Welttheater. 4. Akt, 39. Szene: Wie lebt ein Hirt? Vom Essen und Trinken.

Was zuletzt geschah: Der Hirt lud die ganze Gesellschaft zum Essen in sein einfaches Haus ein. Alle äußern hocherfreut den Wunsch zu helfen und etwas beizutragen, um den Tisch zu decken. Hera erscheint und gibt ihren Segen.

Fotis

Raum ist, so sagt man, in der kleinsten Hütte*

am besten setzt euch auf die lange Bank.

So ist es recht, die Kinder in der Mitte

die mögen sich ja leiden, Gottseidank.

 

Ihr Frauen setzt euch mir zur Seite

da könnt ihr mir behilflich sein.

Bis ich das Omelett bereite

schenkt schon den Kindern mal was ein.

 

Die Milch ist warm, da schmeckt sie mir am besten

Ist Ziegenmilch, das Zicklein brauchts nicht mehr.

der Käse hier, am liebsten esse ich den festen,

ist von der Milch gemacht, der schmeckt mir sehr.

 

Der Kohlkopf hier, der ist aus meinem Garten

den kannst du, Frau, schon mal in Stücke schneiden

Tomaten, Gurken gibt’s, die sind von alten Arten

die neuen taugen nichts, die sollte man vermeiden.

 

Ich hab auch Wurst, die wird den Jungs gut schmecken,

Der Bauer macht sie mir, wenn er ein Schwein geschlachtet,

und Schmalz und Fett, da mag ich gern dran schlecken,

Auch ein Stück Speck hab ich noch nie verachtet.

 

So nehmt und esst, ich hoff, es tut euch munden,

und wenn ihr satt seid, sollt ihr mir erzählen.

Bin oft allein, und in den langen Stunden

tut mich die Einsamkeit schon manchmal quälen.

 

Clara:

Die Milch ist von ner Zickleinmutter?

Machst du daraus auch Zickleinbutter?

Fotis

Ganz recht, mein Kind, willst du probieren?

Du brauchst dich wirklich nicht genieren.

Clara

Und was kriegt’s Zicklein dann zu essen?

Kann es denn schon die Gräser fressen?

Fotis

Das Zicklein, Kind, braucht nichts zu fressen,

das hab ich selber aufgegessen.

Das Fleisch schmeckt gut, wenn es gebraten.

Versuchs einmal, möcht ich dir raten.

Clara

Ich mag die Milch nicht, guter Mann,

Weil ich ans Zicklein denke dran.

Das möcht die Milch, es möchte leben,

hat mir nicht gern die Milch gegeben.

Fotis

Gern starb es nicht, doch nun ists tot.

Drum trink die Milch, sie tut dir not.

Für dich ist jetzt die Milch notwendig.

Das Zicklein wird nicht mehr lebendig.

Clara

Ich mag die Milch nicht, tut mir leid.

Jenny

Dann her damit, bist nicht gescheit!

Abud:

Die Clara hat halt keinen Schneid!

Hawi

Ich nehm sie, wenn ihr fertig seid.

Fotis

Gemach, ich wünsche keinen Streit!

 

Mein Kind, versteh, ich bin ein Hirt

und habe Schafe und auch Ziegen,

Ich hüte sie, wenn eins verirrt,

dann renne ich, um es zu kriegen.

 

ich steig hinauf und steig hinunter

den Berg, die Schlucht und in das Tal

Die Tiere leben frisch und munter

bis ich sie treibe in den Kral.

 

Wenn eines krank ist, muss ich holen

den Doktor, der ihm helfen kann.

Pass ich nicht auf, wird eins gestohlen

es fehlt mir jetzt, was mach ich dann?

 

Ich helf den Müttern zu gebären

was manchmal ziemlich schwierig ist,

Und auch das Lamm muss ich ernähren

wenns schwächlich ist und gar nicht frisst.

 

So hab ich meine liebe Müh

mit meinen Tieren jeden Tag

und jede Nacht und in der Früh

und wieder bis zum Nachmittag.

