Rangierkünstler (kleine Beobachtungen)

Rückwärtsfahren hasse ich, immer fürchte ich, irgendwo gegenzufahren, weil ich ja nach hinten nur sehr beschränkte Sicht habe. Umso mehr bewundere ich Fahrer, die mit einer geradezu magischen Sicherheit ihre Automobile selbst in engen Gassen parken oder wenden.

Heute sitze ich, einen Imbiss nehmend, vor dem Lokal Thiassos (Theatertruppe) unter den schönen Platanen und beobachte, was so auf der Straße vor sich geht.

Gegenüber gibt es eine Baustelle, und ein gelb bewesteter Mann rollt einen der blauen Container für Recyclingmüll zur Seite.

Der Fahrer eines riesigen Lasters, der wohl Baumaterial geladen hatte, bereitet sich vor, rückwärts in diese Gasse einzubiegen! Und tatsächlich, als wäre es eine Hand, die in einen Handschuh fährt, lenkt er sein Ungetüm in das Sträßchen, fährt es dann wieder heraus und rollt davon. Er wollte bloß mal wenden.

Nichts dabei? Na, ich weiß nicht. Mir kommt das vor wie … Kunst!

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Schlüsselkopiermaschine (kleine Beobachtungen)

Heute ließ ich einen neuen Satz unserer Hausschlüssel anfertigen. Der Schlüsselmacher unterhält ein bis oben mit Singer-Nähmaschinen-Zubehör vollgestopftes enges Geschäft, dessen Umsatz gering sein dürfte. Als Ergänzung betreibt er einen Schlüsseldienst.

Ich war schon manchmal hier, aber genau hingeschaut, wie er die Ersatzschlüssel macht, habe ich heute zum ersten Mal.  Und du? Weißt du es? Also, ich erzähl es mal: Als erstes betrachtet er die fünf Schlüssel meines Bundes genau und sucht zu jedem einen ungefähr passenden Rohschlüssel aus seinem Sortiment heraus. Dann steckt er einen der zu kopierenden Schlüssel in den Schlitz eines altertümlichen Maschinchens und den unbearbeiteten Rohschlüssel in einen anderen Schlitz. Nun beginnt die Maschine zu arbeiten: ein Stift tastet in geringem Abstand, ohne Berührung, das Original ab, ein anderer nimmt die Information auf und arbeitet sich schleifend am Ersatzschlüssel ab. Ich schaue fasziniert zu und sage: „eine kluge Maschine!“ Der Mann antwortet, aber ich verstehe ihn nicht, denn das Schleifgeräusch ist zu laut. Als es leise wird, bitte ich ihn, mir seine Antwort zu wiederholen. „Nicht die Maschine, sondern der Mensch, der sie erfunden hat, ist klug“, wiederholt er hilfsbereit.

Merke: Nicht die Maschine ist klug, sondern der Mensch, der sie erfunden hat.

Klug ist auch, wer diesen kleinen Unterschied wahrnimmt und eine naive Kundin freundlich belehrt.

 

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Susannes Schnipsel in Aktion (Zerrissenes neu zusammenfügen)

Susanne Haun schickte mir im März dieses Jahres eine dritte Schnipselspende.  Meine ersten Legeversuche kann man hier betrachten. Danach folgten noch einige mehr:

Tanz!

Nächtliche Begegnung

Im Eislokal

Liebe liegt in der Luft

Gestern nun kam hier ein Foto an: Susanne hatte es in ihrem Archiv aufgestöbert. Es zeigt  die Originalzeichnung, die sie …. zerriss und zerschnitt. Mir zerschnitt und zerriss es fast das Herz, als ich es sah. Aus dieser wunderbaren Zeichnung hatte Susanne einen Schnipselsalat für mich gemacht?

Ich fühlte mich beschämt von so viel Großzügigkeit. Im Atelier lagen die Schnipsel, wie ich sie im Juli verlassen hatte, locker hingebreitet auf einer weißen Unterlage. Ein etwas angegriffener Vogel flog über Bäume hin, ein anderer reckte sich zu ihm hinauf. In der Hitze des Sommers hatten sich die Schnipselränder aufgebogen.

Würde ich sie noch einmal beleben können? Ich schob die Stücke ein bisschen herum, um dem Vogelbild mehr Form und erzählerische Kraft zu geben: ein wohlgenährter flügellahmer Schwan im kunstvollen Gehege reckt den Hals und schaut den Vogelgenossen hinterher, die über ihn dahinziehen.

Wie könnte ich dem Bild mehr Kraft geben? Ich nahm einen blauen Stift und umrandete die Legefiguren.

Hm. Ich nahm nun einen etwas helleres Blau und fuhr die Umrisse erneut nach. Und noch einmal (du musst es dreimal sagen).

Nun wusste ich, was ich zu tun hatte: Himmel und Wasser mussten sich mit blauen Linien füllen, die auf die feinen Lineaturen auf Susannes Schnipeln antworteten und so das Zerfetzte auf neue Weise zusammenfügten.

