Tagebuch der Lustbarkeiten: Mittagsblumen bewundern

Die rot strahlenden großen Blüten der Mittagsblumen sind nun aufgegangen. Jeden Tag werden es mehr. Auch am Hafen von Kitries, wo ich mich heute herumtrieb, wachsen sie. Es sind Sukkulenten, sie brauchen keinerlei menschliche Fürsorge, um zu gedeihen und jeden Sommer von Neuem ihr rotes Strahlen zu verbreiten. Auf dem Foto wirken sie ja fast violett. Vermutlich hat sich der knallblaue Himmel da eingemischt.

Der Strahlenkranz der Blütenblätter umgibt ein Zentrum von exquisiter Schönheit.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Natur | Verschlagwortet mit , , , , | 9 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Spiegelungen an Booten (kleine Beobachtungen)

Heiß war es am kleinen Fischerhafen von Kitries. Eigentlich war ich hingefahren, um Boote zu zeichnen, aber es gab keinen Schattenplatz, und einen Hut hatte ich nicht dabei. Also blieb nur ein bisschen rumzuwandern, zu fotografieren und mich dann in den Schatten eines Cafes zu flüchten.

Ein besonderes Hafenvergnügen ist natürlich immer, die Spiegelungen im Wasser ….

und deren Widerspiegelungen an den Bootsplanken zu betrachten.

Als ich mir zu Hause die Fotos anschaute, stutzte ich: Konnte es sein, dass sich im Wasser Tauben oder Möwen spiegelten, deren Spiegelbilder dann noch mal am Boot auftauchten? Ich vergrößerte den Bildauschnitt, wurde aber nicht schlüssig. Es kann sich ja auch um ein paar Schmutzflecke o.ä. handeln. Doch die Vorstellung der doppelten Spiegelung des Tauben- oder Möwenflugs finde ich weiterhin sehr reizvoll.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Fotografie, kleine Beobachtungen, Tagebuch der Lustbarkeiten, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , | 6 Kommentare

Welttheater,4. Akt, 41. Szene: Streit, die Geschichte von Ödipus und über das Sehen mit dem Herzen.

Was zuletzt geschah: Der Hirt möchte Geschichten hören. Das Kind Clara erzählt ein Märchen, immer wieder spöttisch von Jenny unterbrochen. Clara hat keine Lust mehr und fordert Jenny auf, selbst was zu erzählen, doch die wehrt ab.

Jenny:

Warum denn ich? Ich hab nichts zu erzählen

kannst du nicht einen anderen auswählen?

Clara:

Zu sagen hast du immer was, jetzt kannst du mal erzählen.

Doch wenn du es nicht wirklich willst, werd ich den Abud wählen.

Abud:

Nee, nee, die Jenny, die ist dran.

Ich bin gespannt, was Jenny kann.

Sie hat ein großes Maul, das stimmt

das ungern gibt und gerne nimmt

Jenny:

Was ich so kann, das willst du wissen?

Du kannst dich, weiß ich, gern verpissen.

Abud:

Das geht nicht, denn ich würd vermissen

deine Geschicht, das wär beschissen.

Jenny

Du spielst dich auf, du glaubst am Ende

du bist ein Mann, bist nur ein Neger.

Ja komm nur her und ball die Hände!

Am besten wirst du Schornsteinfeger.

Domna steht auf und geht hinaus.

Danai:

Was ist hier los? was ist in euch gefahren?

Was soll der Streit, was sollen diese Worte?

So schön wars nie in all den Jahren

als heute, grade hier, an diesem Orte.

 

Nun habt ihr Domna aus dem Raum getrieben

weil sie die Worte nicht ertragen kann

die ihr ganz ohne nachzudenken, meine Lieben

euch an den Kopf werft, dass sich Streit entspann.

 

Ihr meint’s nicht so, doch wollt ihr euch gern reiben

der eine an dem andern, dass es schmerzt.

Ihr mögt es zwischen euch auch gern so treiben

und euch zwickzwacken ganz beherzt.

 

Doch hier seid ihr zu Gaste, habt gegessen

vom dem was euch der Hirte aufgetischt.

Es geht euch gut, und schon habt ihr vergessen

wie’s vorher war? denn jetzt seid ihr erfrischt

 

und voller Kraft, schon wollt ihr euch bekämpfen

wie junge Hunde, die so tun als ob!

Ihr könntet euren Übermut mal dämpfen

und fein euch äußern anstatt grob.

Jenny:

Es tut mir leid, Danai, ich geh mal raus

und schau, wo Domna ist, und sprech mit ihr.

Ich weiß auch nicht, mich beißt manchmal ne Laus.

Der Abud ist mein Freund, das glaube mir!

Abud

Ich komm mit dir, ich weiß ja, wie du denkst

und dass du Sachen sagst, die du nicht meinst.

Es ist weil du mit Leuten oft rumhängst

die dich verhöhnen, wenn du weinst.

Danai:

Nein, bleibt! Denn Domna ging allein hinaus

um Ruh zu finden, und womöglich ein Gedicht.

Wer weiß was sich entwickelt noch daraus,

und euren Streit, den braucht sie wirklich nicht.

 

Trud

Soll ich nun weitermachen mit Geschichten?

Ich könnte, wenn ihr wollt, davon berichten

wie es so geht, wenn man an manchen Tagen

nichts andres tun kann als nur immer fragen?

