Welttheater 3. Akt, 7, Szene: Tschinns Auftritt (fortgesetzt)

Was zuletzt geschah: Wir kehrten zurück zur stillen Bucht. Dort fand sich Tschinn mit seinem Biest Kairos ein. Er überlegt, wie er die Bucht wirtschaftlich nutzen kann. Seinen ersten Einfall – ein Hafen mit Spelunken- verwirft Kairos als nicht mehr zeitgemäß.

zwei

Was sagt Kairos? Er brummelt: ‚Ηeute

ist das die falsche Strategie.

Man soll verpacken seine Beute

Als Wohltat sollen sehn die Leute

was du geklaut. Das ist Genie!‘

Tschinn:

Dann machen wir, ja, warte mal,

da gab ers doch die Flüchtlingsfrage?

So Leut, leicht blöd und asozial

für jeden Nachbarn eine Plage,

 

die ohne Obdach unter Brücken

in Höhlen, Wäldern, Gruben hausen

wo sie zerfressen von den Mücken

sich wie die Affen selber lausen?

 

Die könnte man hier einquartieren.

Der Staat macht dafür Gelder locker.

Den Strand, den werd ich betonnieren

weil sie da sonst nur urinieren.

Und wer da sagt, ich sei’n Abzocker,

Dem zeige ich die Ehrurkunde

die mir die Stadt hat ausgestellt:

weil ich geheilt von einer Wunde

die ordentliche Menschenwelt.

 

Die Armen werdens auch bezeugen

was für ein guter Mensch ich bin.

Sie werden sich vor mir verbeugen

weil ich Gemeines hab im Sinn*.

 

Kairos das Biest, es denkt und spricht:

so ganz gefällt dein Plan mir nicht.

Du kriegst zwar Geld, doch nur einmal.

Dann ist es weg, das wär fatal.

———–

* Gemeinsinn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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8 Antworten zu Welttheater 3. Akt, 7, Szene: Tschinns Auftritt (fortgesetzt)

  1. Ich habe soviel verpasst, aber es hatte einen Grund liebe Gerda!
    Werde bei Dir so nach und nach alles nachlesen!
    Liebe gute Nacht Grüße Babsi

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Solche Leute wie Tschinn gibt es leider überall. Die Tüchtigen, Bodenständigen und Fleißigen werden oft deren Opfer. Das hat verheerende Folgen fûr alle und alles. Ich denke mal, daß Deinen Leuten in der Höhle dazu etwas einfallen wird, auf friedliche und menschliche Art.

    Gefällt 1 Person

  3. Gisela Benseler schreibt:

    „.. da gab es doch die Flüchtlngsfrage.“ Hier hat sich ein r zuviel eingeschlichen.
    Zur Flüchtlingsfrage gäbe es wohl noch etwas zu sagen. Wer wohnt unter Brücken? Meist Deutsche.

    Gefällt 1 Person

  4. Au weiah, das hört sich schauderhaft an, Gerda

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