Vielleicht ist hiermit eine neue Idee geboren.

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Gegenstände bei Nacht (2) (tägliches Zeichnen)

Die tägliche Zeichenübung fragt nicht nach den Motiven. Ein Rotweinglas und eine Plastikwasserflasche, dazu meine Brille, ein im Schatten verschwimmender weißer Eisenstuhl und eine runde beleuchtete Tischplatte tun es durchaus.

Doch kann es den Zeichenspaß steigern, wenn man mal ein anderes Motiv herbeischafft. Im Turmzimmer fand ich eine hübsch bemalte Keramikvase und eine runde Vase, in der Stifte und eine Feder steckten. Das Glas enthält nun Weißwein. Und die Nacht schreitet fort.

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Impulswerkstatt, Bild 4: Der Traum vom Seegrundstück

Dies ist ein Beitrag zu Bild 4 und einem Mosaikstein in Myriades Impulswerkswtatt.

 

Der Traum vom Seegrundstück

Ähnlich, doch nicht gleich sind die bunten Enten, die sich zu einer Flottille zusammengefunden haben. So manche von ihnen träumt schon lange, aber recht diffus von einem Seegrundstück, denn immer nur im vorgeschriebenen Kreis zu schwimmen, ist auf Dauer ermüdend und weckt Träume nach Besserem und Höherem. Wer wüsste das nicht!

Der Traum vom Seegrundstück ergreift die Entengemeinschaft immer heftiger, und sie beschließt aufzubrechen, um es zu finden. Eine orange Ente setzt sich flott an die Spitze und nimmt wie selbstverständlich das Recht auf Führerschaft in Anspruch. Wir kennen das: Es gibt immer solche orangen Enten, die angeblich die richtige Richtung kennen und sich an die Spitze der zögerlichen Schar setzen

Ein blaues Entchen hat keine Einwände und segelt still und harmlos hinter der Orangen her, doch eine Weiße mischt sich ein, möchte das kleine naive Blaue beschützen, möchte ihm klarmachen, welchen Gefahren es sich womöglich aussetzt. Ja ja, auch solche Helfer kennen wir, sie sind immer zur Stelle, wenn es Enten gibt, die wenig eigene Entschlusskraft zeigen und blind irgendwelchen selbsternannten Führern folgen.

Eine schwärzliche Ente drängelt in Gegenrichtung und quakt aufgeregt: „Die Orange  führt euch ins Verderben! Der Rosaroten müsst ihr folgen! Sie weiß, wo wir das Paradies finden!“ Wo aber ist die Rosarote? Ach, da hinten! Die Grüne fühlt das Dilemma: hinter der Orangen her oder in die Gegenichtung segeln? Nach rechts oder nach links? Oder vielleicht doch lieber gradeaus?

Bei der Hellrosa, der Roten und der Gelben ist die Message der Schwärzlichen noch nicht angekommen. Sie schwimmen treuherzig mit in dem, was man gelegentlich den Mainstream nennt und den sie selbst durch ihre Fahrtrichtung bilden. So sind sie es gewohnt, so muss es sein.

Die Rosarote rudert indessen entschlossen in die Gegenrichtung. Der kleinen Roten, die das Schlusslicht bildet, quakt sie beschwörend ins Ohr: „Lass dir nichts vormachen! Schwimm nicht mit im Strom! Komm mit mir, dann wirst auch du einmal die Führerschaft übernehmen.“

Keine von ihnen ahnt, dass gleich jemand Größeres kommen und den Stöpsel ziehen wird. Dann sitzen sie alle auf dem Trockenen, und aus ist der Traum vom Seegrundstück.  Merke: Wo kein Wasser, ist auch ein Seegrundstück wertlos.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Saturday night in town

An diesem Wochenende hat Kalamata eine neue Initiative gestartet: Das Fest der Straßenmusikanten. Das ist für uns ein Grund, unseren Turm zu verlassen und uns abends in die 8 km entfernte Stadt zu begeben. Es ist noch sehr warm, und die Menschen sind unterwegs – in jede Richtung. Die Küstenstraße ist ein Blechstrom, der vor Gaststätten und auch vor einer Kirche (Hochzeit) teilweise zum Stehen kommt. In der Innenstadt herrscht sommerliches Getriebe. An manchen Ecken sitzen tatsächlich Straßenmusikanten, aber kaum jemand interessiert sich für sie. Wir lassen uns einmal die Hauptschlagader der Stadt – es ist eine breite Fußgängerzone mit nur einer Fahrbahn für Autos – hoch- und runtertreiben …

und beschließen dann, uns dem lange nicht mehr gehabten Vergnügen eines Souflaki mit Pitta hinzugeben. Das beste gibt es in der Fußgängerzone an der alten Kirche, die heute Museum ist. Sie erinnert an die Ausrufung des Freiheitskampfes 1821. Auf der Ummauerung sind Sitzkissen ausgebreitet, man braucht also nicht zu stehen, um das am Büdchen ….

erstandene Essen (gebratene Fleischstücke, Pommes, Tomate, Majonese, eingehüllt in einen Fladen und in Pergamentpapier) zu verzehren. Auch eine kleine Karaffe Wein samt zwei „echten“ Gläsern finden auf der Ummauerung Platz. 