Fotis

Ich frag mich oft, warum, weshalb und auch wieso

Und kenn die Antwort nicht, und wüsste sie doch gern.

wenn du von deinem Fragen sprichst, dann wär ich froh.

doch dich bedrängen möcht ich nicht, das liegt mir fern.

Trud:

Sehr gern will ich euch die Geschichte sagen

die schon seit alters her erforscht das Fragen.

 

Da war ein Mann, der schlug nen andern tot.

Warum nur tat er es? Der Hohlweg war nicht breit

genug für beide.  „Ich will der erste sein“ gebot

der Ältere. Jedoch der Jüngere war nicht bereit

 

ihm aus dem Weg zu gehn. Drum schrie der Alte wüst:

„Mach Platz, du Lump, ich will zuerst passieren.“

Warum hat er geschrien? Er hat es schwer gebüßt.

Denn er verlor, was schmerzhaft zu verlieren:

 

Sein Leben! Doch gewann der andre nun

weil er als erster diesen Hohlweg hat durchritten?

O weh! O nein! Denn er konnt nicht abtun

die Folgen seiner Tat, die hat er schwer durchlitten.

 

Du willst nun hören, wie das Schicksal spielt?

Er kam zu einem Felsen, eine Sphinx stand drauf

er sah sie, zügelte sein Pferd und hielt

und fühlte nach dem Schwert, ergriff den Knauf.

 

„Du musst ein Rätsel lösen“, sprach das Wesen

„dann reitest du vorbei und wirst ein König

dann bist vor allen anderen du auserlesen

und zu dem allerhöchsten Glück fehlt dir nur wenig.

 

Doch wenn du’s nicht errätst, dann werde ich dich fassen

und runterschlingen wie zuvor die andern.“

„Sag mir das Rätsel“, sprach der Mann gelassen

„ich will es lösen und dann weiterwandern.“

 

Da sprach die Sphinx: „So sag, was es wohl sei,

das früh am Morgen vier der Füße hat

Am Mittag hat es zwei und abends drei ?

Mit vielen Füßen ist es schwach und matt.

 

Nun sage mir geschwind, was das wohl ist?“

„Das ist der Mensch!“ rief gleich der Held.

„Mit dir ists aus, mit dir und deiner List!“

Die Sphinx stürzt sich herab und ist am Grund zerschellt.

 

Es ist der Mensch, der erst auf allen Vieren

ins Leben kriecht und dann auf zweien geht

im Alter wird er seine Kraft verlieren

und braucht den Stock, damit er aufrecht steht.

 

Jedoch! „Was ist der Mensch?“ das ist die größre Frage

die bis auf heute schwer die Menschheit quält.

Es ist die große Frage, die ich in mir trage

auf die mir immer noch die Antwort fehlt.

 

Der Mann erschlug den Fremden, der den Weg versperrte.

Er war so klug und war zugleich so blind.

Was wars, das ihm die Wahrnehmung verzerrte

dass er nicht merkte: „Ich bin ja sein Kind!?

 

Der Fremde ist mein Vater, er hat mich gezeugt.“

So klug im Rätselraten und so blind im Leben?

Drum hat das Schicksal ihn dann schwer gebeugt

er musst sogar sein Augenlicht dran geben

 

damit er sah, was seine Augen nicht erkannten.

Die Augen sahen einen Menschen, der als Feind

ihm seinen Weg vertrat, sie sah’n nicht den Verwandten.

Die Augen sehn ja nur, was äußerlich erscheint.

 

Er lernt es schließlich unter großen Schmerzen:

Für unsere Augen ist so manches unsichtbar.

Gut sieht man nur mit einem offnen Herzen

und was verworren war, das wird dann klar.

img_5622

Ödipus, die Sphinx und die drei Alter des Menschen.

1967-edipo-re-01-g

Ödipus auf Kolonos (Sophokles. Aufführung von 1967, aus einem griechischen Blog, ohne Quellenangabe.) Kolonos ist ein Hügel bei Athen (heute Stadtteil), zu dem Ödipus, nachdem er sich selbst die Augen ausstach, mithilfe seiner Tochter Antigone wanderte, um von den Eumeniden Erlösung von seinen Leiden durch den Tod zu erflehen. 

Zitat: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist ...

Diese Erkenntnis hat der Kleine Prinz am Ende seiner Reise, als er sich zum Sterben entschließt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, Erziehung, Legearbeiten, Meine Kunst, Mythologie, Philosophie, Psyche, Welttheater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 12 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Zistrosenfreude und Müllsammeln

Leicht nieseliges graues Frühlingswetter. Die Zistrosen am Wegrand sind nun in großen Mengen aufgegangen. Ihr goldenes Herz im knittrigen rotvioletten Blütenblätterkranz leuchtet im Grau doppelt schön.

Wie meist habe ich eine Tüte dabei, die Dosen, Kaffeebecher, Zigarettenschachteln oder was immer die hier Durchfahrenden zu entsorgen für richtig halten, einzusammeln. Diese kleine Wiedergutmachung an der Natur, die mich täglich auf so wundersame Weise beschenkt, tut mir gut. Viel mehr als dies und meine Liebe und Dankbarkeit kann ich ihr ja nicht zurückgeben.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Natur, Psyche, Serie "Mensch und Umwelt", Tagebuch der Lustbarkeiten | Verschlagwortet mit , , , | 14 Kommentare

Welttheater, 4. Akt, 40. Szene: Clara erzählt ein Märchen vom Hirten, der König wird

Was zuletzt geschah: Wenn sich seine Gäste gesättigt haben, so wünscht sich Fotis der Hirt, sollen sie erzählen.

