Rast in Arkadien

Heute ging es, nach drei Athener Tagen, schon wieder zurück in die Mani. In Arkadien hielten wir bei einer kleiner Ansiedlung mit Gaststätte im Nirgendwo, um zu essen und im Laden nebenan u.a. frischen Joghurt, Tomaten, Gurken und Brot einzukaufen. Das tun wir oft, wenn wir von Athen kommen. Die Luft ist hier, in 1000 m Höhe, viel frischer, das Licht klarer. Früher drehte ich hier immer mit Tito meine Runden….

Ein Teil des Vorplatzes der Gaststätte ist jetzt überdacht und mit Fenstern geschlossen, auch einen Kamin gibt es nun, in dem ein Feuer brennt. Hin und wieder kommt jemand herein – meistens sind es Bauern der Gegend – grüßt, setzt sich, trinkt einen Schluck und geht wieder. Viel gesprochen wird nicht. Manche bestellen auch ein Essen.

Die Ansiedlung liegt an der alten Straße Tripoli-Megalopoli, die, seit die Autobahn fertig wurde, nur noch wenig befahren wird. Nur der Lokalverkehr und einige Lastwagenfahrer, die die Autobahn-Maut vermeiden wollen, kommen vorbei. Irgendwie erinnert mich der Ort immer an eine Szenerie aus einem Jarmush-Film…

Der Wein, der am Nachbarhaus hochklettert, hat sich wie in jedem November verfärbt.

In anderen Jahren habe ich ihn schon schöner vorgefunden und fotografiert (siehe hier). Und auch den Ort habe ich schon öfter beschrieben und in Fotos gezeigt, zu anderen Jahreszeiten und unter anderen Umständen (hier und hier).

 

 

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Kunst am Sonntag: Geometrische Abstraktion

Heute traf ich mich mit einer Freundin in Athen, um eine Ausstellung der „geometrischen Abstraktion“ anzusehen, die in drei Stockwerken der Theoharakis-Stiftung am Verfassungsplatz gezeigt wird. Die wichtigste Repräsentantin dieser Stilrichtung – die griechisch-ägyptische Opy Zouni (1941-2008) – war mit einer Vielzahl ihrer Werke vertreten. Daneben gab es interessante Arbeiten mir bisher nicht bekannter Künstlerinnen zu sehen: der Libanesinnen Etel Adnan (1925-2021), Samia Halaby (*1990) und Saloua Raouda Choucair (1916 – 2017), ferner Ebtisam Abdulaziz (*1975) aus den Emiraten und Lubna Chowdhary (*1964) aus Tanzania.

Über Opy Zouni habe ich schon einmal hier berichtet. Sie arbeitet großformatig mit Akryll auf Holz und Pappe, die sie oft als flaches Relief leicht abgehoben über bemalten Oberflächen montiert und dadurch besondere Schattenwirkungen erzeugt.

von der Seite betrachtet:

Ein anderes Beispiel, von vorn betrachtet.

von links betrachtet:

oder von rechts betrachtet:

Noch drei Beispiele von Opy Zouni: „grüner Horizont“, 1991

„Spiegelung“

„Parallilogramm in Perspektive“ , Triptychon, Akryll auf Konstruktion aus Pappe und Holz, 1981

Die Arbeiten der anderen Frauen waren kleinformatiger und ohne die strenge geometrische Form.

Die locker komponierten Bilder von Etel Adnan gefielen mir sehr

Samia Halaby: „Weißer Kubus in braunem Kubus“, Öl auf Leinwan, 1969

Saloua Raouda Choucair : „Interform“ 1960, Holz

dieselbe: „Fraktionales Modul“, 1947, Gouche auf Papier

Ebtisam Abdulaziz : o.T. Akryll auf Leinwand, 2021

Lubna Chowdhary : „Gewisse Zeiten XII“, 2019, Keramik

 

 

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Novemberleuchten mit Steinegarten: attischer Wölkchen-Himmel

Nun also Novemberleuchten. Der Titel von Steinegartens Blog-Challenge gefällt mir ebenso gut wie die beiden vorangegangenen von Juricka („Farben“ und „herbstzeitlos“), und ich möchte auch hier mitmachen.

