Will.i hat sehr hohe Vorstellungen von der Schule.
Er ahnt nicht mal, was da auf ihn zukommt, denn er kennt keine Schulkinder. Woher auch. Wir sind alt, ohne Enkelkinder, und meine Besucherinnen sind alle längst aus dem Schulalter heraus. Sehr gern würde ich ihm mehr Kontakt zu Kindern verschaffen – aber wie? Nun, wohl am besten dadurch, dass ich ihn zur Schule schicke, denke ich.
Also erkundige ich mich via internet, wo die Kinder aus unserem Dorf in die Schule gehen. Aha, ins Nachbardorf Verga, das ca 4 km entfernt liegt. Und wie kommen sie dahin? Schulbusse sind nicht vorgesehen, also bleibt wohl nur das Taxi, das dann hoffentlich von der Gemeinde bezahlt wird.
Und wie sieht es mit dem Unterricht in C-Zeiten aus? Die Grund- und Sonderschulen öffnen, die anderen bleiben bis auf weiteres bei Fernunterricht. In Grundschulen ist, auch in den Pausen und bei der Anfahrt, Maskenpflicht – für Schüler wie Lehrer. Soll ich Will.i das wirklich antun? Wird er da überhaupt mit anderen Kindern spielen können, oder erleidet er einen unnötigen Schock?
Außerdem: Er altert schnell. Wenn ich ihn jetzt in die erste Klasse schicke, muss er in drei Tagen in die zweite wechseln…. Und ehe er sich eingewöhnt hat, ist er schon Gymnasiast. Also ich weiß nicht.
Dennoch schaue ich mir mal die Unterrichtsstoffe an. Vielleicht kann ich ihn vorbereiten. Ich finde eine Übersicht im Internet, öffne „Sprache“ in der „Grundschule“ und den ersten Text, gedacht für die dritte Klasse. Er ist überschrieben „Großvater und Enkelin“ und handelt von einem Pantoffel. Und als das Mädchen fragt, weiß der Opa auch gleich die ganze Geschichte: drüben auf der anderen Seite des Meeres wohnt ein kleines Mädchen, die Mama verliert einen Pantoffel, der Hund verschleppt ihn ans Meer, und so landet er also an der griechischen Küste. Arbeitsanleitung für den Lehrer: Was für eine Geschichte würde das türkische Mädchen erzählen, wenn es einen griechischen Pantoffel fände?
Lieb. Ein lieber Großvater, ein wenig altmodisch vielleicht, wie er redet. Ein lieber Pantoffel, etwas fremdartig vielleicht, wie aus dem Harem. Liebe unbekannte Nachbarn mit fremden Namen. Völkerverständigung das Erziehungsziel.
Was wollte ich mit meinen so anderen Gedanken: Pantoffel am Strand angeschwemmt – Flüchtlinge, Ertrunkene? Nein, damit kannst du Kindern nicht kommen. Bitte nicht. Damit kannst du nur Erwachsenen kommen, die hartgesotten genug sind. Kinder brauchen das nicht zu wissen.
Kinder brauchen überhaupt nichts zu wissen.
Was soll ich nun machen? Will.i in die Schule schicken?




























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