Seit ihr nun satt? Dann möcht ich fragen

woher ihr kommt und wer ihr seid

Ich mag Geschichten und auch Sagen,

Erzählt sie mir, ich bin bereit.

Clara
 

Ich weiß ein Märchen*, willst dus hören?

Es ist ein bisschen lang.

Fotis

Mich würde das kein bisschen stören

da sei man gar nicht bang.

Clara

Dann sag ichs dir: es war einmal

ein Hirtenkind, das lebte ganz allein.

Es hatte viele Not und Qual

denn es war ja noch klein.

 

Es trieb die Herde auf den Berg

wo es sonst immer grün und saftig war,

doch jetzt wars trocken, denn ein Zwerg

verlor dort Scherben, die warn wunderbar.

 

Mit denen spielt das Hirtenkind

und freute sich und sagt sich: welches Glück!.

doch später sagt der Zwerg: Wo sind

die Scherben mein, die hätt ich gern zurück.

 

Der Junge gab dem Zwerg die Scherben

da war der froh, und in der dunklen Nacht

als er sehr hungrig war und wollte sterben

da hat er immer an die Scherben nur gedacht.

Jenny:

Warum denn das? Willst du uns etwa sagen

die Scherben füllen einen leeren Magen?

Clara

Nein, Jenny, aber diese Scherben waren bunt

und schimmerten so hübsch im Sonnenlicht.

Und nun, so bitt ich dich, halt deinen Mund

sonst bin ich still und sag das Märchen nicht.

Jenny

Ich sag ja nix, erzähl dein Märchen schon

doch wüsst ich gern: wie lange gehts noch weiter?

Clara:

Es ist noch lang, am Schluss sitzt auf dem Thron

der Hirtenknab, mit der Prinzessin und ist heiter.

Doch vorher gibt es viele schöne Abenteuer

erst mit dem Zwerg, mit einer Jungfrau, einem Greis

die haben auch verloren das, was ihnen teuer

und wollten es zurück, um jeden Preis.

 

Der Junge gabs dem Zwerg und auch der Jungfrau,

doch als der Greis es wollte, sagt er Nein!

ich finde was, und gebs zurück, vertrau

dass ich was krieg, doch ihr seid ja gemein

 

Ihr gebt mir keinen Finderlohn, ich hab kein Glück

ich habe nur die Tiere, gib mir was

dann geb ich dir dein Glöckchen auch zurück.

Was gibst du mir, damit ich es dir lass?

 

Der Greis der sagt: du kannst drei Wünsche tun

wenn du mir gibst, was du gefunden.

Jenny:

Da wünscht er sich bestimmt Pommes und Brathuhn

und lässt es sich mit einem Biere munden.

Clara

Ach was, er wünscht sich, dass er König wird

mit einem schönen großen Schloss und Pferden

und eine schöne Königin, das kriegt der kleine Hirt

zum Schluss, und lebt sehr glücklich auf der Erden.

Jenny:

Wie kriegt er denn das Schloss? Wächst es auf Bäumen?

ein Brathuhn ist real, das Schloss ist nur zum Träumen.

Clara:

Du und dein Brathuhn! Bist du niemals satt?

Ich mag nicht mehr. Erzähl jetzt du an meiner Statt!

Jenny:

Warum denn ich? Ich hab nichts zu erzählen

kannst du nicht einen anderen auswählen?

——————————————————————————–wird fortgesetzt.

*Das Märchen heißt „Der Hirte“. Wer es in ganzer Länge lesen möchte, findet es im internet unter Märchenbasar

 

