Bau einer Harmonisierungsmaschine (Impulswerkstatt)

https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2021/05/03/einladung-fur-die-impulswerkstatt-mai/

Liebe Myriade, dieses Foto deiner Mai-Einladung wirkt auf mich wie der Inbegriff der harmonischen Gesetze, die in der Natur herrschen. Das Wasser, angetrieben zwar durch einen von Menschen installierten Mechanismus, steigt und fällt in dem von den Naturgesetzen vorgeschriebenen Bahnen und Rhythmen. Was höher hinauf will, findet irgendwann seine Grenze, wie alles in der Natur, und sinkt hinab. So kommt es zu einem harmonischen Ausgleich zwischen dem Hinaufsteigen und dem Herabfallen. Nichts ist endlos in einer Richtung unterwegs, das eine löst das andere ab, geht in das andere über.  Und obgleich die Gesetze streng sind, wirkt das Ergebnis keinen Augenblick starr, sondern lebendig. So ist die Natur: lebendig geordnet.

In der menschlichen Gesellschaft geht es bekanntlich nicht so harmonisch zu. Was oben ist, will immer höher hinauf, will ewig leben und denkt nicht ans Absteigen und Sterben. Auch stehen sich die Elemente einer Gesellschaft oft frostig oder sogar feindlich gegenüber und selten zur Seite, hingegen sehr oft im Wege, sie stoßen sich gegenseitig aus der Bahn, versuchen es wenigstens. Na, du weißt schon, kennen wir ja alle. Oder hast du je ein harmonisches Lehrerkollegium erlebt, wo jeder jeden gelten lässt, niemand da ist, der dauernd die erste Geige spielen will, niemals jemand den anderen schikaniert etc pp?

Da dachte ich, ich baue mal eine Harmonisierungsmaschine, die Abhilfe schafft. Die Schnipsel, die ich dafür verwendete, stammen von Leela und eignen sich bestens für dies Experiment, da sie vielfarbig und irgendwie störrisch sind. Ich gebe zu, dass es keine leichte Aufgabe war, sie zu harmonisieren, denn die Menschen sträuben sich gegen derlei Eingriffe, jeder hat seinen eigenen Kopf und hält ihn für den Besten. Auch ist die Maschine, die ich schließlich zustande brachte, wohl nicht sehr funktionstüchtig. Aber immerhin habe ich einen Versuch gewagt. Und so zeige ich hier gut gelaunt zwei Phasen meiner Zwitschermaschine – o, Pardon, nein, ich meinte natürlich: meiner Harmonisierungsmaschine.

Harmonisierungsmaschine Phase 1

Hier sieht man, dass die Maschine nicht alle Teile erfassen konnte, sie liegen als Haufen am Boden. Auch scheitert so mancher Anlauf trotz entschiedenen Kraftaufwandes erbärmlich.  Rechts scheint eine Pirouette zu gelingen.

Harmonisierungsmaschine, 2. Phase

Hier scheint mir schon mehr Schwung in die Sache gekommen zu sein. Ein Fisch entspringt dem fallenden Wasser … und was sonst noch so geschieht.

Danke dir erneut, liebe Myriade, für deine so anregenden Impulse.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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22 Antworten zu Bau einer Harmonisierungsmaschine (Impulswerkstatt)

  1. PPawlo schreibt:

    Deine Harmonisierungsmaschine ist eine großartige Idee und ein toller Versuch! Sie scheint große Freude an ihrem friedenbringenden Job zu haben! 😄 Mein erster Gedanke: lauter Harmonisierungsmaschinen für uns Menschen! Impuls: Mach ich auch eine und lass mich von dir anstecken? Aber ach, ganz schnell kommen mir Zweifel, ob uns das schwungvolle in die richtige Richtung weisen nicht eher noch aggressiver entlässt. Ein natürlicher Kreis-Lauf ist das ja nicht. ABER: da kommt mir die Idee und das danke ich jetzt deiner Maschine: es gibt doch ein YouTube Video von einem Experiment: je zwei fremde Menschen sollen sich lange einfach nur in die Augen schauen. Und was passiert? Es sind mit der Zeit alle(?) gerührt und es gibt so manche Tränen. Dazu könnte man doch einladen! Danke für diesen Impuls! Liebe Grüße, Petra

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    • gkazakou schreibt:

      Na, da hat die Maschine ja schon einen schönen Gedanken befördert, liebe Petra. Ich kenne das vom Co-counceling, auch eine interessante Methode: Da guckt man sich auch in die Augen, und der eine bzw die eine hat eine halbe Stunde die volle Aufmerksamkeit des, der anderen, kann damit tun, was er, sie will: reden, weinen, schweigen, grollen, brülllen, singen, schlafen. Dann wechselt man.

