Heute habe ich an dem ersten „Flaschenbild“ weitergemalt und habe die verschiedenen Phasen fotografisch festgehalten. Das letzte Foto habe ich schon bei Lampenlicht gemacht. Danach musste ich erstmal aufhören.
Vielleicht interessiert es euch, mir beim Malen zuzuschauen? Dies ist die erste Version, die ich zeigte: eine digitale Bearbeitung einer farbigen Skizze von Gefäßen. („ich mach mir einen Morandi„)
Das also war die Leinwand, die ich mir heute vornahm. Es folgen nun vier heute gemalte Phasen, alle ohne Kunstlicht aufgenommen und durch den Einfluss des Himmels etwas blaustichig. Ich verzichte hier darauf zu erklären, warum ich welche malerischen Entscheidungen traf. Aber wenn es dich interessiert, stell gerne deine Fragen, und ich werde versuchen, sie zu beantworten.
Die vorerst letzte Phase, mit der ich morgen weitermachen will, fotografierte ich bei Kunstlicht.
Im Septembermeer zu schwimmen, ist purer Genuss. Heute war das Meer sehr still und durchsichtig, doch dann kam ein Wind auf und es färbte sich kräftiger blau ein.
Der Maulbeerbaum auf der Terrasse der Taverne verliert erste Blätter. Ich hebe eines auf.
Die brombeerartigen Sträucher, die jeden staubigen Wegesrand mir ihren zärtlichen Blüten schmücken, leuchten im Septemberlicht. Es gibt sie in vielen Farben, ihre Zweige sind holzig, ihre Blätter widerstandsfähig, und keine Hitze kann ihnen den Garaus machen. Mir kommt es so vor, als blühten sie immer.
Zuhause schaue ich in meinem Bakze (Gemüsegärtchen) nach, ob es was zu ernten gibt. Ein großes Kolokithaki (Zucchini) – oder ist es ein noch nicht voll entwickelter Kolokithi (Kürbis)? – lacht mich an, und ich kann nicht widerstehen, es bzw ihn abzupflücken. Hätte ich ihn noch ein Weilchen wachsen lassen sollen?
Meine Gartenkenntnisse sind immer noch erbärmlich. Doch obgleich es nicht viel zu ernten gibt, machen mir das große am Boden kriechende Blattwerk und die gelben Blüten viel Freude. Sie sind wie ein kleiner Triumph über Trockenheit und dürren Boden.
In mir mischen sich nördliche Erinnerungen und südliche Gegenwartseindrücke, und gerade diese Mischung finde ich auch in Eva Strittmatters Gedicht „Vor einem Winter“.
Ich mach ein Lied aus Stille Und aus Septemberlicht. Das Schweigen einer Grille Geht ein in mein Gedicht.
Der See und die Libelle. Das Vogelbeerenrot. Die Arbeit einer Quelle. Der Herbstgeruch von Brot.
Der Bäume Tod und Träne. Der schwarze Rabenschrei. Der Orgelflug der Schwäne. Was es auch immer sei,
Das über uns die Räume Aufreißt und riesig macht Und fällt in unsre Träume In einer finstren Nacht.
Ich mach ein Lied aus Stille. Ich mach ein Lied aus Licht. So geh ich in den Winter. Und so vergeh ich nicht.
(aus: Strittmatter, Eva: Ich mach ein Lied aus Stille, 1973. In: Sämtliche Gedichte. Berlin 2006)
Der Regen – sehr viel war es hier nicht – hat einen Hauch von Grün auf die trockenen Böden zwischen den Olivenbäumen gezaubert. Als ich zum abendlichen Schwimmen ans Meer ging, sah ich ihn smaragden aufleuchten. Ich überlegte, welches Wort passend wäre: der Flor – feines Gespinst, verwandt mit Flora, der Pflanzenwelt – oder die Flur, uns im Ausdruck „in Wald und Flur“ geläufig…
Mich macht dieses junge Grün glücklich. Ich rupfte einige schon längere Halme, um sie meinem Freund, dem Pferd, das hinter einem Zaun auf mich wartete, als Imbiss anzubieten. Sein weiches Maul nahm es genüsslich aus meiner ausgestreckten Hand.
