Tägliche Zeichnung: „Was die Rechte schreibt, radiert die Linke aus“.

Was ist von dem, was ich tue, bewahrenswert? Was die Rechte schreibt, löscht die Linke aus.

Während draußen ein Gewitter tobt, zeichne ich ein weiteres Mal meine Hände. Diesmal mit blauem Kugelschreiber.

schreibende Rechte, löschende Linke – Kugelschreiberzeichnung 2019-11-21

Als Bas-Relief bearbeitet, scheint es fast so aus, als wäre der Moment in Stein gehauen und sollte für alle Ewigkeit bestehen bleiben: schreiben – löschen – schreiben – löschen.

schreibende Rechte, löschende Linke – Kugelschreiberzeichnung bearbeitet.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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31 Antworten zu Tägliche Zeichnung: „Was die Rechte schreibt, radiert die Linke aus“.

  1. hanneweb schreibt:

    Faszinierend schon alleine die Idee und deine Bilder, Zeichnungen begeistern mich immer wieder sehr, liebe Gerda!
    Liebe Grüße von Hanne

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  2. Pega Mund schreibt:

    rilke les ich, den hetbsttag … 😉

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  3. Anonymous schreibt:

    Großartig! ⚡💧❄☁⛅🌈“ … Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, wird allein durch die
    Aleen wandern, wie (bis?) die Blätter fallen…🍂🍃 „und noch trauriger endet das Gedicht, von?
    ( Hugo v. Hoffmannsthal.) Und draußen bltzte und donnerte es, und es strömte wohl endlcu der ersehnte Regen vom Himmel. .. Und dabei suchtest und fandest Du die Ruhe und zeichnetest
    diese wunderbaren Hände! Deine Hände. Und was die rechte schrieb, radierte die linke wieder aus.
    ( zuerst dachte ich an Politik, als ich die Worte las, bevor ich die Zeichnung sah) doch ganz
    anders ist dies gemeint, und es lohnt sich wohl, eine Weile darüber nachzusinnen…..🐝🌸🍃❄🌙

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    • gkazakou schreibt:

      danke, Gisela, ja, es ist von Rilke, eines seiner bekanntesten. Hier der ganze Text.

      Herbsttag

      Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
      Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
      und auf den Fluren lass die Winde los.

      Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
      gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
      dränge sie zur Vollendung hin und jage
      die letzte Süsse in den schweren Wein.

      Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
      Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
      wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
      und wird in den Alleen hin und her
      unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

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  4. Anonymous schreibt:

    Ach: Rilke: Herbsttag! Ja, so stimmt es..

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  5. Ule Rolff schreibt:

    Hübsch doppelbödig: du bewahrst sogar das Löschen noch auf 😀

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  6. finbarsgift schreibt:

    Erinnert mich an die Hände von Maurits Escher … schön!
    Herzliche Abendgrüße vom Lu

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  7. kopfundgestalt schreibt:

    „Was ist von dem, was ich tue, bewahrenswert?“

    Entweder alles oder nichts!
    Ich tendiere zum Ersteren, es zeigt den Menschen dahinter, seine Zeit. Wer das lesen möchte, kann darin lesen 🙂

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  8. TeggyTiggs schreibt:

    …interessant, sie können ohne einander nicht sein, eine bedingt die andere, ich hoffe nur, die linke ist etwas langsamer als die rechte, so dass von Deinem Schaffen etwas übrig bleibt!

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  9. Werner Kastens schreibt:

    Jeder schreibt sein Leben über die Jahre, aber am Ende haben wir uns (durch physischen und psychischen Verschleiß) mehr und mehr selbst ausradiert: Leben und Tod im weitesten Sinne.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Werner. es gibt immer mehr alte Menschen, deren Geschichte nur noch von anderen aufbewahrt wird, während sie selbst den Kontakt verloren haben. Sie wissen nicht mehr, warum sie geweint, gelacht, geliebt haben. Allles schon zu Lebzeiten ausradiert.
      Ich denke, es ist richtig, sich selbst Rechenschaft über das Gelebte abzulegen, wolange man es noch kann. Und das Wesentliche, Unverlierbare vom Unwichtigen, Zufälligen zu trennen. Ist aber gar nicht leicht.

