Fernweh eines Baumes

Sechs gewaltige Pinien standen im Kreis. Sie sangen im Kanon:

Warum in die Ferne schweifen?

Sieh, das Gute liegt so nah.

Die siebte Pinie aber konnte sich nicht mit dem nahen Glück befreunden. Sie strebte ins Weite, hinaus aus dem Kreis.  Gewaltig war die Kraft, die sie hinaustrieb. Doch da waren die Wurzeln, die hielten sie fest. Sie wand sich, sie verbog sich und fand ihren Weg, hinaus, ins Freie.  Ihren Wipfel kannst du nicht sehen, wohl aber die Kraft spüren, die in ihr wirksam ist.

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Royush-unterwegs: „Hütte“ für den Hund

Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ #39

Roland schreibt in seinem Einladungstext: „Das Wort Hütte kommt von dem mittelhochdeutsch hütte, althochdeutsch hutta; eigentlich = Bedeckende, Umhüllende“.

Da fiel mir die große mit Plastikplanen sorgfältig gegen Feuchtigkeit geschützte Hunde-Hütte neben der Apotheke ein. An sonnigen Tagen liegt der Hund Max oben drauf, und die gepflegten Katzen kommen zu ihm, um ihn zu beschmusen. Meistens aber liegt er in der Hütte, und nur seine Schnauze schaut heraus. Wenn er mich sieht, setzt er sich in Bewegung. Freilich ist er nun schon ein wenig faul geworden. Denn er wird zwar heiß geliebt und verwöhnt von seiner in die Jahre gekommenen Herrin, doch so ganz ohne Spaziergang und Hundegesellschaft zu leben, zermürbt auch den frischesten Hundegeist und macht ihn träge.

Das Foto habe ich schon einmal unter dem Titel Wir haben es gut veröffentlicht.

 

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Bei der mykenischen Grabanlage

Als mich der Anruf erreichte, ob ich Lust hätte mitzukommen, ließ ich alles stehen und liegen und brauste los. Der Tag war herrlich frühlingshaft. Wir – zwei Väter und Mütter, drei Kinder, zwei alleinstehende Frauen und ich – besuchten die mykenischen Gräber, von denen ich hier erzählte. Die Beschreibung kann ich daher überspringen.

An einem Grab setzte ich mich hin und versuchte zu zeichnen. Viel wurde nicht daraus. Aber als Überblendung eines Fotos machen sich die drei Skizzen ganz gut. Denn sie schaffen eine ganz persönliche Fokussierung.

Die siebenjährige Andrianna kam gucken, was ich trieb, und zeichnete mir eine Prinzessin (farbverstärkt)

Die dreijährige A betrachtet aufmerksam eine Gorgone, die Adrianna ihr schenkte.

Auch die Mütter der beiden tauschen sich aus.

Hier noch ein Extra-Foto für Christiane:

Am Asklepion-Heiligtum, das wir auch diesmal besuchten, zog ein Baum meine Aufmerksamkeit auf sich: Der Baum oder vielmehr das Baum-Ensemble hatte fünf Stämme, hell wie von Platanen oder Birken, die Blätter waren eiförmig, leicht gezackt und gelbgrün. Auch die Freundin neben mir wusste den Namen nicht. Du vielleicht?

 

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Olivenernte (vorgestern bis heute)

Olivenbaum und Aprikosenbaum

Erstmals haben wir im November geerntet, sonder im Dezember oder Januar. Die Oliven sind in diesem Jahr früher reif geworden. Wie ihr sehr, hat sich das Laub des Aprikosenbaums noch nicht verfärbt.

Mit dem Wetter hatten wir Glück: es regnete nur nachts, tagsüber blieb es trocken.

Die Ernte ist recht gut. Elf große Jutesäcke füllten sich, und ich brachte heute 100 l frisch gepresstes Öl aus der Ölmühle in Stavropygio nach Haus.

Den Pressvorgang habe ich diesmal nicht verfolgt. Wenn du die Mühle von Innen sehen willst, schau hier.