Immer noch ist es sommerlich warm, und da der Wind nachgelassen hat und der Regen Vergangenheit ist, schlafe ich weiterhin auf der Turmterrasse. Das hat neben vielen anderen auch den Vorteil, dass ich beim nächtlichen Aufwachen den ganzen großen Himmelsraum über mir erblicke..
Und so sah ich heute gegen halb 6 (Sommerzeit) den Mond über den Bergen aufsteigen, Er hatte die Form einer feinen liegenden Sichel – ein Boot – und wurde von Venus selbst geführt, die gegenwärtig als Morgenstern fungiert. Es war ein herzbewegender Anblick, und so versuchte ich, ihn abzulichten, um ihn hier im Blog zu zeigen.
Sichelmond und Venus über der Bergkulisse, 5.45 Uhr
Auf dem Foto war anstelle der Sichel ein ungleichmäßig eingefärbter Lichtfleck zu sehen. Es ist ein Handyfoto, die Belichtungszeit stellt sich automatisch ein.
Ich machte dann noch ein Foto mit Blitzlicht.
Sichelmond links und Venus rechts
Vergrößert sieht der Mond auf dem ersten Foto so aus:
Was ist aus der Sichel geworden, die so klar und scharf abgegrenzt am dunklen Himmel stand? Auf dem Foto hat das Licht die Form eines Eies angenommen, das von einer etwas dunkleren rötlichen bzw bläulichen Form einmal von oben, einmal von unten umgeben ist.
Kann mir jemand bitte erklären, wie es zu diesen fotografischen Erscheinungen kommt?
Übrigens waren natürlich nicht nur der Mond und die Venus zu sehen, sondern der ganze herrliche Sternenhimmel breitete sich über mir aus. Orion, der große Jäger, stand fast im Zenith. Es wird also langsam Herbst, egal was die Temperaturen sagen.
Orion mit Gürtelsternen und Köcher ist leicht zu erkennen.
Ich fühle hier in Griechenland den Atem der Mythen ständig in meinem Gesicht. Ich mag das, es belebt mich, bringt mir Schichten in mir selbst zu Bewusstsein, die sich tief im Unbewussten als Archetypen abgelagert haben. Es ist das abendländische Substrat, das mich schon lange, bevor ich einen Fuß in dieses Land setzte, prägte. Meinen ersten Hund – ich war damals 16 – taufte ich Ajax, nach dem „schnellen Held vor Troja“.
Und so nimmt es nicht wunder, dass es auch in meiner Legebildwelt von griechischen Mythen nur so wimmelt. Mit den Abenteuern des Odysseus habe ich sogar zwei Legebild-Leporellos bestritten.
Den Mythos von den 50 Danaiden, die sich vor einer Zwangsverheiratung aus Ägypten nach Argos in auf der Peloponnes retten, lasse ich Danai im „kleinen Welttheater“ erzählen. Hera wird Danais Erzählung, die der patriarchalischen Version entspricht, korrigieren. So versuche ich zu zeigen: Immer wurden die Mythen durch die jeweiligen Herrschaftsinteressen mitgeprägt und uminterpretiert.