Da herrschte große Betrübniß und Unruhe am ganzen Königshofe, denn Alle liebten sie; der König aber, und die Königin trauerten am allermeisten. Der König ließ deßhalb ein Aufgebot über das ganze Land ergehen, daß derjenige, welcher seine Tochter wieder bringen würde, die Prinzessin, und dazu das halbe Königreich erhalten sollte. Da kamen die Königssöhne und Jünglinge und Kämpen, sowol von Osten als auch von Westen; sie kleideten sich in Eisen, und zogen mit Waffen und Gefolge hinaus, um die geraubte Jungfrau zu suchen. Deren aber waren nicht viele, die von der Fahrt zurückkehrten, und die, welche heim kamen, hatten weder etwas gehört, noch erkundet. Der König und die Königin trauerten nun über die Maßen, und meinten, daß sie einen Schaden erlitten, der nie mehr geheilt werden könne. Der Hirte trieb wie früher sein Vieh in den Wald, er war aber nicht mehr froh, denn die schöne Königstochter lag ihm im Sinn, jeden Tag und jede Stunde.
Eines Nachts schien es dem Hirten im Schlafe, als stünde der kleine Elfenkönig vor seinem Bett, und sage: »Nach Norden! Nach Norden! dort findest du deine Königin.« Da freute sich der Junge, und sprang in die Höhe, und als er erwachte, sieh‘, da stand noch der Kleine da, und winkte: »Nach Norden! Nach Norden!« Hierauf verschwand der Greis, der Hirte aber wußte nicht recht, ob es nicht doch eine Täuschung gewesen. Als es nun tagte, ging der Junge auf die Burg, und begehrte mit dem König zu sprechen. Hierüber wunderten sich alle Diener des Königs, und der Küchenmeister sagte: »Du hast so viele Jahre geweidet, daß du wol eine Zulage des Lohnes und der Kost erhalten magst, ohne daß du gerade mit dem Könige selbst zu sprechen brauchst.« Der Hirte aber bestand fest auf seinem Begehren, und kündete ihnen, daß er etwas ganz anderes im Sinne habe. Als er nun in den Saal hinaufkam, fragte der König nach seinem Anliegen. Der Junge nahm das Wort: »Ich habe viele Jahre dir treu gedient, und nun bitte ich um Erlaubniß, fortzuziehen, und die Prinzessin aufzusuchen.« Da ward der König erzürnt, und sagte: »Wie willst du, der du mit den Thieren auf die Weide gehst, das zu unternehmen denken, was kein Kämpe oder Königssohn auszurichten vermochte?« Der Hirte aber antwortete freimüthig, daß er die Prinzessin aufsuchen, oder für sie das Leben opfern wolle. Da mäßigte der König seinen Zorn, und gedachte des alten Spruchs: »Oft schlägt unter einem Bauermantel ein adelig Herz.«
Er gab daher Befehl, daß der Hirte auf das Beste ausgerüstet werden solle, mit Habe und mit Pferden, und mit Allem, was er sonst noch bedürfe. Der Junge aber sagte: »Ich passe nicht auf ein Pferd; gebt mir blos eure Einwilligung und Urlaub, sammt hinlänglicher Wegzehrung.« Der König wünschte ihm hierauf Glück auf den Weg; alle Pagen und anderen Diener am Königshofe aber lachten über das gewagte Unternehmen des Hirten.
Der Junge wanderte nun gegen Norden, wie der Elfenkönig ihn gelehrt hatte, und ging so lange fort, daß er wol nicht mehr weit zum Ende der Welt haben konnte.
Nachdem er so über Berge und öde Steige gereis’t war, kam er zuletzt zu einem großen See; mitten in der See war eine schöne Insel, und auf der Insel lag ein Königshof, noch weit ansehnlicher, als der, von welchem der Hirte gekommen war. Der Junge ging zum Seestrande hinab, und beschaute den Königshof von allen Seiten. Als er sich so um und um sah, gewahrte er eine Jungfrau mit schönem goldenen Haar, die am Fenster stand, und mit einem Seidenband winkte, welches das Lamm der Königstochter zu tragen pflegte. Da hüpfte dem Jungen das Herz im Leibe, denn nun fiel ihm ein, daß keine Andere, als die Prinzessin dieses Mädchen sein könne. Er setzte sich nun, um nachzusinnen, wie er über das Wasser zum großen Königshofe kommen könne; aber er wußte keinen Rath. Endlich erinnerte er sich, daß er wol versuchen könnte, ob die kleinen Elfen ihm helfen wollten. Er nahm daher seine kleine beinerne Pfeife hervor, und blies einen weithin hallenden Ton. »Guten Abend!« sagte in demselben Augenblicke eine Stimme hinter ihm. »Guten Abend!« grüßte der Junge zurück, und wandte sich um. Da stand vor ihm der kleine Knabe, dessen Glasstücke er einmal im grünen Grase gefunden hatte. »Was willst du von mir?« fragte der Elfenknabe. Der Hirte sagte: »Ich bitte, führe mich über den See zum Königshofe.« Der Knabe erwiederte: »Setze dich auf meinen Rücken.« Der Junge that, wie ihm geheißen; in demselben Augenblicke aber veränderte der Knabe seine Gestalt, und ward zu einem großen, großen Habicht; der durch die Luft flog, und nicht früher ruhte, bis sie zur Insel gekommen, wie der Hirte verlangt hatte.
Der Junge ging nun in die Burg hinauf, und begehrte Dienst. »Was verstehst du, und was ist dein Gewerbe?« fragte der Küchenmeister. »Ich kann mit dem Vieh auf die Weide gehen,« entgegnete der Hirte. Der Küchenmeister sagte: »Der Riese bedarf wol eines tüchtigen Hirten, vielleicht aber ergeht es dir, wie es den andern ergangen; denn wenn du irgend ein Vieh verlierst, gilt es dein Leben.« Der Junge erwiederte: »Dies scheint mir eine bedenkliche Bedingung zu sein, ich will sie aber dennoch eingehen.« Da hieß ihn der Küchenmeister willkommen, und sagte, daß er seinen Dienst den andern Tag antreten könne.
Der Junge ging nun mit dem Vieh des Riesen auf die Weide, und sang seine Lieder, und klingelte mit der Schelle, wie er es gewohnt war; die Königstochter aber saß am Fenster, und lauschte, und winkte ihm zugleich, er solle sich nichts merken lassen. Am Abend trieb der Hirte wieder das Vieh aus dem Walde heim.
Da kam der Riese ihm entgegen gegangen, und sagte: »Du stehst mir mit deinem Leben für das fehlende Stück ein;« kein Thier aber fehlte, wie der Riese auch zählen mochte. Nun ward der Riese freundlich und sprach: »Du sollst mein Hirte bleiben, dein Leben lang.« Er ging hierauf zum Seestrande, machte seinen verzauberten Kahn los, und ruderte dreimal um die Insel, wie er zu thun pflegte. Während der Riese fort war, stellte sich die Königstochter an das Fenster, und sang:

