Rückbesinnung (Oktober 2017 – Juli 2019)

Heute habe ich nicht gezeichnet. Das ist insofern eine Meldung wert, als ich von Oktober 2017 bis heute so gut wie täglich gezeichnet habe. Vorausgegangen war ein großes HALT! Mein Atelier war überschwemmt und die Arbeiten des Jahres weitgehend unbrauchbar geworden.

Eines der letzten Bilder vor der Katastrophe war die abstrakte Bewegungsstudie oben: Kohle und Pigmente mit Kleister auf Pappe. Ich habe eben Detailsfotos dieser Arbeit herausgesucht und sie mir angeschaut. Welche Dynamik, welcher Mut!

 

Als ich mich wieder traute, entstand als  erstes eine zarte Farbzeichnung- Kohle und Ölkreise auf Pappe.  Eine Öffnung? Eine neue Melodie?

Die Melodie fand keine unmittelbare Fortsetzung. Vielmehr tat ich nun, was ich seit meinen Anfangsjahren nicht mehr getan hatte: nach der Natur zeichnen. Es entstanden zarteste Bleistift- und Federzeichnungen.  Das war im Oktober 2017.

Seither habe ich viele verschiedene Stilarten, Medien und Motive durchprobiert, immer vor der Natur zeichnend, zuletzt verstärkt zurückgehend ins Architektonische. Hier noch mal meine letzte Zeichnung zum Vergleich.

Wohin die Reise gehen wird? Ich weiß es nicht.

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Neue Straßenblicke vom Balkon (zwei Zeichnungen)

Am späten Nachmittag bezog sich der Himmel, es könnte ein Gewitter geben. Großes Aufatmen! Ich setzte mich auf den Straßenbalkon und zeichnete. Das Gewitter ging dann zwar woanders nieder, aber die Atmosphäre hat sich inzwischen wohltuend abgekühlt. Ich denke, man sieht es den Zeichnungen an, dass es nun keine 40 Grad mehr sind…

Straßenblick nach links unten, nachmittags 2019-07-10

 

Straßenblick nach rechts, nachmittags 2019-07-10

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Nachts und am Morgen leben die Dinge verschieden (Wahlzettel-Skizzen)

Heute nacht, bei sehr vermindertem Licht, machte ich zwei weitere Wahlzettel-Skizzen auf dem Balkon. Ich fand nur einen blauen Kuli, der dem billigen Papier arg zusetzte (1. Skizze), wechselte daher zum weichen Bleistift (2. Skizze).

Am Morgen setzte ich mich auf den nun schattigen Balkon und machte zwei weitere Skizzen, um die Wahrnehmung von Dingen und Licht zu vergleichen. Dafür benutzte ich einen schwarzen Kuli. (Draufklicken = Vergrößern)

Auf der vierten Zeichnung siehst du ganz vorn eine runde dunkle Tonvase, dahinter links ein gläsernes Väschen. Beide gibt es auch auf den nächtlichen Zeichnungen. Oben im Querformat,  und in der Nacht davor im Hochformat. Wie anders ist die Wahrnehmung!

 

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Nächtliches Leben der Dinge (Wahlzettel-Skizzen)

Was tun, wenn einem tagsüber die Hitze das Hirn schmilzt und man nachts versucht, sich auf dem Balkon Kühlung zu verschaffen? die Wahlzettel holen, die bei den Natonalwahlen anfielen, und ihre Rückkseiten vollzeichnen. Besonders eindrucksvoll sind diese Zettel freillich nicht: kurz, dünn, flattrig. Sie haben die Tendenz, sich einzurollen, zum Fotografieren musste ich sie festkleben.

Viel sehen konnte ich nicht, denn ich wollte kein Licht anmachen. Ich behalf mich mit dem Restlicht, das von der Umgebung und von der Küche her zu mir drang, und zeichnete kleine im nächtlichen Licht leise lebende webende Dinge : den Sichelmond hinter der Pinie, den Plastikstuhl mit dem getreiften Kissen, Schatten mit Besenstiel neben dem Wäschesack, ein dunkles Keramik-Blumenväschen vor der Gießkanne auf dem Tisch, noch einmal den Besenstiel, diesmal mit seinem eigenen Schatten, eine Bierdose und Glasvase vor der Gießkanne. Nicht auf die Erkennbarkeit der Dinge kam es mir an, sondern nur darauf, mich mit dem Stift auf die nächtliche Atmosphäre einzulassen.

