Farben im September: Granatapfelfarben

Welche Farbe hat der Granatapfel? Nun, je nachdem. Am 10. September des vorletzten Jahres zeigte ich den Himmel im „Granatapfellicht“

und die Früchte, die ich am selben Tag fotografierte, bestätigten den Befund:

Heute aber, obgleich das Jahr weiter forgerschritten ist, fand ich am Granatapfelbaum eine ganz andere Farbe: Wie nenne ich sie? Grüngolden?


Oder doch eher golden, wie die Äpfel der Hesperiden, benannt nach ihren Bewacherinnen, den Töchtern des Abendsterns?

Am Boden liegend zeigten sie sich mir noch einmal in einer anderen Farbe, und ihre Gestalt, obgleich noch erkennbar, war von Alter, Witterung und nagenden Tieren ausgehöhlt.

Das also ist die Farbe des Granatapfels….

In der Wandmalerei von Pompeji gibt es ein besonderes Rot, das Pompeji-Rot, das dem des reifen Granatapfels gleicht. Die Hitze des Vulkanausbruchs verwandelte das ursprüngliche Goldgelb in ein feuriger Rot (siehe hier).

undefined

Herakles im Garten der Hesperiden, Villa bei Neapel (Foto von User AlMare – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=652233)

 

Dies ist mein 18. Beitrag zu Amoraks Blog-Challenge September in Farben.

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Farben, Fotografie, Geschichte, Mythologie, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 4 Kommentare

Farben im September: aprikosenrot überhauchtes Quittegelb

Die Quitten reifen vor sich hin. Gestern fiel mir eine auf, die sich vom Aprikosenrot des Abendhimmels bescheinen ließ und damit ihre unscheinbare Farbe rosig einfärbte.

Damit du verstehst, wie der Widerschein zustande kam:

aufgenommen am 16.9. 2025 um 19.43 Uhr,

Dies ist mein 17. Beitrag zu Amoraks Blog-Challenge September in Farben.

Veröffentlicht unter Farben, Fotografie, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , | 8 Kommentare

112 Stufen, 107: Freiheit (Max von Schenkenberg, Hoffmann von Fallersleben, Max Kegel)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Das Lied Freiheit, die ich meine… fällt mir spontan ein, aber den weiteren Text kenne ich nicht und suche ihn bei Wikipedia auf. Es ist ein 15-strophiges Lied, sehr fromm, naturverbunden-sehnsuchtsvoll und vaterlandsliebend-deutschtümelnd. Max von Schenkendorf (1783–1817) erdichtete es im Jahre 1813 (Erstveröffentlichung 1815). Die Melodie dazu schrieb der evangelische Geistliche Karl August Groos (1789-1861) und machte es damit zum Volkslied.

Entstanden im Geist der „Freiheitskriege“ (Völkerschlacht von Leipzig 1813) gegen die Napoleonische Besatzung wurde es zum Lieblingslied der nachfolgenden deutschen Regime, bis hin zum preußischen Kaiserreich und drüber hinaus. In der sozialdemokratischen Fassung (1891) von Max Kegel (1850-1902) fehlen die Strophen 4. und 6. und der religiöse Anteil ist entfernt, So heißt es statt „Gott“ „Freiheit“, zB „Wo sich Gottes Flamme“ wurde ersetzt durch „Wo der Freiheit Flamme“ …, das deutsch-nationale Element blieb hingegen erhalten.

Die übliche achtstrophige Fassung (s.o.)  empfahl das preußische Kulturministerium 1912 für den Schulunterricht der 7.-8. Klassen. 1933 fand das Lied Aufnahme im SA-Liederbuch.  Auch nach dem Krieg fand insbesondere die erste Zeile vielfältigste Verwendung in der Werbung, im Musikbetrieb, in der rechten und in der linken politischen Szene….und daher kenne ich sie auch. Jeder meinte natürlich eine andere Freiheit.