Um den ganzen hohen Himmel mit seine getupften und verwehten weißen Wolken fotografieren zu können, benutzte ich den Weitwinkel. Darum steht die himmelhohe Zypresse nun schief im Bild.

Aufgenommen heute um 1 Uhr im Hof des Byzantischen Museums, Athen.

 

 

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Sonntags aus dem Archiv: Den Unbehausten

Jeden Sonntag ins Archiv hinabsteigen und schauen, was ich an einem Tag wie diesem in früheren Jahren dachte und tat. Das tat ich auch heute und stieg hinab ins Jahr 2019. Da fand ich ein Gedicht, für Christianes abc-etüden geschrieben. Die geforderten Wörter waren: Unbehausheit, schwermütig, erhaschen.

Es kreist um Rilkes Gedicht „Herbsttag“, an das ich vorgestern erinnerte. Und ich denke, ich kann es hier noch einmal hinsetzen. Denn jetzt, gegen Ende November, beginnen die schweren Tage der Unbehausten.

Den Unbehausten

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr…“

So murmelte die unbehauste Alte,

sie kannte das Gedicht, ach war das lange her

sie ahnte damals nicht dass es ihr galte.

 

Von Unbehausheit schien sie weit entfernt

Und Schwermut kannten nur die andern

Sie hatte nur den leichten Weg gelernt

Und die Natur, die liebte sie beim Wandern.

 

Sie naschte, was der Wald ihr brachte

Und haschte nach dem Licht, das leise

Durch Blätterdächer fiel und lachte

Und fühlte sich sehr leicht und weise.

 

Doch dann kam alles anders als gedacht

Sie blieb allein in ihrem Hause hocken

Seit ER ihr starb, hat sie nicht mehr gelacht

Und ließ sich selten noch nach draußen locken.

 

Bis dann auch dieses Haus ihr ward genommen

Weil alles Geld  schon längst vertrunken war

Seither ist sie sehr weit herumgekommen

Doch war die Welt nicht mehr so wunderbar.

 

Die Nacht war kalt, der Morgen graut verdrießlich

Die Decke ist vom Grase feucht und schwer

Die Füße, wund vom Laufen schließlich

Sie weigern sich, sie wollen nun nicht mehr.

 

„Schwermütig, ach“, so seufzt die Alte wieder,

„schien mir das Lied, doch ahnt ich damals nicht

dass was sie sagen, diese alten Lieder

sich irgendwann ins eigne Leben flicht.“

 

Sie seufzt sehr tief und reibt sich ihre Augen

Die rot vom Alter und von Kälte sind

Besonders viel die Augen nicht mehr taugen

Doch immerhin sind sie nicht blind.

 

Sie schaut herum, sucht Stock und Tuch zusammen

Und schüttelt welkes Laub vom Haar

Und von dem Mantel und mit klammen

Händen rafft sie, was von der Habe übrig war.

 

Und schaut hinauf zum Himmel, der sich rötet

Im Morgenlichte wehen Wolken hin wie Hände

Im  Walde knackt ein Ast, und eine Amsel flötet

Ach wenn das Morgenlicht doch niemals schwände!

„Flügelhände“

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Cafe-Dekor und Musik

Vorhin saß ich ein Weilchen in dem kleinen Straßencafe mit den Papierbötchen, das ich hier schon mal vorgestellt habe. Heute erfreute mich – außer dem doppelten Espresso – der Dekor im Innenraum (draußen war es mir zu kühl). Auch hier waren die Papierbötchen präsent – auf einer bemalten Leinwand auf einer Staffelei an feinen Fäden aufgehängt und fixiert.