 

Mein ganzes Leben geb ich hin

um sie zu hüten und zu schützen.

Ich frag mich manchmal, wer ich bin

und wozu all die Mühen nützen?

Clara

Aber das Zicklein, ist es schuld?

Hattest mit ihm ja viel Geduld,

Am Tage hast du es bewacht

und hast es dann doch totgemacht?

Fotis

Ja, Kind, denn auch ein Hirt muss leben

muss essen, trinken, braucht ein Haus.

Wirst du ihm denn zu essen geben?

Ich leb ja nicht in Saus und Braus.

 

Ich brauch nur wenig, etwas Butter

und Milch und Käse, manchmal Braten.

Das krieg ich von der Ziegenmutter,

wie es schon stets die Hirten taten.

Clara:

Ich weiß kein Rat, bin ja ein Kind,

mag nicht die Milch, wenn Zicklein sterben.

Weiß nicht, wie die Erwachsnen sind,

will es auch mit dir nicht verderben.

 

Ich ess vom Brot und vom Salat

das ist genug, da werd ich satt.

Die Milch kann gern die Jenny haben

und auch Hawi mag sich dran laben.

Fotis

Nun gut, mein Kind, ich mag nicht streiten

ob du im Recht bist oder nicht.

Die Frau wird dir Salat bereiten,

das ist dann wohl dein Leibgericht.

 

Ihr andern aber, lasst euch schmecken

das Ei, die Butter und die Wurst

Ich seh euch schon die Finger lecken,

die Ziegenmilch löscht jeden Durst.

 

Und wenn was bleibt, so gebts den Hunden

und auch die Katze wartet schon

Der Braten ist schon ganz verschwunden

Der Hütehund braucht auch sein Lohn.

 

Zum Abschluss gibt es Apfelsinen

und Äpfel, die ich aufgesammelt.

Die helfen mit den Vitaminen,

auch wenn sie etwas angegammelt.

 

Komm her, du Frau, und nimm ein Messer

und schneid die guten Stücke raus.

Die sind, so wett ich, sehr viel besser

als was ihr kriegt so im Kaufhaus.

 

Seit ihr nun satt? Dann möcht ich fragen

woher ihr kommt und wer ihr seid

Ich mag Geschichten und auch Sagen,

Erzählt sie mir, ich bin bereit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


*Friedrich Schiller, Der Parasit IV, 4. (Charlotte)

Raum ist in der kleinsten Hütte
für ein glücklich liebend Paar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bilder angucken und austauschen

Soll ich oder soll ich nicht? Soll ich anstelle des einen Bildes ein anderes hinhängen? Da ich nicht alleine lebe, kann ich diese Frage im gemeinsam benutzten Wohnraum auch nicht alleine entscheiden. In der Regel heißt es: Lass mal alles so, wie es ist.

Heute einigten wir uns darauf, ein Bild auszutauschen. Damit verschwand zwar der rote und rosa Fleck des Gemäldes „Vor Sonnenaufgang“ (2008), der mir immer gefiel, von der Wand…

dafür aber ist dort nun eine „Bootswerft“ von 2016 zu erblicken.

Die Technik: Pigmente, Kleister, Kohle, aufgeklebte Wellpappe auf Leinwand.

Das Bild hing bisher im Atelier, also musste ich dort für einen Ersatz sorgen. Natürlich spielen wieder Boote eine Rolle. Nennen wir es „Segelmacherei“.

Auch dies ist mit Pigmenten, Kleister, Kohle, außerdem mithilfe von Klebestreifen grob befestigten grau-weißen Papierfetzen von der Rolle auf Leinwand entstanden und etwas neuer, vermutlich von 2018.

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Tägliches Zeichnen: Kakteenwand und Mensch im Raum

Von dieser Zeichnung habe ich ein Stück entfernt, um Platz für den blauen Himmel und entfernte Häuser des Fotos zu schaffen, das ich ihr unterlegt habe. Ich saß auf einer Stufe der Treppe, die im Vordergrund erscheint. Es ist eine hübsche Ecke am Meer, mit Kakteen bewachsen.