      Gefällt 3 Personen

      • felsenquell schreibt:

        Tolle Idee, die hervorbringende und die auslöschende Hand, und so gut gezeichnet!
        Ihr seid offenbar alle in Vergänglichkeitsstimmung in diesen dunklen Novembertagen.
        Ich komme grade aus dem Buß-und Bettagskonzert.

        Gefällt 1 Person

      • kopfundgestalt schreibt:

        Das hiesse eigentlich, immer wieder neu sein Leben vor sich zu erzählen.
        Daß andere dein Leben verwalten/erklären/deuten, da kommt man nicht rum.
        Eine Nachbarin, die 500 Kontakte ihr eigen nennt, gab mal im Auto ein Resumee über einen Verstorbenen. Gerne hätte ich gesagt: WOHER weisst du das? Woher dieses zusammengeschnürte, kompakte „Wissen“?

        Gefällt 1 Person

      • gkazakou schreibt:

        das eigene Leben sich immer neu erzählen – ja, ich denke, das ist wichtig. Dabei neu beleuchten, alte Bewertungen hinterfragen, sich nicht scheuen, liebgewordene Selbstbilder loszulassen. Nicht mehr sich als Opfer von Verhältnissen und Menschen sehen, Nicht mehr Kind, sondern Erwachsener, freier selbsthandelnder Mensch.
        Wir können kaum steuern, was andere über uns sagen. Viele „bedeutende Leute“ haben das zwar versucht, indem sie Memoiren veröffentlichten, aber obs genützt hat?

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Hella, man passt sich an die Zeitstimmung an. Darüberhinaus gibt es auch persönliche Gründe. Sei du aber wohl gemut!

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  10. Ich finde es schön, wenn etwas übrig bleibt von einem Leben, daß an diesen Menschen erinnert!
    Sei es Zeichnungen, Kunstwerke, Schreibkunst, Geschichten und vieles mehr! So lebt ein Teil irgendwie weiter!
    Man Stelle sich vor, die Künstler der vergangenen Jahrhunderte hätten ihre Werke zerstört, da wäre uns viel verborgen geblieben!
    Deine Werke und Zeichnungen sind so wundervoll, daß zu bewahren wäre sehr schön!
    Dies sind meine Gedanken zu diesem Thema!

    Liebe Grüße zur Nacht
    Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Babsi, danke für deine liebevollen Worte. Auch ich möchte nicht in einer leeren Welt leben, in der nichts mehr auf Erlebtes hindeutet. Vielleicht sollte ich auch das Meine mehr achten. Drum denke ich darüber nach, was ich bewahren will, und was nicht.Dir einen schönenTag!

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  11. mynewperspective schreibt:

    Liebe Gerda,
    ich interpretiere in dieser sehr berührende Zeichnung, dass der ewige Wandel, die Neukreation, der stetige Fortschritt, eigenes Wachstum, der Wechsel von Perspektiven, Gedanken, Mustern, … in den Stein gemeißelt wird. Quasi ein in den Stein meißeln von „nichts ist in den Stein gemeißelt“ und alles ist im stetigen Wandel.
    Hier ganz besonders: der eigene Geist, die Sichtweisen des Lebens, die (aus welchen Gründen auch immer) in Bewegung sind und alles ein Potential von Optimierung/Wandel/Neudefinition besitzt.
    Herzliche Grüße
    Serap

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  12. Ulli schreibt:

    Ich las gerade von einer Übung, die ein Mann zwei Wochen lang machte, er band sich seinen rechten Arm fest, um nur noch mit dem linken und der linken Hand das zu tun, was er sonst immer mit der rechten tat, schon nach diesen zwei Wochen bemerkte er, dass sich sein ganzes System verändert hatte, incl. der Wirbelsäule, die nun gerader als zu vor gewesen ist.
    Wenn ich nun aber darüber sinnniere, was wir im Laufe unseres Lebens festgehalten haben und was sich von alleine gelöscht hat, dann ist dies der Prozess: manifestieren, loslassen …

    Gefällt 1 Person

  13. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    schreiben und löschen, löschen und wieder schreiben und niemals wieder aufhören, nur noch ein wenig schneller schreiben, damit das Löschen nicht nachkommt. Sonst bleibt nichts mehr übrig…
    Die Bearbeitung zeigt Deine Zeichnung mit der wundervollen Idee sehr eindrucksvoll, liebe Gerda.

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  14. Lopadistory schreibt:

    Was für schöne Zeichnungen. Gerade entdeckt 😊🙋🏼

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