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    • gkazakou schreibt:

      Sehr schön, danke. Es ist interessant, diese Gesichter zu beobachten, wie sie mit Lachen die Spannung zu mindern, ihr Selbstbewusstsein zu stärken versuchen, wie sie angenehm sein , aber auch ernst genommen werden möchten, und fürchten, sie könnten vielleicht versagen (jedenfalls einige, die beiden Afroamerikaner zeigen die größte Seelensicherheit), wie manche es als Leistungswettbewerb auffassen, der dann aber doch in liebevolle Zuwendung und endlich auch in gegenseitiges Verstehen umschlägt. So in Kürze, was ich hier bemerkte.
      Wie stark solch ein Sich-Ansehen wirken kann, hat auch Marina Abramovitsch (the Artist ist present) eindrucksvoll demonstriert.
      Übrigens habe ich gelernt (und auch erfahren), dass der erste Augenkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem über ihre künftige Beziehung entscheidet. Wo der nicht stattfindet – zB wegen Narkose oder weil das Kind zu schnell weggenommen wird -, entsteht ein lebenslanges Defizit an Bindungsfähigkeit. Die verbreitete Kaiserschnitt-Methode un die Narkose bei der Geburt sind insofern ein großes Problem. Man kann den nicht erlebten Augenkontakt aber therapeutisch nachholen.

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      • PPawlo schreibt:

        Das Video mit Marina Abramovitsch habe ich mir angeschaut . Die Geschichte dahinter und diese große Künstlerliebe ist sehr berührend! Danke für den Tipp und deine weiteren Gedanken! Liebe Grüße, Petra

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  2. Werner Kastens schreibt:

    Sieht für mich eher aus wie ein Ventilator, der alles harmonisch in der Luft rumwirbelt und uns schwindelig werden lässt.

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  3. Leela schreibt:

    wunderschöne Bilder und so ein wichtiges Ansinnen. Ich wünsche Gelingen…

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  4. Pingback: Illusionen

  5. Myriade schreibt:

    Ein sehr ansprechendes Maschinchen, liebe Gerda. Ich stelle mir vor, dass es verschiedene Intensitätsstufen hat. Die Harmonisierung ist die höchste Stufe, die erste, aber auch schon sehr eindrucksvolle ist das in Bewegung bringen und in die Luft wirbeln verfestigter Strukturen jeder Art.
    Aber ich glaube die Maschine wirkt schon ein bisschen, denn ich bin mit deinem Text ganz und gar einverstanden 🙂 🙂 Vielen Dank für den harmonischen und harmonisierenden Beitrag

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  6. Gisela Benseler schreibt:

    Das ist ja eine interessante Idee… Ernst und heiter, beides zugleich. Vielleicht lassen sich damit manche Probleme lösen?

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  7. Die Harmonisierungsmaschine ist Dir gelungen, liebe Gerda, und doch tut sie sich schwer.
    Ständig ist bei ihr eine Schraube locker und muß nachgezogen werden. Wildes Gewirbel ist die Folge, manches fällt runter und landet erst mal am Boden.
    Als Zwitschermaschine liebe ich sie sehr und sehe mir immerzu die erste Version an, weil sie mich eigentlich an eine zauberhafte Jahrmarktinstallation erinnert, ein Märchen voller Farben und Formen und jeder, der still steht und ihr Wirbeln und Drehen betrachtet, vergißt jegliche Aggressionen, die er mal hatte oder hätte haben können und findet sie nimmermehr …

    Und somit ist Deine Harmonisierungsmaschine rundherum märchenhaft gut gelungen, liebe Gerda 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Bruni, für deine feinen Betrachtungen. Ja, es gleicht einer Jahrmarktsinstallation, und wenn ich sie im nächten Post in Bewegung setze, ists wie bei einem überdrehten Karussell. Als ich ein Kind war, wollte ich auch immer gern Karussell fahren, konnte es aber leider nicht, da mich der Schwindel packte.

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