»Zu Nacht! Zu Nacht! du Hirtenknab‘,
Da wird verdunkeln sich mein Stern.
Und kommst du dann, so bin ich dein
Die Krone gebe ich dir gern.«

Der Hirte horchte auf den Gesang, und verstand, daß er Nachts kommen, und die Königstochter befreien müsse. Er ging fort, ohne daß er etwas merken ließ. Als es aber spät war, und Alle im tiefsten Schlafe lagen, schlich er sich wieder zum Thurm, stellte sich unter das Fenster und sang:

»Zu Nacht, erwartet dich der Hirt‘,
Am Gitter dort er traurig hält;
Und kommst du dann, so wirst du mein,
Wenn schon der Schatten weithin fällt.«

Die Königstochter flüsterte: »Ich bin mit goldenen Ketten gebunden, komm‘ und zerbrich sie.« Da wußte sich der Hirte keinen Rath, sondern nahm seine kleine Pfeife, und blies einen weithin hallenden Ton. »Guten Abend!« sagte in demselben Augenblicke eine Stimme hinter ihm. »Guten Abend!« erwiederte der Hirte den Gruß, und sah sich um. Da stand vor ihm der kleine Elfenmann, von welchem er einmal die Klingel und die beinerne Pfeife bekommen.
»Was willst du von mir?« fragte der Greis. Der Hirte erwiederte: »Ich bitte, daß du mich und die Prinzessin hinwegführst.« Der Kleine sagte: »Folge mir.« Sie gingen zum Thurme hinauf, zum Käfich der Jungfrau. Die Thür der Burg aber öffnete sich von selbst, und als der Greis die Kette berührte, brach sie in Stücke entzwei. Hierauf gingen sie alle drei zum Strande hinab. Da sang der Elfenmann:

»Du kleiner Hecht! es birgt den Mond
Das Schilf; o komme, komme gleich;
Auf dir dann die Prinzessin thront,
Dazu ein König auch, so reich.«

In demselben Augenblicke kam die kleine Jungfrau, deren Mütze der Hirte im grünen Grase gefunden hatte. Sie hüpfte in den See, und ward zu einem großen Hecht, der lustig im Wasser umher schwamm. Da sagte der Elfenkönig: »Setzet euch auf den Rücken des Hechten. Die Prinzessin aber darf sich nicht fürchten, wenn etwas geschieht, denn dann ist meine Macht zu nichte.« So sprach der Alte, und verschwand. Der Hirte aber und die schöne Königstochter thaten, wie er gesagt hatte, und der Hecht führte sie schnell durch die Wogen.
Während sich dieses Alles zutrug, hielt der Riese Wacht auf dem Dachboden, sah durch das Windauge, und bemerkte, wie der Hirte auf dem Wasser mit der jungen Königstochter davon fuhr. Sogleich nahm er seine Adlergestalt an, und flog ihnen nach. Als der Hecht aber das Geräusch des Flügelschlages des Adlers vernahm, tauchte er tief in das Wasser hinab, worüber die Königstochter sich zu fürchten begann, so daß sie laut schrie. Da war die Macht des Elfenkönigs zu nichte, und der Riese ergriff beide Flüchtlinge mit seinen Krallen. Als er wieder zum Königshof gekommen, ließ er den Hirten in ein dunkles Loch werfen, wol fünfzig Klafter unter der Erde; die Prinzessin aber setzte er in den Jungfern-Zwinger, und sie wurde so bewacht, daß sie nicht entkommen konnte.
Der Junge lag nun im Thurme gefangen, und es war ihm schlimm zu Muthe, da er die Königstochter nicht befreien konnte, und zugleich sein eigenes Leben verspielt hatte. Da erinnerte er sich dessen, was der Elfengreis gesagt hatte: »Wenn du das dritte Mal in große Gefahr kommst, zerbrich dann die kleine Pfeife, und ich will dir helfen.« Als nun der Hirte wol wußte, daß er nie mehr das Tageslicht sehen werde, nahm er die kleine beinerne Pfeife hervor, und zerbrach sie in Stücke. »Guten Abend!« hörte er in demselben Augenblicke eine Stimme hinter sich. »Guten Abend!« grüßte der Hirte zurück, und sah sich um. Da stand vor ihm der kleine Greis, und fragte: »Was willst du, daß du mich rufst?« Der Hirte antwortete: »Ich will die Prinzessin befreien, und sie zu ihrem Vater heimführen.« Nun nahm ihn der Greis mit sich, und sie gingen durch verschlossene Thüren und durch viele prächtige Zimmer. Zuletzt kamen sie in einen großen Saal, der mit allerhand Waffen, Schwertern, Spißen und Aexten angefüllt war, von welchen einige wie blanker Stahl, und einige wie reines Gold glänzten. Der Greis machte ein Feuer an der Feuerstätte, und sagte: »Entkleide dich.« Der Hirte that es, und der Kleine verbrannte seine alten Kleider. Hierauf ging der Greis zu einer großen Eisenkiste, und nahm eine kostbare Rüstung heraus, die von dem reinsten Golde schimmerte. »Kleide dich an!« sagte er. Der Hirte that es. Als nun der Junge vom Kopf bis zum Fuß in voller Rüstung stand, band der Greis ein scharfes Schwert an seine Seite, und sprach: »Es ist bestimmt, daß der Riese von diesem Schwerte falle, und in diese Rüstung schneidet kein Stahl.« Der Hirte aber fühlte wol Muth in der goldenen Rüstung, und er bewegte sich darin, als wäre er der tapferste Königssohn. Hierauf kehrten sie wieder zu dem dunklen Gefängnißloch. Der Hirte dankte dem Elfenkönig für seinen guten Beistand, und so schieden sie von einander.
Gegen Morgen entstand ein großer Lärm und Geräusch im ganzen Hofe, denn der Riese feierte seine Hochzeit mit der schönen Königstochter, und hatte seine Verwandten zu einem Gastmahl geladen. Die Prinzessin war nun auf das Allerprächtigste gekleidet, mit Goldkrone, rothen Ringen und anderem kostbaren Schmuck, welchen die Mutter des Riesen selbst getragen. Hierauf wurde die Hochzeit mit Lustbarkeiten begangen, und es fehlte weder an Speise, noch Trank. Die Braut aber weinte ohne Unterlaß, und ihre Thränen waren so heiß, daß sie wie Flammen auf der Wange brannten.
Als es nun bis in die Nacht gedauert, und der Riese seine Braut zur Brautkammer führen wollte, schickte er seinen Pagen, den Hirten zu holen, der im Gefängniß lag. Als sie aber in den Thurm hinabkamen, war der Gefangene fort, und statt seiner stand dort ein tapferer Kämpe, mit Schwert, Panzer und vollen Waffen. Bei diesem Anblick erschraken die Jungen und flohen, der Hirte aber folgte ihnen nach, und kam so zum Burghof hinauf, wo die Brautschar versammelt war, sein Lebensende zu schauen. Als nun der Riese den rüstigen Kämpen erblickte, ward er erzürnt, und sagte: »Schande über dich, du arger Troll!« Als er sprach, waren seine Augen so wild, daß sie mitten durch die Rüstung sahen. Der Junge aber fürchtete nichts, sondern antwortete: »Hier sollst du mit mir um deine schöne Braut streiten.« Der Riese wollte nicht warten, sondern entwich. Der Hirte aber zog sein Schwert, und es flammte wie eine feurige Flamme. Als nun der Riese das Schwert erkannte, durch welches er fallen sollte, erschrak er, und sah bleich zur Erde; der Hirte aber ging keck auf ihn los, schwang sein Schwert, und führte einen gewaltigen Hieb; so daß der Kopf des Riesen vom Körper getrennt wurde. Dies war das Ende des Riesen.
Als die Hochzeitsgäste dies sahen, wurden sie von Furcht befallen, und fuhren jeder in sein Loch; die Königstochter aber lief hin, und dankte dem tapferen Hirten für ihre Befreiung. Sie gingen hierauf zum Seestrande hinab, lösten das verzauberte Schiff des Riesen, und ruderten von der Insel fort. Als sie zum Königshofe heim kamen, entstand eine große Freude, und der König war entzückt, als er seine einzige Tochter wieder gefunden, die er so lange betrauert hatte. Hierauf wurde eine prächtige Hochzeit veranstaltet, und der Hirte erhielt die schöne Königstochter. Sie lebten nun glücklich und vergnügt noch viele, viele Jahre, und sahen ihre Kinder heranblühen. Die Schelle aber und die zerbrochene beinerne Pfeife werden zum Angedenken noch heut zu Tage auf dem Königshofe aufbewahrt.