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Badestelle (heute)

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Impulswerkstatt: Meer

Einladung zur Impulswerkstatt November, Dezember 2021

„Ein Foto vom Meer darf natürlich nicht fehlen. Dies ist eines ohne nennenswerte Wellen, ohne Schiffe und ohne Strand. “ So schreibst du in deiner Einladung, liebe Myriade. Ich weiß nicht, wo dies Foto aufgenommen wurde. Es ist eine Atmosphäre, die auch hier heute herrschte. Nun, nicht ganz dieselbe, natürlich.

Es war um die Mittagszeit, und ich kam von Besorgungen aus Kalamata zurück. Still und leer das Meer. Die melancholische Stimmung des beginnenden Winters, die ich liebe, hüllte den Geröllstrand, das Meer, die ferne Landzunge ein. Nach rechts schaute ich…

und nach links, unentschlossen, wo ich mich niederlassen sollte, um zu sinnieren und vielleicht auch ein wenig zu zeichnen.

An diesem Strand gibt es überall kleine Bauten, um den sommerlichen Gästen das Sitzen direkt am Meer zu ermöglichen. Sie bestehen meist aus dicken Bohlen, ein paar Blumenkästen, Tischen, Stühlen und Bänken, und Sonnenschirmen. Auf einen vom nächtlichen Regen noch feuchten Stuhl mit Korbgeflecht setzte ich mich und zeichnete das…. Fast-Nichts. Kennst du den Roman „Oceano Mare“ von Alessandro Baricco?  Da gibt es einen Maler, der malt das Meer mit Meerwasser. „Nichts“ sehen die Menschen, die seine Bilder anschauen.

Obgleich ich das Buch von Baricco sehr liebe, ging ich nicht so weit wie dieser Maler, sondern zeichnete mit Kugelschreiber, bemüht, in dem Fastnichts doch noch das eine und andere festzuhalten: einen Horizont,  ins Meer hineingebaute Buhnen, Wolken und Geröll. Wolkenschatten auf der spiegelnden Oberfläche.

Am Meer zu sitzen und in das Fast-Nichts hineinzuträumen – wer hätte da Einwände? Wer braucht da „Etwas“, um das Fast-Nichts zu füllen? Ich nicht. Aber beim Zeichnen ist es denn doch etwas fad, sich mit ein paar Linien begnügen zu müssen. Also wechselte ich meinen Sitzplatz, schaute von dort nach rechts zu den drei zusammengefalteten Sonnenschirmen, entdeckte auch am Horizont drei Tanker, die vor der gegenüberliegenden Küste vor Anker lagen. Vorn links aber sah ich drei Holzpfähle, Reste einer Buhne, die der Küste ungenügenen Schutz bot.

Von den Sonnenschirmen machte ich gleich noch ein Extra-Portrait: Sie stehen da wie drei wanderlustige Wesen, denen man den Rock zusammengebunden hat, denn Wolken und Berge locken gar zu sehr.

„In Wirklichkeit“  sahen die Schirme so aus – daneben überblendet mit der Zeichnung.

Ganz ähnlich wie auf deinem Foto, Myriade, gibt es auch hier eine Mole. Aber sie ist aus schweren groben Bruchsteinen gebaut – ein Verteidigungswerk gegen die winterlichen Überflutungen. Um drauf spazieren zu gehen, sind sie nicht geeignet. Ich zeichnete sie hier zusammen mit der Kulisse unseres Dorfes und einer müde herabhängenden griechischen Nationalflagge.

Und hier eingepasst in ein Foto, das ich in eben dieser Blickrichtung machte.