Das Cafe ist winzig, und entsprechend klein sind auch die Wanddekorationen: Auf dem ersten sieht man ein Foto mit dem Dichter Nikos Gatsos (1911-1992) und dem Komponisten Manos Hatzidakis (1925-1994). Das zweite zeigt einen dickbäuchigen Tänzer, der mit großer Behändigkeit ein Zeibetiko-Solo hinlegt.

Hatzidakis hat Gedichte von Gatsos mit großem Erfolg vertont. Hier eine Reihe von Liedern, die den Titel „ta paraloga“ (die Irrationalen) tragen und sehr populär sind.

Die Tanzschritte des dicken Herrn passen dazu freilich nicht. Deshalb habe ich noch ein Video mit der Vorführung eines Zeibetiko-Tänzers (Tanzschule) rausgesucht.

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Novemberleuchten mit Steinegarten: Himmel über Attika

Nun also Novemberleuchten. Der Titel von Steinegartens Blog-Challenge gefällt mir ebenso gut wie die beiden vorangegangenen von Juricka („Farben“ und „herbstzeitlos“), und ich möchte auch hier mitmachen.

Der Himmel über Attika, um Viertel nach fünf Uhr abends von meinem Balkon in Maroussi aus gesehen

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Aus dem Archiv: „Herbsttag“

Ich schaute eben im Archiv nach, neugierig, was ich wohl an einem Tag wie diesem in einem anderen Jahr getrieben habe. Und da stieß ich unter dem Datum 21/11/2019 auf eine Zeichnung, die heißt: „Was die Rechte schreibt, radiert die Linke aus…“

Das, was ich dort schreibe und ausradiere, ist offenbar das berühmte Rilke-Gedicht „Herbsttag“ , denn ich lese “   jetzt kein Haus hat, baut     ehr. Wer jetzt allein ist   “ 

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Tägliches Zeichnen: Stillleben mit Schilfwurzel

Heute zeichnete ich wieder die Zinnvase und die langbeinige Eule. Davor aber legte ich eine Schilfwurzel, deren skurile Formen einen wilden Gegensatz zur klassischen Eleganz der anderen darstellt.

Ich machte eine blaue Kugelschreiberzeichnung, kolorierte sie und überging sie mit schwarzem Filzstift.

Als digital erstellte Schwarz-Weiß-Fassung finde ich sie fast besser.

 

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abc-etüde: Von toten Seelen (kata-strophisch, moralisch)

Die Wörter für Christianes abc-etüden hat diesmal Cynthia gespendet. Es sind

Seelenverkäufer
obskur
ergattern.

Als Ideengeber für meine kata-strophische Reimerei habe ich mich des Romans „Tote Seelen“ von Nikolai Gogol* bedient.

Tschinns Auftritt, Legebild-Collage aus dem Kleinen Welttheater (https://gerdakazakou.com/2023/01/17/welttheater-3-akt-7-szene-tschinns-auftritt-fortgesetzt/)

 

Von toten Seelen 

Tschitschikow – so hieß der Mann

Der, entschlossen, nicht zu darben,

Dachte, dass man kaufen kann

Arme Menschen, wenn sie starben.

 

Diese Menschen oder Seelen

Waren Waren ohne Rechte

Und da ihnen Rechte fehlen

Warn sie schlimmer dran als Knechte.

 

Mit der Zahl der Seelen prahlten

Ihre Herrn, es macht’ sie reich.

Doch welchen Sinn hat, dass sie zahlten

Für Menschen, wenn sie tot und bleich?

 

Herr Tschitschikow macht’ sich erbötig

Die toten Seelen aufzukaufen,

Die Steuern kosten, ganz unnötig!

Ihr Herr konnt’ den Entgelt versaufen.

 

Verwerflich ist, was Tschitschikov

Sich ausdenkt, um sich Geld zu schaffen?

Ach was! er ist nur klug, nicht doof.

Soll er den Reichtum nur begaffen?