Das war vorgestern.

Heute machte ich unterwegs zwei kleine Skizzen: Mensch im Raum.

Es ist der Raum, der sich mir von meinem Sitzplatz aus erschließt. Für den Menschen im Bild wäre es natürlich ein anderer.

 

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Welttheater, 4. Akt, 39. Szene: Gastfreundschaft

Was zuletzt geschah:

Die Gruppe wandert zur Höhle. Wilhelm findet Zugang zu seinem Inneren, bedankt sich für die Hilfe. In der Höhle hat Trud der kleinen Clara alte Lieder vorgesungen. Als alle ihr Lieblingslied singen – der Kuckuck und der Esel, das vom sinnlosen sich gegenseitig Übertrumpfen handelt – kommt der Hirt mit dem Hund herein. Erschrockenes Schweigen.

Fotis (der Hirt)

Ja singt nur weiter, liebe Leute,

hab lang schon kein Gesang gehört.

Mein Esel trötete zwar heute

zum Glück hat er nicht sehr gestört.

 

Die Kleine schlief so fest und selig

im Arm der lieben alten Frau

da wärs doch wirklich unausstehlich

wenn er sie weckte mit Radau.

 

Ich selbst trieb leise meine Schafe

hinaus damit sie grasen können.

Und meine Hunde, das sind brave,

die Kindern ihren Schlaf wohl gönnen.

 

Jetzt kam ich wieder, um zu sehen

wie mags dem Kind, der Frau wohl gehen?

Sie sind wohl hungrig, haben Durst?

Drum bracht ich Wasser, Brot und Wurst.

 

Nun seh ich, dass noch andere kamen

Der Herr scheint müde und verletzt

und sicher seid ihr, meine Damen

auch hungrig und wollt essen jetzt?

 

Ich bin ja nur ein armer Hirte

doch hab ich Milch und Käse auch.

Wenn ihr erlaubt, dass ich bewirte

so könnt ihr füllen euren Bauch.

Domna

Ists wahr? Ich träum nicht? Sind die Zeiten

die glücklichen zurückgekehrt

als Menschen, ohne sich zu streiten

zusammen saßen um den Herd?

 

Als sie, begierig zu erfahren

wie anderswo das Leben spielt

die Fremden fragten, wo sie waren

und wie es sich wohl dort verhielt?

Jenny

Du willst uns was zu essen geben?

O das ist wirklich furchtbar nett!

für Käse gäbe ich mein Leben

und noch viel mehr fürn Omelett!

Clara:

Und Milch für mich, du guter Mann!

Ich trank mal Milch, ich weiß nicht wann

ist schon so lang, habs ganz vergessen.

Auch würd ich gern ein Brötchen essen.

Hawi

Auch ich hab Hunger, sogar sehr,

mein Magen knurrt, mein Bauch ist leer.

Fotis

Nur zu, kommt mit in meine Hütte

da gibt es alles, was ihr wollt

Es sind von hier nur ein paar Schritte

ist freilich schlicht und nicht von Gold.

Die Höhlenkulisse verschwindet, es erscheint ein Dorf.

Fotis zu Wilhelm

Und du, scheint mir, kannst nicht mehr weiter

es wäre wohl, scheint mir, gescheiter,

wenn du dich hinlegst mit dem Bein

Ich ruf den Tierarzt, der renkts ein.

 

Ihr beiden dort, was drückt ihr euch

da hinten rum, kommt zu mir her

Wisst ihr denn nicht, dass Vater Zeus

will dass ich alle Menschen ehr?

 

Die Gastfreundschaft, sie ist mir heilig

der Fremde ist mein liebster Gast

euch zu bedienen, geh ich eilig

Ihr aber setzt euch hin zur Rast.

Die Kulisse ändert sich erneut, zeigt nun das Innere des Hauses.

