte in etwa den Eindruck wiederzugeben, den es mir beim Schwimmen machte.

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Hygeia aufrecht vor der „Regatta“, mit Vase und Maske (tägliches Zeichnen)

Wieder die Hygeia, dieses Mal im Profil.So sieht die Atelierecke aus, in der ich zeichnete.

Die Zeichnung:

Ich habe dann wie gewohnt ein bisschen rumgespielt.Etwas rätselhaft ist mir das Resultat der „Farbverstärkung“ des Fotos der Zeichnung. Beim Fotografieren einer Zeichnung gibt es ja immer Einflüsse des Lichts im Raum, in diesem Falle eine Mischung aus Kunstlicht und Tageslicht. Merkwürdigerweise zeigen sich die stark gezeichneten Linien rötlich, die weicher gezeichneten, verwischten hingegen bläulich. Wie ist das wohl zu erklären?

Die Überblendung mit dem Foto zeigt, dass ich an der Zeichnung des Kopfes nicht viel zu meckern ist. Auch die Jünglingsmaske ist richtig getroffen.  Die Vase kippt, nun gut, das ließe sich leicht korrigieren.

 

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Schlänglein (kleine Beobachtungen)

Heute habe ich wieder ein Schlänglein im Atelier gefunden. Es war noch weich,  aber winzige Ameisen hatten sich bereits eingefunden und rückten ihm zuleibe. Ich befreite es von Staubflusen („Staub sollst du fressen, und mit Lust, wie meine Muhme, die berühmte Schlange“). Tatsächlich hat sie diesen Staub irgendwo aus hintersten Ecken zusammengetragen, denn im Sichtbereich ist mein Atelier ziemlich sauber.

Es ist etwas größer als die früheren, die ich zu einem Schlangen-Alphabeth zusammengefügt habe. Ich werde wohl mal nach der Quelle dieser neuen Schlangenerscheinung forschen müssen. Denn es ist eine Viper, ziemlich giftig. Aber schön finde ich sie doch.

 

Das Schlangenalphabet, Stand Februar 2024

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Berlin, Berlin!

Viele schöne Eindrücke sammelte ich wieder beim Bummeln am Segelhafen. Das meiste war wie erwartet: die Spiegelungen der Schiffsleiber, Fender und Taue im Hafenbecken…

die scharfen Schatten der Bootsanhänger …

und natürlich der Wald von Masten

Überraschender war da schon eine Fütterung, auf die mich Entengeschnatter aufmerksam machte…

Dann erst sah ich die Fress-Konkurrenz der Enten: einen Kater, der mich prüfend-missbilligend beäugte, als ich vorsichtig näherkam.

Was ich aber gar nicht erwartet hatte, war der Ruf „Berlin, Berlin“ am Hafen von Kalamata. Er grüßte mich vom Bug eines urigen aufgebockten Schiffes. Am Heck las ich dann seinen Namen: Niki. Und das bedeutet: Sieg.

Na also!

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Dienstags-Drabble: Das Lächeln

Für das heutige Drabble hat Heide (Puzzleblume) die Wörter rot – gefärbt – Tisch vorgegeben. Ein Drabble ist ein 100-Wörter-Text, darin sollen die drei vorgegebenen Wörter vorkommen.

Das Legebild gehört zum Zyklus „Nachtzirkus“ und ist keine Illustration des Textes. Ich habe es wegen der rotgoldenen Haare ausgewählt. Die Farbe des Sonnenaufgangs.

 

 

Heute im Straßencafe

Ich lasse mich an einem der schlichten Metalltischchen vor dem Straßencafe nieder. Wo ist die Bedienung? Da schält sie sich schon aus dem Schatten des kleinen Raums, von einem stumpfen Honiggelb ist ihr gefärbtes Haar, schulterfrei das schwarze Top, rot lackiert die gepflegten Fingernägel.  Als ich bestelle, geht ein Lächeln über ihr Gesicht. Wie Sonnenaufgang. Und verlischt. Mein Espresso ist heiß und bitter. Der Zucker ist verklumpt. Wortlos reicht sie mir einen anderen Streuer. Und wieder geht dieses Lächeln über ihr müdes, vermagertes und nicht mehr junges Gesicht. Ein Sonnenaufgang. Sein Licht wärmt mein Herz und wirkt noch immer fort.

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Hygeia (9), Jünglingskopf, Vasen etc vor Gemälde

Heute habe ich die Skulpturen als „Dinge zwischen Dingen“ arrangiert. Zu diesen Dingen gehören zwei Vasen, die eine mit einem Bambus, Kissen und Tücher, eine Rolle Toilettenpapier und der Klotz, auf dem die Hygeia befestigt ist, Ich probierte mehrere Arrangements aus, wobei ich versuchte, die Köpfe möglichst gleichgültig hinzulegen, so als hätte man sie dort vergessen. Als Hintergrundbild wählte ich eine nächtliche „Regatta“ mit aufgeklebten gelben Lichtern.

Die Zeichnung, gegen 6 Uhr im Raum aufgenommen, blaustichig.

Ich habe dann noch mit Bildausschnitten herumexperimentiert, zB als Querformat

oder mit angeschnittener Maske und in Schwarz-Weiß, was eher dem Original entspricht.

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