Ist dir eigentlich bewusst, dass von allen Mythen viele Versionen existieren? Athene war eine große Göttin, lange bevor sie erneut als junges Ding aus dem Haupt von Zeus entsprang (eine Vatergeburt, von der bis heute so mancher Mann träumt, der die skandalöse mächtige Rolle der Frauen im Fortpflanzungsgeschehen auszutilgen wünscht). Oder Hera – die Große Göttin, von der die Wörter für das „Heilige“ (Hiero) und den „Helden“ (Heros) und vielleicht auch das Wort „Herrin“ (Herr: althochdeutsch heriro, hèrero, hèrro) und deren Heros Herakles („Ruhm der Hera“) abgeleitet sind -, wurde nach einem missglückten Aufstand (Zeus ließ sie im Himmel kreuzigen und die Titanen, die ihr halfen, in den Tartaros verbannen) zur eifersüchtigen Ehefrau des Bruders und Usurpators Zeus herabgewürdigt …
Die Geschichte der gottbesessenen Jungfrau Io habe ich in vielen Legebildern (hier: Io wird erlöst) interpretiert. Sie ist eine der Hintergrundgestalten in meinem Roman „Schwanenwege“. Das griechische Wort für Roman ist übrigens mythistorima, „Mythenerzählung“
Die Verwandlung der Mythen unterliegt den jeweils geltenden Ideologien, sie segnen Herrschaftsverhältnisse ab. Darin gleichen sie den Religionen, sind aber beweglicher, da nicht in Büchern festgehalten und zu Dogmen erstarrt.
Wie Mythen ursprünglich entstanden sind? Vermütlich ähnlich wie die Märchen. Ich habe mir in einer früheren abc-etüde mal einen Reim drauf gemacht:
In jenen fernen Zeiten
Als junge Frauen bei den Alten saßen
Und flink die Spindel drehten oder auch
Das Schiffchen durch gespannte Fäden jagten
Um Stoff zu weben für die Festgewänder
Und ihre Stimmen hoben sich und senkten
Sich mit dem Schiffchen – ja da war es
Dass mit dem Fadenlauf die neuen
Und alten Mythen ausgesponnen wurden.
Viele viele Mythen habe ich in meinen Legebildergeschichten nacherzählt und ausgeschmückt. Endlos würde dieser Beitrag, würde ich sie alle anführen. Manche erzähle ich in der bekannten Form, meistens aber bringe ich sie in neue Zusammenhänge. Drei Beispiele:
Zum Abschluss: Die Tourismuswerbung ist eines der vielen Einsatzgebiete für Mythenerzählungen heute.
„Lebe deinen Mythos“ stand 2015 auf den riesigen Transparenten, die den Besucher bereits am Flughafen begrüßten. Ich machte daraus eine kritische Geschichte: kommst du abgerissen und gar mit der falschen Hautfarbe an, könnte es auch im gastfreundlichen Griechenland schwierig werden, „deinen Mythos zu leben“.
Deine Wörter, liebe Christiane, haben mich zu einem Umweg in die Vergangenheit verleitet, um in die Zukunft zu blicken. Die Episode, auf die die Kata-Strophen anspielen, findet sich in Xenophons Darstellung über den Aufstieg und die Niederlage des lydischen Königs Krösus (Kroisos), der seit der Antike als Sinnbild des reichen Menschen gilt („ich bin kein Krösus“).
295 Wörter
Vorboten verkünden das Kommende. Sie sprachen zu den Sybillen
im Dampf aus dem Abgrund, und den alten Propheten
offenbarten sie sich in nächtlichen Träumen.
„Du wirst ein Großreich zerstören!“ So murmelt die heilige Jungfrau von Delphi
Als Kroisos sie fragte, denn er wollte den Krieg gern riskieren.
O ja, es gelang! Er zerstörte ein Großreich:
Das eigene wars.
Herr Kroisos wandt sich zur Flucht, doch Kyros nahm ihn gefangen.
Auf dem hoch geschichteten Scheiterhaufen harrte er klagend des Todes –
der schließlich nicht kam. Ein Wort des Solon konnte ihn retten….
O, abgrundtief ist die Zukunft, wer könnte sie jemals ermessen!
Was als Mittel zum Siege sich anpries, bewirkte das Ende der Herrschaft
und was schon sicherer Tod schien, erwies sich als Stufe zur Rettung.
Die Herrscher von heute, sie dünken sich sicher, denn Rauch nicht
Und Träume nicht sind es, die ihre Prognosen befördern.
Sie haben die alten Methoden ersetzt durch die neuen.
Und doch ist ihr Denken nicht anders. Nach Delphi schicken sie heute wie damals,
und kaufen was wohlfeil: die Pythien mitsamt ihren Daten.