Abud

Darf ich dir helfen, ich bin jung und stark

Jenny

Auch meine Füße schmerzen mir nicht arg!

Hawi

Ich kann was tragen, wenn du mir zeigst was

Clara

Ich komme mit, das Helfen macht mir Spaß!

Trud

Wo kann ich helfen, darf ich fragen?

Denn leer ist leider auch mein Magen.

Danai

Ich kann uns einen Krautsalat bereiten

Domna

Und ich kann euch mit einem Sang begleiten.

Fotis

Ja singen wolln wir, dann geht’s besser,

und hier mein Junge gibt es Messer,

und Gläser dort, es sind nur zwei

doch von den Tellern hab ich drei.  

 

Der Tisch ist leider ziemlich klein

denn meistens ess ich ja allein

zu Domna:

Hier kannst du sitzen mit dem Kind.

Du siehst wohl nicht? Du bist wohl blind?

Domna

Die Augen taugen nichts, da hast du recht

doch fühl ich grad durch diese Türe treten

die Göttin, wie sie segnet ihren Knecht,

weil du die Fremden in dein Haus gebeten.

 

Du, guter Mann, tust, was der Gott befohlen:

den Fremden öffnest freundlich du die Tür

dass sie sich von den Mühn der Fahrt erholen

und sättigen, gedankt sei dir dafür.

Hera

So war es schon immer, so muss es auch sein:

Der Mensch braucht Gesellschaft, wer isst gern allein?

Wenn sich der Hausherr freuet der Gäste

Wird auch ein einfaches Mahl ihm zum Feste.

Domna

Wie wir nun zusammen sind,
Sind zusammen viele.
Wohl gelingen denn, wie uns,
Andern ihre Spiele!
Von der Quelle bis ans Meer
Mahlet manche Mühle,
Und das Wohl der ganzen Welt
Ist’s, worauf ich ziele.

(J.W.Goethe, Tischlied, letzte Strophe, geschrieben am 22. 2.1802, vertont von Franz Schubert.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Zitrone

Nie zuvor habe ich so eine gewaltige Zitrone gesehen.

Ich nahm sie in die Hand und staunte nicht schlecht.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: weißgoldene Blüte

Solche feinen weißen Blütchen sah ich heute voller Staunen im Blumenkasten der Taverne und nahm einen Stengel mit. Es ist eine Sukkulente. Vielleicht bildet sie Würzelchen aus, und ich kann sie einpflanzen?

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Welttheater, 4. Akt, 38. Szene: Wilhelm besinnt sich, Trud singt

Was zuletzt geschah: Domna erklärt Hawi den Unterschied zwischen Menschen und Hunden (Sprache). Jenny beweist Abud, dass er Wilhelm noch etwas schuldig ist (weil er ihn bestehlen wollte), und Wilhelm, dass Abud ihn nicht bestohlen hat (weil es nichts zu stehlen gab). Die ganze Gesellschaft macht sich auf den Weg. Domna beschwört die Macht der Worte, Gutes und Schlimmes zu bewirken. 

Wilhelm:

Nun gehts voran, ich danke sehr

dass ihr gekommen seid.

ich hatte keine Hoffnung mehr

und dachte, ihr seid weit.

 

Ihr hattet mich zurückgelassen

dort nah am Sumpf und hier im Hain.

Ich dacht, mein Herz erträgts gelassen

denn stets war ich als Mensch allein.

 

Ich lernte früh, mich selbst versorgen

denn es war niemand für mich da.

In jeder Nacht, an jedem Morgen

hings nur von mir ab, was geschah.

 

Doch dann kamt ihr, und mit euch kamen

schon längst vergessne Träume wieder

und in den Träumen fielen Namen

die fuhren schwer mir in die Glieder.

 

Ein Name wars, von reinem Klang

wie Gold der Sonne, Mondenschein

ich hörte ihn, und er versank

und wieder war ich ganz allein.

 

O du, Isolde, holde Braut

du ließt mich weh zurück.

ich brauche dich, ich sag es laut,

denn ohn dich ist kein Glück.