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Royusch Fotochallenge: Volkstrauertag

Roland zitiert zur Einstimmung in den Fotochallenge dieser Woche den vorigen Bundespäsidenten Joachim Gauck mit den abschließenden Worten seiner Totengedenkrede:

„Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Unterwegs in Griechenland trifft man an vielen vielen Orten auf Gedenktafeln. Da werden die Namen und das Alter derjenigen genannt, die hier einst zu Hause waren und während der deutschen Besatzung (1941-1944) oder im anschließenden Bürgerkrieg (1945-1949) durch Waffengewalt zu Tode kamen. Die Tafeln des Fotos sah ich kürzlich in der Nähe eines fast verlassenen  Dorfes im Taygetos-Gebirge: links die Opfer der deutschen Besatzung, rechts die Toten des Bürgerkriegs. Und über beiden Tafeln steht quer:

ΠΟΤΕ ΞΑΝΑ ΠΟΛΕΜΟΣ

ΕΙΡΗΝΗ ΣΕ ΟΛΟΥΣ ΤΟΥΣ ΛΑΟΥΣ

und das heißt: Nie wieder Krieg – Frieden allen Völkern.

Ich bleibe vor solchen Tafeln immer stehen und lese Namen und Alter. Besonders natürlich die Namen und das Alter derjenigen, die Opfer meiner Vätergeneration geworden sind (auf der linken Tafel von 14 bis 81 Jahren).

Sie sind hier reinmarschiert und haben gewütet. Die Toten bezeugen es bis heute. Und so ist mein Herzenswunsch als Deutsche ein doppelter:

Mögen uns die vergeben, die unter der deutsche Besatzung Schreckliches erlitten haben. Mögen nie wieder Kriegshandlungen von deutschem Boden ausgehen.

Und ja: Mögen alle Völker der Erde in Frieden leben dürfen, auch mein eigenes Volk.

NIE WIEDER KRIEG

FRIEDEN ALLEN VÖLKERN

 

 

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Zimmerreise: Z wie Zwischendeck & Zentralheizung

Zwischendeck ist ein Wort aus der Schifffahrt: auf Frachtern ist es der Raum zwischen dem Passagierdeck und dem Tankdeck (doppelverschalte Außenhaut). Dort transportierte man die Sklaven, die armen Auswanderer, das Lebendvieh. Ich bin mal von Marseilles nach Algerien in einem solchen Schiffsbauch gereist – und wenn ichs recht überlege, ist das Wort Zwischendeck für die Räumlichkeiten hinter meinem Atelier doch nicht ganz passend. Denn die Zwischendecks sind zwar niedrig und schlecht belüftet, aber riesig, unsere Zwischenetage aber ist eng und verzweigt. Doch wie soll ich sie nennen? Zwischenlager? Zwischenraum?

Erreichen kannst du dieses „Zwischendeck“ über eine Rampe, denn als wir bauten, dachten wir an die Möglichkeit, dort Ölfässer hochrollen zu müssen. Immerhin gibt es ein schmiedeeisernes Geländer, an dem ich mich hochhangeln kann, wenn ich die stufenlose Rampe erklimme, um zB zur Atelier-Toilette zu gelangen. Ich öffne dann die eiserne Tür, die das Zwischendeck im Falle von Feuer isoliert, und schaue in einen schlauchartigen Gang, der sich wundersamer Weise nach rechts und links verzweigt.

Und, was siehst du? Aha, ein Zwischenlager für Drachen! ruftst du vielleicht. Oder für Sommerliegen? Nun  ja, auch das.

Linkerhand gibt es zwei weitere Eisentüren. Du ahnst schon, was dahinter ist: in dem einen Raum steht der Brenner für die Zentralheizung, und in dem anderen die große Wanne aus Hartplastik, in der sich das Heizöl befindet. Doch da ich immer mehr Lagerraum brauche, als ich habe, gibt es in diesen Räumen auch Bilderrahmen, Leinwände, Koffer, Farbtöpfe von Malerarbeiten und ich weiß nicht was noch.

O wie langweilig! sagst du. Ich aber antworte: Manchmal ist es notwendig, auch in solche Nutzräume hinabzusteigen. Der Brenner hat kürzlich geleckt, eine Lache von Heizöl bildete sich darunter, und o weh, es stank entsetzlich, und das Säubern war mühsam. Eben jetzt warten wir auf den Heizungstechniker, der nach dem Schaden sehen soll. Denn solange der nicht behoben ist, können wir nicht heizen.

