Alles fließt? Das ist doch sehr die Frage! Dieser Tage, als ich keinen Computer hatte und mit einem Finger auf dem Smartphone rumtippte, kam mein Denken leicht ins Stocken. Und so lag ich mehr als sonst auf dem Sofa (es war auch heiß) und stellte mir vor, was ich schreiben wollte. Dabei machte ich eine für mich interessante Entdeckung: Ich schrieb in Gedanken von rechts nach links und in Spiegelschrift! Na so was?!
Ich bin Linkshänderin, wurde aber in der Schule auf rechts getrimmt. Also schreibe ich normalerweise mit der rechten Hand. Ich schreibe aber nicht gut. Meine Buchstaben taumeln, als ob sie ständig gegen einen starken Wind oder Strom ankämpfen müssten. Vor meinem geistigen Auge aber entwickelten sich die Wörter in Spiegelschrift, weich und widerstandslos, wohlgeformt und recht stark nach links geneigt, als würden sie von einem Strom mitgerissen. Ich war fasziniert.
Um zu sehen, was an meiner Entdeckung dran sei, setzte ich mich hin und schrieb mal mit der Linken in Spiegelschrift, mal mit der Rechten normal. Hier seht ihr das Ergebnis (Bleistift und Kugelschreiber auf Schreibmaschinenpapier A4).

Und noch einmal, etwas näher dran.
Wenn man bedenkt, dass meine linke Hand das Schreiben nicht gewohnt ist, ist es schon erstaunlich, wie ruhig und gelassen die Spiegelschrift dahingleitet. Dagegen meine Normalschrift: das Blatt rechts oben! Das ist von einer ganz anderen Persönlichkeit geschrieben, das kämpft sich durch, ruhelos, voller Widerspruch. Das bin Ich, wie ich mich kenne: gegen den Strom schwimmend. Aber vielleicht bin ich „in Wirklichkeit“ ja doch auch die andere, die, wenn man sie nicht in ihrem natürlichen Fluss gehemmt hätte, froh mit dem Strom geschwommen wäre?
Nun, egal. Jetzt tippe ich wieder. Eigentlich schade. Das Schreiben mit der Hand hat doch eine besondere Qualität, steht dem Denken näher. Und nun gar in Spiegelschrift! (Spiegeln = Reflektieren).
Und damit es noch was zu sehen gibt: ein paar Skizzen aus einem Skizzenblock vom August 1987. Fast dreißig Jahre sind seither vergangen, aber die Badefreuden sind jetzt so aktuell wie damals. (Feder, Tinte und Aquarell)