Danai.

Du hast verloren sie dort in der Schlucht

Und willst sie wiederfinden in der Bucht?

Wilhelm

Nicht mehr, sie gab mir zu verstehen

dass ich vergeblich nach ihr strebe.

Es nütze nichts, sie anzuflehen,

ich solle ändern, wie ich lebe.

 

Ich solle in der Lieb mich üben

in kleinen Dingen dankbar sein.

Ich solle Menschen nicht betrüben

dann wäre ich auch nicht allein.

 

Dann kam der Erste, doch er wollte

mir helfen nur für gutes Geld

ich fluchte ihm, dass er sich trollte

und abzog übers weite Feld.

 

Dann kamt ihr her, mit euch Abud

der hat kein Recht, bei uns zu leben.

Auf ihn hatt‘ ich ne große Wut

war nicht bereit, ihm Geld zu geben.

 

Nun aber hilft er, mich zu tragen

ich bin gerührt und dank ihm sehr.

Ich lern in meinen alten Tagen

vielleicht noch danken, ist nicht schwer.

 

Die Gesellschaft kommt bei Danais Höhle an.

Danai:

Wie wärs mit einer kleinen Rast?

Kommt nur herein und seid mein Gast!

Es warten Clara und die Trud

du kennst sie ja, nicht wahr, Abud?

Wir ließen sie hier bei den Schafen

jetzt sind sie sicher ausgeschlafen.

Sie betreten die Höhle.

Trud

Kommt ihr schon? Wo wart ihr so lange?

Denkt ihr, dem Kindlein wurde nicht bange?

Clara

Ach liebe Trud, mir war nicht bang,

du halfst mir sehr mit dem Gesang

Du weißt so schöne alte Lieder

ich hoff du sagst sie mir mal wieder.

Trud

Du mochtest die Lieder? Und du willst noch mehr?

Das freut mich, mein Kindlein, da dank ich dir sehr.

Was willst du denn hören? was soll es denn sein?

Clara

Singst du nochmal das, wo Kuckuck und Esel schrein?

Trud beginnt zu singen, die anderen fallen nach und nach mit ein. Schließlich singt sogar Abud den Refrain mit.

Der Kuckuck und der Esel,
Die hatten großen Streit,
|: Wer wohl am besten sänge 😐
|: Zur schönen Maienzeit. 😐

Der Kuckuck sprach: „das kann ich!“
Und hub gleich an zu schrei’n.
|: „Ich aber kann es besser!“ 😐
|: Fiel gleich der Esel ein. 😐

Das klang so schön und lieblich,
So schön von fern und nah:
|: Sie sangen alle beide 😐
|: Kuku kuku ia! *

Wie sie im besten Gesang sind, kommt der Hirt mit seinem Hund herein. Sie verstummen erschrocken.

*Der Liedtext stammt von Hoffmann von Fallersleben (1835), die Melodie von Carl Friedrich Celters (1810). Peter Rühmkorf zählte in seiner Rede bei Entgegennahme des Hoffmann-von-Fallersleben-Preises für zeitkritische Literatur   Der Kuckuck und der Esel zu Hoffmanns „ ‚sechs bis acht vollendeten Gedichten‘ (nach Gottfried Benn), die sich am Ende eines entsagungsvollen Lebens schließlich als Ernte betrachten und der Nachwelt als sozusagen ‚hinter-lassungsfähige Gedichte‘ präsentieren ließen.“ (Quelle: Wikipedia)

wird fortgesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Was ich als erstes sehe…. Nachtrag

Fünf Stunden nur sind seit dem Foto für das 4-Jahreszeitenprojekt von Royusch vergangen. Inzwischen ging ein heftiger Gewitterregen über unserem Garten nieder. Kaum machte ich die Tür auf, um mir die Bescherung anzusehen, kamen drei meiner Katzen pitschnass und schimpfend an – warum benutzen sie auch nicht die Häuschen, die ich ihnen hingestellt habe?