[Gunnar Hyltén-Cavallius/George Stephens: Schwedische Volkssagen und Märchen ]

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Märchen, Träumen, Welttheater | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Welttheater, Neunte Zwischenbilanz 10.4.-24.4.2023

Erneut sind 14 Tage seit der letzten Zwischenbilanz verstrichen.

In der ersten Zwischenbilanz  (12.1.) findest du ein Personenverzeichnis und eine Revue, „wie alles begann“: Die „blinde Poetin“ (Domna) ist der spiritus rector dieses „Welttheaters“. Mithilfe von Eichendorffs „Wünschelrute“ (Zauberwort) findet sie das Leitmotiv des Stücks: „Geben und Nehmen im Ausgleich“ – ein Naturgesetz.

Die Handlung des Welttheaters beleuchtet dieses zentralen Thema in jeder Szene anders.  Auch die auftretenden Figuren stehen in unterschiedlicher Weise  in diesem Spannungsfeld. Wie? Was passiert, wenn der eine Pol zu stark ist? Können sich die Figuren entwickeln und zu einer verbesserten Nehmen-Geben-Bilanz kommen? Die Antwort fällt für jede Figur je nach Charakter, Lebensalter, Lebensumständen, Fähigkeiten verschieden aus.

Seit der achten Zwischenbilanz  hat sich die Handlung folgendermaßen weiterentwickelt: Jenny und Abud nähern sich dem Platz, wo Jenny Wilhelm zurückließ. Da kommen von der anderen Seite Danai, Hawi und Domna. Wilhelm entschuldigt sich zwar wegen seiner Ausdrucksweise gegen die Afrikaner, rückt aber nicht von seiner Grundhaltung ab: sie haben hier nichts zu suchen, sie sind illegal. Außerdem sieht er in Abud jemanden, der nimmt, ohne geben zu wollen. Hawi bezeichnet seinerseits Wilhelm als „böse“, weil er ihn einen Dieb genannt hat. Danai hält das „Miteinanderreden“ von realen Individuen für den besten Weg zu verstehen, „was jeder meint“.