Während wir warten, werfen wir einen schnellen Blick in den Rest des Zwischendecks – und da wird es dann doch recht interessant  Denn hier sind Erinnerungen in Form von Büchern und Bildern zwischengelagert. Stundenlang könntest du stöbern und kämest an kein Ende. …

 

Dies ist mein zweiter Beitrag zum Buchstaben Z in Puzzleblumes Zimmerreisen.

 

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Projekt ABC bei Wortman: W wie Widderkopf

Projekt ABC von Wortman.  W wie Widderkopf.

Ich fand diesen Schädel mit dem gewaltigen Gehörn vor Jahren, aufgesteckt auf einen Zaunpfosten auf der Insel Samothrake (nordöstliche Ägäis), und gestattete mir, ihn mitzunehmen. Jetzt schmückt er die Fensterbank meines Ateliers.

Immer wieder habe ich versucht, ihn zu zeichnen oder auch zu malen. Ein paar Beispiele:

 

„Widderkopf bei Vollmond“ (Kohle)

im Profil: Bleistift. Ölkreide                            en face, auf dem Hocker: Bleistift

  Widderkopf, Bleistift (Gerda)Farbskizze (Pigmente, Kleister)

Bleistiftzeichnung, leicht digital bearbeitet:

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Zimmerreise Z wie Zeichenblöcke …

Leider ist schon die letzte Runde der Zimmerreisen, die Heide von Puzzleblume erdachte,  angebrochen  Diesmal sind die Buchstaben X,Y,Z dran.

Die Buchstaben X und Y sind als Anfangsbuchstaben im Deutschen rar – nicht aber im Griechischen. Also wird sich da schon etwas finden lassen. Spontan aber fielen mir gleich mehrere Z-Dinge ein.

Zeichenblöcke, Zeichenuntensilien, Zeichentisch, Zeichnungen …  – davon kann ich ein Lied singen. Gleich wenn du mein Atelier betrittst, liebe Heide, siehst du linkerhand vors Fenster gerückt meinem Zeichentisch, der aus einer braun gestrichenen Platte auf Böcken besteht. Darauf liegen jede Menge Zeichenutensilien: Bleistifte, Buntstifte, Kohle, Federhalter, Ölkreiden, Radiergummis, Klemmer, Fixativ, Kugelschreiber, Tintenfässer, und ich weiß nicht was noch. Zum Glück ist es eine große Tischplatte, auf der viele Schuber Platz haben und dennoch auch eine freie Fläche bleibt, auf der ich arbeiten kann. Könnte… denn für große Zeichnungen benutze ich entweder Auflagen, die ich auf die Stühle oder den Boden lege, oder die Staffelei, und zeichne im Stehen.  Und kleine Zeichnungen mache ich meist irgendwo anders sitzend.

Bist du an dem Zeichentisch vorbei, gibt es wiederum Ablageflächen, diesmal auf einer Kommode mit tiefen Schubfächern, die vollgestopft sind mit Zeichen- und Malutensilien, sowie auf einem Behelfsbrett, das den Übergang zum nächsten Tisch mit seinen Ablagen bildet. Darauf habe ich einige meiner kleineren bis mittelgroßen Zeichenblöcke gestapelt, die darauf warten, durchgesehen und geordnet zu werden. Ich vermute, sie werden noch lange dort liegen. Denn Neues zu schaffen ist mir weit angenehmer als Altes zu sichten und aufzuräumen.

Ein paar davon habe ich heute nach dem Zufallsprinzip geöffnet, denn geschlossene Zeichenblöcke sind wie geschlossene Räume. Man möchte doch gern mal hineinschauen.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was das Atelier an Zs beherbergt. Es ist geradezu eine Z-Schatzkammer. Wo du hinguckst: Z wie Zeichenpapier, Zeichnungen, Zeichenkohle, Zeichenutensilien…Und wenn ich mich durch die Zeichenblocks hindurchblättere, ist es wie eine Zeitreise.

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