Und dann sah ich die Blüten! Der Aprikosenbaum, eben noch mit kaum bemerkbaren Knospen fast winterlich, hat einige Blüten geöffnet, funkelnd in Sonne und Regen.

Ich machte auch gleich ein neues Übersichtsfoto, aber da erkennt man noch nicht viel von der Blütenpracht.

19.4.2023, 16.30 Uhr (Sommerzeit)

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Was sehe ich als erstes, wenn ich aus der Tür trete? Aprikosenbaum April 2023, Fotoprojekt Royusch

Dies ist ein Beitrag zu https://royusch-unterwegs.com/2023/01/02/fotoprojekt-2023-die-vier-jahreszeiten/

Ein schöner Tag! Ich trete aus der Tür und sehe: dichtes blühendes Grün am Boden, ein paar weiße Rosen und weiße Schwertlilien, rote Geranien, darüber der blaue Himmel mit weißem Gewölk (und natürlich die Katzen, momentan 5 an der Zahl).

19.4.2023, 11 Uhr.

Der Aprikosenbaum, der mir für den Jahreszeitenfortgang das „Maß der Dinge“ sein soll,  zeigt auf die Entfernung noch kaum Frühlingsanwandlung. Trete ich näher, kann ich Knospen mehr erahnen als sehen.  Der Frühling lässt sich noch Zeit.

Zum Vergleich: Die Unterschiede sind. sieht man vom Wetter ab, geringfügig. Der im März blühende Mandelbaum ist jetzt verblüht und nicht auf dem Bild. 

23.3.2023, 12.23 Uhr                             19.4.2023, 11 Uhr (Sommerzeit)

 

Im vorigen Jahr war der Aprikosenbaum am 25.4. bereits in voller Blüte:

Aprikosenblüte

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Welttheater, 4. Akt, 37. Szene: Über die Macht der Worte

Was zuletzt geschah:  Wilhelm hat sich erneut in seine Rolle als „einsamer Wolf“ verrannt. Aus dieser Position heraus beurteilt er Abud, den er (in klassischer Projektion) einen Wolf nennt, der die Schafe verachtet und frisst. Jenny kommt zu Hilfe und kündigt Abuds Nähe an. Wilhelm reagiert rüde.

Er war im Lager? Ha, was wollt er da?

Er wollt berauben mich, ich sag es ja.

(sieht Abud herabkommen)

Ja, komm nur her, wir müssen was besprechen.

Wenn ich es könnt, würd ich dir Knochen brechen.

Danai:

Warum dein Hass? Warum kannst du nicht sehen

dass dieser junge Mann bisher nicht gut noch schlecht?

Er scheint mir auf der Schwelle noch zu stehen

noch unentschlossen zwischen Schuld und Recht.

 

Wenn du ihn auf die falsche Seite stößt

wird er vermutlich wirklich böse werden.

Wenn du jedoch Vertrauen ihm einflößt

wird er zum Hüter deiner Herden.

Hawi

Meinst du den Hund, von dem du mir gesprochen?

der nur drauf wartet, dass man ihm befiehlt?

und wenn man ihm dann auch noch gibt nen Knochen

er nie und nimmer liebe Lämmer stiehlt?

Danai

So ähnlich meint ich es, doch nicht genau,

 denn sieh, die Menschen sind nicht Hunde.

Der Hund spricht nur Wauwau Wauwau

der Mensch jedoch führt Wörter in dem Munde

und jedes falsche Wort wird ihm zur Wunde.

 

Hawi

Zur Wunde? Welche? das versteh ich nicht.

Ist das, wenn dich ne böse Wespe sticht?

Danai

Die Wunde, die ich meine, ist in seiner Seele

Ein falsches Wort, und er ist schwer verletzt.

wenn ich ihn ehre und ihm nicht befehle

dann hilft er mir, weil er mich schätzt.

 

Doch wenn ich ihn nicht respektiere

und ich ihm sage, dass er böse handelt,

wenn ich ihn schimpf und maltraitiere

dann kann es sein, dass er zum Tier sich wandelt.