 

Du findest sein Geschäft obskur?

Seelenverkäufer sollt‘ man hängen?

Warum? Sie woll’n ja auch das nur

Wonach sich alle Menschen drängen:

 

Sie wollen ihren Vorteil suchen

Das Glück an seinen Hörnern packen.

Ein Stück ergattern von dem Kuchen,

Den andre Menschen ihnen backen.

 

Das ist normal. Wer zahlt schon gerne

Die Rechnung, die ins Haus ihm flattert,

Wenn von den Früchten nur noch Kerne,

und nutzlos ihm, was er ergattert?

 

Wann kommt die Zeit, wo keine Seelen

Gekauft, verkauft, besessen werden?

Wo man nicht haben kann, nicht stehlen

Des andern Arbeit hier auf Erden?

 

Tschinn und Kairos, Legebild-Collage aus dem „Kleinen Welttheater“ (https://gerdakazakou.com/2023/01/20/welttheater-3-akt-8-szene-tschinn-zum-dritten-hotelanlage/)

 

 

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* Nikolai Gogol (1809–1852) veröffentlichte im Mai 1842 den ersten Teil eines als Trilogie geplanten Romans, den wir als „Tote Seelen“ kennen. Die Zensur ließ diesen Titel damals nicht zu, denn Seelen seien unsterblich und daher niemals „tot“. Nun wurden aber die Leibeigenen Russlands als „Seelen“ gezählt. Für diese „Seelen“ bezahlten die Gutsherren eine staatliche Kopfsteuer – und zwar lästigerweise bis zur nächsten Revision auch dann, wenn die Träger dieser Seelen verstorben, also „tote Seelen“ waren.

Land und Seelen dienten bei Kreditaufnahme als Sicherheit. Der schlaue Held in Gogols Roman – ein Aufsteiger – hatte nun die Idee, für wenig Geld „tote Seelen“ aufzukaufen und damit die Rechtstitel für Bankkredite zu erwerben, die ihm ein reiches Leben ermöglichten. Er war ein Seelenkäufer. Bereitwillige „Seelenverkäufer“ fand er unter den  Gutsbesitzern, die froh waren, wenn sie den Posten („tote Seelen“) aus ihren steuerlichen Verpflichtungen streichen konnten….

Ende der Vorrede.

 

 

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Novemberleuchten mit Steinegarten/tägliches Zeichnen: Zinnvase

Nun also Novemberleuchten. Der Titel von Steinegartens Blog-Challenge gefällt mir ebenso gut wie die beiden vorangegangenen von Juricka („Farben“ und „herbstzeitlos“), und ich möchte auch hier mitmachen.

Als ich heute am späten Vormittag ins Wohnzimmer in Maroussi trat (wo wir gestern ankamen), bot sich mir ein erfreuliches Bild: helle Sonne schien durchs Fenster und beleuchtete die Zeichnung mit der Zinnvase, die ich in der vergangenen Nacht fabrizierte. Breite Schattenstreifen überliefen die farbige Zeichnung und machten sie interessant.

In der Nacht hatte ich nicht schlafen können, und in solchen Fällen finde ich es besser zu zeichnen als zu lesen. Also suchte ich ein Blatt Papier und zeichnete das, was sich auf dem Couchtisch in meinem Blickfeld befand, sanft und freundlich mit Buntstiften.

Zeichnung + Foto nachts bei Lampenlicht

Dann aber überkam mich, wie so oft, das Bedürfnis nach mehr Festigkeit, und so nahm ich den schwarzen Filzstift zur Hand, um die Konturen und einige Felder damit nachzuziehen.

Zeichnung bei Lampen-, Foto bei Tageslicht

Bei hellem Sonnenschein schienen mir die Farben wie ausgeblichen, und ich verstärkte sie. Als ich das letzte Foto machte, hatte die Sonne sich verzogen, und so fehlen die Schattenlinien.

Tageslicht

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