Das Original-Gedicht als screenshot:

Die Melodie ist so eingängig, dass sie für weitere Gedichte Verwendung fand, so für die geistliche Umdichtung Freiheit, die ich meine, ist kein Schattenbild (1847) des pietistischen Pädagogen Christian Heinrich Zeller (1779-1860), für das sehnsuchtsvolle „Pommernlied“ (Nationalhymne Pommerns) „Wenn in stiller Stunde“ (1850) des lutheranischen Geistlichen Gustav Adolf Pompe (1831-1889) und für „Abend wird es wieder“ des Germanisten August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), dem wir auch dasLied der Deutschen (1841) verdanken, das er anlässlich der sog. Rheinkrise auf Helgoland dichtete (es ging um die umstrittenen Gebietsansprüche Deutschlands und Frankreichs am Rhein) und das er nach Joseph Haydns (1732-1809) Melodie zu „Gott erhalte Franz den Kaiser“ gesungen wünschte. Die dritte Strophe,  in der bekanntlich ebenfalls von Freiheit die Rede ist, wird bis heute als Nationalhymne nach Haydns Melodie für den Kaiser Franz gesungen:

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!

Nun aber zurück zur „Freiheit, die ich meine“. Das ist ja die kritische Frage: welche Freiheit meine ich? Max von Schenkendorf meint zum einen die Freiheit, sich aus der steinernen Welt der Großstadt entfernen und sich am Busen der Natur und liebender Freunde frei fühlen zu können (Strophen 3-5, 11). Zum anderen meint er die innere Glaubensflamme, die durch den Aufblick zu den Sternen und das „Hirtenkind“ (Jesus) entfacht und in vaterländischen Heldentaten zum hellen Entflammen gebracht wird. Freiheit ist ein „holdes Wesen, gläubig, kühn und zart“, das sich auf „deutsche Art“ köstlich reimt.

Das also ist der Freiheitsbegriff, der am Anfang der deutschen nationalen Einigung stand. Er klingt bis heute in vielen deutschen Herzen nach und wird bei sportlichen Großereignissen wie zuletzt bei der Basketball-Europameisterschaft mit Inbrunst besungen. Andererseits herrscht heute in Deutschland ein vollkommen anderer individueller Freiheitsbegriff vor, der am ehesten als Freiheit der Wahl zwischen Gütern, Lebenswegen, Glaubensbekenntnissen und Geschlechtern zu bezeichnen wäre. Die Gleichzeitigkeit so verschiedener Freiheitsbegriffe führt zu starken Spannungen bis hin zu dem, was neuerdings als „Kulturkampf“ bezeichnet wird.

Der nationale Freiheitsbegriff wird, da er nicht tot zu kriegen ist, nun gerade von Deutschen, die ihn in Deutschland selbst für anrüchig halten, auf andere Nationen projiziert,  die ihn kämpferisch durchsetzen wollen.  Die Ukraine ist die aktuellste Projektionsfläche für diese heimlichen „patriotischen“ Gelüste, denn dort kann man, ohne in Verdacht rechten Gedankenguts zu geraten, unter Symbolen faschistischer Aktivisten und nationalistischer Parolen „unsere Freiheit“ verteidigen.

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, Geschichte, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Politik, Stufen Blog-Challange | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Tägliches Zeichnen (Stillleben und Feigenkaktus)

Nach einer recht langen Sommerpause habe ich die tägliche Zeichenübung wieder aufgenommen, treu der Paul Klee’schen Empfehlung an seine Studenten: „Kein Tag ohne einen Strich“. Das geht nun schon fünf Tage so. Die ersten Zeichnungen entstanden im Atelier: ich zeichnete an drei aufeinander folgenden Tagen die Ansammlung von Vasen und Co auf einem Tisch, mit Kohle, auf billigen mittelgroßen Papierbögen.