Hier noch einmal als farbige Varianten:

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abc-Etüden: Kata-Strophen mit Reimfüßen

Die flügelschnelle Zeit trag‘ ich Auf lahmem Reimfuß .... (Julius Körner, Shakespeares sämmtliche Werke in einem Bande, 1838)

Christiane rief zur nächsten Etüdenrunde,  Gerhard von Kopf und Gestalt spendete die Wörter Fuß, wünschen und harmonisch. Sogleich bestieg ich mein Reimgaul, um meine Füße zu entlasten, denen die Hitze zusetzt. Allerlei reimte sich da zusammen – oder auch nicht. Einen harmlos-unpolitischen Versuch gebe ich hier mal zur Kenntnis. Die Illustrationen zeigen Fotos meiner müden Füße in digitaler Bearbeitung.

KATA-STROPHEN MIT REIMFÜSSEN

Den müden Füßen

Das Leben versüßen

Das würd ich begrüßen

Sie sollten nicht büßen

 

Wenn die Hitze sich staut

In der Stadt die verbaut

Von Verkehrslärm versaut

Dass einem fast graut

 

Sie möchten gern schreiten

Über Sandböden gleiten

Den Horizont weiten

Dir Freude bereiten

 

Harmonisch sich heben

Im Rhythmus sich regen.

Dann ist auch dein Leben

Eine Lust und ein Segen.

 

Doch wenn sie geschunden

Übersät sind von Wunden

Müde der städtischen Wüsten

 Der endlosen steinernen Küsten

 

Dann musst du sie pflegen

Sie wiederbeleben.

Dann wünschen sich Ruh

Deine Füße und du.

 

 

 

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Straßenblick (Mensch und Umwelt, Kuli-Zeichnung 2019-07-07)

Während ich auf die Wahlgebnisse wartete, setzte ich mich auf den Balkon zur Straße und zeichnete den Blick, der sich dort auf die Nachbarschaft bietet. Das Bild wird geteilt durch einen Strommast. Stromleitungen führen vom Strommast zum unteren Teil unseres Hauses. Auf unserer Straßenseite wächst eine Akazie, die durch einen fremden Baum-Eindringling langsam überwuchert wird. Gegenüber stehen zwei Olivenbäume.

Im hohen langgestreckten Haus schräg gegenüber war früher ein Holzhandel untergebracht, darüber gibt es zwei leere Stockwerke. Nur ganz oben ist es bewohnt, was man an den Blumenkästen  erkennt, die ordentlich aufgereiht an den Balkongittern hängen.  Links wird ein kleines Einfamilienhaus teilweise sichtbar. Das Geländer mit der schmiedeeisernen Girlande gehört zu unserem Balkon im ersten Stock.

Straßenblick, Kuli-Zeichnung 2019-07-07

Während ich zeichnete, fiel mir ein Straßenblick ein, den ich vor  vielen Jahren mit der Feder zeichnete. Das Papier ist in wenig vergilbt, und an mehreren Stellen habe ich mit Deckweiß korrigiert, das sich blau verfärbte. Es ist der Blick von der Wohnung, in der wir damals wohnten. Auch dieses Bild durch einen Strommast geteilt.

Blick auf die Straße, Federzeichnung ca. 1986

 

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Prolog zu einer Froschkönig-Extra-Etüde, die leider nicht zustande kam, samt Frosch-Collage

Zu einer Extra-Etüde hats diesmal nicht gereicht, denn es ist heiß, ich musste mit Tito schwimmen gehen, dann auch noch 350 km Autobahn fahren, um nach Athen zu gelangen, wo ich nun bin, um meiner Wahlpflicht nachzukommen. Wir haben, wie ihr inzwischen wisst, vorgezogene Nationalwahlen.

