Die Harmonisierungsmaschine in Betrieb: Vom Tag zur Nacht (Impulswerkstatt)

Die Harmonisierungsmaschine in Betrieb

Eine Spielerei mit poetischer und musikalischer Anleihe, anknüpfend an meinen gestrigen Eintrag zur Impulswerkstatt von Myriade.

Ein leichtes Erzittern zuerst, dann beginnt sie sich zu drehen. Die Einzelformen verschwimmen, löschen sich gegenseitig aus. Nur der Fisch am oberen Rand entzieht sich dem Wirbel.

Dann verblassen auch die Farben, eine löscht die andere aus, Einfarbigkeit stellt sich her.

Wo bist du nun, lustige Buntheit der Welt? Vielgestaltig-banal, verrückt und laut warst du, und wirst nun eingesogen in den Trichter der Nacht.

(…) Fernab liegt die Welt – in eine tiefe Gruft versenkt (…) In Thautropfen will ich hinuntersinken und mit der Asche mich vermischen. – Fernen der Erinnerung, Wünsche der Jugend, der Kindheit Träume, des ganzen langen Lebens kurze Freuden und vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach der Sonne Untergang. (…)

Was quillt auf einmal so ahndungsvoll unterm Herzen, und verschluckt der Wehmuth weiche Luft? Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was hältst du unter deinem Mantel, das mir unsichtbar kräftig an die Seele geht? Köstlicher Balsam träuft aus deiner Hand, aus dem Bündel Mohn. Die schweren Flügel des Gemüths hebst du empor.

Novalis, Hymnen an die Nacht.

Nun noch eine ganz besondere Darbietung, die ich heute entdeckte.

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Dichtung, die schöne Welt des Scheins, elektronische Spielereien, Impulswerkstatt, Kunst, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Musik, Natur, Psyche, Trnsformation abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

26 Antworten zu Die Harmonisierungsmaschine in Betrieb: Vom Tag zur Nacht (Impulswerkstatt)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Hab noch nicht alles gelesen.
    Zu: Die Harmonisierungsmaschine: Die Idee finde ich prima und Deine Schnipselarbeit auch.

    Gefällt 2 Personen

  2. Gisela Benseler schreibt:

    Hab noch nicht alles gehört.👂
    Aber die ersten Töne schon sagen mir: Das ist etwas Einmaliges!❤💛💓💕💙💚💖💗💘💝💞💟

    Gefällt 2 Personen

  3. Gisela Benseler schreibt:

    Der „Trichter der Nacht“. –

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Nur der Fisch am oberen Rand…🐋

    Gefällt 1 Person

  5. Gisela Benseler schreibt:

    Dieser Gesang!🌈🌹

    Gefällt 1 Person

  6. Das Leben wird eingesogen, was spuckt die Maschine wohl wieder aus, ganz klar eine triste farblose Gesellschaft! Alles sieht gleich aus, alle sind gleich, es gibt nur schwarz weiß!
    So meine Gedanken zu Deiner Legearbeit und die Bearbeitung!
    Zum musikalischen Teil, daß ist nicht so meine Musikrichtung, aber die Dame scheint ihre Gesangskunst zu beherrschen!

    Gerda ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Babsi! Deine Interpretation des Bildes war auch in mir, aber es war nicht die einzige. Leela schreibt noch sehr Interessantes dazu, und vielleicht kommt ja auch noch von anderen das eine oder andere dazu.

      Gefällt mir

  7. kopfundgestalt schreibt:

    Mit der Musik kann ich wenig anfangen…schade.

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  8. Leela schreibt:

    Der Beitrag fasziniert mich. Er enthält so umfassend viel. Vom Sonnenuntergang in die Nacht. Vom Leben zum Sterben. Vom Mohn, der in der Nacht die Flügel des Gemüths erhebt. Die Farben verschwinden. Der Wirbel… ob der Fisch und die Reststücke ihm entkommen? Ich kenne diesen Wirbel. Einmal begegnete er mir. In der Nacht im Traum. Es war grauenvoll. Aber vielleicht nur deshalb, weil ich gegen ihn ankämpfte und schreiend erwachte. Was wäre geschehen, wenn ich mich ihm voll Vertrauen überlassen hätte? Ich weiß es nicht. Vielleicht wäre ich aufgetaucht in einen neuen bunten Morgen?
    Lange, lange, trieben mich Arien in die Flucht. Seit längerer Zeit ist das nicht mehr so, dennoch höre ich fast nie welche. Meinen Mann treiben sie nämlich noch immer in die Flucht. Diese Hymne an die Nacht ist sehr besonders und berührend. Und sie passt wunderbar zu dem Text obwohl ich kein Wort verstehe. Danke Gerda, für den Beitrag

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    • gkazakou schreibt:

      Ich danke dir sehr für deine Antwort, die so viel anregt. Ja, auch mich regen die Verwandlung des Bildes, die Hymne, die Musik … zu weiterem an, weiß noch nicht, wohin es mich führt.

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    • lachmitmaren schreibt:

      Spannend für mich, dass dir das auch „passiert“ ist mit dem Wirbel. Es war auch für mich eine unglaublich furchteinflößende Erfahrung. Ich war noch ein Kind. Vielleicht 6 oder 7. Und plötzlich eines Nachts in diesem Strudel (oder Wirbel), der mich in sich aufsog. „Vertrauen“ in diesen Strudel hatte ich auch nicht … .