Die Vase mit den aufgemalten Spiralen ist übrigens mein eigenes Werk. Ich habe sie vor sehr vielen Jahren gemacht, als ich ein bisschen getöpfert habe, und sie hat alle Umzüge gut überstanden.

Die nächsten beiden Zeichnungen entstanden an einem Abend am Küchentisch, gezeichnet mit Filzstift im neuen Zeichenblock von guter Canson-Qualität. Die Weißweinflasche hat es auch zum Blog-Challenge „Farben im September“ als spiegelndes Flaschenbraun geschafft.

Die letzte Zeichnung enstand gestern am späten Nachmittag, wiederum mit Kohle auf billigem mittelgroßem Papierbogen, vor dem Atelier: Es zeigt einen Teil unseres riesigen Feigenkaktus. Für diese Zeichnung brauchte ich mehrere Anläufe. Ich zeige die erste und letzte Fassung.

Veröffentlicht unter Alltag, Kunst, Leben, Meine Kunst, Natur, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

112 Stufen, 106: Glauben (Matthäus, Martin Luther, Max Weber, Sigmund Freud)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Die alten Griechen benutzten, so versichert mir mein Mann, das Wort πιστεύω (ich glaube) nicht im heutigen täglichen Wortsinn. Man sagte δωκειν μοι (ich meine). Πίστη (Glauben) sei erst später für alles Mögliche, über das man nichts Genaues weiß, in Verwendung gekommen.

Sicher ist, dass „Glauben“ im Christentum eine sehr bedeutende Funktion hat. Dass der Glaube Berge versetzen kann – das hat wohl zuvor niemand behauptet.

„Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könntet ihr sagen zu diesem Berg: Hebe dich dorthin, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ (Matthäus 17,20)

Im wörtlichen Sinne wird es nicht gemeint sein – wie aber dann?

Die häufigste Deutung ist: wenn du einen festen Glauben hast, dann kannst du jegliches Hindernis überwinden. Doch Glauben an wen? Im Evangelium ist es klar definiert: an das, was Jesus verkündet. Heute aber bedeutet es für die meisten: Glauben an sich selbst, an die eigene Kraft. Wenn ich an mich selbst glaube, dann kann ich jedes Ziel erreichen.

Nicht von der eigenen Kraft, sondern von der Zuversicht, dass Gott bestens für alles sorgt wie ein Vater für seine Kinder, spricht Martin Luthers (1483-1546) Glaubensbekenntnis. Die erste Strophe seines Lieds „Wir glauben an einen Gott“ lautet:

Wir glauben all an einen Gott,
Schöpfer Himmels und der Erden,
der sich zum Vater geben hat,
dass wir seine Kinder werden.
Er will uns allzeit ernähren,
Leib und Seel auch wohl bewahren;
allem Unfall will er wehren,
kein Leid soll uns widerfahren.
Er sorget für uns, hüt’ und wacht;
es steht alles in seiner Macht.

Es folgen dann noch zwei Strophen, die das Glaubensbekenntnis vervollständigen

Wir glauben auch an Jesus Christ,
seinen Sohn und unsern Herren,
der ewig bei dem Vater ist,
gleicher Gott von Macht und Ehren,
von Maria, der Jungfrauen,
ist ein wahrer Mensch geboren
durch den Heilgen Geist im Glauben;
für uns, die wir warn verloren,
am Kreuz gestorben und vom Tod
wieder auferstanden durch Gott.

Wir glauben an den Heilgen Geist,
Gott mit Vater und dem Sohne,
der aller Schwachen Tröster heißt
und mit Gaben zieret schöne,
die ganz Christenheit auf Erden
hält in einem Sinn gar eben;
hier all Sünd vergeben werden,
das Fleisch soll auch wieder leben.
Nach diesem Elend ist bereit’
uns ein Leben in Ewigkeit.

Auch in diesen Strophen ist nirgends davon die Rede, dass der Mensch aus eigener Kraft etwas zu leisten vermag. „Für uns“ ist Christus gestorben, der Heilige Geist ist „des Schwachen Tröster“ … und am Ende des irdischen Jammertals ist uns ein ewiges Leben bereitet.