Jenny kommt hinzu und bietet an, Wilhelm zusammen mit Abud zu stützen. Als Wilhelm erfährt, dass Abud in seinem Lager war, empört er sich erneut. Jenny macht ihm klar, dass Abud nur etwas Geringfügiges nahm (seinen „Lohn“) und also kein Dieb ist – und Abud macht sie klar, dass er Wilhelm noch schuldet, weil er nur deshalb kein Dieb wurde, weil es nichts zu stehlen gab.

Danai erklärt dem Kind Hawi die Ähnlichkeiten, aber auch die Unterschiede von Mensch und Tier. Der größte Unterschied ist die Sprache. Domna führt dies Thema in „Die Macht der Worte“ aus: größtes Glück können Worte geben, und sie können böse Wunden schlagen, sie können Liebe geben oder jemandem die Würde nehmen…. Die Sprache ist also ein mächtiges Instrument des Gebens und Nehmens.

Die Gruppe zieht los. Jenny und Abud stützen Wilhelm, der durch diese Hilfe beschwichtigt Zugang zu seinem Inneren bekommt. Er erklärt seine Schroffheit mit einem Leben, wo er immer für sich selbst sorgen musste. Er entsinnt sich der Worte, die Isolde (Hedonie)  ihm sagte: dass er sie nur gewinnen könne, wenn er das Lieben im Kleinen übe.

Ich solle in der Lieb mich üben

in kleinen Dingen dankbar sein.

Ich solle Menschen nicht betrüben

dann wäre ich auch nicht allein.

Er anerkennt, dass er ihren Rat missachtet hat, als er erst den Macher und dann Abud vor sich sah. Nun äußert er erstmals Dankbarkeit:

Nun aber hilft er, mich zu tragen

ich bin gerührt und dank ihm sehr.

Ich lern in meinen alten Tagen

vielleicht noch danken, ist nicht schwer.

In der Höhle ankommend finden sie Trud mit Clara vor. Trud hat Clara mit Singen bei Laune gehalten – Clara dankt ihr dafür und bittet um ihr Lieblingslied Der Kuckuck und der Esel, in dem es um einen Streit zweier Möchtegern-Sänger geht. 

In der Höhle erscheint der Hirt Fotis (neu eingeführte Figur, der Name bedeutet der Lichtvolle) mit seinem Hund. Fotis verkörpert die Tugenden des „Hirten“ und der antiken Gastfreundschaft. Er führt sie in sein armes Haus und bedient sie mit dem, was er produziert. Clara, die sich Milch wünschte, mag sie nicht trinken, als sie erfährt, dass das Zicklein geschlachtet wurde. Der Hirt erläutert ihr, dass er seine mühevolle Arbeit nur machen kann, wenn er Milch, Käse und Fleisch produziert. Clara entscheidet für sich, auf Milch zu verzichten, macht ihre „vegane“ Entscheidung aber nicht verbindlich für andere.

Ich weiß kein Rat, bin ja ein Kind,

mag nicht die Milch, wenn Zicklein sterben.

Weiß nicht, wie die Erwachsnen sind,

will es auch mit dir nicht verderben.

 

Ich ess vom Brot und vom Salat

das ist genug, da werd ich satt.

Die Milch kann gern die Jenny haben

und auch Hawi mag sich dran laben.

Der Hirt akzeptiert ihre Entscheidung und fordert die anderen auf, tüchtig zuzugreifen.

Nun gut, mein Kind, ich mag nicht streiten

ob du im Recht bist oder nicht.

Ihr andern aber, lasst euch schmecken

das Ei, die Butter und die Wurst…

Auch die Tiere (Katze, Hütehunde) bekommen ihren Teil.

Wenn sich die Gäste gesättigt haben, sollen sie erzählen. Auch das ist Teil der recht verstandenen Gastfreundschaft: der Hausherr gibt den Reisenden zu essen und zu trinken, die Reisenden bringen ihrerseits dem Sesshaften die Neuigkeiten der Welt. So werden Geben und Nehmen ausgeglichen.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Ökonomie, Collage, Erziehung, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Natur, Philosophie, Psyche, Tiere, Zwischenbilanz Welttheater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Tagebuch der Köstlichkeiten: von Rosen, blühenden Bäumen, Barben und meer-

Die Auswahl fällt mir wie immer schwer: Soll ich von der eleganten gelb-roten Rose erzählen, die heute ihren ersten Auftritt in meinem Garten hatte? Oder von den  weißblühenden duftenden Straßenbäumen in dem Sträßchen, in dem mein Lieblingscafe liegt?  Oder doch lieber von der Horde Katzen, die meinen Eingang belagern, so dass ich kaum aus der Tür kann, ohne über sie zu stolpern?

Ich könnte auch vom Cafe Stolidi (Schmuckstück) erzählen, wo ich mich für einen frisch gepressten Orangensaft niederlasse, da es noch zu früh für den Besuch bei der Zahnärtin ist.  Oder von Nenas Werkstatt Mamellada – ein Wortspiel, denn Mama Ellada (Mama Griechenland) stellt Ma(r)meladen und Säfte her – , um ein paar Fläschchen vom köstlichen Feigenkaktussaft zu erwerben.  Oder doch lieber vom frischen Grün, das aus dem alten Holz der Weinrebe sprießt und die Sonne über unserem Mittagstisch am Meer filtert…

Oder doch lieber vom Rauschen des Meeres und den roten Meerbarben, die daraus gefischt wurden, um gebraten auf meinem Teller zu landen… So viele Köstlichkeiten! Schwierige Wahl.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Tagebuch der Lustbarkeiten, Tiere, Umwelt, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 18 Kommentare

Legebild des Tages (neu und aus dem Archiv): Servieren

Susanne Hauns neue Schnipsel sind immer noch nicht auserzählt. Diesmal wurde es eine Kellnerin, die mit einem Eisbecher vorbeieilt. Wird sie ihn den Damen bringen? Die eine scheint sich aufzuregen, weil die Bedienung sie permanent übersieht….Natürlich gibt es tausend andere Möglichkeiten, ihre Gesten zu interpretieren.