So sind die Daten auch brauchbar, sind so, wie die Herrscher sie wollen.
So lassen sich Kriege gewinnen, bevor sie noch wirklich begonnen
und wird als Rettung gepriesen, was selbst erst das Unglück hervorbringt.
. Doch wird ihr Ende dann gut sein? Gewiss ist nur eines:
Das Leben, das uns, den Sterblichen, zugeteilt wurde,
ist endlich, und das Lachen erstirbt auf den Lippen
wenn schließlich der Tod uns erscheint. Wie sagte doch Solon?
Nicht preise ich dich, o Kroisos, als der Glückseligen einen
denn ich weiß ja nicht, wie du dein Leben beschließtest.
Der Gott hat schon manchen im Glücke erhoben, doch später
ihn rausgerissen aus dem, was er hatte, und ihn elend verbrannt.
Der Tag war reich an Lustbarkeiten: Bekanntschaft mit einem kleinen Hund, Gingko-Plantage entdecken, Schwimmen im bewegten Meer, Tavernenessen mit Kindergeburtstag.
Aber ach, das Hundchen war angekettet, um den Garten des Bekannten von Sotiris zu bewachen, der mir mit dem Garten hilft. Ich wollte Sotiris etwas fragen, fand aber nur den kleinen weißen Wicht vor, der sich vor Freude über meinen unangemeldeten Besuch kaum zu fassen wusste. Ich freute mich auch über die neue Bekanntschaft, zumal ich grad vorher nach Max, einem anderen Hundefreund, geschaut hatte und ihn nicht mehr in seinem Gehege samt Hütte vorfand.
Er war zuletzt schon sehr langsam geworden, ging kaum noch aus seiner Hütte raus. Er wird wohl das Zeitliche gesegnet haben. Seine Frau liebte ihn, fütterte ihn gut, aber er durfte niemals spazieren gehen. Zu gefährlich! Und so hatte er als Gesellschaft nur die Katzen, die frei aus und eingehen können.
Dieser kleine zärtliche Weiße nun mit dem abgeknickten Ohr ist noch namenlos. Ich werde morgen erneut vorbeischauen, vielleicht finde ich seinen Besitzer und erfahre, wie er heißt und was er mit ihm vorhat.
Ich ging dann noch ein bisschen in das Gartengelände hinein und entdeckte zu meinem Erstaunen eine ganze Reihe von Ginkgo-Bäumchen in Töpfen. Durch Goethes Gedicht „Gingko Biloba“ (hier im Goethegarten, Palmengarten Frankfurt) ist mir dieser Baum mit der besonderen Blattform besonders ans Herz gewachsen. Diese hier dürften schon ein paar Jahre alt sein. („Zu Beginn wächst ein junger Ginkgo recht schnell. Innerhalb von 5 bis 6 Jahren können Ginkgos eine Höhe von 2 bis drei Metern erreichen. Danach wächst der Baum langsamer. Erst nach etwa 50 Jahren entfaltet er seine ganze Pracht“, lese ich hier.)
Überdacht war das Ganze mit einer Plane, die ein reizvolles Fotomotiv bildete.
Den Rest überlasse ich deiner Fantasie. Auf der Kindergeburtstagsparty konnte ich schöne Portraitfotos machen – aber die mag/soll/darf/kann ich hier nicht zeigen. Und das Meer? Nun, das sah ungefähr so wie auf dem Foto aus. Wenn ich drin schwimme, kommt mir immer irgendeine Melodie in den Sinn, und die singe ich dann, auf dem Rücken treibend, und lasse mich schaukeln.
Nun habe ich doch tatsächlich ein wenig an dem Flaschenbild, das ich digital beendet hatte… auch real weitergepinselt. Fertig ist es nicht, es muss erst trocknen, bevor ich weitermalen kann.
Und da ich nun schon dabei war, habe ich gleich noch ein zweites Flaschenbild begonnen, indem ich ein anderes Bild übermalte.