„Glauben“ verliert in der lutherischen Interpretation seinen Handlungs-Impuls, er wird zum „Empfangen der Gnade“. Das eigene Tun vermag nichts, nur der Glaube kann dich erlösen.

Erstaunlich ist, dass ausgerechnet Menschen dieses Glaubens die besten Geschäftsleute und Industriellen wurden – so jedenfalls Max Webers Ansicht, niedergelegt in „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ (erste Teil-Veröffentlichung 1904-5, überarbeitete Fassung 1920). Wenngleich er vor allem den Calvinismus im Auge hat, bezieht sich seine Analyse auf die gesamte protestantische Welt, der er einen „spezifisch gearteten Rationalismus“ unterstellt.

Welcher „Rationalismus“ aber soll das sein, der dem Glauben alles, dem Wissen und dem Tätigsein nichts zutraut?

Freilich hat Luther eine Tugend besonders betont: den Arbeitsfleiß. Der Mensch soll fleißig arbeiten, das sei gottgefällig und viel besser als die mönchische Askese. Außerdem predigte er „Gehorsam gegen die Obrigkeit und Schickung in die gegebene Lebenslage“ (Max Weber, Bd. 1, S. 72).

Für den sich entwickelnden Kapitalismus waren das ganz gute Voraussetzungen, aber sie reichten nicht. Die auf Luther folgenden Reformbestrebungen – insbesondere der Calvinismus – waren da schon besser abgestimmt. Denn im Calvinismus wird geglaubt, dass Rettung oder Verdammung vorbestimmt (prädestiniert) seien, dass aber jeder Gläubige sich so verhalten soll, als wäre er ein Auserwählter. Er wird angehalten, sich zum „selbstgewissen Heiligen“ zu erziehen. Da er aber nicht sicher sein kann und auch niemandem von seiner Angst erzählen darf -es wäre ein Eingeständnis seiner Verworfenheit – steht er unter gewaltigem Stress. Und da Gott dem Auserwählten schon in diesem Erdenleben alles Gute gönnt, steht er unter Erfolgszwang, um zu vermeiden, für verdammt zu gelten….

Übrigens spricht Weber nicht von Ursache-Wirkung, sondern von Korrespondenz der beiden Phänomene Protestantismus und Kapitalismus. Und so weit will ich es denn auch gelten lassen. Denn einen kausalen Zusammenhang kann ich nicht erkennen: Der Glaube, wenn er als Glaube an die Gnade Gottes oder gar als Prädestination definiert ist, ist weder rational noch hilft er, Berge zu versetzen und auch nicht, eine Fabrik zu gründen und Kapital anzuhäufen. Vielleicht aber sind sowohl die gläubigen Protestanten als auch die Kapitalisten und überhaupt alle Anhänger einer monotheistischen Religion Opfer einer kollektiven Zwangsneurose, von der Sigmund Freud in seinem letzten großen Buch „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“ spricht (1934-39). Siehe auch:

Jan Assmann: Zwangsneurose oder Fortschritt in der Geistigkeit. Zu Freuds Religionskritik

Die Legearbeiten habe ich mit Maries Schnipseln gemacht.

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Ökonomie, Erziehung, Legearbeiten, Meine Kunst, Psyche, Stufen Blog-Challange | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 15 Kommentare

Dienstags-Drabble: Der Zensor

Wieder ist Dienstag und damit auch Drabbletag. Die von Heide in einen 100-Worte-Text einzubauenden Wörter sind heute

Lieblingsbeschäftigung – sprechen – falsch.

Ballade von Herrn Schmidt, dem Zensor

Er war ein Mensch mit Namen Schmidt

Der für sein Leben gerne schnitt.