Jedenfalls konnte ich meine Extra-Etüde für Christiane nicht beenden, es blieb bei einem Prolog und zwei Bildchen, die ich mit einer eben dafür entwickelten neuen Technik erstellte: grobe Kuli-Zeichnung auf durchscheinendem Papier – diese auf anderer Zeichnung liegend abgelichtet und digital bearbeitet –  Legebild-Frosch digital ausgeschnitten und eingefügt bzw einen Frosch aus dem Untergrund entnommen und umrahmt.

Vielleicht hast du, liebe Leserin, lieber Leser, einen Einfall, wie diese Etüde weiter- und ausgehen könnte?

Etüden-Prolog:

Frosch Kunibert, der träumte tief

Während er im Weckglas schlief

Du willst wohl wissen, was er träumte?

Von einem Teich, den Schilfrohr säumte,

und Wasserrosen  schwammen drauf

da saßen Fröschlein drauf zu Hauf

sehr süß klang ihr Gequak-Gesang

der da in seine Träume drang

und ihn sehr glücklich glucksen ließ

denn große Wonnen dies verhieß.

Er war der König, das war klar,

in diesem Teich, der trübe war.

Was die Wahlen mit den Königsträumen des Frosches Kunibert zu tun haben? Nun, ihr ahnt es: Griechenland ist einem Weckglas nicht unähnlich, das andere auf ihr Regal gestellt haben…..

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Nachtgelichter – Morgenröte

Vor vier Jahren machte ich diesen Eintrag. Jetzt ist es wieder so weit. Das vorige Kartenspiel wird eingesammelt, das neue ausgeteilt, und wir Bürger dürfen wieder das Gefühl haben, dass wir es austeilen. Freilich wissen wir nicht, was sich hinter den Karten verbirgt, die wir austeilen. wir wissen auch nicht, ob sie gezinkt sind. Das wird sich zeigen, wenn die Spieler sie aufdecken.
Wovon ich rede? Na, von unseren Nationalwahlen! Morgen dürfen wir wählen, morgen dürfen wir die Karten neu austeilen an die Spieler, die da im Parlament unsere Geschicke lenken sollen…
Ich überlegte, ob ich nicht besser den Eintrag vom Vortag „Jetzt trommeln sie wieder“ oder den vom Tag danach „In der Beschränkung zeigt sicherst der Meister“ rebloggen sollte. Nun, dir steht es ja frei, auch die mal anzusehen. Vier Jahre liegen dazwischen – vier Jahre Links-Rechts-Regierung, vier Jahre Dahinkümmerns. Wer diesmal koalieren wird? Das Wahlvolk verteilt die Karten, aber kennt sie nicht.

Avatar von gkazakouGERDA KAZAKOU

Ist’s Nachtgelichter? Oder steigen Engel herab auf die Rennenden?

Nachtgelichter (c) Gerda Kazakou

Bald erscheint schon die Morgenröte eines neuen Tags über den Bergen. Was wird der Tag bringen? O, wer es wüsste! *

 Morgenroete Morgenröte, Detail von „Nachtgelichter“ (c) Gerda Kazakou

Zweierlei Gestalten schweben über den Menschen. Die eine präsentiert sich jugendlich wie der zunehmende Mond, mit goldenen Hosen und Füllhorn und lustiger Musik „Wacht auf, Verdammte dieser Erde“…

IMG_3348 die Nacht sinkt… die andere Gestalt in arg zusammengesuchtem Habit befindet sich im Sinkflug gemeinsam mit dem abnehmenden Mond. Er lächelt genüsslich in seinen Bart.

Das Volk eilt, ein jeder an seinen Ort, denn hier herrschen biblische Verhältnisse. Manche nehmen einen Picknickkorb mit, für alle Fälle. Oder eine Lampe, einen Beutel, ein Schwert.

IMG_3349  IMG_3350

Eine gestikuliert, denn sie weiß nicht: wohin gehts hier, mitten in der Nacht, mit dem Nachtgesindel über ihrem Haupte. Das Licht am Himmel, ists denn wirklich schon Morgen?