Abud (hat sich der Gruppe genähert)

Hallo, Hawi, wie ist es dir gegangen?

Hawi:

Ganz gut, und du, was hast du angefangen?

Abud

Ich war im Lager, meinen Lohn zu holen.

Hawi:

Der Wilhelm sagt, du hättest ihn gestohlen.

Ist das denn wahr, bist du ein Dieb geworden?

und bist nun einer von den bösen Horden?

Abud

Nein, Hawi, ich hab nichts geraubt

ich nahm nur das, was vom Gesetz erlaubt.

Die war ja da, die so was kontrolliert

Sie gab mir recht und hat es akzeptiert.

 

Ich hatte, sagt sie, mit dem Mann Geduld.

Er gab mir nichts und ist drum selber schuld.

(Abud bezieht sich auf Diaphania, die ihm im Lager begegnete)

Jenny (hat sich ihm genähert und zugehört)

Das stimmt, Abud, nur ungefähr.

denn nehmen wolltest du dir mehr.

Es war nichts da, drum nahmst du’s nicht

das war erzwungener Verzicht.

 

Und darum bist du ihm was schuldig.

Der Wilhelm ist schon ungeduldig

dass wir ihn endlich weitertragen

Nun komm schon, ohne groß zu fragen.

Abud

Na gut, ich schlepp ihn noch ne Weile

doch wozu diese große Eile?

Ich hätt zuvor gern was gegessen.

Das fände ich ganz angemessen. 

Jenny

Papperlapapp, hier gibts kein Essen!

Du willst doch nicht die Gräser fressen?

Komm schon, er wartet, und sei lieb

und sag nicht immer: Gib und gib!

Beide gehen zu Wilhelm

Jenny (zu Wilhelm)

Der Abud sagt, er hilft mir, dich zu tragen

er machts auch ohne Lohn. du kannst ihn fragen.

Und wahr ist auch, er hat dich nicht beklaut.

da war nichts mehr, ich habs mit angeschaut.

Wilhelm

Ich nehm dein Wort, und danke auch euch beiden.

Und hoff, ihr werdet es mir nicht ankreiden

wenn ich in meiner Wut so manches Wort gesagt

das, wenn ichs recht bedenke, mein Gewissen plagt.

Wilhelm geht, unterstützt von Jenny und Abud los. Danai, Hawi und Domna folgen.

Domna

O  Macht der Worte, die ein Herz verstören

und trösten auch, erfreuen und betören,

die Schlimmes brüten wie auch Wunderbares

die Widersinn und Lüge schaffen oder Klares.

 

O Worte, scharfe Waffen, mordsgefährlich

und Labsal, edelmütig, kindlich ehrlich,

die richten, wo Verdächtigungen walten

und Eintracht stiften, Freundschaften zerspalten

 

O Worte, wer euch recht zu setzen wüsste

so dass der Mund das Ohr mit Sanftmut küsste

und nicht der Hass stets neue Nahrung fände!

Wie gut es dann wohl um die Menschheit stände!

 

„Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“*.

Im Munde gedreht bedeutet es Mord.

Und doch ist das Wort auch das schönste Geschenk

drum eh du’s gebrauchst, verweile, bedenk!

 

Und wenn du’s gebrauchst, so denk an die Schneiden

zweischneidig sind Wörter und schaden euch beiden.

Du meinst es nicht böse, du bist nur empört,

und ahnst nicht, wie sichs für den andren anhört.

 

„Wie groß die Macht der Worte ist, wird selten recht bedacht.“*

Drum spüre ihm nach und fühle im Herzen, was es mit dem anderen macht.

„Das Wort lebt länger als die Tat“, so sprach der Dichter Pindar

vor zweieinhalbtausenden Jahren und immer noch wahr.

______

*Rainer Maria Rilke (1875-1926)

** Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

***Pindar, griechischer Lyriker,  518 v. Chr.- ?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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