Wenn er mit seiner Schneiderschere

Nen Text beschnitt, blieb nichts als Leere

 

Denn diesem Herrn es nicht behagte.

Wenn jemand überkritisch fragte,

Wenn jemand wen zum Schaf erklärte

Oder sich sonstwie gar beschwerte

 

Dann sprach er streng, das ist kein Fakt

Dir wird die Frechheit abgehackt.

Ich weiß allein, was falsch und richtig

Und nur das Richtige ist wichtig

 

Und darf bestehn. Der Rest muss weg

Das ist mein einzger Lebenszweck.

Ich schneid und schnipsele mit Schwung

Ist meine Lieblingsbeschäftigung

 

Den, der dies las

Der Hund auffraß

Veröffentlicht unter Allgemein, Drabble, Erziehung, Legearbeiten, Meine Kunst | Verschlagwortet mit , , , , , | 6 Kommentare

Farben im September (16): spiegelndes Flaschenbraun

Vor mir steht eine Weißweinflasche und schaut mich an. Ich schaue zurück und freue mich an der gebogenen die Umwelt hinter mir matt spiegelnden Oberfläche. Dadurch wird die braune Eigenfarbe bis auf wenige Stellen überdeckt, doch gibt sie weiterhin den Grundton an.

Das ist nun mein 16. Beitrag zu Amoraks Blog-Challenge September in Farben.

Veröffentlicht unter Farben, Fotocollage, Fotografie | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

112 Stufen, 105: Dankbarkeit (Kinder-Gebete, Friedrich Rückert)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Ich erinnere mich an allerlei kindliche Dankgebete, wenngleich das Abendgebet nicht zur Familientradition gehörte. Aber ein kleines Gebet sprach die Oma vor dem Mittagessen:

Wir danken dir, Herr,

denn du bist freundlich

und deine Gnade währet ewiglich.

 

Es war ein Hiatus, ein Atemholen, bevor wir über das Essen herfielen. Viel verstanden habe ich damals wohl nicht, denn dieser „freundliche Herr“, dessen „Gnade“ uns das täglich Brot bescherte, hatte sich mir nicht vorgestellt. Dagegen wusste ich, dass die Mutter und die Oma dafür gesorgt hatten, dass ich satt wurde. Ihnen aber brauchte ich nicht dankbar zu sein, denn es verstand sich von selbst, dass sie mir zu essen gaben.

Also habe ich Dankbarkeit gegen Menschen als Kind nicht gelernt. Ich bedaure das.

Es gab noch einen zweiten Spruch:

Komm, Herr Jesus,
sei unser Gast,
und segne, was du uns bescheret hast.

Den verstand ich wohl auch nicht, aber er gefiel mir, denn er spricht von Gastfreundschaft. „Sei unser Gast“ – wie schön, wenn jemand zu Gast kam und an unserem bescheidenen Tisch Platz nahm!  Diese Freude und ja, auch Dankbarkeit, fühle ich bis heute.

Später zirkulierte ein anderes Gebet am Familientisch, das lautete:

Erde, die uns dies gebracht

Sonne, die es reif gemacht

Liebe Sonne, liebe Erde,

euer nie vergessen werde.

Sicher kann sich ein Kind unter Sonne und Erde mehr vorstellen, als unter dem „Herrn“, und es ist gut, sich jedesmal daran zu erinnern, welche Rolle Sonne und Erde für unser „täglich Brot“ spielen. Doch wieder fehlen die, die durch ihrer Hände Arbeit das Essen auf den Tisch bringen. Hätte der Spruch geheißen:

Mama, die du uns die Nahrungsmittel mühevoll herangeschafft hast

Oma, die du sie in genießbares Essen verwandelt hast

Liebe Oma, liebe Mama

ich will euch das nie vergessen

…ich glaube, es hätte mir gut getan. Dankbarkeit ist ein schönes Gefühl, und es ist gut, es in sich zu entwickeln. Es wärmt von Innen. Da ich es nicht gelernt habe, sondern die Arbeit der anderen als „gegeben“ hinnahm, liegt die Dankesflamme unter Asche, und ich muss sie jedesmal bewusst anblasen und neu in mir entfachen, damit mein Herz erglüht und meine Augen in Dankbarkeit aufleuchten angesichts all der Wohltaten, mit denen mich die Mitmenschen (und die Erde, der Himmel, das ganze Weltall) überhäuft haben.