Und so sitzen wir, essen, trinken, und schauen den Menschen zu,…

flanieren dann auch selbst noch ein bisschen durch die Gassen, wo zahllose Gaststätten ihre Tische und Stühle auf das Pflaster gestellt haben. Leer ist es nirgends, Gedränge herrscht aber auch nicht, die Kundschaft jeden Alters verteilt sich gemütlich.

Später in der Nacht wird sie sich sicher an einigen Stellen klumpen, doch dann werden wir schon auf dem Heimweg sein.

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Nächtliche Lichtspielerei (2) mit Skalkottas

„Einmal ist keinmal“,  und so griff ich heute Nacht wieder zum iphone, um das Experiment mit der „Lichtmalerei“ weiterzutreiben. Dieses Mal wählte ich die Motive gezielter und bewegte die Kamera nach zuvor bedachten Bewegungsabläufen. Es war für mich spannend zu sehen, wie stark das, was ich zu sehen erwartete, dennoch von dem Bild abwich, das die Kamera aufgenommen hatte.

Lichterkette der Stadt im Hintergrund,  Winkel des Treppengeländers mit Treppenaufgang

Lichter der Stadt und Treppengeländer schräg ins Bild ragend

Olivenhain mit und ohne Laterne

Garten mit Pinie und vertreuten Lichtern

Die aufgehende Venus und das Licht einer fernen Siedlung in Parallelbewegung

Welche Musik wohl zu diesen Lichtspielereien passen würde?

Ich probiere es mit Anton Webern, Philip Glass und schließlich mit Nikos Skalkottas Suite No 3 für Piano – hörenswert ist sie auf jeden Fall.

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Gegenstände bei Nacht (tägliches Zeichnen)

Ein bisschen gezeichnet habe ich in der vergangenen Nacht auch. Was? Nun, das, was vor mir auf dem Tischchen stand: Plastikwasserflasche, Weinglas, Lampenfuß, Taschenlampe. Die einzige Lichtquelle war die Stehlampe, dahinter der schwarze Samt der Nacht.

Mithilfe von Fotoshop machte ich aus dem blauen Kugelschreiber schwarze Tinte und ließ die Linien wie unter den Klängen einer kleinen Nachtmusik tanzen.

In einer zweiten Zeichnung rekonstruierte ich die Gegenstände mit Umriss- und Hilfslinien…

sowie durch digitale Bearbeitung als nächtliches Linienspiel.

 

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Nächtliche Lichtbilder (kleine Experimente)

Heute Nacht kam mir eine fotografische Idee, die ich gleich in die Praxis umsetzte. Das iphone, mit dem ich fotografiere, hat eine automatische Einstellung für die Belichtung. Die ist in der Nacht ziemlich lang, und um das Bild nicht zu verwackeln, muss ich die Hand still halten. Was, dachte ich, wird wohl herauskommen, wenn ich das Bild absichtsvoll verwackele?

Nach etlichen Versuchen, die nur einen Weichzeichnungs-Effekt zeigten

…bewegte ich die Kamera schon im Vorfeld schnell hin und her, so dass sich der Fokus rhythmisch übereinander schob. Dann drückte ich auf den Auslöser, ohne die Bewegung zu stoppen. Das blaue Geländer verbindet sich nun mit dem wenig beleuchteten Treppenansatz und den Stadtlichtern in der Ferne zu einem interessanten rhythischen Geflecht.

So ermutigt, probierte ich noch andere Motive aus. Nicht immer gelang es, da die Motive entweder zu hell (verkürzte Belichtungszeit) oder zu dunkel waren. Aber ein paar Ergebnisse gefallen mir doch. Besonders eindrucksvoll finde ich, wie unterschiedlich sich architektonische und natürliche Formen abbilden.

Moskitonetz und Tischchen

Nächtlicher Garten

Blick über den Olivenhain zu Meer und beleuchteter Küste

Tür zum Turmzimmer

Abstrakt mit Moskitonetz

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Flaschen, Vasen (tägliches Zeichnen und digitale Varianten)

Nach Farben war mir heute nicht zumute, also machte ich noch eine Schwarzweiß-Zeichnung einiger Flaschen und Vasen, dieses Mal mit Kohle.

Dann überging ich die Zeichnung noch mit Fotoshop-Filtern, um einige Effekte auszuprobieren, die die Zeichnung an Druckgrafik oder Ölgemalerei annähern.

Schließlich überblendete ich die Zeichnung noch mit einem Foto-Ausschnitt, um die Lokalfarben der Objekte anzuzeigen.

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