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  9. Myriade schreibt:

    Ich denke, ich mag die Maschine nur solange sie sich langsam bewegt. Von den zu schnellen Umdrehungen und von der Verwandlung der Welt in einen Einheitsbrei sollte man wohl absehen. Interessant finde ich, dass der Fisch zwar seine Farben verliert, aber seine Gestalt behält…

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    • gkazakou schreibt:

      So geht es wohl den meisten, liebe Myriade; dreht sie sich zu schnell, packt uns der Schwindel, und wir meinen, in einen Strudel gezogen zu werden. Mir gehts grad so – allerdings befinden wir uns in Europa im Auge des Taifuns, wo es extrem ruhig ist, die allzu schnelle, alles verschlingende Bewegung findet in der Peripherie statt, will mir scheinen. Der Fisch entkommt dem Strudel, ja, es tat mir leid um ihn.;)

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      • Myriade schreibt:

        Also ist die Harmonisierungsmaschine eigentlich kein wirklich positives Instrument und könnte auch Chaos-Maschine heißen … wenn ich Schnipsel legen würde, würde ich, glaube ich, aus dem entkommenen Fisch eine neue (Wasser)welt legen 😉

        Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Es kommt wohl auf den Blickwinkel an. Ein Gott würde vielleicht solchen Strudel als sehr befriedigend erleben – zB bei der Sintflut, wo endlich all das widerspenstige dumme zu Bosheit neigende Menschengeschlecht im allgegenwärtigen Wasser ersoff. Aber dann täts ihm auch wieder um seine Schöpfung leid und er ließe einen entkommen. Der Fisch ist vielleicht so einer. Und nun sagst du, ich soll daraus eine neue Welt entstehen lassen? Ja, warum eigentlich nicht? 😉

      Gefällt 2 Personen

      • Myriade schreibt:

        Ich bin zwar nicht gerade ein Muster an Bescheidenheit, aber mit einer göttlichen Perspektive tue ich mir dann doch schwer 😉 🙂
        Ich würde bei so einem Massaker jedenfalls mindestens einen Fisch und noch dies und das andere entkommen lassen. Zwar ist die Geschichte der Arche Noah eine der absurdesten wenn sie man sie wörtlich nimmt, aber der Gedanke des Überleben Lassens einiger weniger gefällt mir schon gut

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    • gkazakou schreibt:

      Sintflut oder Deukalionische Flut … das Motiv ist weit verbreitet und geht wohl auf eine tatsächliche Katastrophe zurück. Ein paar Überlebende, hm, und zwar wer?

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  10. * Ein leichtes Erzittern zuerst, dann beginnt sie sich zu drehen.*
    Genau so habe ich es mir auch gedacht, liebe Gerda, als ich zum ersten Betrag kommentiert habe.
    Nun sieht man das viel zu schnelle Kreisen, das Drehen, das uns schwindelig macht. Ich bin einmal mit einer Achterbahn gefahren vor Jahren, aber dann nie mehr. Es wr zu grauenvoll. Ich hatte das Gefühl, ich stürze mich freiwillig in meinen eigenen Tod…
    Ich hatte nur einen Gedanken und den immerzu: Raus aus dem Ding und dem Himmel sei Dank, daß ich es lebend geschafft habe.
    Die kreisenden Farben empfinde als ganz wundervoll und erschrecke, als die Farben verschwinden und der Trichter der Nacht alles Schöne schluckt. Ein Vielfraß, der nicht genug bekommt…

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  11. Johanna schreibt:

    Gerda, es ist sehr beeindruckend. Wieder mal hast Du uns am Schopf gepackt und auf eine emotionelle Reise genommen… die Idee der Harmonisierungsmaschine ist toll aber das Wort Maschine gibt mir ein unwohles Gefühl… und auch wenn das Drehen schön ist, so verliert man doch Orientierung und weiss nicht mehr wo die Reise hingeht. Die Frage ist, wer betreibt die Maschine und warum? Vielleicht ist es eine Gleichmachereimaschine?

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      😉 Das dachte ich mir auch. Musik und Novalis verschleiern diese düstere Perspektive. Es ist nach meiner Wahrnehmung nämlich oft so, dass sich die schlimmsten Entwicklungen wie Zwillinge des Schönsten ausnehmen. Licht und Schatten. ZB was die „Gedankenübertragung“ angeht: wie schön ist es doch, zu fühlen was der andere denkt! Aber wenn dieser Gedankenlesevorgang mit dem Ziel der Machtausübung und Kontrolle maschinell eingeleitet wird, ist es satanisch.
      In vielem scheint unsere Entwicklung zur Vereinigung des Vielen im Einen zu führen — aber nicht auf dem hellen geistigen, sondern auf dem finsteren elektronischen Weg. Die Materie wird überwunden? Nein, sie wird nur immer unsichtbarer. Es ist der winzige kaum noch wahrnehmbare stoffliche Rest, an dem man den Unterschied festmachen kann.

      Statt Überwindung des Egoismus und liebenden Aufgehen im Großen Ganzen – Globalisierung unter der Herrschaft einer unsichtbaren „Elite“. .
      das sind so Gedanken.

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      • Johanna schreibt:

        Das ist eine Überlegung wert: dass das Hellste immer mit dem Dunkelsten, das Schönste mit dem Schlimmsten daherkommt…. wo das Licht am Hellsten, ist der Schatten am Schwärzesten… aber warum? Weil das Licht das Dunkle aufzeigt? Oder weil das Dunkle das Licht als Bedrohung sieht und sich aufbäumt? Ich denke, das Dunkel weiss, dass es in einem wirklichen Kampf dem Licht immer unterlegen ist….daher spielt es unsauber, unsachlich, mit verdeckten Karten und macht immer ein grosses Geschrei….
        Können wir Hoffnung haben, dass auch in diesem Dunkel das helle Licht zur Stelle ist?

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