Einer, der viel von Dankbarkeit verstand und auch in die richtigen Worte fassen konnte, war Friedrich Rückert (1788–1866), den ich gerade wiederentdeckt habe.

Die Dankbarkeit ergeht nicht in des Handelns Schranken

Die Dankbarkeit ergeht nicht in des Handelns Schranken,

Die Dankbarkeit besteht, das Wort sagts, im Gedanken.

 

Mein Denken dankt, es ist mein Dank euch zugedacht,

Wenn auch ihn weder Wort noch Werk bemerklich macht.

 

Undankbar waͤr’ ich sonst in einem wicht’gen Falle;

Denn wem am meisten Dank ich schulde, todt sind alle.

 

Mit Worten kann ich mich bei ihnen nicht bedanken,

Doch sie begnuͤgen sich mit dankenden Gedanken.

(aus „Die Weisheit des Brahmanen“ (1836-39), gefunden bei https://kalliope.org/da/work/rueckert/1836b)

Besser wärs natürlich schon, Dankbarkeit nicht in später Reue, sondern sogleich zu empfinden und seinen Mitmenschen freudig mitzuteilen.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Autobiografisches, Dichtung, Erziehung, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Philosophie, Psyche, Stufen Blog-Challange | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 5 Kommentare

Farben im September (und kleine Beobachtungen): elektrisch-sonniges Schattenblauviolett

Ich sah meinen Schattenriss an der gegenüberliegenden Zimmerwand, dort hingeworfen von der niedrig stehenden Sonne. Das Dunkelviolett des Schattens wurde teilweise aufgelöst durch ein sehr intensives elektrisches Blau, das von der Wilan-Verstärkung in der Steckdose ausgeht. Und so wäre auch das erklärt.

Nicht verstehen kann ich hingegen, warum die Sonne meinen Schatten gleich doppelt abbildete…Und während die Armhaltung annähernd dieselbe ist, ist der Kopf mit dem Handy um 180 Grad gedreht.

Dies ist mein 15. Beitrag zu Amoraks Blog-Challenge September in Farben.

Veröffentlicht unter Allgemein, Elektronik, Farben, Fotografie, kleine Beobachtungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 3 Kommentare

Farben im September: Kätzchenweißgold

Als ich von Athen in die Mani zurückkam, stellte ich fest, dass sich die kleine Mamsell wunderbar vermehrt hatte. Tja, ein ziemlicher Schock. Dachte ich doch, ich hätte die Katzenvermehrung im Griff. Ich wusste zwar, dass sie schwanger war, doch als sie dann wieder dünn war und weit und breit kein Katzenkind, dachte ich, der Kelch sei an mir vorübergegangen. Mamsell ist selbst noch ein Kind, aber nun stolze Mutter von vier.

Drei haben sich hier mit ihr in der Sonne platziert, das vierte brachte sich sofort in Sicherheit, als es mich erblickte. Wo? Im Trockeraum neben dem Wasserreservoir. Der ist mit einem eisernen Deckel verschlossen, aber im Boden ist ein Stein etwas zerbröckelt, so dass ein Loch entstand, groß genug, damit die kleine Katzenmama hindurchpasste, dort ihre Kinder zur Welt brachte und sie so lange versteckte, bis sie groß genug waren, feste Nahrung zu fressen.

Dies ist mein 14. Beitrag zu Amoraks Blog-Challenge September in Farben.

Veröffentlicht unter Farben, Fotografie, Leben, Natur, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , | 11 Kommentare