Im Archiv fand ich ein paar Demonstrationen zur Kunst, eine Speise richtig zu servieren. Wie soll man zum Beispiel eine Geburtstagstorte überreichen? Hier gibt es dazu fünf Vorschläge, gelegt aus Hannahs Schnipseln. Zwei zeige ich stellvertretend.

 

 

 

 

 

 

Momentan höre ich überall das Gezwitscher von Vögeln, gelegentlich auch das Gezeter der Kleinen, wenn die Eltern ihnen nicht den richtigen Wurm servieren. Vielleicht sollten sie diese Fütterungs-Szene mit Lelas Schnipseln studieren, um die Kunst zu lernen?

Eine besondere Kusnt ist es, ein Tablett auf einem fliegenden Teppich so zu balancieren, dass der Sekt nicht überschwappt. Wie man sieht: hier ist ein Könner am Werk! (eigene Schnipsel)

IMG_3566.JPG

Ich mag gerne von netten Kellnern oder Kellnerinnen bedient werden. Selbstbedienung mag ich nicht so, und schon gar nicht solche:

(gelegt aus Schnipseln von Jürgen Küster, Ulli Gau, Susanne Haun)

Keine gute Idee ist es auch, sich an Speisen zu bedienen, die für die Toten serviert wurden. So geschehen im Welttheater.

Im Gegensatz dazu lobe ich mir das traute Zusammensein von Oma und Enkel, wenn Oma dem Kleinen seine liebsten Pralinen in schöner Verpackung serviert (noch einmal Leelas Schnipsel).

Gut serviert ist halb getrunken! Drum wurde das „Symposion“ seit Beginn dieses Blogs zu meinem Erkennungszeichen. Doch vergesst das Trinkgeld für die Bedienung nicht!

Symposion

zz

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Erziehung, Kunst zum Sonntag, Legearbeiten, Meine Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 8 Kommentare

Häuserkomplex am Meer (Tägliches Zeichnen mit gestückelter Überblendung):

Sitzend auf der Ummauerung eines hässlichen Gebäudes, dessen 20-30 Aüüartements im Sommer für wenig Geld an Athener vermietet werden, schaue ich hinüber zu einem Komplex aus Häusern und Bäumen, der an der felsigen Steilküste hochklettert und die kleine Bucht abschließt. Direkt am Geröllstrand und durch eine Mole geschützt liegt ein Lokal, das auch jetzt, am Sonntag Mittag Ende April, ein paar Besucher hat. Eine junge schwarz gekleidete Frau steigt mit schnellen sicheren Schritten über das Geröll hinunter zum Wasser, bleibt einen Moment stehen und verschwindet aus meinem Blickfeld. Ich versuche, all das auf der Zeichnung festzuhalten. Auf die fertige Zeichnung lege ich zum Fotografieren einen Stein, denn der leichte, noch kühle Wind dreht das DINA4-Schreibmaschinenpapier um, auf dem ich gezeichnet habe.

Zu Hause probiere ich aus, was eine Überblendung mit einem Foto des Motivs erbringt.

Da sich Zeichung und Foto nicht genau zur Deckung bringen lassen, zerschneide ich das Foto digital und verschiebe die Teile auf der Zeichnung. Die Schnittstellen lasse ich stehen. Ich mag sie, sie lassen das Bild atmen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Meine Kunst, Methode, Umwelt, Zeichnung, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , | 14 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Wolkengebilde (kleine Beobachtungen)

Diese Wolke begleitete mich gegen 6 Uhr abends auf der Fahrt in die Stadt. wie eine bleischwere Platte schien sie über der Stadt zu schweben und sie zu verdüstern.  Ob das Foto den Eindruck vermitteln kann?

Beim Abendspaziergang um halb acht sah ich einen golden leuchtenden Himmel. Vor der Sonne trieben Reste des Gewölks.

Beim Nachtspaziergang, etwa um Mitternacht, sah ich eine riesige Wolke, die aus dem Talgrund emporstieg wie ein gewaltiger Rauch. Der übrige Himmel war sternklar.

Immer schon betrachte ich gern die Wolken, bewundere sie und dachte mir nichts weiter dabei. In den letzten Jahren betrachte ich sie mit Fragezeichen. Sie scheinen mir merkwürdig, missgestaltig, aufgeblasen, inhaltslos. Sie entwickeln sich in Streifen, treiben in dunklen Fetzen dahin, sehr oft sind es auch riesige Wolkenberge, gewaltige sich türmende Gebilde, die alle Horizonte beherrschen, es sieht bedrohlich aus, aber dann verziehen sie sich wieder und bringen selten Regen.

Heute ist ein heiterer Tag, niedrige weiße Wolken türmen sich über dem Meer und der Stadt, und der Himmel ist klar.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, kleine Beobachtungen, Leben, Natur, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , | 17 Kommentare