Nachtgelichter…

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Alltag 9. Im Zickzack: Wellen, Politik und Eulentasse (Zeichnen + Bearbeiten, 4-7-2019)

Ulli Gaus Alltags-Projekt geht bereits in die 9. Runde. Ulli zählte Wellen, sah ihnen beim Brechen zu. Das tue ich auch, täglich, und es trägt ungemein dazu bei, einen inneren Rhythmus zu finden. Aber es reicht nicht. Ich muss auch hineinspringen Und ich muss zeichnen. Wie die Welle sich bricht? Nein, das kann ich nicht, auch das Anrollen der Wellen überfordert meine Zeichenkunst. Es reicht gerade mal zu Andeutungen, und auch da ist das Bewegte nur als Ungefähres festgehalten: das Meer, der Mann, der Hund, das vorübergleitende Schiff.

Das war gestern abend. Ich fuhr auch die Konturen der Felsen nach, die aus zusammengebackten runden Steinen bestehen.

Das Papier meines Skizzenblocks ist durchscheinend, man sieht es auf den Fotos. Zu Hause half ich ein wenig mit Fotoshop nach, um diesen Effekt auszunutzen. Die Farben habe ich  entsprechend meiner Erinnerung an den Abendhimmel hinzugesetzt.

Zeichnen tue ich neuerdings auch oft, wenn ich politischen Debatten folge, denn dann werden sie für mich erträglicher – so wie hier bei einer Fragestunde im deutschen Bundestag. Die Gesichter kommen und gehen, kaum habe ich sie angeschaut, sind sie schon weg. Ein wenig mehr Stabilität gebe ich manchen, indem ich die Skizzen digital bearbeite (hier in bunter Reihenfolge Originalskizzen und Bearbeitungen).

Auch wenn ich mir Videos anschaue, hole ich mir oft genug den Skizzenblock, denn es langweilt mich, einem Redner untätig zuzuschauen. Die Skizzen interpretiere ich dann auch gern digital, so wie gestern bei diesen.

Das aber, was mir Sicherheit gibt, was mich erdet, ist das Feste, Greifbare, ist die Welt der Dinge. Und so zeichnete ich auch gestern, während ich mir ein Interview bei Ken.FM mit Rainer Mausfeld anhörte, eine Ecke meines Schreibtisches. Ich zeichnete, was dort in meinem Blickfeld stand. Das Zickzack des handgewebten Tischläufers gab mir die Struktur vor. Alles gelten zu lassen, eine Balance zwischen rechts und links, oben und unten herzustellen, ohne die Dinge von ihrem Platz zu verrücken – dies Bedürfnis habe ich derzeit. Ob es mir wohl gelungen ist?

Zickzack-Balance (Zeichnung 2019-07-04)

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Ein ferner Spiegel oder Bir-Bu-Rekba

Ich schrieb es in meinem heutigen Beitrag: dieses Bild hängt mir genau gegenüber, wenn ich am Schreibtisch sitze. Sehr viele von euch kennen es noch nicht Ich habe den Text jetzt noch mal gelesen und finde auch ihn lesenswert und hoch aktuell. Drum möchte ich ihn rebloggen.

Avatar von gkazakouGERDA KAZAKOU

„Zu diesem Zweck machten wir uns auf, ein Stück zu Fuß zu gehen nach der Eisenbahnstation Bir-Bu-rekba. Auf diese Weise setzten wir uns selbst in die Lage, mit unserem europäischen Äußeren das Landstraßenbild zu beleben, natürlich in –   Nicht … Denn wenn vom Z… gesehen…“

hommage a Paul Klee Bir-Bu-Rekba (c) Gerda Kazakou

Paul Klee notierte diese Sätze am Mittwoch, 15.4.1914 in sein Tagebuch. Der erste Weltkrieg stand schon in den Startlöchern, war aber noch nicht angekommen am kleinen Bahnhof Bir-Bu-Rekba. Der liegt irgendwo in Tunesien, ich habe ihn vergebens auf Google Earth gesucht. Paul Klee sieht sich selbst und seine Malerfreunde auf der Landstraße inmitten einer orientalischen Szenerie auf den Bahnhof zuschreiten. Er tut das in einem Akt der Bewusstseins-Spiegelung – einer Selbst-Reflexion. Drum habe ich seine Notiz spiegelbildlich ins Bild gesetzt. Für euch habe ich den Bildausschnitt umgedreht.
Gemalt habe ich das Bild in einem Jahr, als Algerien von einem…

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